Zunächst zeigt die Hausarbeit auf, in welcher Art und Weise der Antiziganismus noch heute verbreitet wird und tradiert ist, ferner befasst sie sich mit den historischen, politischen und ressentimenttheoretischen Gründen, welche die Manifestation des antiziganistischen Ressentiments in der gesellschaftlichen Mitte bedingen beziehungsweise bedingt haben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil I: Antiziganismus in der heutigen Gesellschaft
1.1 Antiziganismus und Armutsmigration
1.2 Reproduktion antiziganistischer Stereotype durch die Medien
1.3 Antiziganismus in der Sozialen Arbeit
Teil II: Historische Faktoren des Antiziganismus
2.1 Mittelalter und Frühe Neuzeit
2.2 Tsiganologie als 'wissenschaftliche' Grundlage des Ressentiments
2.3 Kaiserreich und Weimarer Republik
2.4 Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus
2.5 „Zweite Verfolgung“ nach dem Zweiten Weltkrieg
Teil III: Ressentimenttheoretische Überlegungen
3.1 Pathische Projektion und projektive Identifizierung
3.2 Ressentimenttheorie nach Nietzsche
3.3 Das Antiziganistische Ressentiment in der heutigen Gesellschaft
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Manifestation des Antiziganismus als Ressentiment der gesellschaftlichen Mitte. Dabei wird analysiert, wie historische Kontinuitäten, mediale Stereotypisierungen und ressentimenttheoretische Mechanismen ineinandergreifen, um Ausgrenzungsprozesse gegenüber Sinti und Roma bis heute zu legitimieren.
- Aktuelle Ausdrucksformen des Antiziganismus in der Debatte um Armutsmigration
- Die Rolle der Medien bei der Reproduktion antiziganistischer Stereotype
- Historische Wurzeln und Kontinuitäten von der Frühen Neuzeit bis zum Nationalsozialismus
- Ressentimenttheoretische Analysen (Nietzsche, Adorno, Horkheimer) zur Erklärung von Ausgrenzung
- Kritische Reflexion der Sozialen Arbeit im Kontext antiziganistischer Wissensbestände
Auszug aus dem Buch
1.1 Antiziganismus und Armutsmigration
Während europäische durch Armut getriebene Migranten im 19. Jahrhundert millionenfach in die USA emigrierten (allein 5,9 Millionen Deutsche) und gefeiert wurden als Pioniere (vgl. Benz 2014, S.152), die ausgewandert waren, um ihr Glück in der neuen Welt zu finden, wird seit der EU-Osterweiterung im Jahr 2007, welche Bulgaren und Rumänen zu EU-Bürgern machte „die Legitimität des Strebens nach Glück … angezweifelt, wenn Zuwanderer nicht willkommen sind.“ (Benz, 2014 S.153) Durch die als EU-Bürger*innen erlangte Freizügigkeit stieg die Zahl der Zuwanderer*innen aus diesen Ländern, von einem Willkommen-sein dieser konnte jedoch kaum die Rede sein.
Aufgrund der historisch und gesellschaftlich bedingt prekären Situation unter der Roma in Bulgarien oder Rumänien leben, waren unter den Zuwanderer*innen viele Roma (vgl. Benz, 2014 S.153; Mappes-Niediek, 2014). Schnell verbreitete sich die in breiten Teilen der Bevölkerung etablierte Annahme bzw. Angst vor 'Sozialtouristen', die es lediglich auf Sozialleistungen abgesehen hätten. Schon 2011 positionierte sich Horst Seehofer mit der markigen Verlautbarung: „Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren – bis zur letzten Patrone.“ (zit. n. Benz, 2014 S.153).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema, Darlegung der Aktualität des Antiziganismus und Formulierung der leitenden Fragestellung zur Manifestation des Ressentiments.
Teil I: Antiziganismus in der heutigen Gesellschaft: Analyse gegenwärtiger Formen der Diskriminierung, insbesondere im Kontext von Armutsmigration, medialer Berichterstattung und der Praxis in der Sozialen Arbeit.
Teil II: Historische Faktoren des Antiziganismus: Untersuchung der historischen Entwicklung antiziganistischer Ausgrenzung vom 15. Jahrhundert über die NS-Zeit bis zur sogenannten Zweiten Verfolgung in der Nachkriegszeit.
Teil III: Ressentimenttheoretische Überlegungen: Anwendung theoretischer Konzepte von Adorno, Horkheimer und Nietzsche zur Erklärung der psychologischen Hintergründe von Ressentimentbildung und Projektionen.
Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse, die auf eine Wechselwirkung von historischen Entwicklungen und psychoanalytischen Mechanismen als Ursache für den Fortbestand des Antiziganismus verweisen.
Schlüsselwörter
Antiziganismus, Sinti und Roma, Ressentiment, Stereotype, Armutsmigration, Mediale Darstellung, Soziale Arbeit, Historische Kontinuität, Nationalsozialismus, Projektion, Pathische Projektion, Rassismus, Ausgrenzung, Gesellschaftliche Mitte, Diskriminierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse des Antiziganismus als tief verwurzeltes Ressentiment innerhalb der gesellschaftlichen Mitte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind aktuelle Diskriminierungserfahrungen, die historische Entstehungsgeschichte, mediale Stigmatisierung und die theoretische Fundierung durch die Ressentimenttheorie.
Was ist die Forschungsfrage?
Die leitende Frage ist, welche Entwicklungen zur Manifestation des antiziganistischen Ressentiments als Ressentiment der gesellschaftlichen Mitte geführt haben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Anwendung kritisch-theoretischer und psychoanalytischer Ansätze (u.a. Adorno, Nietzsche).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme gegenwärtiger Phänomene, einen historischen Abriss sowie eine tiefenpsychologische Analyse der Entstehungsmechanismen von Vorurteilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Antiziganismus, Sinti und Roma, Ressentiment, historische Kontinuität sowie gesellschaftliche Ausgrenzung.
Inwiefern spielt die Soziale Arbeit eine Rolle in der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet kritisch, wie professionelle Konzepte der Sozialen Arbeit selbst von tradierten, antiziganistischen Stereotypen beeinflusst sein können.
Was bedeutet der Begriff "Zweite Verfolgung" im historischen Kontext?
Der Begriff beschreibt die Diskriminierung und Entschädigungsverweigerung gegenüber Sinti und Roma in der frühen Bundesrepublik Deutschland durch ehemalige NS-Funktionsträger.
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- Katharina Harder (Author), 2018, Manifestation des antiziganistischen Ressentiments in der gesellschaftlichen Mitte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425377