Einleitung
"Fußball ist ein Sport für alle!" Dieser Satz unterstreicht den integrativen Charakter, den Sport im allgemeinen und Fußball im besonderen haben sollte. Dennoch wird der Rassismus auf verschiedenste Weise, mit wechselnden Motivationen und durch unterschiedliche Gruppierungen immer wieder in die Stadien getragen.
Fans benutzen ihn nach eigenen Angaben, um gezielt Mitglieder der gegnerische Mannschaft zu demoralisieren (und streiten somit jeden politischen Hintergrund ab).
Vereine bagatellisieren und leugnen zum Teil sogar immer noch die Existenz von Rassismus im Fußball, obwohl sie durch ihre Sportpolitik erheblichen Beitrag zu einem rassistischen Klima in den Stadien leisten.
Welche Formen von Rassismus es dabei gibt, wer die Menschen sind, die sich seiner bedienen, mögliche Bekämpfungsstrategien und deren Effektivität, sowie eine Überlegung zum Zusammenhang zwischen Rassismus und Geschlecht soll Gegenstand dieser Hausarbeit zum gleichnamigen Referat vom 12. Dezember 2001 sein.
Meine Ausarbeitung wird insgesamt sechs Kapitel umfassen, in denen vier Bereiche analysiert und beschrieben werden:
1. Einleitung
2. Ausdrucksformen von Rassismus im Stadion,
3. Fantypenkategorien nach Heitmeyer (1988) und Kritik,
4. Bekämpfungsformen des Rassismus und den
5. Bezug zwischen Rassismus und Geschlecht, was eine Auseinandersetzung mit der Frage "Ist rassistische Gewalt in Fußballstadien ein reines Männerproblem?" bedeutet.
6. Schlussbetrachtung
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausdrucksformen von Rassismus im Fußballstadion
3. Fantypenkategorien
4. Bekämpfungsformen des Rassismus
5. Der Bezug zwischen Rassismus und Geschlecht
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Rassismus in deutschen Fußballstadien, analysiert dessen Ausdrucksformen sowie die dahinterstehenden Akteure und erforscht den Zusammenhang zwischen rassistischer Gewalt und gesellschaftlichen Männlichkeitskonstruktionen.
- Analyse offener und verhaltener Rassismusformen im Fußballkontext
- Differenzierung von Fantypen nach Heitmeyer
- Kritische Beleuchtung der Rolle des DFB bei der Rassismusbekämpfung
- Untersuchung der Korrelation zwischen Geschlechterrollen und Gewaltbereitschaft
Auszug aus dem Buch
2. Die Ausdrucksformen von Rassismus im Fußballstadion
Der in der Einleitung beschriebene Rassismusbegriff lässt sich im Bezug auf die Ausprägung in Fußballstadien durch die Überschrift „offen“ und „verhalten“ ergänzen und wird schwerpunktmäßig von zwei unterschiedlichen Gruppen, Zuschauern oder Vereinen und anderen Organisationen, ausgeübt.
Die Zuschauer in den Stadien bedienen sich in der Regel des „offenen Rassismus“. Beispiele hierfür sind das Imitieren von Affengeräuschen bei Ballkontakt eines farbigen Spielers oder das Werfen von Bananen vor oder während eines Spiels. Zumeist sind diese Aktionen gekoppelt mit typischen Sprechchören aus den Zuschauerrängen, häufig aus dem Stehplatzbereich, wo sich die „wahren Fußballfans“ (eigene Aussage) aufhalten: „Husch, husch, husch, Neger in den Busch!“. Farbige Kicker werden häufig als „Bimbo“ bezeichnet, Unparteiische als „Judensau“ diffamiert.
Zu dem werden rassistische Äußerungen im Bezug zur Leistung eines Spielers gesetzt, zum Beispiel bei vielen lateinamerikanische Sportlern (zumeist Brasilianer oder Argentinier), die als „Schönwetterstürmer“ abgewertet werden. Sie seien dem „harten“ Fußballklima in Deutschland nicht gewachsen und würden bei zu starker Beanspruchung versagen. Oder, anders herum, „herablassend - positiv“ durch ein Simile als „Gazelle“ (Verknüpfung zur Tierhaftigkeit der Sportler) oder „schwarze Perle“ bei besonders guten Leistungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den integrativen Anspruch des Fußballs dar und stellt diesem die Realität rassistischer Tendenzen gegenüber, welche durch Fans sowie das Verhalten von Verbänden geprägt ist.
2. Die Ausdrucksformen von Rassismus im Fußballstadion: Das Kapitel unterscheidet zwischen offenem Rassismus durch Zuschauer und strukturellem, verhaltenem Rassismus seitens der Vereine und Verbände.
3. Fantypenkategorien: Auf Basis von Heitmeyer wird die Fanszene in konsumorientierte, fußballzentrierte und erlebnisorientierte Fans unterteilt, um die Hintergründe von Gewaltbereitschaft zu erklären.
4. Bekämpfungsformen des Rassismus: Hier werden Initiativen von Fans und Vereinen gegen Rassismus sowie die zögerliche Rolle des DFB kritisch hinterfragt.
5. Der Bezug zwischen Rassismus und Geschlecht: Das Kapitel analysiert, inwieweit rassistische Gewalt ein Resultat patriarchaler Männlichkeitskonstruktionen ist.
6. Schlussbetrachtung: Abschließend werden die untersuchten Studien kritisiert und ein Ausblick auf notwendige gesellschaftliche Diskurse zur Bekämpfung von Rassismus gegeben.
Schlüsselwörter
Rassismus, Fußball, DFB, Gewaltbereitschaft, Männlichkeit, Fantypen, Diskriminierung, Fanorganisationen, Rechtsextremismus, Sozialisation, Strukturrassismus, Patriarchat, Ausländerfeindlichkeit, Stadionordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und den Erscheinungsformen von Rassismus innerhalb der deutschen Fußballstadien sowie den zugrunde liegenden gesellschaftlichen Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Aspekte sind die verschiedenen Formen des Rassismus (offen vs. strukturell), die Kategorisierung von Fans, die Strategien zur Bekämpfung sowie die Verschränkung von Rassismus und Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass rassistische Gewalt kein rein sportfremdes Problem ist, sondern tief in gesellschaftlichen Machtstrukturen und dem Verhalten der Fußballverbände verwurzelt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit der Auswertung soziologischer Studien (insb. Heitmeyer) sowie eigenen Beobachtungen und Erfahrungen im Stadionumfeld.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Praxis der Fans, die Rolle des DFB, die Einteilung von Fans nach Heitmeyer und die konstruktivistische Sichtweise auf Männlichkeit in Bezug auf Aggression.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rassismus, strukturelle Diskriminierung, Fanverhalten, hegemoniale Männlichkeit und sportpolitische Verantwortung geprägt.
Inwiefern spielt die Rolle des DFB eine besondere Rolle?
Die Autorin kritisiert den DFB für seine oft zögerliche Haltung und seine historisch konservative bis nationale Ausrichtung, die sie als förderlich für ein rassistisches Klima im Stadion einschätzt.
Warum wird das Thema Geschlecht in diesem Kontext analysiert?
Die Autorin untersucht, ob rassistische Gewalt primär männlich konnotiert ist und inwiefern hegemoniale Männlichkeitsbilder als Instrument zur Dominanzsicherung sowohl gegenüber Frauen als auch gegenüber ethnischen Minderheiten genutzt werden.
- Quote paper
- Martina Waida (Author), 2002, Rassismus und Geschlecht in deutschen Fußballstadien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4257