Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - History of Political Systems

Rock in der DDR. Jugendkultur zwischen offizieller Staatsdoktrin und 'Gegenkultur'

Title: Rock in der DDR. Jugendkultur zwischen offizieller Staatsdoktrin und 'Gegenkultur'

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 41 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Katharina Silo (Author)

Politics - History of Political Systems
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Setzt man sich mit der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auseinander, wird deutlich, dass beinahe alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens auf die eine oder andere Art staatlicher Kontrolle unterlagen; so auch der Bereich der Kunst, der sog. Unterhaltungskunst und damit der populären Musik. Um diesen Bereich zu kontrollieren und im Sinne der DDR-Führung zu steuern, wurden im Lauf der Jahre verschiedene Regelungen und Institutionen geschaffen.

Doch wieso war dieser Bereich der populären Musik für die Offiziellen in der DDR so relevant? Dieser Arbeit liegen zu dieser Frage zwei Prämissen zugrunde:

1. Populäre Musik – also spätestens seit den siebziger Jahren in erster Linie Rock- und Popmusik in allen ihren Spielarten – hat einen wichtigen Stellenwert im Leben Jugendlicher und bietet eine Möglichkeit jugendlicher Identifikation und Integration.

2. Die Jugend war in der DDR Hauptziel politischer Einflussnahme und staatlicher Kontrolle. Die Erziehung zum `sozialistischen Menschen´ war bei den `Zukunftsträgern´ immanent wichtig.

Daraus folgt, dass es für die Staats- und Parteiführung von hohem Wert war, populäre Musik in ihrem Sinne zu beeinflussen, wenn sie auf die Jugendlichen nicht nur im Bereich von Schule, Ausbildung und sonstiger Freizeitgestaltung in ihrem Sinne Einfluss nehmen wollte. Da es sich die Führung zum Auftrag gemacht hatte v. a. die junge Generation im Sinne des „kommunistischen Persönlichkeitsideals“1 zu erziehen, wurden bald die entsprechenden Konsequenzen aus der musikalischen Entwicklung gezogen. Obwohl populäre Musik dem Anspruch an sozialistisches Kunstschaffen tendenziell widersprach, wurde sie doch in den Bereich der sog. Unterhaltungskunst aufgenommen und die entsprechenden Anforderungen an sie gestellt...

-----
1 Vgl. Rauhut, Michael (2002): Rock in der DDR 1964 bis 1989. Bonn. S. 5.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kultur- und Jugendpolitik

2.1 Ideologischer Hintergrund: Kulturpolitik im Zeichen des „neuen Menschen“

2.2 Staatliche Instrumente zur „Kontrolle“ der Musikentwicklung

2.3 Jugendbild und –politik

2.4 Zwischenfazit: Kultur- und Jugendpolitik in Theorie und Praxis

3. Die Musikszene der siebziger und achtziger Jahre

3.1 Die „Offiziellen“

3.2 Der „Untergrund“

4. Die Jugend

4.1 Die „Angepassten“

4.2 Jugendliche Interessen

4.3 Jugendszenen

5. Schluss: Der Einfluss von (staatlich gelenkter) Rockmusik auf die DDR-Jugend

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der staatlich gelenkten Rockmusik in der DDR, der damit verbundenen Kultur- und Jugendpolitik sowie den tatsächlichen Einstellungen und Verhaltensweisen der DDR-Jugend zwischen den siebziger und achtziger Jahren. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die staatliche Musiksteuerung als Integrationsinstrument erfolgreich war oder eher zur Abwendung der Jugendlichen und zur Entstehung von Subkulturen führte.

  • Ideologische Anforderungen an die Unterhaltungskunst im Sozialismus
  • Staatliche Instrumente der Kontrolle und Beeinflussung der Musikentwicklung
  • Die Rolle von Rockmusik bei der Identifikation und Integration der Jugend
  • Konflikt zwischen offizieller Kulturpolitik und jugendlicher "Gegenkultur"
  • Analyse der Jugendszenen in den achtziger Jahren

Auszug aus dem Buch

3.2 Der „Untergrund“

Die Gratwanderung zwischen offizieller Musik und sog. Untergrund war schmal. Wie am Beispiel Renfts gesehen, konnte eine Gruppe schnell in den Untergrund abrutschen, wenn sie sich in ihren Texten allzu kritisch äußerte. Die Etablierten sahen sich in ihrem Alltag ständig mit Diskussionen um Texte, um Optik von Plattencovern, Aussehen und Verhalten der Musiker selbst konfrontiert.

Es gab aber v.a. in den achtziger Jahren auch eine Musikszene, die bewusst auf die Förderungen und Beeinflussungen des Staates verzichtete und gegenüber Kompromissen resistent war. Diese Musiker findet man vor allem im Bereich der Punkmusik und der dazugehörigen Jugendkultur, die sich mit Beginn der Achtziger auszubreiten begann. Diese Gruppen konnten zwar ihre Texte frei schreiben, mussten dafür aber auf sämtliche Annehmlichkeiten der `Offiziellen´ verzichten. So gestaltete sich die Organisation von Instrumenten, Anlagen und anderem Equipment schwierig - Kassetten konnten zunächst nur illegal, und damit in schlechter Qualität und mit kleinen Auflagen, produziert werden - wie auch die Live–Konzerte, oft nur vor wenigen Zuschauern in Abbruchhäusern, Garagen oder ähnlichen Orten abgehalten, illegal waren. Gerade im Bereich der Punkmusik war vor 1987 nicht an offizielles Musikschaffen zu denken, da allein das Aussehen der Bandmitglieder und Fans – oft mit Irokesenschnitt, abgewetzter Kleidung, Lederjacken mit nicht erlaubten Mottos und Parolen – den zuständigen Funktionären eine Ablehnung der Spielerlaubnis u. a. leicht gemacht hätten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung staatlicher Kontrolle über populäre Musik in der DDR ein und formuliert die zentralen Prämissen über den Stellenwert der Musik für Jugendliche und die politische Absicht dahinter.

2. Kultur- und Jugendpolitik: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der DDR-Kulturpolitik, die Rolle des "neuen Menschen" und die diversen staatlichen Instrumente zur Steuerung der Musikentwicklung und Jugenderziehung dargestellt.

3. Die Musikszene der siebziger und achtziger Jahre: Das Kapitel untersucht die Entwicklung der Rockmusik in der DDR zwischen staatlicher Vereinnahmung ("Die Offiziellen") und der Herausbildung alternativer, nicht staatlich geförderter Szenen ("Der Untergrund").

4. Die Jugend: Hier wird das Verhalten der DDR-Jugend in Bezug auf Integration, Interessen, Musikkonsum und die Entstehung jugendlicher Subkulturen wie der Punkszene analysiert.

5. Schluss: Der Einfluss von (staatlich gelenkter) Rockmusik auf die DDR-Jugend: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Wirkung der staatlichen Kulturpolitik auf die Jugendlichen sowie die Rolle der Rockmusik als Integrations- oder Protestmedium.

Schlüsselwörter

DDR, Rockmusik, Jugendkultur, Kulturpolitik, Sozialismus, staatliche Kontrolle, Subkultur, Punkszene, Ideologie, Unterhaltungskunst, Jugendforschung, MfS, Musikentwicklung, DDR-Jugend, Ideologiefunktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die wechselvolle Beziehung zwischen der staatlichen Kultur- und Jugendpolitik in der DDR und der Entwicklung der dortigen Rockmusik-Szene zwischen den 1970er und 1980er Jahren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die ideologischen Anforderungen der DDR-Führung an die Musik, die staatlichen Kontrollinstrumente, die Reaktion der Jugend auf staatlich gelenkte Musik sowie die Entstehung jugendlicher Subkulturen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob die staatliche Einflussnahme auf die Rockmusik als Integrationsinstrument funktionierte oder ob sie eher eine Abwendung der Jugendlichen und die Bildung von Subkulturen begünstigte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Fachliteratur, empirischem Material des Leipziger Zentralinstituts für Jugendforschung und zeitgenössischen Dokumenten sowie Textbeispielen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Kulturpolitik, die Analyse der Musikszene (offiziell vs. Untergrund) und eine Untersuchung der Verhaltensweisen der Jugendlichen ("Angepasste" vs. Jugendszenen).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

DDR, Rockmusik, Jugendkultur, staatliche Kontrolle, Kulturpolitik und ideologische Erziehung.

Wie unterschieden sich "offizielle" Bands von der "Untergrund"-Szene?

Offizielle Bands unterwarfen sich den staatlichen Vorgaben, um Spielerlaubnisse und Fördermöglichkeiten zu erhalten, während der Untergrund auf staatliche Unterstützung verzichtete und oft durch Restriktionen sowie informelle Strukturen geprägt war.

Warum leugnete die DDR-Führung offiziell die Existenz von Subkulturen?

Da das Bild einer "treuen" sozialistischen Jugend propagiert wurde, passte das Phänomen von Subkulturen und explizitem jugendlichem Aufbegehren nicht in die offizielle Doktrin und wurde stattdessen meist als Manipulation durch den Westen erklärt.

Excerpt out of 41 pages  - scroll top

Details

Title
Rock in der DDR. Jugendkultur zwischen offizieller Staatsdoktrin und 'Gegenkultur'
College
Free University of Berlin
Grade
1,7
Author
Katharina Silo (Author)
Publication Year
2005
Pages
41
Catalog Number
V42466
ISBN (eBook)
9783638404884
Language
German
Tags
Rock Jugendkultur Staatsdoktrin Gegenkultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Silo (Author), 2005, Rock in der DDR. Jugendkultur zwischen offizieller Staatsdoktrin und 'Gegenkultur', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42466
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  41  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint