Zum Ende der 1980er und Beginn der 1990er Jahre begann sich eine neue Musikrichtung und Szene in Norwegen zu etablieren. Hervorgegangen aus dem amerikanischen Heavy Metal entwickelte sich der Black Metal zu einer wesentlich extremeren Form. Neben den Texten und der eigentlichen Musik stand im Fokus die öffentliche Inszenierung der Bands und Anhänger. Ziel der Forschung ist es, die Wahrnehmung der Rezipienten in Hinblick auf das Entstehen der norwegischen Black Metal-Szene und ihrer Konsolidierung sowie der damit verbundenen Strategien der Selbstinszenierung am Beispiel der Band „Mayhem“ zu untersuchen und darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Darstellung des Forschungsvorhabens
2. Definitionen und theoretischer Hintergrund
3. Erläuterung
4. Methode
4.1 Interviews
4.2 Medienanalyse
4.2.1 Beispiel 1: Bands inspiriert durch „Mayhem“
4.2.2 Beispiel 2: „Mayhem“ inspiriert durch „Mayhem“
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung der norwegischen Black-Metal-Szene in den 1990er Jahren und analysiert die dabei angewandten Strategien der Selbstinszenierung am Beispiel der Band „Mayhem“.
- Entstehung und Konsolidierung der norwegischen Black-Metal-Szene
- Theoretische Verortung jugendlicher Szenen nach Hitzler und Niederbacher
- Die Bedeutung von Schlüsselpersonen wie Euronymous und Varg Vikernes
- Methodische Herausforderungen der ethnologischen Forschung in geschlossenen Milieus
- Analyse der medialen Repräsentation und bildsprachlichen Selbststilisierung
Auszug aus dem Buch
2. Definitionen und theoretischer Hintergrund
Unter dem Terminus „Mayhem“ ist keine in sich geschlossene Gruppe zu verstehen, vielmehr geht es um verschiedene Konstellationen einzelner Mitglieder, welche sowohl als Akteure als auch als Rezipienten auftreten. Den theoretischen Hintergrund der Untersuchung bilden zum einen Ronald Hitzlers und Arne Niederbachers „Leben in Szenen: Formen juveniler Vergemeinschaftung heute“. Hitzlers Szene-Theorie angewendet auf die norwegische Black-Metal-Szene lässt folgenden transformativen Schluss zu: Den inneren Kern, die sogenannte „Szeneelite“, bilden zwei Personen: Øystein „Euronymous“ Arseth und Kristian „Varg“ Vikernes. Hierzu könnte man noch eine dritte Person, Per Yngve „Dead“ Ohlin, zählen, da dieser jedoch erst nach oder auch durch seinen Tod an herausragender Bedeutung und Kultcharakter gewann, wird darauf verzichtet und das Hauptaugenmerk auf Arseth und Vikernes gelegt.
Die beiden dominanten Persönlichkeiten Øystein Arseth und Kristian Vikernes prägten das Zentrum der norwegischen Black-Metal-Szene maßgeblich, so dass sich „Szenegänger“, „Freunde“ und „Professionell Interessierte“ um sie scharten. Umschlossen wurde diese Gruppe von einem großen „Publikum“. Diese vier Begriffe dienen natürlich als grobe Unterscheidungskategorien, da eine scharfe Abgrenzung nicht möglich ist. Bestimmte Akteure wie z.B. Michael Moynihan können mehreren Kategorien gleichzeitig angehören. Als Journalist, welcher über die Black Metal-Szene schreibt, gehört er berufstechnisch schon mal der Gruppe der „Professionell Interessierten“ an. Außerdem ist er Befürworter Vikernes, was ihn mindestens für die Gruppe der „Freunde“ qualifiziert. Entscheidend für diese Forschung ist, wie Arseth und Vikernes sich in ihrem szenischen Umfeld selbstinszeniert haben und dies von ihrem Umfeld wahrgenommen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Darstellung des Forschungsvorhabens: Dieses Kapitel skizziert die Entstehung des Black Metals in Norwegen und definiert das Ziel, die Selbstinszenierung am Beispiel von „Mayhem“ zu untersuchen.
2. Definitionen und theoretischer Hintergrund: Hier wird die Szene-Theorie nach Hitzler und Niederbacher auf die Akteure der norwegischen Black-Metal-Szene angewandt.
3. Erläuterung: Das Kapitel erläutert die Entstehung der Szene rund um den Plattenladen „Helvete“ und die damit verbundenen ästhetischen Strategien der Bandmitglieder.
4. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt die Herausforderungen bei der Datenerhebung über eine geschlossene Gruppe und die Kombination aus Experteninterviews und Medienanalyse.
4.1 Interviews: Es wird die Vorgehensweise bei der Befragung von Zeitzeugen wie Varg Vikernes und die kritische Einordnung solcher Quellen dargelegt.
4.2 Medienanalyse: Hier wird der Fokus auf die grafische Gestaltung von Tonträgern als Mittel der szenischen Identitätsstiftung gelegt.
4.2.1 Beispiel 1: Bands inspiriert durch „Mayhem“: Analyse von Bezügen anderer Bands, wie etwa „Emperor“, auf das Erbe der Gruppe.
4.2.2 Beispiel 2: „Mayhem“ inspiriert durch „Mayhem“: Untersuchung der umstrittenen Veröffentlichung „The Dawn of the Black Hearts“ und deren Wirkung.
Schlüsselwörter
Black Metal, Norwegen, Selbstinszenierung, Mayhem, Euronymous, Varg Vikernes, Szene-Theorie, Subkultur, Medienanalyse, Identitätsstiftung, Helvete, Per Yngve Ohlin, Musikethnologie, Jugendkultur, Kultcharakter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der norwegischen Black-Metal-Szene der 1990er Jahre und der Frage, wie sich die zentralen Akteure durch gezielte Strategien innerhalb und außerhalb der Szene selbst inszeniert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die soziologische Szene-Analyse, die Rolle dominanter Persönlichkeiten, die Bedeutung von ästhetischen Codes (wie Corpse Paint) und die mediale Aufarbeitung der Szene-Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Wahrnehmung der Szene durch Rezipienten und die Strategien der Konsolidierung am konkreten Beispiel der Band „Mayhem“ darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert qualitative Ansätze, insbesondere Experteninterviews mit Zeitzeugen, mit einer bild- und medienwissenschaftlichen Analyse von Tonträger-Gestaltungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Akteurskonstellationen innerhalb der „Szeneelite“, die Rolle des Plattenladens „Helvete“ sowie die mediale Wirkung von Musikveröffentlichungen und deren Cover-Design.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Black Metal, Selbstinszenierung, Szene-Theorie, Euronymous, Varg Vikernes und Identitätsstiftung.
Warum wird Varg Vikernes als zentrale Quelle kritisch betrachtet?
Vikernes ist ein direkt am Konflikt beteiligter Akteur, dessen Aussagen oft subjektiv gefärbt oder bewusst verfälscht sind, weshalb sie einer quellenkritischen ethnologischen Distanzierung bedürfen.
Welche Rolle spielte der Plattenladen „Helvete“?
Er fungierte als physisches Zentrum der Szene, als Treffpunkt für Gleichgesinnte und als Ausgangspunkt für die überregionale Vernetzung der norwegischen Bands.
Was macht die Veröffentlichung „The Dawn of the Black Hearts“ so besonders?
Sie gilt als berüchtigtes Beispiel für die Selbststilisierung durch Tabubruch und mediale Schockwirkung, da ihr Cover ein Foto des verstorbenen Bandmitglieds Ohlin zeigt.
- Citation du texte
- Anna Brauer (Auteur), 2017, Illuminate Eliminate. Strategien der Selbstinszenierung der norwegischen Black Metal Szene der 1990er, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424740