Handlungsfeld der Schulsozialarbeit


Hausarbeit, 2018

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Geschichte und Entwicklung der Schulsozialarbeit

2 Konzept der Schulsozialarbeit
2.1 Aufgaben und Ziele der Schulsozialarbeit
2.2 Zielgruppen der Schulsozialarbeit
2.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen
2.4 Begründungsmuster der Schulsozialarbeit am Ort Schule und Kooperationsmodelle

3 Handlungskompetenzen und Professionelles Handeln
3.1 Selbst- und Soziale Kompetenzen
3.2 Fachkompetenzen und Professionelles Handeln
3.3 Herausforderung und Optimierungen der Kooperation

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Bis vor einigen Jahren waren es noch die Lehrenden in den Schulen, die vorrangig das Gleichgewicht zwischen Wissensvermittlung, sozialem Hintergrund der Schüler und deren Familien schaffen mussten und sichtlich überfordert mit der Situation waren. Gesamtgesellschaftliche Problemlagen werden immer mehr zum Thema der Bildungseinrichtungen. Vor allem, weil die Schüler durch ihre Probleme oft kaum in der Lage sind, dem Unterrichtsverlauf zu folgen oder im Klassenverbund produktiv zu arbeiten. Familiäre Zusammenhänge werden zunehmend von gesellschaftlichen Wandlungsprozessen betroffen. Beispielhaft anzuführen wäre unter anderem die zunehmende Freisetzung von Arbeitnehmern auf befristete Arbeitsverhältnisse oder geringfügige Beschäftigungen. Genauso fordern Globalisierungstendenzen sowie internationale Arbeitsmigration, die Institutionen zu einem interkulturellen Wandel, neben den im Bildungskontext aufbrechenden religiösen und politischen Differenzen. Diese und viele weitere Probleme und Veränderungen zwingen die Lehrenden dazu, auf unabsehbare berufliche Anforderungen flexibel zu reagieren, welches langfristig als unmöglich zu betrachten ist. An dieser Stelle agiert die Schulsozialarbeit auch als eine Art Ausdruck auf die sich wandelnde gesellschaftliche Heterogenität (Just, 2016).

In diesem Sinne widmet sich diese Arbeit im ersten Teil allgemein dem Handlungsfeld der Schulsozialarbeit. Einleitend wird der Begriff zunächst definiert und der geschichtliche Hintergrund dargestellt sowie das Konzept erläutert. Darauf folgend werden die Entwicklungen, Ziele sowie Aufgaben der Schulsozialarbeit präsentiert und die gesetzlichen Rahmenbedingungen erklärt. Die anwendbaren Methoden sowie die Relevanz der Schulsozialarbeit am Standort Schule bilden dann den Abschluss des ersten Teils der Arbeit. Im zweiten Teil liegt der Schwerpunkt auf die wichtigsten Handlungskompetenzen und Herausforderungen des Arbeitsfeldes, welche ebenso definiert und begründet werden.

1 Geschichte und Entwicklung der Schulsozialarbeit

Die Entstehungsgeschichte zum heutigen Professionsniveau der Schulsozialarbeit hat ungefähr 40 Jahre angedauert (Hollenstein & Nieslony, 2012). Erste inhaltliche Ansatzpunkte, die an die Schulsozialarbeit erinnern, existierten jedoch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gertrud Bäumer (1873 - 1954), war zu ihrer Zeit als kritische Frauenrechtlerin, Lehrerin, Politikerin und Schriftstellerin bekannt, die früh auf die Kooperation zwischen Sozialpädagogik und Schule aufmerksam machte. Sie vertrat die Meinung, dass Schule seinem ursprünglichen erzieherischen Auftrag wieder gerecht werden müsse und sprach damit früh von einer unerlässlichen Verbindung von Jugendwohlfahrt und Schule als ein zusammenhängendes System. Ihre Forderungen waren, dass Schule die gesamte soziale Jugendpflege in ihren eigentlichen Kernarbeitspunkt aufnimmt und die Jugendhilfe von Jugendamt und Schule gemeinsam ausgehen müsse. In Folge dessen entwickelte sie erste Konzepte, wie Jugendhilfe und Schule miteinander agieren könnten, die bis heute in der Zusammenarbeit zwischen den beiden Instanzen bestehen geblieben sind (Bäumer, 1922, zitiert nach: Just, 2016, S.17).

Bäumers Vorstellungen konnten jedoch aufgrund des neuen Reichswohlfahrtsgesetzes (1922) nicht durchgesetzt werden, da sich die beiden Systeme Jugendwohlfahrtspflege, sowie Schule getrennt voneinander entwickelten. Grund dafür war die politische Orientierung des entstehenden Nationalsozialismus und seine damit immer deutlicher werdenden Abneigung, gegen den Gedanken des Individualismus eines jeden Menschen. So wurde die soziale Arbeit ebenso zu politischen Zwecken missbräuchlich instrumentalisiert (Just, 2016). Zwar entstanden bis 1930 im Bereich der Sozialpädagogik viele neue Arbeitsfelder, diese wurden jedoch mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus immer weiter abgeschafft. Mit der Verabschiedung des Gesetzes 1922 agierte somit die Jugendwohlfahrt neben der Schule, als eigenständiges staatliches Sozialisations- und Erziehungsinstanz. Jedoch wurde das ursprünglich humanistische Weltbild der Jugendwohlfahrt, das auf das Individuum abzielte, durch einen politisch geprägten Fanatismus abgelöst (Just, 2016).

Aufgrund der schlechten gesundheitlichen und sozialen Zustände um 1925, in denen Schulkinder leben mussten, entwickelten sich im Rahmen der Wohlfahrtspflege gewisse Maßnahmen zur Schulgesundheitsfürsorge. Darunter fielen beispielsweise Schulspeisungen, Gesundheitsfürsorge sowie die Errichtung von Ferienkolonien, die wieder zu ersten Verbindungen von Schule und Armenpflege führten (Just, 2016).

Erst 1960 wurde durch eine Bildungsreform das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz (RJWG) durch das Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) abgelöst und das Thema der Schulsozialarbeit erregt wieder öffentliches Interesse (Just, 2016).

Der Begriff der Schulsozialarbeit wurde jedoch erst in den 1970er Jahren wiederverwendet. Abels (1971) prägte diesen mit dem Aufsatz: Schulsozialarbeit. Ein Beitrag zum Ausgleich von Sozialisationsdefiziten (Just, 2016, S. 19). Ende der 60er Jahre wurde dann im Rahmen der Schulreformpläne eine neue Debatte für eine Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule diskutiert (Just, 2016).

1971 begann der Begriff Schulsozialarbeit sich durch die Häufigkeit seiner Benutzung zu etablieren und löste mit intensiven sozialpädagogischen Diskussionen auf der Institutionalisierungs- und Kooperationsebene eine Fachdebatte aus, die bis hin zum Richtungsstreit zwischen Jugendhilfe und Schule führte (Just, 2016, S.19). Die Jugendhilfe selbst musste, nachdem Forderungen zu internen Problembearbeitung gestellt wurden, viele teils erfolglose Diskussionen in Bezug auf begriffliche und konzeptionelle Vielfalt führen, sodass es zunächst nicht gelang, die Schulsozialarbeit schulpolitisch zu etablieren (Just, 2016). Auch in der Bildungsreform 1970 konnte der sozialpädagogische Ansatz nicht umgesetzt werden, sodass die Diskussion um Schulsozialarbeit 1980 erneut stagnierte (Just, 2016, S.19). Durch die Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten und Problemdruck zum Ende der 1980er Jahre wurde die Debatte wieder neu aufgenommen. Olk bezeichnet in den 1980er Jahren die neue Annährung als eine Art Wende -und Übergangspunkt, weil sie Modellversuche, Evaluationen und die Bildung neuer Themenbereiche ermöglichte und nun auch Themen wie Gewalt, Migrationsprobleme sowie Suchtprävention in den Fokus der Schulsozialarbeit gerieten und Fundament einer neuen gesetzlichen Grundlage wurden (Just, 2016).

In den 90er Jahren wurden dann durch verschiedene neue Impulse, wie Landesprogramme mit wissenschaftlicher Begleitforschung und die damalige Präsenz des Themas der Schulsozialarbeit in den ostdeutschen Bundesländern ein Qualitätsbewusstsein in den westdeutschen Bundesländern erschaffen, welches es weiterzuentwickeln galt. Durch die Komplexität und Unübersichtlichkeit jedoch, was Konzeptions-, Träger- und Kooperationsmodelle anging, konnte man auch Anfang der 2000er Jahre noch nicht vom „dem“ Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit sprechen (Just, 2016). Hinsichtlich der unterschiedlichen Qualitäts- und Fachdebatten bezeichnet Speck den allgemeinen Entwicklungsprozess der Schulsozialarbeit als ein 3- Phasen- Zeitfenster. So beschreibt er die erste Phase in den 1970er Jahren als konzeptionellen Richtungsstreit, worauf dann die zweite Phase der projektbezogenen Konzeptentwicklung in den 1980er Jahren folgte. Abschließend beschreibt er die letzte Phase in den 1990er Jahren als Qualitätsentwicklung und Selbstevaluation (Speck, 2006 zitiert nach: Just, 2016, S.20).

Durch die Publikationslage in der Fachliteratur konnte ab 2010 von einem „theoretischen“ Aufwind in der Schulsozialarbeit gesprochen werden, der im Zusammenhang mit studienrelevanten und schulsozialpädagogischen Thematiken an Hochschulen sowie Fachkongressen zu einer neuen politischen und wissenschaftlichen Grundlage wurde. Parallel dazu verabschiedete die Bundesregierung im März 2011, das Bildungs- und Teilhabepaket, welches bedürftigen Kindern aus Geringverdienerfamilien mehr Chancen auf ganzheitliche Entwicklung, Teilhabe am gesellschaftliche Leben, sowie auf dem Arbeitsmarkt geben sollte (Just, 2016).

Schlussfolgernd lässt sich festlegen, dass vielfältige wissenschaftlich- theoretische Ansätze und Erklärungsversuche, Forschungs- und Literaturbeiträge maßgeblich für die Entwicklung der Schulsozialarbeit waren und bis heute prägen. Jedoch scheint die Schulsozialarbeit an ihrem jetzigen Standpunkt einen Zwischenstand erreicht zu haben, in dem sie auch fundiert werden könnte und einer klaren rechtlichen Verankerung bedürfte (Just,2016).

2 Konzept der Schulsozialarbeit

2.1 Aufgaben und Ziele der Schulsozialarbeit

Das Konzept der Schulsozialarbeit hat sich weitestgehend seit seiner Entstehung von dem kompensatorischen Angebot für benachteiligte und beeinträchtigte oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche zu einem reichhaltigen Angebot an sozialpädagogischen Handlungsansätzen und -feldern entwickelt (Florecke, 2011). So umfasst die Schulsozialarbeit am Ort Schule alle Bereiche der Jugendhilfe mit dem Einsatz von Methoden und Handlungsansätzen der Sozialen Arbeit u.a. mit dem Zielen,

- Kinder und Jugendlichen bei der Bewältigung, altersspezifischer Entwicklungsaufgaben zu unterstützen,
- eine Möglichkeit zu schaffen, zur Lösungsfindung für individuelle sowie soziale Angelegenheiten, im Zusammenhang mit dem soziokulturellen Umfeld durch professionelle Beratung beizutragen,
- beim Abbau von Bildungsungleichheiten (bspw. durch soziale Herkunft) mitzuwirken,
- Schülerinnen und Schüler mit oder ohne Migrationshintergrund, durch kulturelle und soziale Integration in Schule und Gesellschaft zu befördern, ¾ das Zusammenleben in der Schule zu fördern und ein gesundes Schulklima zu schaffen, sowie Eltern in ihrer Erziehkompetenz zu stärken, ¾ durch Trainings, soziale Schlüsselkompetenzen zu erlangen, die zur nachhaltigen konstruktiven Kommunikations- und Konfliktlösung beitragen (Florecke, 2011; Just, 2016; Speck, 2014).

Schulsozialarbeit findet somit sowohl im innerschulischen als auch im außerschulischen Kontext statt. Dabei ist sie dauerhaft und verbindlich, organisatorisch sowie rechtlich als ein Handlungsfeld mit eigenem Kompetenzprofil in die Institution Schule eingebunden. Zeitgleich bildet sie eine Schnittstelle zwischen Jugendhilfe und Schule und ermöglicht in der Bildungseinrichtung eine Intensivierung der Zusammenarbeit dieser beiden Komponenten (Florecke, 2011).

Primär gehören die Beratungsangebote für Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrpersonen zum Aufgabenfeld der Schulsozialarbeit. Dabei ist dieses Angebot freiwillig und vertraulich aufgestellt, sodass ein informeller Rat gewährleistet werden kann. Besonders von Bedeutung ist an dieser Stelle die Netzwerkarbeit, durch die ein Verweis auf externe Beratungsstellen mit erweiterter Beratungskompetenz erfolgen kann (Grad & Kammermeier, 2012).

In der Einzelfallberatung geht es grundsätzlich darum, Benachteiligungen und Stigmata abzubauen und eine individuelle oder präventive Hilfe zur Verfügung zu stellen. Dabei wird der Bereich der Einzelfallberatung, die Familien- und Gruppenarbeit sowie die Sozialraumorientierung miteinbezogen. Relevant ist bei der individuellen Beratung vor allem der Einbezug der Lehrerschaft, weil Probleme oft aus nicht ausreichenden schulischen Leistungen oder Konfliktsituation in der Schule resultieren (Grad & Kammermeier, 2012).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Handlungsfeld der Schulsozialarbeit
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V424501
ISBN (eBook)
9783668699502
ISBN (Buch)
9783668699519
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
handlungsfeld, schulsozialarbeit
Arbeit zitieren
Hanane Achkif (Autor:in), 2018, Handlungsfeld der Schulsozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424501

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