Der Naturalismus im Drama ist eine zu Unrecht vernachlässigte Literaturperiode in Großbritannien und Irland. Drei der interessantesten Stücke werden hier untersucht und insbesondere auf die Darstellung ihrer Frauenfiguren hin untersucht.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Frauen und Frauenfiguren zur Zeit des Naturalismus
II. John Millington Synge, The Shadow of the Glen (1903)
a. Kurzinhalt
b. Nora Burke
III. John Galsworthy, Strife (1909)
a. Galsworthys Charaktere in der Kritik
b. Kurzinhalt
c. Enid Underwood
d. Madge Thomas
e. Annie Roberts
f. Vergleich der Figuren miteinander und mit Synges Nora Burke
IV. Stanley Houghton, Hindle Wakes (1912)
a. Kurzinhalt
b. Fanny Hawthorn
c. Mrs. Hawthorn
d. Beatrice Farrar
e. Vergleich der Figuren miteinander, mit Synges Nora Burke und den Figuren aus Strife
V. Zusammenfassung
VI. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die aktiven Frauenfiguren in drei bedeutenden Dramen des englischen Naturalismus (1903-1912), um deren Rollenbilder im Kontext der aufkommenden Frauenbewegung und der gesellschaftlichen Situation ihrer Zeit zu analysieren.
- Analyse des Frauenbildes im naturalistischen Drama
- Vergleich von Selbstbestimmung und Rollenkonformität
- Einfluss des sozio-ökonomischen Hintergrunds auf die Charakterentwicklung
- Diskussion der "New Woman"-Thematik in der dramatischen Literatur
- Historische Einordnung der Frauenemanzipation im frühen 20. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
b. Nora Burke
Nora Burke ist in einigen Belangen eine typische Irin, bzw. besitzt Eigenschaften, die Iren zugeschrieben werden: Sie ist sehr gastfreundlich (“Good evening kindly, stranger, it’s a wild night, God help you, to be out in the rain falling.”5) und bewirtet den Tramp, obwohl sie glaubt, gerade ihren Mann verloren zu haben und obwohl seine “Leiche” noch im Haus ist; gottesfürchtig („saying a prayer for his soul“), aber auch ein wenig abergläubisch:
I was afeard, stranger, for he put a black curse on me this morning if I’d touch this body the time he’d die sudden, or let anyone touch it except his sister only, and it’s ten miles away she lives, in the big glen over the hill.
Sie hat den viel älteren Daniel geheiratet, um Sicherheit und ein wenig Geld zu haben, nicht aus Liebe: “What way would I live and I an old woman if I didn’t marry a man with a bit of a farm, and cows on it, and sheep on the back hills?” Ihre Ehe ist daher auch sehr unglücklich: “[…] he was always cold, every day since I knew him, - and every night, stranger – […]”. Das erklärt auch, warum sie nicht wirklich um ihren Mann trauert. Sie befolgt zwar die gesellschaftlichen Konventionen (“God forgive him”), ist aber vom Ableben ihres Mannes nicht sonderlich betrübt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Frauen und Frauenfiguren zur Zeit des Naturalismus: Das Kapitel führt in die Ästhetik des naturalistischen Dramas ein und beleuchtet die gesellschaftliche Stellung der Frau in Großbritannien zwischen 1903 und 1912.
II. John Millington Synge, The Shadow of the Glen (1903): Hier wird das Stück vorgestellt, Nora Burkes Charakter analysiert und ihre Suche nach einem selbstbestimmten Leben thematisiert.
III. John Galsworthy, Strife (1909): Dieses Kapitel untersucht die verschiedenen Frauenfiguren des Arbeitskampf-Dramas, ihre Interaktionen und ihren jeweiligen Grad an Emanzipation.
IV. Stanley Houghton, Hindle Wakes (1912): Die Analyse konzentriert sich auf Fanny Hawthorn und die anderen Frauenfiguren, wobei besonders Fannys kompromisslose Haltung als "New Woman" hervorgehoben wird.
V. Zusammenfassung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, welche Figuren am stärksten dem Ideal der unabhängigen Frau entsprechen.
VI. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der literaturwissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Naturalismus, Frauenbild, New Woman, J.M. Synge, John Galsworthy, Stanley Houghton, Emanzipation, Theater, Rollenverständnis, Gesellschaftskritik, Geschlechterrollen, Arbeitskampf, Identität, Großbritannien, Frauenbewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht weibliche Hauptfiguren in drei naturalistischen Dramen des frühen 20. Jahrhunderts hinsichtlich ihrer Autonomie und gesellschaftlichen Rolle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Stellung der Frau, das Aufstreben der Suffragettenbewegung, ökonomische Abhängigkeiten und das Ringen um individuelle Freiheit gegen patriarchale Konventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Grad der Selbstbestimmung der untersuchten Frauenfiguren zu bewerten und herauszufinden, inwiefern sie das literarische Ideal der "New Woman" verkörpern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine werkimmanente Interpretation der Dramen in chronologischer Reihenfolge unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Sekundärquellen zu den Autoren und dem naturalistischen Drama.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Werke von Synge, Galsworthy und Houghton einzeln detailliert besprochen, wobei die jeweiligen weiblichen Haupt- und Nebencharaktere und ihre spezifischen Motivationen analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Naturalismus, Frauenbild, New Woman, Emanzipation, Geschlechterrollen, soziale Gerechtigkeit und Identität.
Warum wird Nora Burke als Ausgangspunkt für Vergleiche genutzt?
Nora Burke dient als Referenzpunkt, um irische ländliche Traditionen mit den urbanen, industriellen Lebenswelten der anderen Stücke zu kontrastieren.
Inwiefern unterscheidet sich Fanny Hawthorn von anderen Figuren?
Fanny Hawthorn wird als die progressivste Figur eingestuft, da sie wirtschaftlich unabhängig ist und sexuelle sowie persönliche Selbstbestimmung aktiv einfordert, ohne sich gesellschaftlichem Druck zu beugen.
Welche Rolle spielt die soziale Klasse für die Figuren?
Die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse oder zur Mittelschicht beeinflusst maßgeblich den Handlungsspielraum der Frauen sowie deren Möglichkeiten zur Entfaltung eines selbstbestimmten Lebens.
- Quote paper
- Susanne Opel (Author), 2005, Vergleich der aktiven Frauenfiguren in J.M. Synges "In The Shadow of the Glen", J. Galsworthys "Strife" und S. Houghtons "Hindle Wakes", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42611