Das Thema der Unterrichtsstunde „Sterbehilfe – In Würde sterben?“ greift den im Lehrplan genannten Themenbereich 2 „Die Frage nach dem Menschen“ auf, welcher u.a. die Inhalte die „Würde des Menschen [sowie] Tod“ verbindlich für die Sekundarstufe II vorsieht. Auch an den Themenbereich 3 „Die Frage nach dem richtigen Handeln“ knüpft die Unterrichtsstunde an. Denn „Sterben und Tod“ stellen die Inhalte der Problemstellung „Darf man alles, was man kann?“ dar, was im Unterricht mit der Problematik der Vielfalt von Sterbehilfe aufgegriffen wird. Bezüglich der Fachanforderungen lässt sich die Unterrichtsstunde in Hinblick auf die 10. Klasse dem Kompetenzbereich II „Die Frage nach dem Menschen“ zuordnen, wobei die Schülerinnen und Schüler „im Kontext gesellschaftlicher Kontroversen einen eigenen Standpunkt [einnehmen] und dabei die Menschenwürde als wesentlichen Maßstab begreifen […] [und damit] existentielle Fragen des eigenen Lebens und der Welt [reflektieren]“.
Inhaltsverzeichnis
1. Didaktisches Bedingungsfeld / Unterrichtliche Bezugsfelder
1.1 Äußere Rahmenbedingungen des Unterrichts
1.2 Die Lernenden
1.3 Die Lehrperson
2. Sachanalyse
3. Didaktische Analyse
4. Methodische Analyse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit entwickelt eine Unterrichtseinheit für das Fach Religion, in der Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse dazu befähigt werden, sich aus unterschiedlichen ethischen und gesellschaftlichen Perspektiven ein begründetes Urteil zum kontroversen Thema der aktiven Sterbehilfe zu bilden.
- Didaktische Einordnung und Analyse der Lebenswelt von Jugendlichen bezüglich Sterben und Tod.
- Untersuchung der verschiedenen Formen der Sterbehilfe und deren ethischer sowie rechtlicher Legitimation.
- Implementierung eines Rollenspiels zur Förderung von Darstellungskompetenz und Perspektivwechsel.
- Ethische Reflexion des Begriffs der Menschenwürde im Kontext des Lebensendes.
- Analyse von Positionierungen kirchlicher, medizinischer und juristischer Akteure.
Auszug aus dem Buch
2. Sachanalyse
Der Mensch hat das Recht sowie die Würde, selbst und autonom über sein Leben zu bestimmen und es nach seiner Vorstellung individuell zu gestalten. Doch impliziert diese Selbstbestimmung auch das Recht, den eigenen Tod sowie den Sterbeprozess zu bestimmen? Letztendlich möchte jeder Mensch in Würde sterben und bis zum letzten Atemzug seine Menschenwürde bewahrt wissen. Wegen der modernen medizinischen Möglichkeiten ist der Tod nicht mehr gezwungenermaßen durch den Verlust von Kontrolle gekennzeichnet. Das Sterben scheint durch die Möglichkeiten von Kontrolle seine Würde zu erhalten, sodass der Mensch selbstbestimmt sterben kann.
Dass das Sterben durch die moderne Medizin zunehmend medikalisiert worden ist, hat den Sterbeprozess und die Perspektive auf das Sterben verändert: Eine künstliche Lebensverlängerung oder ein direkt eingeleiteter rascher Sterbeprozess kann das Sterben eines Menschen möglicherweise entfremden. Die daraus resultierenden Handlungsoptionen mit grundverschiedenen Ansätzen am Lebensende eines Menschen werden vom Begriff der „Sterbehilfe“ umfasst. Bei der Sterbehilfe stehen der Wille und das Wohl des schwerkranken oder sterbenden Menschen im Zentrum. Insgesamt lassen sich drei Formen der Sterbehilfe im klassischen Sinn unterscheiden: aktive, indirekte sowie passive Sterbehilfe. Erweitert werden diese durch den assistierten Suizid. Die palliative Sterbebegleitung ist die Grundform aller Sterbehilfeformen und somit allen gemeinsam. Gleichzeitig stellt die Sterbebegleitung auch eine eigene Facette von Sterbehilfe dar. Diese Handlungsmöglichkeiten der Sterbehilfe werden im Folgenden in Bezug auf schwerkranke Menschen erläutert. Die palliative Begleitung bemüht sich „auf die psychischen, körperlichen, sozialen, juristischen, pflegerischen und medikamentösen Bedürfnisse des Patienten und seiner Angehörigen individuell einzugehen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Didaktisches Bedingungsfeld / Unterrichtliche Bezugsfelder: Dieses Kapitel verortet die Unterrichtsstunde im Lehrplan, analysiert die Rahmenbedingungen sowie die religiöse und moralische Entwicklung der Lernenden und reflektiert die eigene Haltung der Lehrperson.
2. Sachanalyse: Hier werden die verschiedenen Formen der Sterbehilfe (aktiv, indirekt, passiv, assistierter Suizid) definiert und ethisch sowie rechtlich im Kontext der Menschenwürde und modernen Medizin eingeordnet.
3. Didaktische Analyse: Dieser Abschnitt begründet die Relevanz des Themas für die SuS, leitet das Hauptlernziel sowie die Zielkompetenzen ab und ordnet die Stunde in das religionsdidaktische Modell ein.
4. Methodische Analyse: Das Kapitel erläutert den methodischen Aufbau der Unterrichtsstunde, insbesondere den Einsatz des Stellungbeziehens als Einstieg und des Rollenspiels zur Förderung der Urteilsbildung.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Aktive Sterbehilfe, Menschenwürde, Selbstbestimmung, Ethische Urteilsbildung, Religionsunterricht, Rollenspiel, Palliative Begleitung, Suizidprävention, Medizinethik, Sterbeprozess, Christliche Ethik, Gesetzgebung, Sterbebegleitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit konzipiert eine Unterrichtsstunde für den Religionsunterricht, in der sich Schülerinnen und Schüler mit der ethisch anspruchsvollen Thematik der Sterbehilfe auseinandersetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition verschiedener Sterbehilfeformen, die ethische Debatte um die Menschenwürde sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, aus unterschiedlichen Perspektiven ein eigenständiges ethisches Urteil zur aktiven Sterbehilfe zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die konstruktiv-ideologiekritische Religionsdidaktik und nutzt methodisch vor allem das Stellungbeziehen sowie das Rollenspiel zur Kompetenzförderung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine didaktische und eine methodische Analyse sowie eine fachliche Sachanalyse, welche die theoretische Grundlage für die geplante Unterrichtseinheit bildet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sterbehilfe, Menschenwürde, Selbstbestimmung, ethische Urteilsbildung, Palliative Begleitung und religionspädagogische Kompetenz.
Warum wurde für die Erarbeitung der Argumente ein Rollenspiel gewählt?
Das Rollenspiel ermöglicht den SuS einen Perspektivwechsel, um zu erkennen, wie relativ die eigene Position ist, und fördert so ein tieferes Verständnis für komplexe ethische Dilemmata.
Welche Rolle spielt die Positionierung im Klassenzimmer für den Lernprozess?
Das räumliche Stellungbeziehen dient sowohl als motivierender Einstieg als auch als Reflexionsmethode, um den Prozess der Urteilsbildung sichtbar zu machen und Hemmschwellen abzubauen.
- Citation du texte
- Ann Chef (Auteur), 2018, Sterbehilfe. In Würde sterben? Unterrichtsentwurf (Religion, 10. Klasse), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424510