Das Thomas-Theorem kann zu einem wichtigen Instrument werden um subjektive Wahrnehmungen als objektive Entscheidungsgrundlagen zu vermitteln. Die Hausarbeit soll aufzeigen, wie es Medien und Politik möglich ist, durch die Verbreitung subjektiver Wahrnehmungen eine alternative Wirklichkeit zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung, Nutzen
1.2 Motivation
1.3 Methoden/Abgrenzung
2. Situation und Situationsdefinition
3. Wirklichkeit
3.1 Begriffsdefinitionen
3.1.1 Soziale Wirklichkeit
3.1.2 Wirklichkeit
3.2 Wie wird Wirklichkeit erzeugt?
4. Thomas-Theorem
4.1 Definition vom Thomas-Theorem
4.2 Begründer des Theorems
4.3 Fiktive Beispiele für das Theorem
5. Instrumentalisierung des Theorems
5.1 Ausgewählte Beispiele in der Politik
5.2 Ausgewählte Beispiele in den Medien
5.3 Wie wirken Berichterstattungen auf das Handeln?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sozialpsychologische Bedeutung des Thomas-Theorems und analysiert, wie durch die bewusste Konstruktion subjektiver Wirklichkeiten Handlungen beeinflusst werden, die oft im Widerspruch zur objektiven Realität stehen.
- Soziologische Grundlagen des Thomas-Theorems
- Die Rolle der Situationsdefinition für menschliches Handeln
- Mediale Konstruktion von Wirklichkeit
- Instrumentalisierung des Theorems in Politik und Medien
- Auswirkungen von Falschmeldungen auf die Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.2 Wie wird Wirklichkeit erzeugt?
Während der Realismus mit mimetischer (griech. mimesis = Nachahmung) Denkweise davon ausgeht, dass wir die Wirklichkeit abbilden und repräsentieren geht der konstruktivistische Ansatz mit poietischer (griech. poiein = erschaffen, machen, gestalten) Denkweise davon aus, dass wir Wirklichkeit verkörpern, sie generieren, konstruieren beziehungsweise aufbauen. Medien und Politik hingegen sind keinesfalls nur ein Abbild der Wirklichkeit, sie sind Konstrukteure, denn es bedarf nicht viel, um eine Situation für den Zuschauer als wirklich erscheinen zu lassen.
Beispielsweise muss eine Meldung erst einmal lediglich als nicht zu unglaubwürdig erscheinen. Gelingen kann dies durch das Heranziehen vermeintlicher „Experten“. Ein Feuerwehrmann wird befragt zu Umständen eines Feuerwehreinsatzes nach einem Brand, selbst wenn dieser nicht vor Ort war. Ein Architekt äußert sich vor laufenden Fernsehkameras und gibt vermeintlich ein Fachurteil zum Geschehen, selbst wenn er sich vor dem Fall nie mit der Architektur des vom Einsturz betroffenen Gebäude auseinandergesetzt hat.
Je nachdem, auf welchem Thema das Augenmerk in den Medien oder der Politik liegt, kann auch ein entsprechender zumindest scheinbarer Experte herangezogen werden. Selbst wenn er nur kurz Stellung nimmt, erhöht es die Chancen, die Situation als wirklich erscheinen zu lassen. Auf der anderen Seite kann zum Beispiel die Fokuswahl einen starken Effekt auf die Erzeugung von Wirklichkeit haben. Werden von einem bestimmten Ereignis nur Ausschnitte gezeigt, so kann es zu einer vollkommen anderen Wahrnehmung der Wirklichkeit kommen, als wenn umfassend berichterstattet wird. Dieser Art medialer Beeinflussung bedient sich besonders performatives Realitätsfernsehen. Hier agieren Menschen in realen Situationen im Rahmen eines vom Zuschauer nicht unbedingt erkennbaren Drehbuchs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der sozialpsychologischen These von W.I. und D.S. Thomas und Darstellung der Forschungsfrage zur Wirklichkeitskonstruktion.
2. Situation und Situationsdefinition: Theoretische Herleitung der Bedeutung von sozialen Situationen und der daraus resultierenden Handlungsweisen des Individuums.
3. Wirklichkeit: Auseinandersetzung mit der Begriffsdefinition sozialer Wirklichkeit und der konstruktivistischen Betrachtung ihrer Entstehung.
4. Thomas-Theorem: Zentrale theoretische Einbettung des Theorems mitsamt seiner Begründer und Veranschaulichung durch fiktive Fallbeispiele.
5. Instrumentalisierung des Theorems: Praktische Untersuchung der Anwendung des Theorems durch politische Akteure und mediale Berichterstattung.
6. Fazit: Resümee über die Notwendigkeit kritischer Medienkompetenz zur Bewahrung vor den Folgen einseitiger Wirklichkeitskonstruktionen.
Schlüsselwörter
Thomas-Theorem, soziale Wirklichkeit, Situationsdefinition, Konstruktivismus, Medienkompetenz, Fake News, alternative Fakten, Sozialpsychologie, Handlungsfolgen, mediale Beeinflussung, Gesellschaft, Wahrnehmung, symbolischer Interaktionismus, Politik, Konstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sogenannten Thomas-Theorem, welches besagt, dass Situationen, die von Menschen als real definiert werden, auch in ihren Konsequenzen real sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Konstruktion von Wirklichkeit, die psychologische Definition von Situationen sowie deren Manipulation durch Medien und Politik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Menschen Wirklichkeiten schaffen und wie Handlungen auf subjektiven Wahrnehmungen basieren, die oft der objektiven Realität widersprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verknüpft aktuelle Zeitungsberichte mit fachwissenschaftlicher Literatur zu soziologischen Theorien der Wirklichkeitskonstruktion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition des Theorems, die Entstehung sozialer Wirklichkeit und die gezielte Instrumentalisierung durch Politiker und Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Thomas-Theorem, Situationsdefinition, Medienkompetenz, soziale Wirklichkeit und die Konstruktion von Wahrheiten.
Wie trägt die Politik zur Konstruktion von Wirklichkeit bei?
Politiker nutzen das Theorem gezielt aus, um durch die Verbreitung subjektiver Wahrheiten oder "alternativer Fakten" bestimmte Ideologien zu stützen und das Handeln der Wähler zu steuern.
Welche Rolle spielen Medien bei der Wahrnehmung der Welt?
Medien fungieren als Konstrukteure, die durch Fokuswahl und Expertendarstellungen bestimmen, was als real wahrgenommen wird, was wiederum das Problembewusstsein der Bürger massiv prägt.
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- Nick Schilken (Autor), 2018, Das Thomas-Theorem. Die heimliche Waffe. Wie Menschen Wirklichkeiten schaffen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424820