Erprobung der Gleichgewichtsfähigkeit durch Balancieren auf unbekannten Gerätearrangements

Reihe: Unterricht im (Un-)Gleichgewicht!? Wie balancieren wir erfolgreich auf einem festen/beweglichen Untergrund?


Unterrichtsentwurf, 2017

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Lerngruppenanalyse
1.1 Beschreibung der Lerngruppe
1.2 Lernausgangslage
1.3 Lernstand

2 Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsreihe und zur Stunde

3 Methodische Überlegungen zur Stunde

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang

1 Lerngruppenanalyse

1.1 Beschreibung der Lerngruppe

Seit Anfang des Schuljahres 2015/16 unterrichte ich die Klasse 5b eigenverantwortlich für drei Wochenstunden im Fach Sport. Die Lerngruppe setzt sich aus 31 Schülerinnen und Schülern1 zusammen, wovon 19 weiblich und 12 männlich sind. Das ungleiche Geschlechterverhältnis fällt bislang nicht deutlich ins Gewicht. Allerdings ist derzeit eine alterstypische Abgrenzung der SuS zum jeweils anderen Geschlecht zu beobachten. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass bei freier Partner- oder Gruppenwahl hauptsächlich gleichgeschlechtliche Paarungen entstehen. Meiner Einschätzung nach verfügt der Großteil der Lerngruppe bereits über eine gute Sozialkompetenz. So pflegen die SuS überwiegend einen rücksichtsvollen und fairen Umgang miteinander. Ersichtlich wird dies im gegenseitigen Unterstützen beim Auf- und Abbau der Geräte oder im Geben leichter Hilfestellungen beim Balancieren. Zu erwähnen ist Schüler M4, welcher nicht vollends in die Klasse integriert zu sein scheint. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass er sich häufiger über Ablehnungsverhalten, insbesondere seitens seiner männlichen Mitschüler, beschwert. Dies konnte bei der Gruppeneinteilung für die geplante Unterrichtsreihe beobachtet werden. So waren zwei seiner Gruppenmitglieder (M2, M11) nicht gerade glücklich darüber, M4 in ihrer Gruppe zu haben. Eine anschließende Unterhaltung mit diesen ergab, dass M4 aufgrund von „gemeinem“ Verhalten seiner Klassenkameraden gegenüber, selbst verantwortlich für seine Situation in der Klasse sei. Dennoch erklärten sie sich dazu bereit, im Rahmen der Gruppenarbeit mit ihm zu kooperieren. Dies muss im Unterricht genau beobachtet werden um ggf. eingreifen zu können. Ein Gespräch mit der Klassenlehrerin ergab, dass die beschriebenen Probleme auch über den Sportunterricht hinaus existieren. Die Mutter des Schülers berichtete, dass dieser bereits in der Grundschule ähnliche Schwierigkeiten hatte. Durch sein sensibles Wesen fühle M4 sich schnell ausgegrenzt und reagiere darauf teilweise unangemessen. Durch Einzelgespräche mit M4 erhoffe ich mir, ihn in seiner Selbstwahrnehmung und Selbstregulierung zu sensibilisieren. Zudem versuche ich durch Gruppengespräche sowie Kooperations- und Vertrauensspiele, den Klassenzusammenhalt zu stärken und den beschriebenen Herausforderungen zu begegnen. Durch wechselnde Mannschafts- und Gruppeneinteilungen sollen die SuS außerdem lernen, mit verschiedenen Partnern zusammen zu arbeiten und zu kooperieren. Bei den meisten SuS lässt sich in Gruppenspielen eine gute Konfliktbewältigung und Kompromissfähigkeit erkennen. Eine Ausnahme stellen die Schüler M1 und M8 dar. Es fällt ihnen beispielsweise schwer, die Ahndung von regelabweichendem Verhalten zu akzeptieren. Dies äußert sich durch Diskussionen über die Schiedsrichterentscheidungen, Uneinsichtigkeit oder durch Beleidigtsein. Da sich nach Einzelgesprächen mit den besagten Schülern zunächst keine deutliche Besserung einstellte, erfolgten kürzlich Gespräche mit den Eltern. Dadurch konnte für M1 die Information gewonnen werden, dass seine temperamentvolle Art auch Grund für Konflikte im Fußballverein sind. Bei M8 führten ähnliche Probleme sogar zum Austritt aus dem Handballverein. Laut der Mutter habe M8 seitdem eine eher negative Einstellung gegenüber dem Sporttreiben. Seit den Elterngesprächen ist derzeit tendenziell eine Besserung des Verhaltens beider Schüler festzustellen. Bei der Bekanntgabe der geplanten Unterrichtsreihe zeigte sich die Lerngruppe den Inhalten gegenüber interessiert und motiviert. Dies wird bislang an einer regen Unterrichtsbeteiligung der SuS deutlich. Die Arbeitskompetenz der SuS ist als positiv zu bewerten. Meiner Meinung nach herrscht mehrheitlich ein positives sportbezogenes Selbstkonzept bei den SuS der Lerngruppe. So hat ein Großteil der SuS keine Scheu davor, Bewegungsaufgaben vorzumachen oder zu erklären. Die Lerngruppe ist als sehr lebhaft zu bezeichnen. Kognitive Phasen versuche ich daher relativ kurz zu halten, um Unruhe durch den aufkommenden Bewegungsdrang zu verhindern. Des Weiteren zeigen die SuS, ebenfalls alterstypisch, ein großes Mittteilungsbedürfnis. Deshalb wurden Verhaltens- und Gesprächsregeln sowie Rituale eingeführt, um den Unterricht möglichst reibungslos ablaufen zu lassen. Halten sich die SuS dennoch nicht an die festgelegten Regeln, gibt es nach einmaliger Ermahnung eine Auszeitregelung. Diese ist in Anbetracht der potenziellen Sturzgefahr beim Balancieren auf Geräten notwendig. Die Schüler W11 und M3 sind aufgrund einer zugezogenen Verletzung für längere Zeit vom Schulsport freigestellt. Um sie dennoch in das Unterrichtsgeschehen einzubeziehen, setzte ich sie als Co-Lehrer sowie Schiedsrichter im Unterricht ein.

1.2 Lernausgangslage

Der Großteil der Lerngruppe begegnete dem neuen Thema Turnen unvoreingenommen und neugierig. Vor allem von den Mädchen ging eine große Begeisterung aus. Einzelne Jungen dagegen schienen zunächst nicht begeistert davon, eine Rolle vorwärts oder einen Handstand machen zu müssen. Die Information, dass das Gerätturnen wesentlich mehr als nur normierte Bewegungsabläufe, wie die Rolle bietet, führte auch bei den Skeptikern zu mehr Aufgeschlossenheit. Mit Motivation traten die SuS an den neuen Themenbereich des Balancierens heran und stellten fest, dass die Balancierfähigkeit nach und nach erarbeitet werden muss. Anhand eines motorischen Tests entstand ein erster Eindruck über die Bewegungs- und Wahrnehmungskompetenz der SuS. Dabei wurden für den Großteil annehmbare bis gute Voraussetzungen hinsichtlich der Gleichgewichtsfähigkeit beobachtet. Diese Erstanalyse bestätigte sich in den beiden nachfolgenden Stunden. Eine Ausnahme bilden die Schüler M4, M5, M8, W10 und W13, bei denen im Vergleich zu den Mitschülern ein größerer Förderbedarf im Bezug auf die Gleichgewichtsfähigkeit und Körperspannung besteht. 2 Dies wird im Verlauf der Reihe durch entsprechende Übungen und Spiele z.B. beim Aufwärmen berücksichtigt. Als besonders leistungsstark schätze ich die SuS W5, W9, W14 und W19 ein. Ihnen fällt es leicht, die Bewegungsaufgaben zu bewältigen.3 Drei der genannten Schülerinnen gaben beim Eingangsfragebogen an, privat in einem Turnverein aktiv zu sein. Diesen SuS wird in der geplanten Unterrichtsreihe die Aufgabe zuteil, weniger leistungsstarke SuS beim Lösen von Bewegungsaufgaben zu unterstützen. Die Balancierfähigkeit der Klasse ist demnach als heterogen zu bezeichnen. Durch eine Differenzierung der Aufgabenniveaus soll dieser Heterogenität Rechnung getragen und einer Über- oder Unterforderung der Klassenmitglieder entgegengewirkt werden. Vorkenntnisse zu Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Gerätestationen waren zu Beginn der Einheit bereits vorhanden. So erwähnte die Lerngruppe unter anderem, dass Übungen langsam und konzentriert ausgeführt werden müssen, gegenseitige Hilfestellung wichtig ist und kein „Unfug“ gemacht werden sollte. Allerdings führten der erwähnte Bewegungsdrang und die Lebendigkeit der Klasse dazu, dass das Verhalten Einzelner SuS in der Realität teilweise davon abwich.4

1.3 Lernstand

Der heutige Unterrichtsbesuch zeigt die sechste Unterrichtsstunde der Unterrichtsreihe

„Unterricht im (Un-)Gleichgewicht!? Wie balancieren wir erfolgreich auf einem festen/schwankenden Untergrund?“. Zu Beginn konnten die SuS erste Bewegungserfahrungen sammeln, indem sie in Gruppen zunächst verschiedene Balancieraufgaben am Boden bewältigten. Dabei wurde sowohl die statische als auch die dynamische Gleichgewichtsfähigkeit der SuS geschult5. Als nächsten Schritt haben die SuS ihre Balancierfähigkeit an feststehenden Hindernissen mit unterschiedlich breiter Balancierfläche und Höhe erprobt. Dadurch lernten sie die Grundvoraussetzungen (Gleichgewicht, Körperspannung, Körperhaltung und Konzentration) für das Balancieren kennen. Diese wurden der Lerngruppe im Sinne des „differentiellen Lernens“6 bewusst gemacht. Im weiteren Verlauf der Reihe werden die SuS mit zunehmend anspruchsvolleren Balancieraufgaben konfrontiert. Der Auf- und Abbau von Geräten wurde spielerisch eingeführt und Regeln dafür sind festgelegt und notiert. Allerdings muss der zügige Auf- und Abbau noch weiter geübt werden. Mit der Methode des Stationsbetriebs ist die Klasse bereits vertraut.

2 Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsreihe und zur Stunde

Kinder sammeln in ihrer Lebenswelt eher selten explizite Erfahrungen im Balancieren und Gleichgewicht halten. Dadurch ist ihr Bewegungsrepertoire diesbezüglich häufig eingeschränkt. Allerdings ist die Gleichgewichtsfähigkeit für Alltagsbewegungen und fast alle Sportarten als Grundlage von Bedeutung.7 Die Gleichgewichtschulung kann als Sturzprophylaxe dienen. Darum gilt es, das Gleichgewicht vielfältig und sensibel in unterschiedlichsten Situationen zu schulen. Diesem Vorsatz folgt die vorliegende Unterrichtsreihe. Durch das Balancieren wird vor allem die koordinative Fähigkeit

„Gleichgewicht“ geschult. Sie beinhaltet die Kompetenz, das Körpergleichgewicht zu erhalten oder schnellstmöglich wieder herzustellen. Daneben schult das Balancieren die Kopplungsfähigkeit, wenn Teilkörperbewegungen zu einem flüssigen Gesamtablauf kombiniert werden müssen. Außerdem wird die Differenzierungsfähigkeit ausgebildet, weil (Teilkörper-)Bewegungen entsprechend der äußeren Bedingungen exakt abgestimmt und dosiert werden müssen. Da das Themenfeld Turnen bei einigen männlichen Schülern eher negative Assoziationen hervorrief8, wurde Balancieren als Einstieg in die Thematik gewählt und keine normierte Bewegung, wie die „Rolle vorwärts“. Zeitgemäße Trendsportarten, wie das „Slacklining“, können die SuS zu dem Wunsch animieren, balancieren lernen zu wollen. So führte die Aussicht, sich am Ende des Unterrichtsvorhabens an einer Slackline ausprobieren zu können, bei der gesamten Lerngruppe zu großer Vorfreude und Motivation. Des Weiteren können die SuS aus diesen Balancier- und Gleichgewichtserfahrungen bei den sich anschließenden normierten Turnübungen profitieren.

Der hessische Lehrplan sieht für die fünfte Jahrgangsstufe das Thema „Sich vielfältig bewegen – durch turnerische Elemente die Bewegungserfahrung erweitern“ mit 22 Stunden vor.9 Neben den „klassischen Turnübungen“ zählt auch das Balancieren zu den verbindlichen Unterrichtsinhalten. Dabei sollen unterschiedliche Gleichgewichtspostionen wie der Einbeinstand oder die Standwaage eigenommen werden. Des Weiteren sollen die SuS auf und über unterschiedliche stabile und bewegliche Untergründe balancieren. Zudem erfordert das Balancieren die Kooperation mit dem Partner, indem zu Zweit balanciert oder Hilfestellung gegeben wird.10 Im Schulcurriculum der Diltheyschule ist das Thema Balancieren ebenso als verbindlicher Inhalt in der 5. Klasse vorgeschrieben. Das selbstständige Arbeiten der SuS in Bewegungslandschaften wird dafür empfohlen11. Die Planung der vorliegenden Unterrichtsreihe orientiert sich an diesen Vorgaben sowie an der Leitidee der „Körperwahrnehmung“ durch Formen des Balancierens an Bewegungsarrangements. Es bietet sich dabei an, das Unterrichtsvorhaben an den pädagogischen Perspektiven „Etwas wagen und verantworten“ und „Sinneswahrnehmung verbessern, Bewegungserlebnis und Körpererfahrung erweitern“ 12 auszurichten. Die Lerngruppe wird demnach die Möglichkeit erhalten, Bewegungserfahrungen zu sammeln und ihre Bewegungen an subjektiv riskante Situationen anzupassen. Dadurch wird insbesondere die Bewegungskompetenz geschult. Zudem lernen die SuS, in turnerischen Wagnissituationen, für sich selbst und andere, umsichtig und verantwortungsbewusst zu handeln. Die pädagogische Perspektive „Kooperieren", (wettkämpfen) und sich verständigen“ 13 kommt ebenfalls durch die gewählte Gruppenarbeit zum Tragen. Auf diese Weise sollen die diagnostizierten „Spannungen“ zwischen Mädchen und Jungen sowie einzelner SuS reduziert, die Klassengemeinschaft gestärkt und die Teamkompetenz gefördert werden.14 Durch das selbstständige, kooperative und sachgerechte Auf- und Abbauen von Turngeräten, wird außerdem die Methodenkompetenz der SuS weiter gefördert. Um die SuS sukzessive an die Arbeitsweisen des problemorientierten Unterrichts heranzuführen, orientiert sich das vorliegende Unterrichtsvorhaben in Teilen am Konzept des genetischen Lernens 15. Durch die Formulierung von Stundenfragen 16 und dem selbstständigen Ausprobieren und Lösen im Rahmen von Balancieraufgaben, soll zusätzlich eine hohe Lernmotivation bei den SuS erreicht werden. Die Balancierfähigkeit wird dabei problem- und schülerorientiert erarbeitet. In jeder Stunde kommen Balancieraufgaben mit gestuften Schwierigkeitsgraden zum Einsatz, wodurch die individuellen Leistungsvoraussetzungen der SuS berücksichtigt werden. Hiermit erhalten alle SuS die Gelegenheit, Aufgaben nach eigenem Ermessen auszuwählen und selbstständig zu üben (Entscheidungs- und Urteilskompetenz). Zur weiteren Förderung der Selbstständigkeit und Kreativität, wird insbesondere den leistungsstarken SuS die Möglichkeit gegeben, eigene Ideen für eine erfolgreiche Überwindung der Gerätearrangements zu finden. In der ersten Doppelstunde wurde zunächst ein motorischer Test durchgeführt, um einen Eindruck von der Balancierfähigkeit der SuS zu erhalten. Anschließend wurden erste Balanciererfahrungen am Boden gesammelt. Daraufhin stand die Lerngruppe vor dem Problem, feststehende Balancierarrangements mit jeweils unterschiedlicher Balancierfläche und -höhe zu überwinden. Das bis dahin Gelernte, kann nun in der vorliegenden Stunde von den SuS zur Bewältigung der erschwerten Balancierbedingungen genutzt werden. Hier stehen die Kinder vor der Aufgabe, über schräge und schwankende sowie wippende Hindernisse zu balancieren. 17 Dadurch müssen die SuS Möglichkeiten finden, wie sie ihr Gleichgewicht wieder herstellen können, wenn sie es verlieren. Das Gleichgewicht wiederherzustellen ist eine kombinierte Form aus dynamischer und statischer Gleichgewichtsfähigkeit. 18 Die geplante Stunde ist innerhalb des Prozessmodells im Bereich „Kompetenzen stärken und erweitern“ angesiedelt. Im didaktischen Zentrum der Stunde steht dabei die Stärkung und Erweiterung der Bewegungskompetenz der Kinder, indem sie die Kriterien effizienten Balancierens (Gleichgewicht, Körperspannung/-haltung, Konzentration) an schrägen und schwankenden Gerätearrangements erproben (HLZ) 19. Im Anschluss daran sollen die SuS, anhand bereitgestellter Materialien, eigene Balancierstationen mit jeweils drei Schwierigkeitsgraden entwickeln. Der entstandene Parcours wird dann von den Kleingruppen durchlaufen und bewertet (Entscheidungs- und Urteilskompetenz). Am Ende dieser Unterrichtsreihe wird der motorische Eingangstest wiederholt, um den Lernfortschritt diagnostizieren zu können und den SuS im Idealfall ihre Verbesserung vor Augen zu führen.

3 Methodische Überlegungen zur Stunde

Der Einstieg in die Unterrichtsstunde erfolgt mit einer kognitiven Phase im Sitzkreis.20 Diese dient der Erinnerung an die bereits erarbeiteten Inhalte zur Balancierfähigkeit und soll verdeutlichen, woran die heutige Stunde anknüpfen wird. Dabei wird das Kernproblem der Stunde herausgestellt, dass Maßnahmen und Lösungen gefunden werden müssen, wie den aus der Lernumgebung resultierenden Gleichgewichtsstörungen entgegengewirkt werden kann. Die vorliegende Unterrichtsstunde stellt demnach den nächsten Schritt entsprechend der methodischen Prinzipien vom Leichten zum Schweren und vom Einfachen zum Komplexen dar.21 Eine kurze Erklärung des Ablaufs der Stunde sorgt für die nötige Transparenz. Durch ein sich anschließendes Aufwärmspiel (Schlangen-/Schattenlauf), in dem auch das Gleichgewicht eine Rolle spielt, werden die SuS auf das Kommende vorbereitet und lernen von Beginn an, dass das Aufwärmen ein wichtiger Bestandteil des Sporttreibens ist.22 Auf ein Kräftigungs- und Dehnprogramm wird aus Zeitgründen in der gezeigten Stunde verzichtet. Ein kurzer Hinweis zu den bereits aufgebauten Stationen leitet in die Erarbeitungsphase ein. Im Sinne des entdeckenden und problemlösenden Lernens, wird auf eine Erklärung und Demonstration der Stationen verzichtet. Die Schulung der Balancier- und Gleichgewichtsfähigkeit der Lerngruppe erfolgt demnach anhand der Methode des Stationenlernens. 23 Dadurch kann das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen der SuS besonders gefördert werden (Schülerorientierung). Anschließend werden die SuS in bereits festgelegten Gruppen an die Balancierarrangements entlassen. Die Einteilung erfolgte bereits in der ersten Stunde der Unterrichtsreihe wie folgt: Zunächst konnten die SuS selbstständig Dreiergruppen bilden. Dadurch wurde gewährleistet, dass jedes Kind mindestens mit zwei Mitschülern zusammen ist, zu denen es ein freundschaftliches Verhältnis und Vertrauen hat. Dies ist in Anbetracht des Sich-Helfens und -Sicherns in der geplanten Reihe und Stunde wichtig. Erwartungsgemäßentstanden geschlechtergetrennte Kleingruppen.24 Anschließend erhielten die SuS die Anweisung, Sechser-Gruppen zu bilden, wobei jeweils eine Mädchengruppe mit einer Jungengruppe zusammengehen musste. Hierdurch wurden die beschriebenen Klassensysteme aufgebrochen25. Dabei sind fünf heterogene Gruppen aus jeweils sechs Personen entstanden. Aus diesen profitieren die leistungsschwachen SuS insofern, als dass sie hinsichtlich ihrer Bewegungskompetenz gefördert werden. Die leistungsstarken SuS wiederum können durch Vormachen, Erklären und Hilfegeben ihre Sozialkompetenz stärken. Anhand der drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade sowie Zusatzaufgaben für Leistungsstarke (Binnendifferenzierung) an den Stationen, sollen die SuS ihre Bewegungskompetenz individuell erproben und erweitern. Dazu sind sie zunächst dazu aufgefordert, jeweils mit der einfachsten Bewegungsaufgabe zu beginnen und diese dem eigenen Leistungsstand entsprechend durchzuführen. Anschließend entscheiden die SuS individuell, ob sie sich an den nächsten Schwierigkeitsgrad wagen oder nicht. Während der aktiven Übungszeit übernimmt die Lehrkraft in dieser Stunde eine moderierende und organisatorische Rolle. Sie steht als Beratungsperson bereit und wird ebenso gezielt Rückmeldung an die SuS geben. Durch den Erfahrungsaustausch in der abschließenden Reflexion im Plenum, sollen die SuS ihre Erfolge und Probleme in Bezug auf die gestellte Stundenfrage reflektieren und gefundene Lösungsvorschläge nennen und ggf. beispielhaft demonstrieren. Dieser Wissensaustausch kann in der Folgestunde zur Bewältigung weiterer Balancieraufgaben genutzt werden.

Anschließend bauen die Gruppen jeweils die zuletzt besuchte Station ab, bevor sich mit dem bekannten Ritual voneinander verabschiedet wird.

[...]


1 Im Folgenden als SuS bezeichnet.

2 Vgl. Motorischer Test. Anhang G.

3 Vgl. ebenda.

4 Vgl. Beschreibung der Lerngruppe.

5 Gerling, I.E. (2014). Basisbuch Gerätturnen. S.245.

6 Schöllhorn, W. Differentielles Lernen. Universität Mainz.

7 Vgl. Gerling, I.E. (2014). Basisbuch Gerätturnen. S. 244.

8 Vgl. Lerngruppenbeschreibung.

9 Vgl. HKM (2010). Lehrplan Sport. S. 36

10 Vgl. Vgl. HKM (2010). Lehrplan Sport. 36.

11 Vgl. Schulcurriculum Sport der Diltheyschule, Jahrgang 5.

12 Vgl. HKM (2010). Lehrplan Sport. S. 36.

13 Vgl. HKM. (2010). Lehrplan Sport. S. 7.

14 Vgl. Lerngruppenbeschreibung.

15 Vgl. Vgl. Wagenschein, zitiert nach Berck: Biologiedidaktik.

16 z.B. „Wie kann ich feststehende Balancierarrangements erfolgreich überwinden?“

17 Vgl. Gerling, I.E. (2014). Basisbuch Gerätturnen. S. 247.

18 Vgl. ebenda, S. 246.

19 HLZ: Hauptlernziel.

20 Die ritualisierte Form des offenen Unterrichtsbeginns entfällt in dieser Stunde aus zeitlichen Gründen.

21 Vgl. Gerling (2014). Basisbuch Gerätturnen. S. 52.

22 Achtergarde (2008). Selbstständiges Arbeiten im Sportunterricht.

23 Alternative: Parallelbetrieb. Dieser erscheint mir allerdings bei normierten Turnübungen sinnvoller, da hier mehr Korrekturen und Hilfestellungen erforderlich sind.

24 Vgl. Lerngruppenbeschreibung.

25 Vgl. ebenda

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Erprobung der Gleichgewichtsfähigkeit durch Balancieren auf unbekannten Gerätearrangements
Untertitel
Reihe: Unterricht im (Un-)Gleichgewicht!? Wie balancieren wir erfolgreich auf einem festen/beweglichen Untergrund?
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V425536
ISBN (eBook)
9783668702493
ISBN (Buch)
9783668702509
Dateigröße
745 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Unterrichtsentwurf zum Balancieren an unterschiedlichen Gerätearrangements. Eine Station ist beispielhaft enthalten.
Schlagworte
erprobung, gleichgewichtsfähigkeit, balancieren, gerätearrangements, reihe, unterricht, gleichgewicht, untergrund
Arbeit zitieren
Andreas Bonß (Autor), 2017, Erprobung der Gleichgewichtsfähigkeit durch Balancieren auf unbekannten Gerätearrangements, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425536

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