Sweatshops als Herausforderung im Zeichen der Globalisierung

Kosten und Nutzen der Tätigkeiten multinationaler Unternehmen


Hausarbeit, 2016
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Begrifflichkeiten. Theoretischer Rahmen

3. Nutzen der Tätigkeiten der multinationalen Unternehmen

4. Kosten der Tätigkeiten der Ausbeuterbetriebe

5. Die Position von Stiglitz zu global agierenden Unternehmen

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die modernen Zeiten der Globalisierung erweitern für die Menschheit neue Handlungsmöglichkeiten. In diesen Zeiten ist das Problem der Sweatshops besonders verschärft empfunden. Diesem Problem widmet sich die vorliegende Arbeit. Die Aktualität der Arbeit ergibt sich daraus, dass die Tätigkeiten dieser Betriebe auch Angst mit sich bringen: Die Länder fühlen sich den großen Konzernen ausgeliefert und austauschbar (vgl. Herrmann 2015: 101).

Vor diesem Hintergrund ist der Untersuchungsgegenstand der Arbeit die Tätigkeit der Sweatshops, die in der modernen Welt kontrovers eingeschätzt wird.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Zielstellung, Vor- und Nachteile der Tätigkeiten globalagierender Unternehmen unter dem moralischen Aspekt zu analysieren und von den renommierten Autoren vorgeschlagene mögliche Lösungen zur Verbesserung deren Tätigkeiten zusammenzustellen. Darin besteht die gesellschaftliche Relevanz dieser Ausarbeitung. Dabei soll unter anderem eigenes ethisches Urteilsvermögen geschärft werden.

Es soll versucht werden, mit der deskriptiven Fragestellung, welche Kosten und Nutzen multinationale Konzerne in moderner Welt mit sich bringen, die Positionen der Befürworter und deren Opponenten näher zu betrachten. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen hierbei gegensätzliche Standpunkte von tragenden Teilnehmern der Debatte Matt Zwolinski und Dennis Arnold zusammen mit Laura Hartman.

Um die gesetzten Ziele zu erreichen und die gestellte Frage zu beantworten, wurden folgende Arbeitsschritte getan: 1) ein Überblick über Grundbegriffe der Ethik und weitere für die Arbeit relevante Definitionen; 2) Die Analyse der Position der Verteidiger der Sweatshops; 3) Die Analyse der Position der Gegner der Ausbeuterbetriebe; 4) Die Darstellung der Sweatshop-Problematik im Kontext der Globalisierung.

Dazu fußt die Arbeit auf 14 Quellen, die in der vorliegenden Arbeit zitiert bzw. erwähnt wurden - alle Publikationen sind im Literaturverzeichnis explizit genannt.

Festzuhalten bleibt, dass die Meinungen zu den Tätigkeiten der Sweatshops gespalten sind, denn es gibt plausible Vor- und Gegenargumente, die im Folgenden erläutert werden.

2. Begrifflichkeiten. Theoretischer Rahmen

Um die vorstehend gestellte Frage beantworten zu können, sollten zunächst einige wichtige Begrifflichkeiten und den theoretischen Rahmen vorgestellt werden.

Wie aus dem Titel der Arbeit hervorgeht, wird das zu behandelnde Thema unter dem Aspekt des Vorgangs Globalisierung betrachtet. Die Globalisierung bezeichnet in dieser Hinsicht „eine strategische Ausrichtung weltweit tätiger Unternehmen ([…] Multinationale Konzerne1 ) die dem Ziel dient, durch Ausnutzung von Kosten- und Standortvorteilen in verschiedenen Ländern Wettbewerbsvorteile zu erzielen“ (WIRTSCHAFTSLEXIKON 2009: 425-426, Stichwort Globalisierung).

Die Sweatshop-Problematik wird in dieser Arbeit im Rahmen der Ethik-Disziplin, nämlich im ihren angewandten Teil – der Wirtschaftsethik behandelt. In der modernen Forschungswelt gibt es bisher keine eindeutige Verwendung des Begriffs Ethik (vgl. METZLER PHILOSOPHIE LEXIKON 1999: 159, Stichwort Ethik). Die Beantwortung der Sweatshop-Frage über das moralische wirtschaftliche Handeln gehört anscheinend zur folgenden Aufgabe der Ethik:

„Es ist […] die Aufgabe der Ethik, das Streben nach der Seite des Guten - der moralischen Werte und Normen- hin als sinnvoll zu begründen und zu zeigen, was das sich in moralischen Normen und Werten artikulierende Gute ist“ (ebd.).

Die moralischen Werte und Normen des wirtschaftlichen Handels sind wiederum der Gegenstand der normativen Ethik:

„Das Interesse an der Frage, wie wir handeln sollen, führt zu dem Anspruch einer normativen Ethik, die Normativität überhaupt zu begründen und damit einen Maßstab zu entwickeln, an dem sich geltende Normen überprüfen lassen, ob ihr Anspruch auf unbedingte Gültigkeit berechtigt ist. […] Die Fragestellungen der angewandten normativen Ethik sind vielfältig und betreffen beinahe alle Lebensbereiche, bevorzugt solche, in denen öffentliche Institutionen und politische Handlungsoptionen eine Rolle spielen“ (ebd.: 160-161).

Der letzte Satz grenzt damit die wichtigen handelnden Akteure ab. Nicht nur einzelne Individuen oder Unternehmen, sondern auch die Institutionen tragen für die moralische Ordnung die Verantwortung (vgl. Noll 2002: 38; Homann/Blome-Drees 1992: 35ff. zit. nach Fenner 2010:341). Diese Idee findet man auch bei Homann, dem Vertreter des Neoliberalismus2, wessen Argumente in dieser Arbeit als theoretische Rahmen genutzt werden. Homann nach ist Moral „kein individuelles, sondern ein kollektives Unternehmen“ (Homann/Lütge 2005: 51 zit. nach Fenner 2010: 375). Die Verantwortung für das moralisch richtige Handeln der MNC tragen nicht nur die MNC-Mitarbeiter bzw. Manager, sondern auch staatliche Strukturen und die Gesellschaft.

Besonders relevant scheint für diese Arbeit Homanns Begründung des sogenannten Grenzmorals, das per Gesetz normative Standards diktiert. In seinem Artikel „Competition and Morality“ schreibt er:

„in competition it is those with the lowest moral standards who survive in the long term, because in conflict situations compliance with higher moral standards brings with it competitive disadvantages. […] Legal regulations often constitute the lowest level” (Homann 2006: 4).

Vor diesem Hintergrund wird im Kapitel 4 unter anderem die Zweckmäßigkeit der globalen Mindeststandards kurz beleuchtet.

Im nächsten Kapitel wird der Versuch unternommen, den zentralen Begriff Sweatshop zu erläutern und die erste Position, die Position der Verteidiger der Ausbeuterbetriebe vorzustellen.

3. Nutzen der Tätigkeiten der multinationalen Unternehmen

Das englische Wort „Sweatshop“ beinhaltet in seinem Stamm die Wurzel „sweat“. Dies lässt erkennen, dass in solcher Art der Betriebe hart gearbeitet wird. Ins Deutsche wird dieses Wort oft als „Ausbeuterbetrieb“ übersetzt. Die Kritiker des Kapitalismus als eines Ausbeutungsverhältnisses schreiben dazu: „Kapitalismus beruht auf Ausbeutung. Er enthält den Menschen auf unfaire und ungerechte Weise die Früchte ihrer eigenen Arbeit vor und zwingt sie in die Knechtschaft eines Systems, das sie auf vielfältige Weise um das betrügt, was ihnen zusteht“ (Jaeggi/Loik 2014: 323). Die Zeiten der Globalisierung lassen den Begriff der Ausbeutung bzw. der Ausbeuterbetriebe durch weitere Merkmale erweitern. Denis Arnold und Laura Hartman formulieren:

„We define the term “sweatshop” as any workplace in which workers are typically subject to two or more of the following conditions: income for a 48 hour workweek less than the overall of poverty rate for that country; systematic forced overtime; systematic health and safety risks due to negligence or the willful disregard of employee welfare; coercion; systematic deception that places workers at risk; and underpayment of earnings” (Arnold/Hartman 2006: 677).

Als zusätzliche Merkmale werden Diskriminierung von Frauen und Unterdrückung gewerkschaftlicher Betätigung genannt (vgl. ebd.: 686 und Wick/Wötzel 2008: 341).

An erster Stelle wird die Argumentation der Verteidiger der Sweatshops vorgestellt. Der Kern der Argumentation von Zwolinski liegt überwiegend bei zwei Hauptaussagen, die durch den ganzen Artikel wie den roten Faden ziehen: Erstens, dass die Wahl der Arbeiter der Ausbeuterbetriebe moralisch signifikant ist; zweitens, dass die dritte Partei sich in deren Tätigkeiten in den Entwicklungsländern nicht einmischen darf, weil es die Präferenzen und die Autonomie der Wahl der Arbeiter beeinträchtigt (vgl. Zwolinski 2007: 689).

Auf solche Weise lautet die leitende These von Zwolinski: „ […] individuals who work in sweatshops choose to do so. They might not like working in sweathops, and they might strongly desire that their circumstances were such that they did not have to do so. Nevertheless, the fact that they choose to work in sweathops is morally significant” (ebd.: 689). Die Arbeit in Sweatshops sei freiwillig, das ist das Argument, was die Ökonomen gerne zur Verteidigung gegen westliche Regierung, Arbeitsrechtorganisationen oder einige Konsumenten anwenden (vgl. ebd.: 689).

Im Zusammenhang mit der freiwilligen Natur der Entscheidungen spricht Zwolinski über zwei Arten der Wahl: die Eine ist die Autonomie-ausübende Wahl, die Andere ist die Präferenz-bekundene Wahl (vgl. ebd.: 690). Zwolinski argumentiert für die moralische Signifikanz der Wahl der Arbeiter der Ausbeuterbetriebe folgenderweise. Die Arbeiter der Sweatshops akzeptieren die Arbeitsbedingungen der Sweatshops, indem sie ihre Wahl zugunsten der Sweatshops treffen, obwohl es auch andere Optionen gibt, d. h. die Arbeit in Sweatshop ist die erste Präferenz (vgl.ebd.: 691-693). Mit dem Verbot der Sweatshops-Arbeitsverträge würde man die Autonomie der Arbeiter einschränken, die sich ansonsten für die Arbeitsbedingungen in den Sweatshops entschieden hätten (vgl. ebd.: 693). Demzufolge ist das Verbot der Arbeitsverträge von Sweatshops durch gesetzliche Anordnungen unmoralisch (vgl. ebd.: 693-694).

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Zwolinski nennt die Wahl der Entscheidungen der Arbeiter in den Sweatshops nicht nur Autonomie-ausübend, sondern auch Präferenz-bekunden. Auf solche Weise ist die Wahl ein Signal der Präferenzen eines Akteurs; dies gilt auch, wenn die Entscheidung unter Bedingungen getroffen wird, die keine vollständige Autonomie voraussetzen (vgl. ebd.: 693).

Darüber hinaus ist es festzustellen, dass Zwolinski die Tätigkeiten der Sweatshops verteidigt, indem er folgende Argumentationskette entwickelt. Aus einer eingeschränkten Auswahl treffen die Arbeiter der Sweatshops ihre Wahl und akzeptieren die Arbeitsbedingungen der Sweatshops. Mit ihrer Wahl zeigen die die Präferenz zugunsten der Sweatshops. Man würde den Arbeitern der Ausbeuterbetriebe Schaden zufügen, würde man diese am meisten bevorzugte Alternative wegnehmen. Die Entscheidung der Arbeiter ist überwiegend autonom, mit der Wegnahme dieser Entscheidungsalternative würde man die Autonomie der Arbeiter verletzen. Es sei moralisch fasch, Menschen Schaden zuzufügen oder ihre Autonomie zu verletzten. Auf solche Weise ist es also falsch, wenn man die Beschäftigung in Sweatshops den Arbeitern verbieten würde, die sich ansonsten dafür entscheiden würden (vgl. ebd.: 691ff.). Zwolinski stellt eine Annahme dar, was in den Entwicklungsländern passieren könnte, wenn man die Option „Sweatshop“ als Arbeitsplatz wegnimmt. Man kann diese Option wegnehmen, indem man die Ausbeuterbetriebe oder deren Produktion oder Einfuhr dieser Produktion verbietet (vgl. ebd.: 697). Die negative Wirkung daraus ist, dass die Arbeiter ohne Job bleiben (vgl. ebd.: 697). Zwolinski ist auch gegen gesetzlichen Verordnungen, welche die Ausgaben für die Arbeiter erhöhen und deswegen zur Schließung von Sweatshopstandorten führen können, weil die betroffenen Unternehmen zu einem anderen Land wechseln werden, wo die Arbeitskräfte noch billig sind (vgl. ebd. : 697ff.).

[...]


1 Multinationale Konzerne oder Multinationale Unternehmen (eng.: Multinational corporations (im Weiteren abgekürzt mit MNCs)) sind laut dem Wirtschaftslexikon „Unternehmensgiganten, die weltweit Niederlassungen betreiben und deren Produkte in den Ländern der westlichen Welt einen großen Marktanteil besitzen (sog. Multis). Die Unternehmenspolitik der Konzernleitungen nimmt häufig keine Rücksicht auf nationale Interessen (z. B. Stabilität, Arbeitnehmerinteressen) der Staaten, in denen Niederlassungen dieser Konzerne bestehen. […] Nach einer Schätzung der UNCTAD (Welthandelskonferenz) in ihrem Weltinvestitionsbericht 2004 gab es 2002 etwa 65 000 Transnationalen Unternehmen mit rd. 866 000 ausländischen Tochtergesellschaften“ (WIRTSCHAFTSLEXIKON 2009: 657).

2 „Im Unterschied zum klassischen Liberalismus, für den die „invisible hand“ für das Ergebnis kollektiven Handelns trägt, setzt der Neoliberalismus auf die regulierende Kraft einer gesellschaftlichen und politischen Rahmenordnung“ (vgl. Fenner 2010: 372-374).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sweatshops als Herausforderung im Zeichen der Globalisierung
Untertitel
Kosten und Nutzen der Tätigkeiten multinationaler Unternehmen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Current Problems of Economic Ethics
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V424602
ISBN (eBook)
9783668701021
ISBN (Buch)
9783668701038
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sweatshops, multinationale Unternehmen
Arbeit zitieren
Irina Zorina (Autor), 2016, Sweatshops als Herausforderung im Zeichen der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424602

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