Die Gründung der Solidarnosc - Beginn der Demokratisierungsbewegung in Polen: Hintergründe und Rahmenbedingungen


Referat (Ausarbeitung), 2005

7 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt:

1. Geschichtlicher Rückblick

2. Die Entfaltung der oppositionellen Kräfte vor 1980

3. Die Forderung nach einer freien, unabhängigen Gewerkschaft

4. Arbeiterselbstverwaltung

5. Literatur und Anmerkungen

1. Geschichtlicher Rückblick

Bis in das 19. Jhd. lässt sich zurückverfolgen, dass Polen stets über ein Parteiensystem verfügte, dessen Parteien mit unterschiedlichen Positionen politisch tätig waren. So war es auch nicht verwunderlich, dass nach 1945 sich die polnische Gesellschaft am intensivsten dagegen sträubte, eine von der Sowjetunion (SU) aufgezwungene Ein-Parteien-Diktatur hinzunehmen. Eine weitere Grunderfahrung, welche die Ab-läufe von 1980/81 beeinflusste, war die Tatsache, dass die Polnische Vereinte Arbeiterpartei (PZPR)[i] in der Nachkriegszeit bereits zweimal durch Druck aus der Bevölkerung gezwungen worden war, ihre Führungsmannschaft auszutauschen. 1956 wurde auf Druck der Arbeiter und Intellektuellen Gomułka[ii] als Erster Sekretär eingesetzt, welcher erst kurz zuvor wegen Abweichungen vom stalinistischen Kurs aus der Haft entlassen wurde. 1970, 14 Jahre später, wurde jedoch auch er durch öffentlichen Druck ge-zwungen, sein Amt niederzulegen. In Danzig kam es zu Auseinandersetzungen zwischen streikenden Arbeitern und der bewaffneten Polizei mit dem Ergebnis, dass nahezu 50 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzte wurden. Die landesweite Empörung war so groß, dass wiederum die Führungsmannschaft ausgewechselt wurde. Edward Gierek wurde Erster Sekretär der PZPR und damit der leitende Mann im Staate. Beide Vorgänge, die in anderen sozialistischen Ländern keine Parallele finden, sind kennzeich-nend für die besondere Situation Polens und stehen in engem Zusammenhang mit der Bewegung der Solidarność.

Es blieb nicht verborgen, dass die PZPR als Massenorganisation kontinuierlich ihre Funktion einbüßte. Der Führungswechsel von 1970 beruhte ja nicht auf einer Veränderung des ideologischen Kurses, son-dern auf Druck der öffentlichen Meinung. Parteiintern kam es zu Machtkämpfen, in welchen u.a. die Gruppe um Gierek ihre Rivalen ausgeschaltet hatte. Sichtbare Aufgaben waren nunmehr nur noch die Organisation zu Nationalfeiertagen und die mühsame Durchführung anderer Kampagnen. Schon bald löste die politische Schwäche in der SU Besorgnis aus, dem mit der Einbindung Polens in die Sozialis-tische Staatengemeinschaft und der Rolle der Partei als Verfassungsprinzipien entgegengetreten werden sollte. Der Widerstand gegen dieses Projekt war so groß, dass es 1976 nur mit erheblichen Modifikatio-nen verwirklicht werden konnte. Auch Bemühungen um eine Modernisierung der Wirtschaft und Grund-versorgung in den 1970ern brachten nicht die gewünschten Erfolge.

Trotz der offensichtlichen Schwächen der Partei und Wirtschaft entstand gleichzeitig bei den Leuten, die sich parteifern bewegten, ein neues Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Die Unfähigkeit der Regie-rung betraf nicht die Qualifikation der Gesamtnation! Gewaltigen Auftrieb erhielt diese Stimmung, als 1978 der polnische Kardinal Wojtyła als Johannes Paul II. zum Papst der kath. Kirche gewählt wurde und jener sein Heimatland 1979 in einem ohne Staatshilfe organisierten Empfang besuchte.[iii]

Auch die außenpolitische Konstellation Ende der 1970er Jahre gehörte zu den Rahmenbedingungen für die polnische Entwicklung. Die SU befand sich unter Brežnev im allgemeinen Zustand der Stagnation und die neue anti-sowjetische Rhetorik Ronald Reagans seitens der USA mag in Polen den Eindruck erweckt haben, Opposition gegen das eigene Regime und Proteste gegen die sowjetische Vorherrschaft würden aus den USA moralische und tatkräftige Unterstützung finden.

2. Die Entfaltung der oppositionellen Kräfte vor 1980

3 Vorgänge waren es insbesondere, welche die Entfaltung einer organisierten Opposition begünstigten:

- Die Diskussion über die Verfassungsänderung in den Jahren 1975 und 1976
- Die Unterzeichnung der Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und Helsinki
- Die Arbeiterunruhen im Sommer 1976 vor allem in den Städten Radom und Ursus, hervorgerufen durch drastische, nicht vorangekündigte Preiserhöhungen

Noch war die Opposition weder ein einheitlicher Block noch völlig von der PZPR abgesondert. Nach-dem Edward Gierek am 5.9.1980 zurücktrat betonte sein Nachfolger Stanisław Kania, dass die Streiks eine berechtigte Erscheinung der Unzufriedenheit wären und die Wurzeln für das Entstehen der Opposi-tion in den konkreten Widersprüchen des sozialistischen Systems in Polen liegen wie

[...]


[i] PZPR - Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, Polnische Vereinte Arbeiterpartei

[ii] zur Ära Gomułka siehe auch Hoensch 1998, S. 316 ff

[iii] vgl. Krzeminski 1998, S. 155

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Gründung der Solidarnosc - Beginn der Demokratisierungsbewegung in Polen: Hintergründe und Rahmenbedingungen
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Ost West Konflikt II
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
7
Katalognummer
V42583
ISBN (eBook)
9783638405850
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gründung, Solidarnosc, Beginn, Demokratisierungsbewegung, Polen, Hintergründe, Rahmenbedingungen, West, Konflikt
Arbeit zitieren
Natalie Webbeler (Autor), 2005, Die Gründung der Solidarnosc - Beginn der Demokratisierungsbewegung in Polen: Hintergründe und Rahmenbedingungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42583

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Gründung der Solidarnosc - Beginn der Demokratisierungsbewegung in Polen: Hintergründe und Rahmenbedingungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden