EINLEITUNG
Südafrikanische Städte weisen aufgrund ihrer spezifischen Geschichte einen weltweit einzigartigen Charakter auf. Durch die Heterogenität der Bevölkerung in Bezug auf Kultur- und Rassenzugehörigkeit und durch die gesetzliche Verankerung der Rassentrennung in der Apartheidpolitik entwickelten sich die Städte Südafrikas ganz anders als andere Stadttypen. Die genannten Faktoren bestimmten die südafrikanische Stadtentwicklung schon vor der Einführung der Apartheidgesetze und prägen bis heute das Stadtbild.
In dieser Arbeit soll die Entwicklung von einstigen Kolonialstädten hin zur Apartheid-Stadt bis schließlich zur Post-Apartheid-Stadt aufgezeigt werden. Darüber hinaus sollen vor allem die aus den spezifischen Gegebenheiten der Wohnsegregation resultierenden Probleme deutlich gemacht werden.
Zunächst soll ein kurzer Abriss über die Entwicklungsphasen der Städte in Südafrika einen historischen Überblick geben. Im Anschluss wird das Modell der Apartheid-Stadt vorgestellt und die Prozesse über die Spät-Apartheid-Phase bis hin zur Post-Apartheid-Stadt aufgezeigt. Am Beispiel der „Metropolitan Area Johannesburg“ soll die Entwicklung veranschaulicht werden. Schließlich soll eine mögliche Entwicklung der südafrikanischen Stadt in der nahen Zukunft ausblickend dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklungsphasen der Städte in Südafrika
3. Das Modell der Apartheid-Stadt
4. Die Spät-Apartheid-Stadt
4.1. Grey areas
4.2. Free trading areas im CBD
4.3. Free settlement areas
5. Die Post-Apartheid-Stadt
5.1. Die Entwicklung der Wohngebiete
5.2. Veränderungen im CBD
6. Beispiel „Metropolitan Area Johannesburg“
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die stadtgeographische Entwicklung in Südafrika unter besonderer Berücksichtigung der politisch induzierten Rassentrennung, um die strukturellen Prozesse von der Kolonialstadt über die Apartheid-Ära bis hin zur Post-Apartheid-Stadt aufzuzeigen und daraus resultierende soziale Probleme zu analysieren.
- Historische Entwicklungsphasen südafrikanischer Städte
- Strukturmodell der Apartheid-Stadt und ihre Segregationsprozesse
- Wandel der städtischen Funktionen in der Spät- und Post-Apartheid-Phase
- Fallstudie: Metropolitan Area Johannesburg
- Zukunftsherausforderungen durch Urbanisierung und soziale Fragmentierung
Auszug aus dem Buch
3. DAS MODELL DER APARTHEID-STADT
Die Apartheid-Stadt, wie sie mit der Übernahme der „National Party“ im Jahre 1948 von der Regierung umgesetzt wird, hat das Ziel, [...] die politische, wirtschaftlich-soziale und räumliche Trennung der Weißen und der Angehörigen anderer Rassen [...]“ durchzusetzen (HOFMEISTER 1983, S.264) und damit eine absolute Segregation der in Südafrika lebenden Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Hierbei wird die Apartheid-Stadt in verschiedene Sektoren eingeteilt, die „group areas“, so dass sich die einzelnen Stadtgebiete seperiert ausbreiten können und durch die kulturell- soziologischen Unterschiede der jeweiligen Gruppen ein ungestörtes, voneinander getrenntes Leben ermöglicht wird. (BÄHR/JÜRGENS 1990, S.299)
Dabei wird eine grobe Unterteilung der Bevölkerung in vier Gruppen vorgenommen, die durch das sog. „Registration Act“ klassifiziert wird und wie folgt aussieht:
Zum einen gibt es die weiße Bevölkerung – zu einem Großteil Holländer, Franzosen und Deutsche- welche in dem Modell der Apartheid-Stadt die oberste Schicht bildet, wohlhabend ist und durch die hinter ihr stehende Regierung politische Vorzüge hat. Ihnen werden die besseren Wohngegenden mit mehr Wohnfreiraum zugesprochen. Desweiteren gibt es die sog. „Kap-Mischlinge“, die aus Ehen zwischen Weißen und Nicht-Weißen zustande kommen. (HOFMEISTER 1983, S.263) Die dritte Gruppe bilden die Asiaten, die besonders stark durch die Inder vertreten sind. Sie nehmen den Weißen gegenüber eine untergeordnete Rolle ein, haben aber dennoch einen höheren Stellenwert als die schwarze Bevölkerung, die die vierte Gruppe bildet. Diese Bevölkerungsgruppe nämlich steht finanziell und sozio-ökonomisch an unterster Stelle, bildet aber gleichzeitig den Großteil der südafrikanischen Bevölkerung, was für die Apartheid-Stadt ein großes Problem mit sich führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische Besonderheit südafrikanischer Städte aufgrund der Apartheid-Politik und benennt die Zielsetzung der Arbeit, den Wandel von der Kolonialstadt zur Post-Apartheid-Stadt zu beleuchten.
2. Die Entwicklungsphasen der Städte in Südafrika: Anhand des Beispiels Johannesburg werden fünf historische Phasen der Stadtentwicklung dargestellt, die von der Goldgräberzeit bis hin zur frühen Industrialisierungsphase reichen.
3. Das Modell der Apartheid-Stadt: Das Kapitel erläutert das theoretische Konzept der räumlichen Segregation und die systematische Einteilung der Stadt in Sektoren für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen basierend auf gesetzlichen Vorgaben.
4. Die Spät-Apartheid-Stadt: Es wird der Umbruch ab den 1970er Jahren beschrieben, der erste Aufweichungen der strikten Rassentrennung durch neue Konzepte wie "Grey areas" und "Free trading areas" mit sich brachte.
5. Die Post-Apartheid-Stadt: Dieses Kapitel analysiert die Veränderungen nach der Aufhebung der Apartheid-Gesetze, wobei der Fokus auf dem neuen prozessorientierten Planungsansatz und den anhaltenden sozialen Herausforderungen liegt.
6. Beispiel „Metropolitan Area Johannesburg“: Eine vertiefende Fallstudie zu Johannesburg verdeutlicht die konkreten Auswirkungen der Apartheid-Politik und der Post-Apartheid-Entwicklung auf die Stadtstruktur.
7. Ausblick: Hier werden die zukünftigen Herausforderungen wie Wohnungsnot, Bevölkerungsdruck und Zunahme von Kriminalität sowie deren Auswirkungen auf die städtische Struktur diskutiert.
Schlüsselwörter
Südafrika, Apartheid, Stadtgeographie, Johannesburg, Segregation, Group Areas Act, Stadtentwicklung, Post-Apartheid, Grey areas, Townships, Urbane Migration, Stadtstruktur, Wohnungsnot, Suburbanisierung, Rassentrennung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die stadtgeographische Entwicklung in Südafrika, wobei der Schwerpunkt auf der Entstehung und den Auswirkungen der Apartheid-Strukturen sowie deren Transformation nach der politischen Wende liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der südafrikanischen Stadtentwicklung, das Modell der Apartheid-Stadt, die Dynamiken der Segregation sowie die Herausforderungen der Post-Apartheid-Phase.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Wandel von der segregierten Apartheid-Stadt hin zu einer Post-Apartheid-Stadt nachzuzeichnen und die aus der Wohnsegregation resultierenden sozialen Probleme offenzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Die Autoren nutzen eine literaturgestützte Analyse unter Anwendung stadtgeographischer Modelle und einer detaillierten Fallstudie am Beispiel der "Metropolitan Area Johannesburg".
Welche Inhalte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die historischen Entwicklungsphasen, die theoretischen Modelle der Apartheid-Stadt, die Übergangsphase der "Spät-Apartheid" sowie die aktuellen Prozesse in der Post-Apartheid-Ära.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Apartheid, Stadtgeographie, Segregation, Johannesburg, Townships und Stadtentwicklung charakterisieren.
Wie hat sich die "Grey area"-Problematik auf südafrikanische Städte ausgewirkt?
Die sogenannten "Grey areas" entstanden, als nicht-weiße Bevölkerungsgruppen entgegen der Apartheid-Gesetze in ehemals weiße Wohnviertel zogen, was zu deren Vergrauung und langfristig zu neuen Formen der Segregation führte.
Welche Rolle spielten die "Free trading areas" für die wirtschaftliche Öffnung?
Die "Free trading areas" erlaubten Nicht-Weißen erstmals, geschäftlich im CBD tätig zu werden, dienten jedoch primär der wirtschaftlichen Kooperation ohne dabei die strikte Trennung im Wohnbereich aufzuheben.
- Quote paper
- Marie Burger (Author), Sabine Drewes (Author), 2005, Die südafrikanische Stadt: Strukturen, Prozesse und Problem vor und nach der Apartheid, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42456