Das Modell der textil-ästhetischen Kommunikation


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff „ästhetisch“

Das Modell der Textil-Ästhetischen Kommunikation
Erstes Merkmal
Zweites Merkmal
Drittes Merkmal
Viertes Merkmal

Anwendung „eigenes Objekt“
Tagebucheintrag
Analyse

Anwendung „Fläche“
Tagebucheintrag
Analyse

Fazit

Quellen

Abbildungsverzeichnis

Der Begriff „ästhetisch“

Was ist eigentlich ästhetisch? Die meisten sind sich einig, dass etwas schön und ansprechend ist, wenn es ästhetisch ist. Laut der Netzseite wissen.de bedeutet das Adjektiv so viel wie „ausgewogen schön, geschmackvoll, appetitlich, ansehnlich und ansprechend“ (vgl. wissen.de). Das ist die häufigste Auffassung dieses Wortes. Der Duden gibt die gleiche Beschreibung, verweist aber gleichzeitig noch auf ein anderes Wort – unästhetisch. Laut dem Duden ist etwas unästhetisch, wenn es abstoßend, entstellt, hässlich oder schauderhaft ist. Die meisten Menschen würden dem auch zustimmen. Nur ist es so, dass etwas nicht schön sein muss, um ästhetisch zu sein. Alles, was unsere Sinne bewegt, ist ästhetisch. Ästhetik ist die Lehre der Wahrnehmung. Es geht nicht darum ob wir das Objekt schön finden oder nicht. Jedes Gefühl und jeder Ausdruck der bei uns, den Subjekten, ausgelöst wird, ist Teil der Ästhetik.[1]

Das Modell der Textil-Ästhetischen Kommunikation

Das Modell der Textil-Ästhetischen Kommunikation ist ein Modell mit vier Merkmalen, die den Prozess der Kommunikation zwischen Objekt und Subjekt beschreiben. Das erste Merkmal ist die Ästhetik, die beschreibt, ob das Objekt Gefühle bei dem Subjekt auslöst. Das zweite Merkmal ist die Kommunikation. Objekt und Subjekt können auf unterschiedliche Art und Weise miteinander kommunizieren. Das dritte Merkmal ist die In-Bezugnahme zwischen Objekt und Subjekt, die die unterschiedlichen Prozesse der Kommunikation beschreibt. Das vierte und letzte Merkmal ist das Kongruenzerleben durch Sinnkonstruktion. Dieses Merkmal bezieht sich auf die anderen drei und zieht daraus die Erkenntnis, ob ein Kongruenzerleben zwischen Objekt und Subjekt stattfindet.

Ich beziehe mich in meiner Ausarbeitung auf die Folien von Prof. Dr. Schütz.

Erstes Merkmal

Das erste Merkmal dieses Modells ist die Ästhetik und bezieht sich auf die sinnliche Wahrnehmung. Die sinnliche Wahrnehmung ist die Aufnahme von Informationen. Es gibt unterschiedliche Arten von Wahrnehmung; Die haptisch-taktile Wahrnehmung geht über den Tast- und Berührungs- und Temperatursinn, der Geruchssinn führt zur olfaktorischen Wahrnehmung. Die propriozeptive Wahrnehmung ist die Aufnahme von Informationen über die Muskeln und Gelenke, und der Dreh- und Bewegungssinn sind die vestibuläre Wahrnehmung. Dies sind die sogenannten Nahsinne. Die Fernsinne, mit denen wir auch Informationen aufnehmen, sind die visuelle und die auditive Wahrnehmung, also sehen und hören. Mit all diesen Sinnen nehmen wir Informationen von dem Objekt auf. Die aufgenommenen Informationen lösen eine Reaktion im Subjekt aus. Sowohl positive als auch negative Gefühle und Gedanken können hervortreten. Nun geht es darum, diese Gedanken zu definieren. Ist es Zuneigung oder Abneigung? Welche Gedanken hat das Subjekt?

Die Ästhetik ist nicht länger nur die Lehre vom Schönen, sondern die Theorie der Sinne und der Wahrnehmung, oder auch „Die Ästhetik… ist die Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis.“ (Baumgarten, A.G., 1735). Das Subjekt erkennt, dass das Objekt ihm etwas erzählen kann. Es findet eine erste Kommunikation zwischen Objekt und Subjekt statt, die eine Verbindung zwischen ihnen schafft. Somit kommen wir zum zweiten Merkmal der Textil-Ästhetischen Kommunikation.

Zweites Merkmal

Die Kommunikation, oder auch die „über die Sache vermittelte Selbstkommunikation“ entsteht, wenn eine Nachricht von Subjekt zu Objekt oder von Objekt zu Subjekt gesendet wird. Es gibt unterschiedle Arten und Weisen, wie diese Kommunikation stattfinden kann. Der am meisten gebrauchte Kommunikationsmodus ist die Sprache, dies können auch Gedanken sein. Schrift, oder Schriftsprache, und Bilder sind auch Arten der Kommunikation. Bilder sind aber sehr vielfältig interpretierbar, und jedes Subjekt interpretiert sie anders. Sie sind aber ein gutes Medium für Selbstkommunikation. Das Subjekt kommuniziert mit sich selbst, indem es das Bild betrachtet und sich Gedanken darüber macht. Die Nachricht besteht aus mehreren Teilen; einer Selbstoffenbarung und einem Appell, einem Sachinhalt und einer Beziehung. Die Selbstoffenbarung ist der Teil der Nachricht, in dem das Subjekt sich dem Objekt öffnet und sagt, was es gerade empfindet. Mit dem Appell spricht das Subjekt eine Aufforderung aus. Begleitet wird die Nachricht von dem Sachinhalt, einer Schilderung der persönlichen Situation, oder einem Thema. Auf der anderen Seite ist der Beziehungsaspekt, der aussagt, ob eine Beziehung, eine sogenannte Kongruenz, zwischen dem Objekt und dem Subjekt stattfindet. Auf diese Weise verschränken sich Subjekt und Objekt in der ästhetischen Wahrnehmung und nehmen aufeinander Bezug.

Drittes Merkmal

Objekt und Subjekt können auf unterschiedliche Arten und Weisen miteinander kommunizieren. Dieses Merkmal der Textil-Ästhetischen Kommunikation nennt sich die In-Bezugnahme zwischen Objekt und Subjekt. Man könnte auch fragen, auf welche Weise das Subjekt von dem Objekt angesprochen wird. Es gibt sechs Prozesse, die die Kommunikation beschreiben. Sie gehen von gesellschaftlich-sozial deutend zu biografisch sinngebend. Zuerst kommt der gesellschaftlich-sozial deutende Teil, der aus der diskursiv-annähernden Wirkung und dem sinnbildhaften Prozess besteht.

Die erste Wirkung ist die diskursiv-annähernde. Das Subjekt stellt sich fragen über das Objekt, zum Beispiel wo es herkommt oder wie das Leben ohne das Objekt wäre.

Der sinnbildhafte Prozess ist der, in dem das Objekt mit Symbolen und Metaphern verglichen und beschrieben wird. Ihm wird eine Bedeutung gegeben, womit das Subjekt das Objekt verbindet.
Im mittleren Teil der In-Bezugnahme befindet sich die gegenständliche und die kontextuelle Wirkung. Die gegenständliche ist die konkrete Beschreibung des Objekts, wie es aussieht oder genutzt wird. Die kontextuelle Wirkung dagegen beschreibt das Umfeld und die Geschichte.
Der biografisch sinngebende Teil der Bezugnahme besteht aus physiognomischen und synästhetischen Prozessen. Die physiognomischen Prozesse sind die, in denen das Subjekt Empathie empfindet. Ähnlich sind die synästhetischen Prozesse, die gleichzeitiges Mit-Empfinden beinhalten. Sie sind aber auch Erinnerungen davon, was Objekt und Subjekt zusammen erlebt haben.

Viertes Merkmal

Das vierte und letzte Merkmal der Textil-Ästhetischen Kommunikation ist das „graduelle Kongruenzerleben durch Sinnkonstruktion“. Die Frage ist, ob es eine persönliche Sinngebung zwischen Objekt und Subjekt gibt. Biografische Verweise in der In-Bezugnahme, also persönliche Erinnerungen und subjektive Erfahrungen deuten darauf hin, dass ein Kongruenzerleben stattfindet. Das Subjekt schreibt dem Objekt eine individuelle Bedeutung zu. Damit verschränken sich die beiden „Welten“ des Objekts und des Subjekts. Es findet eine Kommunikation statt. Diese Kommunikation findet über die sechs Kategorien der In-Bezugnahme statt. Die meiste persönliche Kommunikation, bei der dem Objekt eine individuelle Bedeutung zugeschrieben wird, sind die synästhetischen, physiognomischen und diskursiv annähernden Prozesse. Auch die sinnbildhaften Prozesse geben dem Objekt eine individuelle Bedeutung, müssen aber nicht unbedingt etwas mit den persönlichen Erinnerungen des Subjekts zu tun haben.

Der gegenständliche und der kontextuelle Prozess beschreiben nur das Objekt und die Umgebung des Objekts und des Subjekts. Somit schaffen sie keine persönliche Bindung zwischen Objekt und Subjekt. Der kontextuelle Prozess kann lediglich ein gemeinsames Erlebnis schildern, schafft aber trotzdem keine persönliche Beziehung.

Es ist hauptsächlich der Prozess der individuellen Sinngebung, der das Kongruenzerleben ausmacht. Wenn das Subjekt dem Objekt einen individuellen Wert geben kann, den nur dieses Subjekt gegenüber dem Objekt empfindet, verschränken sich die Welten des Objekts und des Subjekts, und es entsteht ein Kongruenzerleben.

Anwendung „eigenes Objekt“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 "Tasche"

Diskursiv annähernd

metaphorisch/symbolisch

gegenständlich

kontextuell

empathisch/physiognomisch

synästhetisch

Tagebucheintrag

Diese Tasche habe ich selbst genäht. Ich hatte vorher schon ein paar kleine, einfache Taschen genäht, aber noch nichts so Großes. Ob es funktionieren würde wusste ich nicht ganz sicher, aber ich wollte es zumindest versuchen. Dies ist nun schon anderthalb Jahre her und ich bin immer noch genauso Stolz wie vorher. Sie ist schön für mich, weil sie praktisch ist und meinen Ansprüchen entspricht. Genau so eine Tasche brauchte ich. Es passen A4 Blöcke hinein und auch mein Laptop, also war sie gut für die Schule und jetzt auch für die Uni. Es passt alles rein was ich den Tag über so brauche.

Ich empfinde unterschiedliche Dinge, wenn ich sie ansehe. Einerseits Stolz, weil ich sie ganz alleine genäht habe ohne Hilfe. Andererseits verbinde ich Hoffnung mit ihr, weil ich hoffe, auch zukünftig solche Taschen zu nähen. Etwas Eigenes aufzubauen. Es ist schön, selbstgemachtes in den Händen zu halten.

Erinnerungen an die letzten Monate in der Schule, vor allem an die Examenszeit. Sonst hatte ich zu viele Bücher dabei um die Tasche zu benutzen. Hoffnungen an ein neues Leben, ein Leben nach der Schule. Sie ist mit mir nach Deutschland gezogen, nun nach Flensburg. Auch erinnert sie mich an meine Arbeit. Dort habe ich die Stoffe her. Vier Jahre lang habe ich bei Stoff&Stil gearbeitet, habe viele Stoffe dort gekauft. Die Stoffe für die Tasche waren ausnahmsweise keine Reste, habe sie von der Rolle gekauft. Meine Mitarbeiter. Viel Inspiration. Schöne Stoffe. Auch hässliche, bei denen ich mich fragte, wer die kaufen soll. Wurden sie auch nicht. Aber die schönen Stoffe hätte ich am liebsten alle gekauft. Ich mag es aber lieber schlicht, so wie die Stoffe der Tasche. Grau ist schön. Auch der blaue Baumwollstoff innen. Ich finde die Kombination schön.

Sie ist praktisch, es passt viel rein. Die Träger sind stabil, da kann nichts passieren. In die Innentasche passt der Kleinkram, der sonst in dem Loch verschwinden würde. Alles ist übersichtlich, alles hat seinen Platz. Die Henkel könnten ein bisschen länger sein, wenn sie voll ist wird es knapp. Manchmal kriege ich sie gar nicht zu. Der Boden ist stabil, hält alles aus. Ich habe keine Angst, dass etwas kaputtgehen könnte.

Die Tasche ist wie eine kleine Schatztruhe, mit allem was ich brauche. Es ist nur meine Tasche, die ich für mich selbst genäht habe. Niemand sonst hat so eine. Ich benutze sie fast jeden Tag.

Analyse

Die erste Frage um herauszufinden, ob ein „graduelles Kongruenzerleben durch Sinnkonstruktion“ stattfindet, ist, ob sich die „In-Bezugnahme zwischen Objekt und Subjekt“ operationalisieren lassen. Ich konnte den Tagebucheintrag gut den unterschiedlichen Kategorien zuordnen. Hauptsächlich kommt der synästhetische Prozess vor. Ich habe viele persönliche Erinnerungen mit der Tasche. Jedoch war es schwierig, zwischen kontextueller Wirkung und diskursiv annähernder Wirkung zu unterscheiden. Ich habe mich dann für kontextuelle Wirkung entschieden.

Die „In-Bezugnahmen zwischen Objekt und Subjekt“ lassen sich also operationalisieren.

Die zweite Frage ist, was bei einem „Kongruenzerleben“ hinzukommt“. Dies bezieht sich sowohl auf die erste, zweite und vierte Definition des Textil-Ästhetischen Modells. Mein Objekt spricht mich ästhetisch an, es löst etwas bei mir aus. Es findet eine Kommunikation zwischen mir und dem Objekt statt. In den synästhetischen Bezügen zeigen die Werktagebucheinträge persönliche Erinnerungen, die sinnbildhaften Prozesse zeigen eine individuelle Bedeutung. Die In-Bezugnahme bezieht sich also hauptsächlich auf die biografisch sinngebende Ebene des Modells .

Im Fokus steht in den Einträgen also die subjektive In-Bezugnahme zwischen mir, dem Subjekt, und der Tasche, dem Objekt. Ich gebe der Tasche eine symbolische und individuelle Bedeutung sowie eine persönliche Sinngebung. Die In-Bezugnahme ist also hauptsächlich biografisch sinngebend.

Somit kann man mit Sicherheit sagen, dass ein „graduelles Kongruenzerleben durch Sinnkonstruktion“ zwischen Objekt und Subjekt besteht.

Anwendung „Fläche“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 "Gefärbter Stoff"

Tagebucheintrag

Endlich habe ich es geschafft, Stoff richtig zu färben. Letzte Woche habe ich es nicht hinbekommen, weil ich nicht fest genug abgeschnürt hatte. Aber jetzt hat es funktioniert! Es ist ein Stück Stoff mit unterschiedlichen Mustern und Farben. Ich habe vieles ausprobiert. Drehen, schnüren. Ganz fest muss es sein! Dann habe ich die eine Seite in die blaue Farbe gehalten. Die ecke musste rot werden. Plötzlich wurde das eine lila. Das auseinanderschneiden war schwierig, ich bin mit der Schere gar nicht dazwischengekommen. Es war ganz knittrig. Die eine Ecke hat sich verzogen.

Das Muster ist wunderschön! Unterschiedliche Farben und Formen. Unterschiedliche Assoziationen. Es ist blau wie das Meer. Die großen Kreise sehen aus wie Quallen. Die kleinen sehen aus wie kleine Quallen. Das in der Ecke passt nicht ganz rein, es sieht aus wie ein Spinnennetz. Vielleicht schimmert die Sonne auf das Wasser? Tage am Strand. Stein sammeln. Steine werfen. Vielleicht sind es die Kreise auf dem Wasser, wenn man Steine reinwirft. Lichter im Dunkeln.

Analyse

Auf die erste Frage, ob sich die „In-Bezugnahmen zwischen Objekt und Subjekt“ operationalisieren lassen, kann ich mit ja antworten. Auch zu diesem Objekt konnte ich die unterschiedlichen Kategorien der In-Bezugnahme zuordnen. Hier findet eine sehr ausgeprägte diskursiv annähernde Wirkung statt. Auch erzeugt das fertige Objekt einige Assoziationen bei mir in Form von Symbolen. An einer Stelle war es schwierig, zwischen synästhetischem und sinnbildhaftem Prozess zu unterscheiden, da es sowohl Erinnerungen als auch Assoziationen waren. In dem Fall entschied ich mich für den synästhetischen Prozess, weil es hauptsächlich Erinnerungen waren. Die Definitionen der beiden Prozesse sollten aber noch mehr differenziert werden, da sie sich in mancher Hinsicht ähnlich sind.

Die zweite Fragestellung, ob ein Kongruenzerleben entsteht, ist hier etwas schwieriger zu beantworten. Das Objekt löst etwas bei mir aus, vor allem einen diskursiven Prozess, aber auch Assoziationen. Trotzdem gibt es keine konkreten biografischen Verweise, die mich einen Bezug zu dem Objekt aufbauen lassen. Die Welt des Objekts und des Subjekts verschränken sich nicht.

Während der Gestaltung des Objekts entstand eine Kommunikation, die sich aber hauptsächlich auf die Gestaltung des Objekts bezog, weniger auf biografische Verweise. Den Teil meines Tagebucheintrags, den ich jetzt als synästhetischen Prozess markiert habe, könnte genauso gut ein rein sinnbildhafter Prozess sein.

Es findet wenig bis keine subjektive In-Bezugnahme statt. Ich kann dem Objekt keine individuelle Bedeutung zuschreiben. Auch löst es keine persönlichen Erinnerungen aus. Stattdessen beziehen sich die Prozesse hauptsächlich auf die gesellschaftlich-sozial deutende Ebene des Modells der In-Bezugnahme. Dies deutet darauf hin, dass kein subjektives Kongruenzerleben stattfindet. Die Bezugnahmen werden in keinen Kontext gestellt, der von persönlichen Erinnerungen oder individueller Bedeutung geprägt ist. Deshalb ziehe ich den Schluss, dass kein graduelles Kongruenzerleben durch Sinnkonstruktion zu dem Objekt entstanden ist.

Fazit

Es wird deutlich, dass ein Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Objekt in Bezug auf das Kongruenzerleben besteht. Die Kategorien der In-Bezugnahme sind sehr unterschiedlich.

Während das erste Objekt, die Tasche, viele persönliche Erinnerungen auslöst, findet bei dem zweiten Objekt, dem gefärbten Stoff, dieser Prozess nur begrenzt statt. Stattdessen befinde ich mich in einem diskursiv annähernden Prozess mit diesem Objekt, der den Prozess des Erstellens begleitet.

Die In-Bezugnahme der Tasche ist eher biografisch sinngebend, während die In-Bezugnahme des gefärbten Stoffes eher gesellschaftlich-sozial deutend. Das kann darauf deuten, dass das Kongruenzerleben mit der Tasche viel stärker ist als mit dem Stück Stoff. Der synästhetische Prozess und der physiognomische Prozess sind stark ausgeprägt. Es besteht eine starke persönliche Beziehung zu der Tasche.

Diese persönliche Beziehung ist bei dem zweiten Objekt nicht zu finden. Hier ist der diskursiv annähernde Prozess am stärksten ausgeprägt, bezieht sich aber nur auf den Prozess der Erstellung des Objekts. Auch der sinnbildhafte Prozess ist hier recht stark, bezieht sich aber auf keine persönlichen Erinnerungen. Es sind lediglich Assoziationen, die keine individuelle Sinngebung darstellen.

So gesehen besteht also mit beiden Objekten ein graduelles Kongruenzerleben, ist aber nur bei dem einen Objekt bezogen auf persönliche Erinnerungen. Somit kann man sagen, dass das Kongruenzerleben bei dem zweiten Objekt „beschränkt“ ist. Es findet eine Kommunikation zwischen Objekt und Subjekt statt, aber auf einem anderen Niveau als bei dem ersten Objekt. Die persönliche Beziehung ist nicht da, das Subjekt kann sich mit dem Objekt nicht identifizieren.

Die Schlussfolgerung, die ich aus dem Ergebnis ziehe ist, dass es unterschiedliche Arten von Kongruenzerleben gibt. Diese sind unterschiedlich stark, aber trotzdem vorhanden. Es gibt Kongruenzerleben, dass sich auf persönliche Erinnerungen und individuelle Sinngebung bezieht. Dies ist die stärkste Form von Kongruenzerleben. Die zweite Form von Kongruenzerleben ist die Kommunikation mit dem Objekt während eines Prozesses, zum Beispiel dem der Herstellung des Objekts. Die Kommunikation beruht auf Assoziationen und Gedanken, die das Subjekts während des Prozesses hat.

Ich hatte also mit beiden Objekten ein Kongruenzerleben, nur auf unterschiedliche Weisen.

[...]


[1] Vgl.: Wissen (2016): ästhetisch [online] Homepage: wissen.de URL: http://www.wissen.de/fremdwort/aesthetisch Vgl.: Duden (2016): ästhetisch [online] Homepage: Duden URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/unaesthetisch Vgl.:Duden (2016): unästhetisch [online] Homepage: Duden URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/aesthetisch Vgl.: Wikipedia (05.02.2016): Ästhetik [online] Homepage: Wikipedia URL: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84sthetik

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Modell der textil-ästhetischen Kommunikation
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Textil und Mode)
Veranstaltung
Textil-Ästhetische Kommunikation
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V424851
ISBN (eBook)
9783668701397
Dateigröße
880 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textil, Textil-Ästhetische Kommunikation
Arbeit zitieren
Antonia Worm (Autor), 2016, Das Modell der textil-ästhetischen Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424851

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