Illuminate Eliminate. Strategien der Selbstinszenierung der norwegischen Black Metal Szene der 1990er


Seminararbeit, 2017

8 Seiten, Note: 0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Darstellung des Forschungsvorhabens

2. Definitionen und theoretischer Hintergrund

3. Erläuterung

4. Methode
4.1 Interviews
4.2 Medienanalyse
4.2.1 Beispiel 1: Bands inspiriert durch „Mayhem“
4.2.2 Beispiel 2: „Mayhem“ inspiriert durch „Mayhem“

5. Literaturverzeichnis

1. Darstellung des Forschungsvorhabens

Zum Ende der 1980er und Beginn der 1990er Jahre begann sich eine neue Musikrichtung und Szene in Norwegen zu etablieren. Hervorgegangen aus dem amerikanischen Heavy Metal entwickelte sich der Black Metal zu einer wesentlich extremeren Form. Neben den Texten und der eigentlichen Musik stand im Fokus die öffentliche Inszenierung der Bands und Anhänger. Ziel der Forschung ist es, die Wahrnehmung der Rezipienten in Hinblick auf das Entstehen der norwegischen Black Metal-Szene und ihrer Konsolidierung sowie der damit verbundenen Strategien der Selbstinszenierung am Beispiel der Band „Mayhem“ zu untersuchen und darzustellen.

2. Definitionen und theoretischer Hintergrund

Unter dem Terminus „Mayhem“ ist keine in sich geschlossene Gruppe zu verstehen, vielmehr geht es um verschiedene Konstellationen einzelner Mitglieder, welche sowohl als Akteure als auch als Rezipienten auftreten. Den theoretischen Hintergrund der Untersuchung bilden zum einen Ronald Hitzlers und Arne Niederbachers „Leben in Szenen: Formen juveniler Vergemeinschaftung heute“. Hitzlers Szene-Theorie angewendet auf die norwegische Black Metal-Szene lässt folgenden transformativen Schluss zu:

Den inneren Kern, die sogenannte „Szeneelite“1, bilden zwei Personen: Øystein „ Euronymous“ Arseth und Kristian „Varg“ Vikernes. Hierzu könnte man noch eine dritte Person, Per Yngve „Dead“ Ohlin, zählen, da dieser jedoch erst nach oder auch durch seinen Tod2 an herausragender Bedeutung und Kultcharakter gewann, wird darauf verzichtet und das Hauptaugenmerk auf Arseth und Vikernes gelegt.

Die beiden dominanten Persönlichkeiten Øystein Arseth und Kristian Vikernes prägten das Zentrum der norwegischen Black-Metal-Szene maßgeblich, so dass sich „Szenegänger“, „Freunde“ und „Professionell Interessierte“3 um sie scharten. Umschlossen wurde diese Gruppe von einem großen „Publikum“4. Diese vier Begriffe dienen natürlich nur als grobe Unterscheidungskategorien, da eine scharfe Abgrenzung nicht möglich ist. Bestimmte Akteure wie z.B. Michael Moynihan5 können mehreren Kategorien gleichzeitig angehören. Als Journalist, welcher über die Black Metal-Szene schreibt, gehört er berufstechnisch schon mal der Gruppe der „Professionell Interessierten“ an. Außerdem ist er Befürworter Vikernes, was ihn mindestens für die Gruppe der „Freunde“ qualifiziert. Entscheidend für diese Forschung ist, wie Arseth und Vikernes sich in ihrem szenischen Umfeld selbstinszeniert haben und dies von ihrem Umfeld wahrgenommen wurde.

Um die Heavy Metal- von der Black Metal-Szene schärfer abzugrenzen, wird Peter Hinrichs „Wacken. Ein Dorf wird Metropole und Marke“ als Vergleich verwendet. Oberflächlich betrachtet gibt es zwar einige Parallelen zwischen diesen beiden Szenen, die Unterschiedlichkeiten überwiegen jedoch bei weitem.

3. Erläuterung[AB1]

Der innere Kern ist leicht zu definieren: Øystein Arseth gründete den Plattenladen „Helvete“6 und erschuf auf diese Weise Raum, welcher der Ausgangspunkt der Szene werden sollte. Auch wenn dieser Plattenladen wirtschaftlich nicht erfolgreich war, kam ihm doch eine kulturelle Bedeutung zu, denn als erster Laden, welcher nicht nur Black Metal-Platten verkaufte und sich auch auf dieses spezielle Genre spezialisiert hatte, etablierte er sich als Treffpunkt und damit als physisches Zentrum der Szene. Von diesem Ausgangspunkt aus begründete Arseth verschiedene Labels, welche es den Musikern erlaubten, ihre Musik über die eigene Region hinaus bekannt zu machen. Neben dieser Tätigkeit war Arseth selbst als Musiker tätig und zusammen mit Ohlin Mitglied der prominenten Band „Mayhem“.

Die Mitglieder der Band nutzten verschiedenen Strategien, um sich zunächst innerhalb der Szene populär zu machen. Hierzu gehören u.a. ein strikter Dresscode, welcher durch die Farbe Schwarz dominiert wurde, und, anders als bei der Heavy Metal Szene, die Körperbemalung, das sogenannte „Corpse Paint“. Zusätzlich gehörte die öffentliche Inszenierung und Verherrlichung von Gewalt, sowohl anderen Personen und fremdem Eigentum7 als auch sich selbst8 gegenüber. Neben diesen optischen Darstellungsformen kamen noch die in den Liedertexten behandelten Themen hinzu, welche häufig aber nicht ausschließlich die Ablehnung der traditionellen Gesellschaft beinhalteten. Wiederkehrendes Thema war zunächst der Satanismus, welcher teilweise durch Zuwendung zum Neo-Heidentum ersetzt wurde. Gemeinsam hatten beide Themen die Abkehr von der christlichen Kirche, welche als Feind stilisiert wurde.

In dieses Milieu der Selbststilisierung durch Gewalt trat nun eine weitere Person: Kristian Vikernes. Ebenfalls Musiker, freundete er sich mit Ohlin an und wurde 1993 Mitglied von „Mayhem“. Die Rivalität zwischen Arseth und Vikernes eskalierte im gleichen Jahr und endete mit der Ermordung Arseths durch Vikernes.

4. Methode

Die Datenerhebung ist in diesem Fall besonders schwierig, da der innere Kern nur aus zwei Personen bestand, bei welchem die erste, Arseth, durch die zweite, Vikernes, ermordet wurde. Dies hat zur Folge, dass Arseth nicht nur nicht zur Verfügung steht, sondern auch, dass Vikernes sehr daran interessiert ist, die Ereignisse zu seinen Gunsten zu verdrehen. Aus diesem Grunde werden zwei Methoden miteinander verknüpft. Zum einen werden Interviews mit damals aktiven Akteuren u.a. auch mit Vikernes geführt und zum anderen Tonträger, welche Bezug auf Bandmitglieder nehmen, analysiert.

4.1 Interviews

Das erste Interview wird mit Varg Vikernes geführt, da diesem als letzten Überlebenden des inneren Kerns eine zentrale Bedeutung zukommt. Seine Aussagen sind natürlich außerordentlich kritisch zu sehen, da er bereits bei vorherigen Interviews Gegebenheiten anders oder auch bewusst verfälscht dargestellt hat. Vikernes Bedeutung für diese Forschung liegt nicht in der Richtigkeit seiner Aussagen, sondern darin Ansatzpunkte und Gewährspersonen zu liefern, die die Ereignisse miterlebt haben und für Interviews zur Verfügung stehen könnten. Diese werden dann mit im Wirkungskreis von „Mayhem“ veröffentlichten Bands bzw. Einzelpersonen verglichen. Als weiterer Zugang zu potentiellen Gewährspersonen dienen die Autoren Michael Moynihan und Didrik Søderlind, welche das kontroverse Sachbuch „Lords of Chaos – Satanischer Metal: Der Blutige Aufstieg aus dem Untergrund“ veröffentlichten. Auch wenn sie sich um Neutralität bemühten, ist dieses Werk äußerst kritisch zu sehen, denn bereits bei einer oberflächlichen Sichtung fällt auf, dass Vikernes wesentlich mehr Raum eingeräumt wird als Arseth.

4.2 Medienanalyse

Zu Anfang werden hier zwei Arten von Medien unterschieden. Zum einen CDs, welche direkte Referenzen zu „Mayhem“ haben, und zum anderen CDs von „Mayhem“ selbst, welche Bezug auf einzelne Bandmitglieder nehmen. Hierbei geht es nicht um eine musikwissenschaftliche Untersuchung, sondern der Fokus liegt einzig auf der grafischen Gestaltung der CDs selbst bzw. des Booklets.

4.2.1 Beispiel 1: Bands inspiriert durch „Mayhem“

[...]


1 Hitzler und Niederbacher (2010) S. 184.

2 Ohlin beging 1991 Selbstmord. Bevor Arseth die Polizei verständigte, fotografierte er den Leichnam. Die Fotografien brachte er in Umlauf, indem er sie für Marketingzwecke verwendete und sie auch auf Bootlegs abdrucken ließ.

3 Hitzler und Niederbacher (2010) S. 184.

4 Hitzler und Niederbacher (2010) S. 184.

5 Michael Moynihan ist Autor, Musiker und Herausgeber. Besondere Bedeutung erlangte er durch die Herausgabe des kontroversen Sachbuches „Lords of Chaos – Satanischer Metal: Der Blutige Aufstieg aus dem Untergrund“.

6 Norwegisch für „Hölle““.

7 Neben gewöhnlichem Vandalismus und Angriffen auf andere Personen inner- und außerhalb der Szene wurden gezielt Brandstiftungen gegen Kirchen verübt.

8 Ohlin war dafür bekannt, sich bei öffentlichen Auftritten blutige Schnittwunden zuzufügen.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Illuminate Eliminate. Strategien der Selbstinszenierung der norwegischen Black Metal Szene der 1990er
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde)
Veranstaltung
Oberseminar: "Kultur als Forschungsfeld": Fragestellungen der Europäischen Ethnologie
Note
0
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V424740
ISBN (eBook)
9783668698970
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mayhem, Black Metal, Death Metal, Varg Vikernes, Euronymous
Arbeit zitieren
Anna Brauer (Autor), 2017, Illuminate Eliminate. Strategien der Selbstinszenierung der norwegischen Black Metal Szene der 1990er, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424740

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