Kooperationen aus Sicht der Transaktionskostentheorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

35 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Ziel und Aufbau der Arbeit

3. Transaktionskostentheorie
3.1 Entwicklung der Transaktionskostentheorie
3.2 Phasen und Arten der Transaktion
3.3 Determinanten der Transaktion

4. Die Kooperation

5. Arten von Kooperationen

6. Ziele der zwischenbetrieblichen Kooperation

7. Vorteile von Kooperationen

8. Gefahren von Kooperationen
8.1 Transaktionskostenspezifische Vorteile
8.2 Allgemeine Vorteile

9. Virtuelle Unternehmen – Fallbeispiel I
9.1 Definition und Einsatzbereiche
9.2 'Virtuelle' Transaktionskosten'
9.3 'Virtuelle Transaktionskosten' im Detail

10. E-commerce - Fallbeispiel II
10.1 Definition und Einsatzbereiche
10.2 Transaktionskosten des E-Commerce im Detail

11. Zusammenfassung

12. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Transaktionskosten in Abhängigkeit von der Spezifität

Abbildung 2: Informationsverkeilung als Konsequenz der Annahmen

Abbildung 3: Dimensionen von Transaktionskosten und Implikationen auf Koordinationen

Abbildung 4: Abgrenzung Markt – Kooperation – Hierarchie

Abbildung 5: Startseite der Homepage „expedia.com“

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kooperationsformen im Vergleich zur Hierarchie und Markt im Transaktionskostenvergleich

Tabelle 2: Virtuelle Transaktionskosten im Detail

Tabelle 3: Transaktionskosten E-Commerce im Detail

1. Problemstellung:

In der letzten Zeit sehen sich immer mehr Unternehmen veränderten Wettbewerbssituationen gegenüber, die aus der Globalisierung der Märkte, der Steigerung der fixen Kosten, der immer unsicherer werdenden Umwelt und dem oftmaligen Wandel der Kundenbedürfnisse resultieren. Neben Diversifikations- und Akquisitionsstrategien bieten sich in diesem Zusammenhang auch noch die Kooperationsstrategien als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen an. Mit dieser Arbeit wollen wir versuchen, die zwischenbetriebliche Kooperation als alternative Organisationsform mit Hilfe des Transaktionskostenansatzes zu erklären.

2. Ziel und Aufbau der Arbeit:

Im ersten Teil der Arbeit wollen wir zunächst die Grundlagen der zwischenbetrieblichen Kooperation festlegen, wobei wir etwas genauer auf die verschiedenen Kooperationsvarianten, wie zum Beispiel „Keiretsu“, „Joint Venture“ usw. eingehen werden. Darauf folgend werden wir kurz den Transaktionskostenansatz im allgemeinen vorstellen, und danach diesen Ansatz als Grundlage für das Entstehen von Kooperationen anwenden. Wir wollen jedoch der heutigen Zeit – mit der Informations- und Kommunikationstechnologie, als „driving force“ zur Transaktionskostenersparnis – Rechnung tragen, und deshalb die virtuellen Organisationen und den E-Commerce ausführlicher behandeln.

3. Die Transaktionstheorie:

3.1 Entwicklung der Transaktionstheorie

Den Anstoß zur Transaktionskostentheorie gab Ronald H. Coase. Er fragte, warum Transaktionen in Marktwirtschaften in beträchtlichem Umfang von Unternehmen mittels unternehmerischer Anweisungen und nicht, wie von der Neoklassik gefordert, über Märkte und Preise abgewickelt werden.[1] Coase erkannte, daß sich unternehmensinterne und unternehmensexterne Verträge und Verfahren unterscheiden. Die unternehmensinterne Steuerung besteht, gegründet auf einmalig geschlossenen und eher unspezifizierten Arbeitsverträgen darin, daß Aktivitäten und Beziehungen fallweise per Anweisung oder laufender Einigung koordiniert werden. Dagegen liegen den externen Austauschbeziehungen relativ spezielle und ständig neu abzuschließende Verträge zwischen unabhängigen Tauschpartnern zugrunde.[2] Die im Verlaufe dieser Abstimmungsprozesse entstehenden Kosten nannte Coase Transaktionskosten. An jenem Punkt, wo sich die Grenzkosten der Transaktionsformen Markt und Hierarchie annähern, befinden sie sich im Gleichgewicht, was effizient ist.

Williamson hat Anfang der 70er Jahre die Transaktionskostentheorie aufgegriffen und wesentlich weiterentwickelt. Sein Verdienst ist es, die Bestimmungsfaktoren der Transaktionskosten zu konkretisieren und die Bedingungen zu nennen, die die Höhe der Transaktionskosten bestimmen.[3] (vgl. Kapitel 3.3 Determinanten der Transaktionskosten) Dabei bestätigt er die Auffassung, „dass Markt und Hierarchie alternative Formen der Koordination von wirtschaftlichen Aktivitäten sind und dass ihre relative Effizienz darüber entscheidet, ob eine Transaktion über den Markt oder organisationsintern durchgeführt wird.“[4] Darüber hinaus erweitert er den Theorierahmen um die Faktoren Verhaltensannahmen und Umweltfaktoren.

Aus diesem Grund sind die Transaktionskosten sind die Grundlage der Transaktionskostentheorie, die erklären möchte „warum bestimmte Transaktionen in bestimmten institutionellen Arrangements mehr oder weniger effizient abgewickelt und organisiert werden können.“[5] Dabei werden die Transaktionskosten als die „Kosten der Koordination wirtschaftlicher Aktivitäten“[6] bezeichnet.

Erfolgt der Leistungsaustausch zwischen den einzelnen Unternehmensteilen, so spricht man von einer internen Transaktion, und erfolgt der zwischen selbstständigen Unternehmen auf dem Beschaffungs- oder auf dem Absatzmarkt wird von einer externen Transaktion gesprochen. Dabei kann man jede Transaktion in verschiedene Phasen zerlegen:[7]

3.2 Phasen und Arten von Transaktionskosten

Die Planungsphase: Dies ist die vorvertragliche Phase der eigentlichen Transaktion, die wiederum eingeteilt werden kann in:

Anregungsphase: Ein Bedarf an zusätzlichen Gütern oder Leistungen wird festgestellt

Suchphase: Suche nach potentiellen Partnern

Auswahlphase: Wahl des geeigneten Transaktionspartner und Festlegung einer adäquaten Form der Abwicklung

Die Vollzugsphase: In dieser Phase wird die eigentliche Transaktion ausgeführt

Abschlussphase: Der Abschluss mit dem gefundenen Partner

Durchführungsphase: Der Austausch von Leistung und Gegenleistung

Kontrollphase: Kontrolle, ob der Austausch korrekt durchgeführt wurde

Aus diesen Phasen können die Transaktionskosten gegliedert werden in:[8]

- Suchkosten
- Anbahnungskosten
- Vereinbarungskosten
- Abwicklungskosten
- Kontrollkosten
- Durchsetzungskosten
- Anpassungskosten

Das zugrundeliegende Problem ist also nicht die ökonomische Aktivität an sich sondern die Form ihrer Abwicklung. Dabei beruhen die Transaktionskosten im wesentlichen auf den folgenden Faktoren:

3.3 Determinanten der Transaktionskosten

Verhaltensannahmen:

Eingeschränkte Rationalität Unter der begrenzten oder eingeschränkten Rationalität versteht man das „Unvermögen von Individuen, alle Informationen für eine Transaktion aufzunehmen, zu speichern, zu verarbeiten und zu übertragen.“[9] Daher verhindert sie somit beim Abschluss eines Vertrages die Erfassung aller Elemente eines komplexen und differenzierten Sachverhaltes.[10] Angesichts der begrenzten Rationalität im realen Leben müssen daher Planungskosten und die Anpassung und Kontrolle von Transaktionen in die Diskussion miteinbezogen werden.

Opportunistisches Verhalten: Die Menschen verhalten sich nur beschränkt rational und dafür opportunistisch. Deshalb können sich Verhandlungspartner nicht völlig gegenseitig vertrauen. Deshalb werden die Geschäftspartner bemüht sein, sich nicht auf solche unsicheren Geschäfte einzulassen. Es kann aber auch passieren, dass es keine andere gleichwertige Alternative gibt, weil nur wenig Transaktionspartner zu Verfügung stehen. Dieses Problem bezeichnet man in der Literatur als „small-numbers“-Situation, das heißt, die Anzahl der für eine bestimmte Transaktion in Frage kommenden Marktpartnern ist gering.[11] Folglich sind rechtliche Absicherungen und Kontrollmaßnahmen beim Vertragsabschluß nötig. Dabei entstehen aber in Abhängigkeit von der Art der Transaktion, wie zum Beispiel bei der Anpassung der Leistung im Hinblick auf die sich ändernden Umweltbedingungen zusätzliche Kosten. Es ist aber nicht unbedingt entscheidend, ob der Transaktionspartner eine Gelegenheit zum opportunistischen Verhalten wahrnimmt, sondern dass er einfach die Möglichkeit dazu hat, was wiederum im vorhinein schwer feststellbar ist, auch aufgrund der beschränkten Rationalität der einzelnen Transaktionspartner.[12]

Umweltfaktoren:

Unsicherheit und Komplexität: Das Ausmaß an Umweltunsicherheit hat erheblichen Einfluss auf den Einigungsprozess zwischen den Transaktionspartnern.[13] Sofern man die Transaktionsleistungen anpassen muss, ergibt sich jedes Mal von vorne ein Verhandlungsbedarf, „entweder zur Anpassung an die neuen Verhältnisse oder zur Neugewinnung von Partnern.“[14] Je stabiler die Rahmenbedingungen sind, desto niedriger fallen die Kosten aus. Das Vorhandensein von Komplexität ermöglicht es dem Transaktionspartner den anderen über das Produkt zu täuschen oder einen zu hohen Preis zu verlangen. Es setzt auch den Konkurrenzmechanismus außer Kraft, da die Leistung nur mehr schwer vergleichbar ist.[15]

Spezifität: Das Konzept der Spezifität ist als der zentrale Bestimmungsgrund für Transaktionskosten anzusehen. „It is...true that asset specificity is the big locomotive to which transaction cost economics owes much of its predictive content.”[16] Dabei unterscheidet Williamson fünf verschiedene Arten transaktionsspezifischer Investitionen:

1. Standortspezifität: („site specificity“)
2. Sachkapital-Spezifität: („physical asset specificity“)
3. Humankapital-Spezifität: („human asset specificity“)
4. Partnerbezogene Spezifität: (“dedicated assets”)
5. Markenname: (“brand name capital”)

Hohe Spezifität erhöht die Transaktionskosten, da wenn es weniger Anbieter gibt, sowohl höhere Suchkosten auftreten, als auch die Kosten für die Abwicklung und Kontrolle höher sein werden. Weiters hat bei einer Koordination über den Markt die Spezifität hohen Einfluss, da die Gefahr des Opportunismus groß ist, während bei einer Internalisierung die Gefahr geringer ist, da die Mitglieder durch langfristige Verträge an das Unternehmen gebunden sind.[17] Mischformen (Kooperationen) stellen eine Zwischenlösung dar, was folgende Grafik auf der nächsten Seite veranschaulichen soll:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Transaktionskosten in Abhängigkeit von der Spezifität
Quelle: Mandewirth (1997) [S. 24]

Eine weitere Einflussgröße auf die Transaktionen ist die Häufigkeit. Bei langfristigen Geschäftsbeziehungen ist davon auszugehen, das während der Dauer der Beziehung immer mehr Transaktionen abgewickelt werden, als bei relativ kurzen Beziehungen. Deshalb kann eine Reduktion der durchschnittlichen Transaktionskosten erwartet werden.[18] So verteilen sich die Anfangskosten für die Etablierung der Geschäftsbeziehung auf viele Transaktionen, wodurch die Transaktionskosten zwangsläufig sinken. Weiters können durch wiederholt durchgeführte Transaktionen Lerneffekte erzielt werden.

Das Auftreten dieser Punkte wird in der Literatur über die Transaktionskosten als „Informationsverkeilung“ bezeichnet:[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Informationsverkeilung als Konsequenz der Annahmen

Quelle: (Vetschera, 1998 [S. 11], nach Picot et al., 1996 [S. 42])

Die nachstehende Grafik soll das Kapitel des Transaktionskostenansatzes abschließen, und den Zusammenhang zwischen der Transaktionskostentheorie und den Kooperationsformen veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 3: Dimensionen von Transaktionskosten und Implikationen auf Koordinationsformen

Quelle: Fontanari (1994) [S. 104]

4. Die Kooperation:

Kooperationen sind heute keine Seltenheit, sie sind statt dessen praktisch überall anzutreffen. Kaum eine Website trägt heute nicht den Verweis ‚Powered by...‘[20] um damit auf einen Partner hinzuweisen, keine große Fluglinie[21] ist mehr allein unterwegs. Selbst Staaten[22] schließen sich zu Gemeinschaften zusammen.

Um Kooperationen richtig verstehen zu können bedarf es einer Begriffsdefinition. Webster’s ‚New Encyclopedic Dictionary‘[23] beschreibt eine Kooperation als: „Association of individuals or groups for mutual benefit“, ein Zusammenschluß von Individuen oder Gruppen um einen gemeinsamen Vorteil zu erzielen, in der betriebswirtschaftlichen Fachliteratur stoßen wir allerdings auf größere Schwierigkeiten bei der Suche nach einer einheitlichen Definition. Nicht minder schwierig ist es, einheitliche Ausprägungen der betrieblichen Kooperation zu identifizieren.

Wöhe kennzeichnet die Kooperation als „freiwillige Zusammenarbeit von Unternehmen, die rechtlich und in den nicht der vertraglichen Zusammenarbeit unterworfenen Bereichen auch wirtschaftlich selbständig bleiben“.[24] Benisch wiederum versteht unter diesem Begriff lediglich ein Kooperationskartell und definiert das als „Zusammenlegung einzelner Unternehmensfunktionen zu dem Zweck, die Leistung der beteiligten Unternehmen zu steigern und dadurch deren Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern“.[25] Der deutsche Ausschuß für Begriffsdefinitionen aus der Handels- und Absatzwirtschaft begrenzt den Begriff wie folgt: „Kooperation ist jede auf freiwilliger Basis beruhende, meist vertraglich geregelte Zusammenarbeit rechtlich und wirtschaftlich selbständig bleibender Unternehmungen zur Absicherung bzw. Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit“[26] und ist somit die in den Bereichen Wissenschaft, Politik und Rechtsprechung am weitesten verbreitete Definition des Begriffs im wirtschaftlichen Sprachgebrauch.[27] Zusammenfassend kann also festgestellt werden, daß Kooperationen folgende Merkmale aufweisen:

[...]


[1] vgl. (Adolphs, 1996) [S.117]

[2] vgl. (Dietrich, 1994) [S. 17]

[3] vgl. (Fontanari, 1994) [S. 97]

[4] (Weder, 1989) [S. 90]

[5] vgl. (Kieser, 1999) [S. 225]

[6] vgl. (Vetschera, 1998) [S. 7]

[7] vgl. (Vetschera, 1998) [S. 8]

[8] vgl. (Vetschera, 1998) [S. 8/9]

[9] (Paquin, 2000) [S. 104]

[10] vgl. (Jung, 1999) [S. 34]

[11] vgl. (Weghaupt, 1995) [S. 27]

[12] vgl. (Leitermann, 1996) [S. 50]

[13] vgl. (Vetschera, 1998) [S. 11]

[14] vgl. (Michaelis, 1985) [S. 196]

[15] vgl. (Vetschera, 1998) [S. 11]

[16] (Williamson, 1985) [S. 56]

[17] vgl. (Vetschera, 1998) [S. 14f]

[18] vgl. (Adolphs, 1996) [S. 439]

[19] vgl. (Vetschera, 1998) [S.11]

[20] vgl. http://www.unitrain.at

[21] vgl. http://www.aua.com

[22] Art. 1 EUV „Durch diesen Vertrag gründen die HOHEN VERTRAGSPARTEIEN untereinander eine EUROPÄISCHE UNION[...]“

[23] (Webster’s New..., 1993) [S. 221]

[24] vgl. (Wöhe, 1993) [S. 410]

[25] vgl. (Benisch, 1973) [S. 67]

[26] vgl. (Katalog E, 1995) [S. 22]

[27] vgl. (Schenk, 1991) [S. 353f]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Kooperationen aus Sicht der Transaktionskostentheorie
Hochschule
Universität Wien  (BWL)
Veranstaltung
SE aus BBWL Organisation & Planung
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
35
Katalognummer
V4254
ISBN (eBook)
9783638126359
ISBN (Buch)
9783640868223
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kooperationsformen, Transaktionskostentheorie
Arbeit zitieren
Wolf Brandstötter (Autor), 2002, Kooperationen aus Sicht der Transaktionskostentheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4254

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