Der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, Stress und Gesundheit


Bachelorarbeit, 2017

59 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG

2 ZIELSETZUNG

3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Theoretische Grundlagen
3.1.1 Persönlichkeit
3.1.2 Persönlichkeitsmerkmale
3.1.2.1 Emotionsbezogene Persönlichkeitsmerkmale
3.1.2.2 Kontrollorientierte Persönlichkeitsmerkmale
3.1.3 Gesundheit
3.1.4 Stress
3.1.5 Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheit
3.1.6 Stress und Gesundheit
3.1.7 Gesundheitsverhalten
3.2 Theoretische Modelle
3.2.1 Die ,Big Five’ der Persönlichkeit
3.2.2 Das Anforderungs-Ressourcen Modell nach Becker
3.2.3 Resilienzforschung - Die resiliente Persönlichkeit
3.2.4 Coping - Stressbewältigungsstrategien nach Lazarus und Folkman
3.2.5 Das Typenmodell nach Meyer Friedmann und Ray Rosenman
3.2.6 Sensation Seeking - Konstrukt des optimalen Erregungsniveaus

4 METHODIK
4.1 Literaturrecherche
4.2 Quellenbewertung
4.3 Einbezogene Quellen

5 ERGEBNISSE
5.1 Persönlichkeitsmerkmale und deren Einfluss auf die Gesundheit
5.1.1 Gesundheitsfördernde Parameter
5.1.2 Gesundheitsgefährdende Parameter
5.2 Stress und dessen Einfluss auf die Gesundheit
5.3 Stressbegünstigende Persönlichkeitsmerkmale

6 DISKUSSION

7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ABBILDUNGS-, TABELLEN-, ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 T abellenverzeichnis
9.4 Abkürzungsverzeichnis

ANHANG

Anhang 1: Bewertungstabelle (reliabel) der Auswahlkriterien von Online Quellen

Anhang 2: Einbezogene Primärstudien - eine Zusammenfassung

1 Einleitung und Problemstellung

Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau (2004) stellte in seiner Rede zum 107. DeutschenÄrztetag die Wichtigkeit von Gesundheit innerhalb der Gesellschaft dar.

Wir schreiben ja in jeden Geburtstagsgruß, dass wir vor allem Gesundheit wünschen. In allen Umfragen steht die Gesundheit auf der Wunschliste der Menschen mit Ab­stand an erster Stelle. Nichts ist den Menschen wichtiger, als gesund zu bleiben oder gesund zu werden: nicht der Wohlstand, nicht der Beruf und auch nicht die Karriere­aussichten. (Absatz I)

Gesundheit, ein hohes Gut, welches mit zunehmendem Alter deutlich mehr Bedeutung gewinnt, sich jedoch unabhängig von Geschlecht und sozialer Schicht darstellt. Dies bestätigt eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage. 60,8% der Befragten sehen hierbei Gesundheit als extrem wichtigen und 32,5% als sehr wichtigen Lebensbereich an (Hinz, Hübscher, Brähler & Berth, 2010, S. 897-903).

Die Politik, die Bevölkerung und auch die Wissenschaft beschäftigen sich zunehmend mit dem Thema Gesundheit. Innerhalb der Wissenschaft steht unter anderem der Zu­sammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Gesundheit im Vordergrund.

Schon Mitte des 20. Jahrhunderts griffen Meyer Friedman und Ray Rosenman die be­reits bestehenden Vermutungen über die Zusammenhänge von Gesundheit und Persön­lichkeitsmerkmalen, auf. Innerhalb der Krankheiten spezialisierten sie sich auf die ko­ronaren Herzerkrankungen, welche nachweislich unter gewissen Persönlichkeitskonstel­lationen mit höherer Wahrscheinlichkeit auftraten (Zimbardo & Gerrig, 2002, S. 593).

Zudem gewinnt das Thema Stress und dessen Auswirkung an Bedeutung. Fast jeder dritte Beschäftigte ist von Stress betroffen. Er wird vom amerikanischen Stressforscher, Cary L. Cooper als Pest des 20. Jahrhunderts bezeichnet und war schon im Jahr 2000 laut der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz eine der größten Bedrohungen am Arbeitsplatz des Arbeitnehmers (Kaluza, 2007, S.4).

Gesundheit hat für den Großteil der Bevölkerung bereits einen hohen Stellenwert. Mit dieser Arbeit soll es möglich sein, die Hintergründe zur Gesundheit zu erkennen, um entsprechend positiv einzuwirken und das Bewusstsein für diesen Themenkomplex wei­ter zu stärken.

2 Zielsetzung

Legt man die Annahme zugrunde, dass Stress und Persönlichkeitsmerkmale sich auf die menschliche Gesundheit in unterschiedlichster Weise auswirken, lassen sich folgende Aspekte formulieren:

Welche Parameter oder Konstellationen von Person-Umwelt-Indikatoren beeinflussen die Gesundheit im Positiven oder Negativen? Wie beeinflusst Stress die Gesundheit? Gibt es stressbegünstigende Persönlichkeitsmerkmale?

In dieser Arbeit werden anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen die Zusammen­hänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, dem Umweltfaktor Stress und dessen Aus­wirkung auf die menschliche Gesundheit dargestellt.

Betrachtet werden hierbei die theoretischen Grundlagen und Modelle, um die Basis für die Beantwortung der formulierten Fragen zu schaffen.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

Der Kenntnisstand wird in theoretische Grundlagen und Modelle unterteilt. Hierbei bil­den die theoretischen Grundlagen die Basis der Modelle. Im ersten Teil des Kapitels werden wichtige Begrifflichkeiten vorgestellt. Die Modelle greifen im Anschluss die Theorie auf und zeigen die Zusammenhänge der gewählten Bereiche Persönlichkeits­merkmale, Stress und Gesundheit.

3.1 Theoretische Grundlagen

3.1.1 Persönlichkeit

Nach dem US- amerikanischen Psychologen Gordon Allport (1970) ist Persönlichkeit essentialistisch „das, was ein Mensch ,wirklich ist’, unabhängig davon, wie andere Menschen ihn und seine Eigenschaften beurteilen und interpretieren“ (Fisseni, 1998, S.160). Hierbei geht er davon aus, dass die Persönlichkeit zeigt, wie der Mensch wirk­lich ist.

Aus alltagspsychologischer Sicht lässt sich die bisherige Definition erweiternd darstel­len. Hierbei wird die Persönlichkeit des Menschen als „Gesamtheit aller seiner Eigenschaften (Dispositionen und Gestalteigenschaften) verstanden, in denen er sich von anderen Menschen unterscheidet“ (Asendorpf, 2004, S.5).

Der Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit und der Umwelt findet in einer weite­ren Definition Beachtung. Der deutsche Psychiater, Henning Saß, bezeichnet 1987 Per­sönlichkeit als „Gesamtheit der Eigenschaften eines Individuums, die darüber bestim­men, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen und wie wir mit ihr kommunizieren“ (Saß, 1987; zitiert nach Herpertz, 2006, S.231).

Gleichwohl der vielen Definitionsweisen durch Psychologen liegen „zwei grundlegende Konzepte: Einzigartigkeit und charakteristische Verhaltensmuster‘ als Gemeinsamkeit vor (Zimbardo & Gerrig, 2002, S. 601).

Zusammenfassend ist die Persönlichkeit des Menschen die charakteristische Gesamtheit der Persönlichkeitsmerkmale, welche die Wahrnehmung und Kommunikation mit der Umwelt bestimmt und jeden Menschen als einzigartiges Individuum darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Das Konstrukt der Persönlichkeit (eigene Darstellung)

Durch Erfahrungswerte und steigendes Lebensalter eines Menschen kommt es zu einer stetigen Entwicklung der Persönlichkeit. Sie beginnt bereits mit den ersten Lebensjah­ren. Soziale und umweltbedingte Einflüsse formen die Persönlichkeit zu einem immer komplexeren Wirkungsgefüge, deren Grundzüge erhalten bleiben. Durch intrinsische Reifungsprozesse und durchschnittliche Umwelteinflüsse kann es zu sogenannten Entwicklungsveränderungen kommen. Stark einflussnehmend auf die entsprechende Veränderung ist der Entwicklungsverlauf.

Der Verlauf unterscheidet sich bei jedem Individuum im Ausmaßund damit im Aus­druck der differentiellen Persönlichkeitsveränderung. Grundsätzlich zeigt der Trend, dass eine zunehmende Stabilisierung der Persönlichkeit im Verlauf von der Kindes- zur Jugendentwicklung stattfindet, wobei es jedoch durch pubertätsbedingte Einflüsse zu einer kurzzeitigen Destabilisierung kommen kann. Die Stabilisierung der Werte ist zwar unter anderem auf ungenaue Messmöglichkeiten innerhalb der Kindheit zurückzufüh­ren, aber vielmehr darauf, dass sich im Laufe des Alters das Selbstkonzept stabilisiert. Mit der Stabilisierung des Selbstkonzeptes verstärkt sich der Persönlichkeitseinfluss auf die eigene Umwelt (Asendorpf & Neyer, 2012, S. 264f,).

3.1.2 Persönlichkeitsmerkmale

„Persönlichkeitseigenschaften sind Konstrukte, die nicht beobachtbar sind, sondern aus dem Verhalten eines Menschen erschlossen werden“ (Faller & Lang, 2016, S.156). Die Kriterien der zeitlichen Stabilität und der transsituativen Konsistenz müssen erfüllt sein, um ein bestimmtes Merkmal zur Persönlichkeitseigenschaft eines Menschen zu zählen. Innerhalb der zeitlichen Stabilität unterscheidet man zwischen ,Trait-Merkmalen’, wel­che mittelfristig und zeitlich stabil sind und ,State-Merkmalen’. ,State-Merkmale’ defi­nieren sich als instabile und kurzfristig wechselnde Merkmale, wie zum Beispiel eine Stimmung (Faller & Lang, 2016, S.156). Mit dem Fachausdruck ,traits’ werden in der Psychologie „sämtliche zeitlich überdauernde Persönlichkeitsmerkmale“ (Hammelstein, 2006, S. 61) bezeichnet und grenzen sich klar von einem Zustand ,states’ ab (Hammel­stein, 2006, S. 61). Persönlichkeitsmerkmale stellen die Bereitschaft eines Verhaltens innerhalb einer bestimmten Situation dar und sind keine festen Charakterzüge. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person sich in einer ähnlichen Situation analog verhält, ist auf Grund von ,traits’ entsprechend hoch.

Persönlichkeitstypen hingegen sind „klar umgrenzte Muster von Persönlichkeitscharak­teristika, die dazu verwendet werden, ... Menschen zu kategorisieren“ (Zimbardo & Gerrig, 2002, S. 602).

Innerhalb der Alltagspsychologie werden fünf Merkmale aufgeschlüsselt. Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen bil­den die ,Big Five’ und sind voneinander statistisch unabhängig (Hammelstein, 2006, S.62). Ein weiterer Ansatz ist die Unterteilung der Merkmale in funktionelle Bereiche von Jens Asendorpf.

Die Bereiche gliedern sich in Temperament, Fähigkeit, Bedürfnisse, Handlungsüber­zeugung und Bewältigungsstile sowie Bewertungsdispositionen auf (Asendorpf & Ney- er, 2012, S. 131f,).

Da zielgerichtet der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Gesund­heit dargestellt werden soll (Vgl. 3.1.5), wird der Ansatz von Carl-Walther Kohlmann vertiefend erläutert. Er unterscheidet innerhalb seines Modells, basierend auf gesund­heitsrelevantem Verhalten, zwischen emotionsbezogenen und kontrollorientierten Per­sönlichkeitsmerkmalen (Kohlmann, 2003, S.39). Zu beachten ist jedoch die wechselsei­tige Beeinflussung zwischen den emotionalen / physiologischen und behavioralen Pro­zessen (Hammelstein, 2006, S.62).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 ModellvorsteUung nach Kohlmann (1997) zum Zusammenhang von Persönlichkeit und Gesundheit (Kohlmann, 2003, S.40)

3.1.2.1 Emotionsbezogene Persönlichkeitsmerkmale

Die Art von Persönlichkeitsmerkmalen nimmt über psychologische Prozesse Einfluss auf die Gesundheit eines Individuums (Hammelstein, 2006, S. 61). Zu den Merkmalen zählen unter anderem Neurotizismus, Feindseligkeit,Ärger- und Angstbewältigung bzw. emotionale Expressivität (Kohlmann, 2003, S.39).

Die emotionale Expressivität kann sich in negativen aber auch in positiven Ausdrücken widerspiegeln. Schon in Redewendungen wird deutlich, dass die Gesellschaft davon ausgeht, dass Emotionen die Gesundheit deutlich beeinflussen. Ist jemand wütend, ,spuckt er Gift und Galle’, ist jemand von seiner großen Liebe verlassen worden, ist sein ,Herz gebrochen’, ist man verliebt, hat man ,Schmetterlinge im Bauch’ und ,macht das Herz einen Sprung’. Innerhalb der Forschung erlangen die negativen Emotionen eine höhere Beachtung, da hier mögliche Effekte auf den körperlichen Zustand vermutet werden und auch nachgewiesen werden konnten (Pohl & Hammelstein, 2006, S. 72).

3.1.2.2 Kontrollorientierte Persönlichkeitsmerkmale

Kognitiv betrachtet stehen die kontrollorientieren Persönlichkeitsmerkmale ebenfalls im Zusammenhang mit der Gesundheit. Die zweite Form der Persönlichkeitsmerkmale nach Kohlmann beinhalten unter anderem Optimismus, Kontrollüberzeugung und Selbstwirksamkeitserwartungen (Kohlmann, 2003, S.38). Die Beeinflussung der Ge­sundheit erfolgt hier über das konkrete Gesundheits- und Risikoverhalten (Hammel­stein, 2006, S. 62).

„Im gesundheitspsychologischen Kontext lässt sich Risiko enger definieren als das Pro­dukt aus der Eintrittswahrscheinlichkeit eines für Gesundheit und Wohlbefinden negati­ven Ereignisses (Vulnerabilität) und seiner Bedeutsamkeit (Schweregrad)“ (Hammel­stein, 2006, S.62). Die Wahrnehmung und Einschätzung eines Risikos gehören zum konkreten Risikoverhalten. Sofern die Einschätzung eines Risikos sehr optimistisch und somit im Vergleich mit anderen vergleichbaren Personen deutlich unterschiedlich aus­fällt, spricht man von einem optimistischen Fehlschluss. Der optimistische Fehlschluss fällt jedoch mit zunehmender Erfahrung mit einem Risiko und minimalerer subjektiver Kontrolle des Verhaltens geringer aus (Hammelstein, 2006, S.64ff,).

3.1.3 Gesundheit

Das biomedizinische Modell stellt die negative Form der Definition von Gesundheit dar und findet seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. Hierbei ist „Gesundheit ... das Fehlen von Krankheit“ (Knoll, Scholz & Rieckmann, 2005, S.21). Da innerhalb der Definition von der strikten Trennung von Körper und Geist ausgegangen und somit ausgeschlossen wird, dass psychisches Unwohlsein Einfluss auf die Gesundheit hat, wird diese Denk­weise im 20. Jahrhundert vom biopsychosozialen Modell (Vgl. Abbildung 3) abgelöst (Knoll, Scholz & Rieckmann, 2005, S.18-19). „Gesundheit ist ein positiver funktionel­ler Gesamtzustand im Sinne eines dynamischen biopsychologischen Gleichgewichtszu­standes, der erhalten bzw. immer wieder hergestellt werden muss“ (Knoll, Scholz & Rieckmann, 2005, S.21).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Das biopsychosoziale Modell (modifiziert nach Lippke & Renneberg, 2006, S.9)

Die erste positive Definitionsform jedoch stammt von der WHO (1948) „Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen“ (WHO, 1948; zitiert nach Lippke & Renneberg, 2006, 7f,). Auf Grund der Beeinflussbarkeit der Gesundheit durch um­weltbedingte, soziale und psychologische Aspekte kann die Gesundheit als Prozess ge­sehen werden. Die Gesundheit muss durch die Veränderbarkeit immer wieder herge­stellt werden und ist somit kein statischer Zustand (Ziegelmann, 2002, S. 149 f.).

3.1.4 Stress

Stress ist laut WHO eine der größten Gefahren für das menschliche Wohlergehen (Poul­sen, 2012, S.13). Aus diesem Grund spielt Stress in der heutigen Zeit eine große Rolle und findet sich häufig im allgemeinen Sprachgebrauch wieder (Kudielka & Kirsch­baum, 2002, S. 561). Mit Stress werden Belastungen, Anforderungen, Überforderungen und damit einhergehende körperliche Beschwerden in Verbindung gebracht, weshalb eine klare Definitionsstruktur in diesem Bereich nicht möglich ist (Reimann & Pohl, 2006, S. 217). Auch in der Wissenschaft gibt es auf Grund der vielseitigen Ansichten und entwickelten Theorien keine allgemein gültige Definition (Knoll, Scholz & Rieck- mann, 2005, S. 89). Im Folgenden werden zwei Definitionen vorgestellt, wobei im wei­teren Verlauf genauer auf die populäre Theorie von Lazarus eingegangen wird, da mit Hilfe seines Stressmodells gesundheitsrelevante Schlüsse gezogen werden können.

Tabelle 1 Stressdefinitionen nach Seyle & Lazarus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Stressmodell nach Lazarus bezieht sich auf die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt, da „dem individuellen Erleben bei der Bewertung von Reizbedingungen und Situationen als Stress Vorrang gegeben“ (Reimann & Pohl, 2006, S. 219) wird.

Stress entsteht somit aus der individuellen Beurteilung und den daraus resultierenden Handlungskompetenzen und -möglichkeiten und daraus, welche jeweils beansprucht werden und möglicherweise erschöpft sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Das kognitiv-transaktionale Stressmodell nach Lazarus 1981 (modifiziert nach Knoll, Scholz & Rieckmann, 2005, S.101)

In dem betrachteten Stressmodell spricht man daher von der Primärbewertung (primary appraisal) des Ereignisses und der Sekundärbewertung (secondary appraisal) der ver­fügbaren Ressourcen (Reimann & Pohl, 2006, S. 219). Beide Bewertungsprozesse ver­laufen nahezu parallel zueinander, jedoch finden sie unter heterogenen Aspekten statt. Die Primärbewertung erfolgt dahingehend, ob die Situation dem Wohlergehen der Per­son schaden könnte und unterliegt „[verschiedenen] Charakteristiken ... ,die die Vorhersehbarkeit, Kontrollierbarkeit und zeitliche Erstreckung der Reizgegebenheiten“ (Knoll, Scholz & Rieckmann, 2005, S. 99) prüfen. Die Ressourcen in der Sekundärbe­wertung unterliegen den Persönlichkeitsmerkmalen und lassen sich als relativ stabile Einflussfaktoren klassifizieren. Zu den Kriterien, welche von den Persönlichkeitsmerk­malen beeinflusst werden, zählen Ziele, Erwartungen, Motive und Wertvorstellungen. Innerhalb der kognitiven Bewertung wird abgewogen, ob die Situation mit den vorhan­denen Ressourcen bewältigt werden kann und führt zu einer entsprechenden Reaktion. Ob Stress entsteht, hängt hierbei von der Primär- aber vorrangig von der Sekundärbe­wertung ab.

Entsteht kein Stress, kann es sich um einen Gewinn aus der Situation oder gegebenen­falls aber um Gleichgültigkeit handeln. Zukünftige Ereignisse (z.B. Bedrohungen oder Herausforderungen) aber auch bereits erfolgte Ereignisse (z.B. Verlust, Schaden) kön­nen Stress hervorrufen und verlangen nach einer Bewältigung. Die Entstehung von Stress korreliert mit dem Hervorrufen von unterschiedlichen Emotionen (Knoll, Scholz & Rieckmann, 2005, S. 99f,). Die Stressbewältigung (Coping) kann sich „aufgrund ih­rer Funktion problemzentrierte Strategien ... und emotionszentrierte Strategien“ (Kohl­mann, 2002, S.559) zunutze machen (Vgl. 3.2.4)

3.1.5 Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheit

Ein komplexes Wirkungsgefüge aus fünf Mechanismen wird innerhalb der Literatur diskutiert. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Persönlichkeitsmerkmale fördernde aber auch gefährdende Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Bei einem der­artigen Wirkungsgefüge ist ein gegenseitiger Ausschluss der Mechanismen unwahr­scheinlich. Eher kann davon ausgegangen werden, dass jeder Mechanismus je nach Per­son, Situation, Verhalten und Merkmal wirkt (Weber & Vollmann, 2005, S. 525).

1. „Persönlichkeitsmerkmale können die Gesundheit durch physiologische Reaktionen beeinflussen“ (Weber & Vollmann, 2005, S. 525).

Es geht um die Annahme, dass Persönlichkeitsmerkmale mit bestimmten entweder ge­sundheitsfördernden oder gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen einhergehen. Eine depressive Person wird eher zu Suchtmitteln greifen als eine psychisch stabile Person. Somit können Persönlichkeitsmerkmale und die daraus resultierende physiologische Reaktionen die Gesundheit beeinflussen. Beispielsweise begünstigen Angst oder eine niedrige Stressgrenze die Erkrankung des Herz- Kreislaufsystems.

2. „Persönlichkeitsmerkmale können die Gesundheit über direkte Folgen von Verhalten beeinflussen“ (Weber & Vollmann, 2005, S. 525f,).

Die zentrale Rolle der Annahme ist die unmittelbare Auswirkung des Verhaltens einer jeweiligen Person auf die Gesundheit. So ist nachgewiesen worden, dass ein Zusam­menhang zwischen „Feindseligkeit und erhöhtem Alkoholkonsum und Rauchen“ (We­ber & Vollmann, 2005, S.525) besteht.

3. „Persönlichkeitsmerkmale können die Gesundheit über indirekte Folgen von Verhal­ten beeinflussen“ (Weber & Vollmann, 2005, S. 526).

Im Gegenzug zu den direkten Folgen wird davon ausgegangen, dass durch Persönlich­keitsmerkmale verursachte Verhaltensweisen indirekte Auswirkungen auf die Gesund­heit haben können. Beispielsweise ist der Rückzug einer depressiven Person aus der Gesellschaft langfristig gesehen gesundheitsschädigend, da die soziale Unterstützung minimiert ist.

4. „Persönlichkeitsmerkmale können die Gesundheit über die Selektion von Umwelten beeinflussen“ (Weber & Vollmann, 2005, S. 526).

Unter Betrachtung des Umweltfaktors ist die Selektion ein Faktor, welcher langfristig gesehen ebenfalls die Gesundheit positiv oder negativ beeinflussen kann. Eine gewis­senhafte Person wird sich ein stabiles soziales Umfeld und ein sicheres berufliches und familiäres Umfeld schaffen, das Stresssituationen mindert und somit den negativen Ein­fluss auf die Gesundheit senkt.

5. „Persönlichkeitsmerkmale können die Gesundheit über das Krankheitsverhalten be­einflussen“ (Weber & Vollmann, 2005, S. 526).

Das Krankheitsverhalten spiegelt sich in der Verhaltensweise wieder. Hierbei wird die Wahrnehmung von Symptomen, das zu Rate ziehen von ärztlicher Behandlungen und die Eigenmedikation oder aber auch die Symptombeschreibung betrachtet. In Abhän­gigkeit von den Persönlichkeitseigenschaften wird die eine Person eher einen Arzt auf­suchen die andere (vor allem neurotische Menschen) möglicherweise zur Selbstmedika­tion greifen.

Neben den fünf Mechanismen bestehen zwei weitere Annahmen, die jedoch nicht im direkten Zusammenhang mit der Beeinflussung der Gesundheit stehen. Dennoch finden Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheit eine gemeinsame Ebene (Weber & Vollmann, 2005, S. 525).

1. „Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheit haben eine gemeinsame Ursache“ (Weber & Vollmann, 2005, S. 526).

Zwischen Persönlichkeit und Gesundheit besteht im Unterschied zu den vorherigen An­nahmen kein kausaler Zusammenhang. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass Ge- sundheits- und Persönlichkeitsmerkmale Folge / Ausdruck genetischer Veranlagungen sind. Beispielsweise ist eine genetisch bedingte Stressanfälligkeit krankheitsfördernd und wird sich in Erlebens- und Verhaltenstendenzen wiederspiegeln.

2. „Persönlichkeitsmerkmale sind nicht Ursache, sondern eine Folge von Erkrankung [sic]“ (Weber & Vollmann, 2005, S. 526f,).

Pathogene Prozesse bestimmen schon vor der Entdeckung / Diagnose einer Krankheit gewisse Persönlichkeitsmerkmale und prägen diese. Des Weiteren kann davon ausge­gangen werden, dass es zu zusätzlichen reaktiven Persönlichkeitsmerkmalen in Folge der Diagnose kommt; beispielsweise zu einer erhöhte Depressionswahrscheinlichkeit nach Diagnose einer Krebserkrankung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Nachgewiesene gesundheitsrelevante Eigenschaften (eigene Darstellung)

Deutlich wird die Wichtigkeit von Persönlichkeitsmerkmalen in Bezug auf die Auswir­kung der Gesundheit innerhalb der Persönlichkeitspsychologie. Sie dienen unter ande­rem auch der Entwicklung von präventiven Konzepten zur Vorbeugung von gesund­heitsgefährdenden Verhalten.

Neben den obigen Annahmen lassen sich gesundheitsrelevante Eigenschaften in zwei Gruppen einteilen. Erwartungen und Überzeugungen bilden die Gruppe der kognitiven Merkmale. Emotionen und deren Regulation formen die affektiven Merkmale (Weber & Vollmann, 2005, S. 527).

Optimismus kann sich nachweislich positiv auf das subjektive Wohlbefinden auswirken und wird als allgemeine Ergebniserwartung im positiven Sinne definiert. Unabhängig davon, ob die Entwicklung einer Situation selbstständig positiv ausgeht oder aber eine entsprechende Aktion erfolgen muss, wird ein situationsangemessenes und flexibles Bewältigungsverhalten beobachtet (Weber & Vollmann, 2005, S. 527).

Die Selbstwirksamkeitserwartung ist nach Bandura definiert „als die Überzeugung, ge­wünschtes Verhalten auch angesichts von Barrieren ausführen zu können“ (Bandura, 1997; zitiert nach Weber & Vollmann, 2005, S. 528). Je höher die Selbstwirksamkeits­erwartung eines Individuums ist, umso erfolgreicher ist das angestrebte Gesundheits­verhalten. So wird ein Raucher mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung erfolgrei­cher mit dem Rauchen aufhören als ein Raucher mit einer niedrigen Selbstwirksam­keitserwartung und damit positiv auf seine Gesundheit einwirken können.

Ein ausgeprägter Kohärenzsinn (engl. sense of coherence - SOC) mindert stressbehafte­te Belastungen, da eine kulturunspezifische Widerstandsfähigkeit vorherrscht. So defi­nierte Antonovsky 1987 den Kohärenzsinn als „die persönliche Zuversicht, dass Ge­schehnisse verstehbar, strukturiert und vorhersehbar sind (comprehensibility), Sinn und Bedeutung haben (meaningfulness) und in irgendeiner Form, sei es unter Rückgriff auf eigene oder soziale Ressourcen bewältigt werden können (manageability)“ (Antono­vsky, 1987; zitiert nach Weber & Vollmann, 2005, S. 528).

Die Emotionsregulation, Teil der affektiven Merkmale, wird wiederum in Neurotizis­mus und negative Affektivität sowie Feindseligkeit undÄrger unterteilt. Die Emotions­regulation spiegelt sich in unterschiedlichen Auswirkungen wider.

Wichtig hierbei ist die Unterteilung zwischen bewusster Unterdrückung, positiver Inter­pretation einer kritischen Situation und der kognitiven Umstrukturierung. Negative Auswirkungen auf die Gesundheit kann langfristig gesehen die bewusste Unterdrückung von subjektiv erlebten Emotionen haben (Weber & Vollmann, 2005, S. 530).

Die Neigung zu negativen Emotionen und der damit einhergehenden verminderten kör­perlichen Gesundheit bezeichnet sich als Neurotizismus. Damit verbunden ist die Abwesenheit von subjektiven Wohlbefinden, welches in diesem Fall jedoch kein Risi­kofaktor für mangelndes Wohlbefinden, sondern vielmehr als solcher definiert ist. Nachweislich zeigen Studien, dass Neurotizismus sich ferner auf die objektiv erfasste Gesundheit auswirkt, jedoch nicht mit einer erhöhten Morbidität oder Mortalität einher­geht (Weber & Vollmann, 2005, S. 529).

Die Komponente der Feindseligkeit und die damit erhöhte Neigung fürÄrger (ineffek­tiveÄrgerregulation) ist ein sogenanntes Typ-A Verhalten (Vgl. 3.2.5) und geht mit einer ineffektivenÄrgerregulation einher (Weber & Vollmann, 2005, S. 530).

3.1.6 Stress und Gesundheit

Durch Stressoren, welche durch Erleben einer persönlich eingestuften bedrohlichen Si­tuation entstehen, wird eine Stressreaktion ausgelöst. Die physischen Reaktionen dienen zu Beginn der Energiebereitstellung und zeigen sich z.B. durch Atembeschleunigung, erhöhte Muskelspannung, höhere Gerinnungsfähigkeit des Blutes und eine kurzfristig erhöhte Schmerztoleranz. Während des Bewertungsprozesses äußern sich die emotio­nal-kognitiven Reaktionen durch innere Unruhe, Gereiztheit, Hilflosigkeit und Konzent­rationsschwierigkeiten, deren Auswirkungen unterschiedlich ausfallen können (Rei- mann & Pohl, 2006, S.218ff,).

Tabelle 2 Folgen von Stress (Bodenmann & Gmelch, 2009, S.619)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Unterteilung der Stressfolgen darf keinesfalls missverstanden werden. Sie erfolgt zum einen in zeitlichen Dimensionen und zum anderen in deren Lokus. Jedoch bauen sie aufeinander auf und sind übergreifend zu verstehen (Bodenmann & Gmelch, 2009, S.619).

Stress, primär chronisch und akut, wirkt begünstigend für kardiovaskuläre, immunolo­gische und psychologische Krankheiten und kann zu Einschränkungen der zentralnervö­sen Funktion (z.B. Schlafstörungen) führen. Resultierend aus chronischem Stress kommt es häufig zur Immunschwächung und damit einhergehend zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkältungen (Kudielka & Kirschbaum, 2002, S. 562ff,).

3.1.7 Gesundheitsverhalten

Sutton (2001) definierte Gesundheitsverhalten als Verhaltensweisen, „welche die kör­perliche Gesundheit tatsächlich oder nach Überzeugung der handelnden Person beein­flussen, indem das Risiko oder der zu erwartende Schweregrad erhöht oder gemindert [wird]“ (Sutton, 2001; zitiert nach Sniehotta, 2002, S.224). Anders formuliert ist davon auszugehen, dass das Gesundheitsverhalten sowohl gesundheitsfördernde als auch ge­sundheitsgefährdende Ausmaße besitzt. Zu den Risikoverhaltensweisen zählen bei­spielsweise Alkoholmissbrauch, Sonnenexposition und Suchtmittelkonsum. Gesund­heitserhaltende und - fördernde Verhaltensweisen sind hingegen körperliche Aktivität, Körperhygiene und Schutzimpfungen. Es wird in statische und dynamische Theorien innerhalb der Gesundheitsverhaltenstheorien unterschieden, wobei es sich hierbei ziel­setzend um eine Erklärung und Vorhersage von Verhalten bezogen auf die Gesundheit handelt. Sie dienen des Weiteren zur Entwicklung von Interventionen und Modifikatio­nen des Verhaltens innerhalb der Psychologie (Sniehotta, 2002, S.224).

Statische Gesundheitsverhaltenstheorien

Innerhalb der statischen Theorien wird sich auf theoretische Modelle bezogen, sodass sozial-kognitive Einflussfaktoren zur Bewertung und Vorhersage des möglichen Gesundheitsverhaltens genutzt werden. Die Anwendbarkeit innerhalb der Forschung ist auf Grund der Nutzung von wenigen Variablen gegeben. Die verschiedenen Modelle finden ihre Gemeinsamkeit in der Voraussetzung und den beobachteten Variablen. Hierzu zählen die Risikowahrnehmung, die Handlungsergebniserwartung und die Selbstwirksamkeitserwartung. Innerhalb der Theorien wird eine präzise, statische Vor­hersage von Verhalten verfolgt (Sniehotta, 2002, S.224ff,).

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Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, Stress und Gesundheit
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
59
Katalognummer
V425358
ISBN (eBook)
9783668703209
ISBN (Buch)
9783668703216
Dateigröße
1626 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zusammenhang, persönlichkeitsmerkmalen, stress, gesundheit
Arbeit zitieren
Vanessa Erl (Autor), 2017, Der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, Stress und Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425358

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