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Von Hobbes bis Rawls. Sieben Kapitel aus der Problemgeschichte der Freiheit

Titel: Von Hobbes bis Rawls. Sieben Kapitel aus der Problemgeschichte der Freiheit

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2017 , 36 Seiten

Autor:in: Prof. Dr. Peter Baumanns (Autor:in)

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
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Isaiah Berlin und John Rawls gelten weltweit als maßgebliche Autoren der politisch-moralischen Freiheitsreflexion der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Rawls als Verfasser einer egalitär-pluralistisch freiheitszentrierten Theorie der Gerechtigkeit in der Tradition der Vertragstheorien von Hobbes, Locke und Rousseau, aber auch als konstruktiv-kritischer Rezipient der Kantischen Moral- und Rechtsphilosophie, Berlin als hermeneutisch sensibler Erforscher der liberalen Ideengeschichte. Die Kapitel I-V vermitteln Hintergrundwissen aus dem genannten philosophiegeschichtlichen Bereich (Hobbes, Locke, Rousseau, Kant, Hegel). Die Kapitel VI und VII rekonstruieren nicht ohne kritische Bemerkungen Berlins und Rawls‘ Freiheitsreflexion. Die Schlusskapitel gehen der Frage nach, ob und wie das freiheitsbegriffliche Traditionselement der moralische Glückswürdigkeit und Glück zusammenbringenden „Ethikotheologie“, das noch Immanuel Kant und Friedrich Schiller hochhielten, unter abweichenden Prämissen fortgeführt werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I Thomas Hobbes (1588-1679). Das kontraktualistische Modell des absoluten Staates.

II Locke´s Erkenntnistheorie und die Neufassung der Begriffe Freiheit, Gleichheit, Eigentum.

III Der politische Gesellschaftsvertrag bei Jean Jacques Roussseau (Du Contrat Social ou Principes du droit politique)

IV Kants theoretischer und praktischer Freiheitsbegriff.

V. Begierde als protopraktisches Phänomen in Hegels „Phänomenologie des Geistes“.

V.I. Herr und Knecht: Die Bewährung durch den Tod.

VI. Berlins „negative“ und „positive“ Freiheit

VII. Vergleich mit Rawls egalitärem Liberalismus

VIII. Freiheit in philosophischer, politischer und theologischer Perspektive

IX Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Das Buch untersucht die Problemgeschichte der Freiheit durch eine systematische Analyse maßgeblicher philosophischer Denker, von Hobbes über Locke, Rousseau, Kant und Hegel bis hin zu Berlin und Rawls, um die Entwicklung des Freiheitsbegriffs im Kontext von Staatsphilosophie und Ethik nachzuvollziehen.

  • Die kontraktualistischen Staatsmodelle von Hobbes, Locke und Rousseau
  • Die kritische Vernunft und der Freiheitsbegriff bei Immanuel Kant
  • Hegels Dialektik der Begierde und das Verhältnis von Herr und Knecht
  • Die Differenzierung zwischen negativer und positiver Freiheit bei Isaiah Berlin
  • Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit als Fairness im Vergleich zur Tradition

Auszug aus dem Buch

I Thomas Hobbes (1588-1679). Das kontraktualistische Modell des absoluten Staates.

Für Hobbes ist der Staat eine mit absoluter Macht- und Rechtsfülle nach natürlichem und göttlichem Gesetz ausgestattete Institution, eine gleichsam durch einen Sozialvertrag entstandene Schutzmacht der Bürger. Thomas Hobbes‘ politische Philosophie ist wie sein Denken überhaupt vom zeitgleichen englischen Bürgerkrieg mit der Hinrichtung des Königs (1649) beeinflusst. Hobbes geht von der Freiheit und Gleichheit der Individuen aus. Sie bezeugt sich darin, dass in einem fiktiven Naturzustand jeder jeden töten kann. Und dazu sind sie in der ersten Phase des Naturzustandes auch disponiert. Sie sind beseelt von einem uneingeschränkten Freiheitswillen, den man als hemmungslosen Expansionswillen kennzeichnen kann. „Freiheit“ meint in ihrer ursprünglichsten Bedeutung ein Sich-Bewegen-Können-ohne-Ende mit Unterwerfung oder Aneignung aller Hindernisse, ohne großen Unterschied zwischen Sachen und Menschen. „Gleichheit“ gehört insofern zur urtümlichen Freiheit der ersten Naturzustandsphase, als jeder jeden töten kann, und sei es, dass er den anderen im Schlaf aus dem Weg räumt. Angesichts dieser gleichen Machtbefähigung kommt es zu einem wechselseitigen Mißtrauen und zu einem bellum omnium contra omnes, ja zum bellum uniuscuiusque contra unumquemque. Die Freiheit ist im ersten Abschnitt des Naturzustandes als individuelle Freiheit mit Gleichheit des Könnens und der Furcht verbunden.

Aber es handelt sich bei diesen Wesen um „Menschen“, die über Vernunft verfügen. Sie sehen ein, dass der Krieg, den sie des Gewinns und der Sicherheit wegen führen, aufhören muss. Die Vernunft führt sie auf ein neues (göttliches) Naturgesetz, eine moralisch-normative lex naturae. Dieses energische Sollens-Gesetz sagt jedem: Suche und halte Frieden. Vertrage dich mit den anderen. Schließe mit allen einen Friedensvertrag. Und zwar so, dass alle übereinkommen, ihre Machtbefähigung an Herrschafts-Institutionen zu übertragen. Machtvolle Staatsgesetze sollen die rohe Freiheit und Gleichheit kultivieren, sie in vernünftige Bahnen lenken. Dann darf es für die Bürger „homo homini deus“ heißen, wie im Widmungsschreiben des Verfassers von De Cive, weil Gerechtigkeit und Liebe, die Friedenstugenden zur Gott-Ähnlichkeit führen, während beim Anblick der Staaten „homo homini lupus“ zutrifft, weil sie List, Raublust und Gewalt freien Lauf lassen.

Zusammenfassung der Kapitel

I Thomas Hobbes (1588-1679). Das kontraktualistische Modell des absoluten Staates.: Hobbes begründet den absoluten Staat als eine durch einen Sozialvertrag entstandene Schutzmacht, um den kriegerischen Naturzustand des bellum omnium contra omnes zu überwinden.

II Locke´s Erkenntnistheorie und die Neufassung der Begriffe Freiheit, Gleichheit, Eigentum.: Locke entwickelt eine Epistemologie, die das Bewusstsein als Basis für die individuelle Freiheit und das Recht auf Eigentum im Rahmen eines vertragstheoretischen Staatsverständnisses konstituiert.

III Der politische Gesellschaftsvertrag bei Jean Jacques Roussseau (Du Contrat Social ou Principes du droit politique): Rousseau entwirft mit dem Gesellschaftsvertrag eine Metamorphose der Freiheit, in der der Einzelne sich dem allgemeinen Willen (volonté générale) unterwirft, um rechtlich-moralische Freiheit zu erlangen.

IV Kants theoretischer und praktischer Freiheitsbegriff.: Kant fokussiert auf die Möglichkeitsbedingungen der Erkenntnis und deduziert die Freiheit als absolute Spontaneität, die im kategorischen Imperativ ihre praktische Anwendung findet.

V. Begierde als protopraktisches Phänomen in Hegels „Phänomenologie des Geistes“.: Hegel beschreibt die Begierde als notwendigen protodialektischen Schritt des Bewusstseins, das durch die Anerkennung und den Konflikt mit dem Anderen zu sich selbst kommt.

V.I. Herr und Knecht: Die Bewährung durch den Tod.: Dieses Kapitel analysiert den Kampf auf Leben und Tod als Ausgangspunkt für die Herrschaftsbeziehung, in der die Anerkennung durch den Anderen gesucht wird.

VI. Berlins „negative“ und „positive“ Freiheit: Berlin differenziert zwischen der Freiheit von Einmischung (negative Freiheit) und der Freiheit zur Selbstbestimmung (positive Freiheit) als zentrale Kategorien liberalen Denkens.

VII. Vergleich mit Rawls egalitärem Liberalismus: Rawls wird als Theoretiker der Gerechtigkeit als Fairness vorgestellt, der individuelle Grundrechte in einer pluralistischen Gesellschaft absichert.

VIII. Freiheit in philosophischer, politischer und theologischer Perspektive: Das Kapitel verknüpft liberale und metaphysische Freiheitsbegriffe mit theologischen Fragen und dem Ideal des Gemeinwohls.

IX Schlussbetrachtung: Das Fazit reflektiert die ethikotheologische Grundlegung von Freiheit und das Spannungsfeld zwischen rationaler Philosophie und moralischem Glauben.

Schlüsselwörter

Freiheit, Kontraktualismus, Rechtsphilosophie, Sozialvertrag, Erkenntnistheorie, Moralgesetz, Dialektik, Anerkennung, Liberalismus, Gerechtigkeit, Vernunft, Ethikotheologie, Naturzustand, politisches Denken, Menschenrechte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Das Werk bietet eine tiefgehende Untersuchung der Problemgeschichte des Freiheitsbegriffs innerhalb der politischen Philosophie von der frühen Neuzeit bis in die Moderne.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Entwicklung von Gesellschaftsverträgen, die metaphysische Fundierung von Freiheit, die Unterscheidung zwischen negativer und positiver Freiheit sowie die Gerechtigkeitstheorien der Gegenwart.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Entwicklung der Freiheit als zentrales philosophisches Problem nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Denker die Spannung zwischen individueller Autonomie und kollektiver Ordnung lösen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine ideengeschichtliche und analytische Auseinandersetzung mit den Originaltexten der behandelten Philosophen, ergänzt durch eine eigene systematisierende Analyse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Theorien von Hobbes, Locke, Rousseau, Kant, Hegel, Berlin und Rawls detailliert diskutiert, wobei deren jeweilige Beiträge zum Verständnis der Freiheit kritisch reflektiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Freiheit, Sozialvertrag, Gerechtigkeit als Fairness, Vernunft, Autonomie und das Verhältnis zwischen Individuum und Staat.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Freiheit bei Hobbes und Rousseau?

Während bei Hobbes die Freiheit in der Unterwerfung unter den absoluten Staat liegt, um das Überleben zu sichern, sucht Rousseau in der Teilhabe am allgemeinen Willen eine sittliche Veredelung der Freiheit.

Warum ist Kants Freiheitsbegriff für das Werk so bedeutend?

Kants Philosophie bildet eine methodische Brücke zwischen Erkenntniskritik und moralischer Freiheit, die in der modernen Diskussion um das „höchste Gut“ und die ethikotheologische Reflexion essenziell bleibt.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Von Hobbes bis Rawls. Sieben Kapitel aus der Problemgeschichte der Freiheit
Autor
Prof. Dr. Peter Baumanns (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
36
Katalognummer
V424867
ISBN (eBook)
9783668705432
ISBN (Buch)
9783668705449
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hobbes Rawls Freiheit Gleichheit Staat Isaiah Berlin. Negative und positive Freiheit John Rawls: Justice as Fairness Rawls: egalitärer pluralistischer Liberalismus Berlin Ideengeschichte des Liberalismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Prof. Dr. Peter Baumanns (Autor:in), 2017, Von Hobbes bis Rawls. Sieben Kapitel aus der Problemgeschichte der Freiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424867
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