Diese letzte, nach der Ansicht Hegels endgültig letzte Stufe des menschlichen Geistes, die nicht mehr weiter entwickelt zu werden braucht, weil sie selbst die stetige Fortentwicklung der Erkenntnis in der Wissenschaft beinhaltet und darstellt, besteht offenbar parallel auch in der damaligen Vorstellung vom physikalischen freien Denken über die Natur, wie es damals gegenwärtig war und diskutiert wurde.
Hegel erweitert somit die von Kant oben erwähnte vorgeschlagene unflexible Art der Erkenntnistheorie der transzendentalen Ästhetik und liefert eine Antwort auf die offene Frage, wie das Subjekt bei Kant seine Erkenntnis an veränderte Welten anpassen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DAS BEWUßTSEIN
2.1. DIE SINNLICHE GEWIßHEIT
2.2. WAHRNEHMUNG
2.3. VERSTAND
2.4. SELBSTBEWUßTSEIN, DIE WAHRHEIT DER GEWIßHEIT SEINER SELBST
2.5. VERNUNFT
2.6. GEIST
2.7. RELIGION
2.8. ABSOLUTES WISSEN
3. FRAGEN
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Hegels „Phänomenologie des Geistes“ (1805) als ein System, das die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins beschreibt und in einen Kontext zur naturwissenschaftlichen Erkenntnistheorie der damaligen Zeit stellt.
- Analyse des „natürlichen Bewusstseins“ als Ausgangspunkt.
- Erforschung der Entwicklungsstufen des Geistes bis hin zum „absoluten Wissen“.
- Vergleich von Hegels System mit dem physikalischen Denken und Kants Erkenntnistheorie.
- Untersuchung der Bedeutung von Sittlichkeit, Bildung und Entfremdung.
- Kritische Betrachtung der Anwendbarkeit des Hegels’schen Systems auf moderne wissenschaftliche Diskurse.
Auszug aus dem Buch
2.1. Die sinnliche Gewißheit
Hier meint Hegel nach meiner Ansicht die unmittelbare Erfahrung der Realität, die man durch die Sinnesorgane in der Aufnahme von Sinneseindrücken erhalten kann (Scheer 2014c). Dies sei noch einmal kurz skizziert:
Ein einzelner Mensch, also ein Mann oder eine Frau, kann bei der Sinneserfahrung des Sehens mit den Augen elektromagnetische Energie in der Erscheinungsform des „sichtbaren Lichtes“ durch einen transparenten Glaskörper aus organischem Material im Auge von verschiedenen Gegenständen der Außenwelt kommend, auf eine sensorisch ausgestatte netzartige Hautpartie im Hintergrund des Auges fallen lassen. In dieser Hautfläche bildet sich unter der Abbildung des optischen Augenapparates ein insgesamt umgekehrtes Abbild der Außenwelt, welches durch die Pupille ins Auge gelangt, also ins Körperinnern.
Dieses momentane Abbild wird durch die lichtempfindlichen Moleküle in der Netzhaut mittels eines physikalischen Effektes, des Photoeffektes (Einstein 1905), der von den Regeln des Elektromagnetismus und der Quantenmechanik größtenteils erklärt werden kann, aufgenommen und für kurze Zeit festgehalten und über den Sehnerv an das Zentrale Nervensystem (ZNS) als serielle Spannungsimpulsfolge in codierter Form weitergeleitet. An der Stelle, wo das Lichtteilchen („Photon“) auf das Atom des Rezeptors trifft, findet eine Absorption des Photons statt, seine Energie wird hier bei der speziellen Ausformung des Moleküls in eine Bewegung des Moleküls umgesetzt, die einer Lageveränderung der Atome relativ zueinander entspricht. Man sagt, das Retina-Molekül klappt um.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Der Autor führt in Hegels „Phänomenologie des Geistes“ ein und verortet das Werk als eine Untersuchung des Bewusstseins, die parallel zum physikalischen Denken der Zeit verläuft.
2. DAS BEWUßTSEIN: Dieses Kapitel systematisiert die verschiedenen Stufen der menschlichen Erkenntnis, von der einfachen sinnlichen Wahrnehmung bis hin zum Geist und der Religion.
2.1. DIE SINNLICHE GEWIßHEIT: Es wird die unmittelbare Erfahrung von Objekten über Sinnesorgane beschrieben und der Prozess der Lichtaufnahme im Auge physikalisch erläutert.
2.2. WAHRNEHMUNG: Die Abstraktion der Sinneswahrnehmung wird durch die Kategorisierung von Gegenständen unter Begriffe und die Erkennung von Eigenschaften erklärt.
2.3. VERSTAND: Das begreifende Bewusstsein tritt in Aktion, wenn der Verstand durch Tätigkeit die Existenz von Gegenständen erkennt, wie etwa beim Schluss auf Kräfte.
2.4. SELBSTBEWUßTSEIN, DIE WAHRHEIT DER GEWIßHEIT SEINER SELBST: Der Fokus liegt auf dem Selbstbild im Gegensatz zum äußeren Gegenstand und den komplexen Bewusstseinszuständen wie Stoizismus oder Skeptizismus.
2.5. VERNUNFT: Das Bewusstsein transformiert die negative Einstellung zur Außenwelt in eine positive, was zu einem ruhigeren und angstfreien Umgang mit der Umwelt führt.
2.6. GEIST: Die Erweiterung des individuellen Bewusstseins in die Gemeinschaft wird mittels Begriffen wie Sittlichkeit, Bildung und Entfremdung analysiert.
2.7. RELIGION: Die Entwicklung des Geistes wird durch religiöse Rituale und die historische Evolution der Religionsformen dargestellt.
2.8. ABSOLUTES WISSEN: Das absolute Wissen wird nicht als Sammlung von Fakten, sondern als dialektische Bewegung des Verstandes und selbstkritische Haltung definiert.
3. FRAGEN: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Begrenzung des absoluten Wissens und dessen Übergang zum Nichtwissen.
4. FAZIT: Der Autor resümiert, dass Hegel eine plausible Herleitung des physikalischen Denkens aus mentalen Zuständen geliefert hat, welche die Philosophie bereichert.
Schlüsselwörter
Hegel, Phänomenologie des Geistes, Bewusstsein, Erkenntnistheorie, Naturwissenschaft, Dialektik, Selbstbewusstsein, Vernunft, Geist, Sittlichkeit, Absolutes Wissen, Wahrnehmung, Philosophie, Physik, Erkenntnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt G.F.W. Hegels Werk „Phänomenologie des Geistes“ und dessen Versuch, ein System zu etablieren, das die menschliche Erkenntnisentwicklung beschreibt und mit den naturwissenschaftlichen Bestrebungen der damaligen Zeit in Verbindung bringt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Stufenfolge des Bewusstseins, dem Verhältnis von Subjekt und Objekt, der Rolle der Vernunft sowie der Einordnung von Hegels Philosophie in einen wissenschaftlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hegel das natürliche Bewusstsein bis hin zum absoluten Wissen führt und inwiefern dies als eine Antwort auf die unflexible Erkenntnistheorie von Immanuel Kant verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine systematische Analyse und Exegese von Hegels Texten, ergänzt durch Vergleiche mit physikalischen Prinzipien und erkenntnistheoretischen Ansätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die verschiedenen Entwicklungsstufen des Geistes detailliert durchlaufen – von der sinnlichen Gewissheit und Wahrnehmung über den Verstand und die Vernunft bis hin zu Geist, Religion und dem absoluten Wissen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dialektik, Entfremdung, Sittlichkeit, Selbstbewusstsein sowie der Begriff des „absoluten Wissens“ im Sinne einer stetigen, selbstkritischen Erkenntnisbewegung.
Wie definiert der Autor das „absolute Wissen“ nach Hegel?
Der Autor grenzt das absolute Wissen von einer bloßen Ansammlung von Fakten ab und beschreibt es als eine dynamische, dialektische Bewegung des Verstandes und eine reflektierende Haltung des Wissenschaftlers.
Wie wird das Verhältnis von Religion und Geist in der Arbeit beschrieben?
Religion wird als ein Feld betrachtet, in dem der Geist nach Wirklichkeit im Dasein sucht, wobei historische Gemeinschaftsformen und Rituale als Orte der wechselseitigen Anerkennung dienen.
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- Dr. Udo Scheer (Author), 2018, G.F.W. Hegels Phänomenologie des Geistes als Grundlage der Naturwissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424931