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Normalität und Abweichung. Umgang mit sprachlichen Normen in einem DaZ-Kurs

Title: Normalität und Abweichung. Umgang mit sprachlichen Normen in einem DaZ-Kurs

Seminar Paper , 2017 , 33 Pages , Grade: 1,00

Autor:in: M.A. Anna Grohová (Author)

Didactics for the subject German - German as a Foreign Language
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Summary Excerpt Details

Die Sprachkurse werden oft von ehrenamtlichen Mitarbeiter ohne ausreichende fachliche Ausbildung geleitet. Es ist unbestreitbar, dass diese Lehrpersonen nur das Beste für die Lernenden tun wollen. Im Bereich der direkten oder indirekten Normenvermittlung stoßen sie allerdings an zahlreiche Herausforderungen, dessen unsensible Handhabung die Motivation der Lernenden negativ beeinflussen kann. Die Art und Weise der Normenvermittlung hängt von äußeren und inneren Faktoren ab.

Zu den äußeren/fremdbestimmten Faktoren gehören die institutionellen und curricularen Vorgaben, gesellschaftliche Faktoren, gesetzliche Normen und Vorschriften (zum Beispiel Migrations- und Asylgesetze). Zu den inneren Faktoren gehört vor allem Hintergrundwissen der Lehrperson, beziehungsweise Unterscheidung und Typisierung von diesem Hintergrundwissen. Diese Prozesse sind später dafür verantwortlich, wie die Normen verstanden, angewendet und beurteilt werden.

Das Hintergrundwissen der Lehrperson ist wiederum von weiteren Faktoren abhängig – demographische, psychologische, soziale, wirtschaftliche Lage, aber auch persönliche Erfahrungen mit den exponierten Themen (Stigmatisierung, Diskriminierung, Othering, Linguizismus, Rassismus und Andere). Man findet keine zwei Menschen mit einem hundertprozentig gleichen Hintergrundwissen und Lebenserfahrungen – darum ist die Normwahrnehmung und -umsetzung auch sehr individuell.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Theoretischer Teil

1. Norm und Normalität in der Interaktion

1.1. Soll-Norm

1.2. Ist-Norm

2. Normbewusstsein im menschlichen Handeln

2.1. Können

2.2. Sollen

2.3. Müssen

2.3.1. Naturgesetzliches Müssen

2.3.2. Logisches Müssen

2.3.3. Normatives Müssen

2.3.4. Müssen der notwendigen Bedingung

3. Normkonformität vs. Abweichung und ihre gesellschaftlichen Folgen

3.1. Stigmatisierung und Othering

3.2. Linguizismus

3.3. Neolinguizismus

3.4. Anti-Linguizismus vs. Linguizismuskritik

Methodenteil

4. Leitfadengestütztes Interview

4.1. Form und Erstellung des Leitfadens

4.2. Vorteile und Nachteile der Methode

5. Teilnehmende Beobachtung

5.1. Durchführung des Beobachtungsverfahrens

5.2. Vorteile und Nachteile der Methode

6. Auswertungsmethode: Globalauswertung

6.1. Beschreibung der einzelnen Schritte

7. Repräsentation und Interpretation

7.1. Ethische Verantwortung

7.2. Positionierung

7.2.1. Mögliche Einflüsse auf die Forschungssubjekten

Auswertung

8. Zusammenfassung und Bewertung

8.1. Fremdbestimmte Normen

8.1.1. Sprachkenntnisse als Bedingung für die Integration

8.1.2. Curriculare Vorgaben

8.2. Selbstbestimmte Normen

8.2.1. Normbildung und -anwendung: Kursleiterin

8.2.2. Normbildung und -anwendung: Kursteilnehmer

8.3. Hintergrundwissen der Kursleiterin und seine Einflüsse

8.3.1. Akzent, Sprache, Zugehörigkeit

8.3.2. Stigmatisierung und Othering

8.4. Normabweichung und ihre Gründe und Folgen

8.4.1. Anerkennung, Linguizismus und Othering: Wie viel Anerkennung ist zu viel Anerkennung?

8.4.2. Konfrontationssituationen

9. Weitere Forschungsperspektiven

9.1. Mehrsprachigkeit und Prestigenorm in der Bildung

9.2. Sprache und Identität bei Personen mit Migrations- und Fluchterfahrung

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen dem Hintergrundwissen einer DaZ-Lehrperson und der Art und Weise, wie sprachliche und nicht-sprachliche Normen in einem Deutschkurs für Menschen mit Fluchterfahrung vermittelt werden. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die individuelle Normenwahrnehmung der Lehrkraft den Lernprozess und die Teilhabe der Kursteilnehmenden beeinflusst.

  • Normverständnis und Normalitätskonstruktionen in der Interaktion
  • Einfluss von Linguizismus, Stigmatisierung und Othering im Bildungskontext
  • Analyse fremd- und selbstbestimmter Normen in der Kursrealität
  • Rolle von Hintergrundwissen und Lebenserfahrung der Lehrperson
  • Sensibler Umgang mit Sprachnormen, Aussprachefehlern und Korrekturverhalten

Auszug aus dem Buch

3.2. Linguizismus

Linguizismus beruht ähnlich wie Rassismus auf der Konstruktion der Unterschiede zwischen den Menschen aufgrund von verschiedenen Erstsprachen, bzw. dem spezifischen Sprachgebrauch mit dem Ziel, die Überlegenheit bestimmter Gruppen gegenüber anderen zu rechtfertigen (Vgl. Springsits 2015:90). Diese Vorgehensweise ist schon aus kolonialen Kontexten bekannt, der Begriff wurde jedoch in die Fachdiskussion zum ersten Mal in 1990er Jahre eingeführt. Um von Rassismus/Linguizismus in einem Vollsinn sprechen zu können, muss er in den Machtverhältnissen derart verankert werden, dass dadurch die Gruppe weniger materielle oder symbolische Ressourcen zugänglich gemacht werden. Im Fall des Linguizismus führt die Dominanz einer Sprache zur Privilegierung deren Sprecher in unterschiedlichen Arten und Weisen. Daher lässt sich Linguizismus als ein „Instrument der Machtausübung, Herstellung und Wahrung der sozialen Rangordnungen“ (Dirim 2010:91) definieren.

In diesem Sinne wird die Sprache der elitären Mehrheitsgesellschaft zur Norm erhobenen, womit die sprachlichen Gewohnheiten der darunter platzierten Gruppen automatisch abgewertet werden. Dieser Verhaltensmuster in Kombination mit anderen, indirekt mit der Sprache verbundenen Vorurteilen (gegenüber Rasse, Kultur, Religion usw.), erschwert den Zugang zum qualitativ und quantitativ ausreichenden „normsprachlichen“ Input. Damit wird die Chance auf Verinnerlichung und Austausch in der Normsprache begrenzt und die Assimilation fast verunmöglicht (Vgl. Fereidooni 2016:194).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Problematik von Mehrsprachigkeit und die zentrale Bedeutung des Deutschen als „Schlüssel“ für Integration, sowie Darlegung der Forschungsabsicht.

Theoretischer Teil: Fundierte Auseinandersetzung mit den Begriffen Norm, Normalität und Normbewusstsein sowie der soziologischen Wirkung von Stigmatisierung und Linguizismus.

Methodenteil: Detaillierte Beschreibung des Forschungsdesigns, inklusive leitfadengestütztem Interview, teilnehmender Beobachtung und der angewandten Globalauswertung.

Auswertung: Analyse des erhobenen Datenmaterials unter Berücksichtigung von fremd- und selbstbestimmten Normen, dem Hintergrundwissen der Lehrkraft und den Folgen von Normabweichungen.

Weitere Forschungsperspektiven: Aufzeigen von weiterführenden Themen wie Prestigenormen und dem Zusammenhang von Identität und Sprache bei Fluchterfahrung.

Fazit: Zusammenfassung der Kernergebnisse und Formulierung von Desiderata für die Gestaltung von DaZ-Kursen für geflüchtete Menschen.

Schlüsselwörter

Deutsch als Zweitsprache, Normbewusstsein, Linguizismus, Othering, Stigmatisierung, Sprachliche Integration, Normabweichung, Mehrsprachigkeit, Migrationserfahrung, Bildungsdiskriminierung, Lehrerrolle, Kommunikationsnormen, Normvermittlung, Sozialisation, Fluchterfahrung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Umgang mit sprachlichen Normen in einem Deutschkurs für Menschen mit Fluchterfahrung und untersucht, wie die persönliche Normenwahrnehmung der Kursleiterin den Unterricht prägt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind Normen und Normalität in der Interaktion, die Mechanismen von Linguizismus und Stigmatisierung sowie der Einfluss von individueller Lebenserfahrung auf die pädagogische Praxis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen dem Hintergrundwissen der Lehrperson und ihrer Art der Normvermittlung zu verstehen und aufzuzeigen, welche Auswirkungen dies auf die Lernenden hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, bestehend aus leitfadengestützten Interviews, teilnehmender Beobachtung und der Methode der Globalauswertung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Rahmen zur Normendiskussion und eine empirische Auswertung, in der konkrete Beobachtungen aus dem Kurs analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Normbewusstsein, Linguizismus, Othering, Stigmatisierung, Sprachliche Integration und Normvermittlung.

Wie wirkt sich eine fremde Erstsprache laut Arbeit auf das Ansehen aus?

Die Arbeit zeigt auf, dass eine von der Norm abweichende Erstsprache oder ein Akzent oft zu einer Abwertung und sozialen Exklusion führt, da sie als "andersartig" konstruiert werden.

Welche Rolle spielt die Kursleiterin bei der Normenbildung?

Die Kursleiterin setzt unbewusst Normen für Kommunikation, versucht jedoch durch ein sensibles Fehlerkorrekturverhalten und Reflexion ihrer eigenen Erfahrungen, einen angstfreien Lernraum zu schaffen.

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Details

Title
Normalität und Abweichung. Umgang mit sprachlichen Normen in einem DaZ-Kurs
College
University of Vienna  (Institut für Germanistik)
Course
Deutsch als Zweitsprache im Kontext von Flucht und Asyl
Grade
1,00
Author
M.A. Anna Grohová (Author)
Publication Year
2017
Pages
33
Catalog Number
V424518
ISBN (eBook)
9783668699007
ISBN (Book)
9783668699014
Language
German
Tags
Norm Normalität Abweichung Macht Linguizismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Anna Grohová (Author), 2017, Normalität und Abweichung. Umgang mit sprachlichen Normen in einem DaZ-Kurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424518
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