„Das englische 17. Jahrhundert (…) war die große Zeit einer neuen Art von Wissenschaft. (…) Der institutionelle Rahmen für diese Richtung der Wissenschaften, die sich aus dem Korsett der aristotelischen Überlieferung zu befreien suchte, war seit der Restauration die Royal Society in London.“
Welche besondere Rolle spielte die Royal Society für die wissenschaftliche Revolution, der sogenannten Scientific Revolution, wie sie im europäischen 17. Jahrhundert stattfand? Wie sah ihre Arbeitsweise aus, welche Menschen prägten die frühe Royal Society ab 1662?
Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die besondere, wenn auch nicht allein dominante Rolle, der Royal Society für das naturwissenschaftliche Leben in England und auch Europa zu beleuchten und anhand dieser organisatorischen, personellen und wissenschaftlichen Besonderheiten die Bedeutung der Gesellschaft auch für unser heutiges, hochtechnisiertes Zeitalter herauszuarbeiten.
Literatur zum Themengebiet der englischen Wissenschaftsgeschichte ist naturgemäß vorrangig im englischsprachigen Raum erschienen. Deutsche Übersetzungen der Werke sind selten zu finden. Bedeutende Arbeiten stammen unter anderem von Charles Webster , Alfred Rupert Hall , Margery Purver und Michael Hunter. Allerdings handelt es sich bei diesen Arbeiten vorwiegend um bereits etwas ältere Publikationen. Aktuelle Literatur zu diesem Themengebiet lässt sich kaum finden.
Ebenfalls von großer Bedeutung sind die weitaus älteren Arbeiten zur Geschichte der Royal Society von Thomas Sprat , Thomas Birch , Thomas Thomson und C. R. Weld, wobei die Arbeit von Thomas Sprat, der selbst Mitglied der frühen Royal Society war, umstritten ist.
Die literarischen Grundlagen dieser Arbeit sind vor allem die Dissertationsschrift von Martha Ornstein aus dem Jahr 1913, die deutsche Übersetzung von A. R. Halls „From Galileo to Newton“ und diverse Aufsätze verschiedener Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftshistorikerinnen, die zwischen 1953 und 1973 in der englischen Fachzeitschrift Past and Present erschienen sind und in einem Sammelband von Charles Webster vorliegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick über die Geschichte der Naturwissenschaften im Europa des 17. Jahrhunderts
3. Vorläufer der Royal Society
4. Die Gründung der Royal Society
5. Die soziale Schichtung der Royal Society
6. Wichtige Ämter
6.1 Der Curator of Experiments
6.2 Der Sekretär
7. Die Bedeutung der Philosophical Transactions
8. Arbeitsfelder der Royal Society
8.1 Naturwissenschaft
8.2 Werke zur Sprache und zum Finanzwesen
9. Religion und Wissenschaft in England
10. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle der Royal Society für das naturwissenschaftliche Leben im England des 17. Jahrhunderts und arbeitet deren Bedeutung sowie ihre organisatorischen und personellen Besonderheiten heraus.
- Historische Entwicklung der Naturwissenschaften im 17. Jahrhundert
- Gründungsgeschichte und institutionelle Verankerung der Royal Society
- Soziale Struktur und zentrale Ämter der Gesellschaft
- Bedeutung der wissenschaftlichen Kommunikation durch die Philosophical Transactions
- Verhältnis zwischen Wissenschaft, Religion und der frühen modernen Industrie
Auszug aus dem Buch
3. Vorläufer der Royal Society
Die Royal Society hat ihren Ursprung formell in drei Vorgänger-Institutionen, in denen sich im Jahrzehnt vor ihrer offiziellen Gründung der Kern der späteren Society getroffen hat, um ganz informell über Experimente und Vorträge zu diskutieren.26
Zum einen ist das Gresham College zu nennen, „(...) so intimately connected with the early history of the English Society“,27 das seit 1597 Seeleute und Offiziere zur See ausbildete. Thomas Gresham, ein reicher Kaufmann des elisabethanischen Zeitalters und Gründer der Londoner Börse28, vermachte sein Vermögen der Stadt unter der Auflage, ein College zu stiften. Sieben Professoren lehrten hier unter anderem Astronomie, Geometrie, Mathematik und Physik. Im Gegensatz zu den etablierten Wissenschaften der Zeit, Theologie, Recht und Medizin, waren diese Disziplinen noch Außenseiter in der Wissenschaft. Ab 1645 trafen sich hier regelmäßig bedeutende Wissenschaftler Englands, die nach den Vorlesungen über neue naturwissenschaftliche Ansätze diskutierten. Das spätere Mitglied der Royal Society, John Wallis, erinnerte sich an die frühesten Treffen dieser Art: „About the year 1645 (...) I had the opportunity of being acquainted with diverse worthy persons, inquisitive into natural philosophy and other parts of human learning, and particularly of what has been called New Philosophy or Experimental Philosophy. We did by agreement, diverse of us, meet weekly in London on a certain day, to treat and discourse of such affairs (…).”29 In England gab es zu dieser Zeit etwa 40 bis 50 Wissenschaftler, die fachlich ernst zu nehmen waren.30 Das Gresham College war wohl die wichtigste Gruppe für die Entstehungsgeschichte der Royal Society „Das Gresham College war der natürliche Mittelpunkt für naturwissenschaftliche Versammlungen in London (...).“31 „(...) The Gresham College group of 1645 [was] more important than the Invisible College.”32
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Royal Society im 17. Jahrhundert ein und benennt das Forschungsziel, die Rolle der Gesellschaft für das naturwissenschaftliche Leben zu beleuchten.
2. Überblick über die Geschichte der Naturwissenschaften im Europa des 17. Jahrhunderts: Das Kapitel skizziert die Entstehung wissenschaftlicher Akademien in Italien und Frankreich als Vorläufer und Kontext für die englischen Entwicklungen.
3. Vorläufer der Royal Society: Hier werden das Gresham College, das "Invisible College" und die Philosophical Society of Oxford als wesentliche Kristallisationskerne der späteren Royal Society analysiert.
4. Die Gründung der Royal Society: Dieses Kapitel beschreibt den Prozess der Etablierung nach der Restauration, die Rolle von Christopher Wren und die offizielle Gründung durch die Charter von 1662.
5. Die soziale Schichtung der Royal Society: Der Autor erläutert den elitären, durch Amateurforscher geprägten Charakter der Gesellschaft im Gegensatz zu den professionelleren Strukturen auf dem Festland.
6. Wichtige Ämter: Das Kapitel detailliert die Funktionen des "Curator of Experiments", primär besetzt durch Robert Hooke, sowie die Rolle der Sekretäre wie Henry Oldenburg.
7. Die Bedeutung der Philosophical Transactions: Es wird die Etablierung des wissenschaftlichen Periodikums als Meilenstein für die moderne wissenschaftliche Kommunikation hervorgehoben.
8. Arbeitsfelder der Royal Society: Dieses Kapitel behandelt den Fokus auf naturwissenschaftliche Experimente sowie die Ausweitung der Tätigkeit auf Sprachforschung und Finanzwesen.
9. Religion und Wissenschaft in England: Der Autor untersucht das Spannungsfeld zwischen der puritanischen Revolution und der wissenschaftlichen Ausrichtung der Mitglieder sowie die liberale Haltung der Royal Society.
10. Schluss: Das Fazit fasst die Pionierleistungen der Royal Society zusammen, betont ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Staat und ordnet ihren Einfluss im europäischen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Royal Society, Scientific Revolution, Naturwissenschaft, Gresham College, Robert Hooke, Henry Oldenburg, Philosophical Transactions, Experiment, Wissenschaftsgeschichte, Aufklärung, England, Akademie, Amateurforschung, 17. Jahrhundert, Wissenschaftskommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Gründung, Struktur und Rolle der Royal Society im 17. Jahrhundert und untersucht deren Beitrag zur wissenschaftlichen Revolution sowie zur Etablierung moderner wissenschaftlicher Standards.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Die Arbeit deckt die institutionellen Vorläufer der Society, deren soziale Zusammensetzung, die Bedeutung der Ämter und Sekretäre, die Einführung wissenschaftlicher Publikationsformen sowie das Verhältnis von Wissenschaft zu Religion und Wirtschaft ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifische Rolle der Royal Society für das naturwissenschaftliche Leben in England und Europa herauszuarbeiten und ihre Pionierleistungen trotz ihrer Instabilität in der Gründungsphase zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse einschlägiger wissenschaftshistorischer Monographien, Dissertationen und Fachartikel, um die Rolle und Entwicklung der Royal Society historisch-deskriptiv nachzuzeichnen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil legt besonderen Fokus auf die informellen Zirkel vor der Gründung, die Rolle der zentralen Akteure (Hooke, Oldenburg), die Gründung unter Karl II. sowie die Etablierung der Philosophical Transactions.
Welche Schlagworte charakterisieren die Analyse am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen die Scientific Revolution, das Gresham College, die Institutionalisierung der Wissenschaft, das "Curator"-Amt sowie die internationale Vernetzung durch Korrespondenz.
Warum war der "Curator of Experiments" so entscheidend für die Society?
Als einzige vollzeitbeschäftigte Person in der Institution sicherte der Curator durch die ständige Präsentation von Experimenten den Fortbestand und den empirischen Wert der wöchentlichen Treffen.
Wie unterschied sich die Royal Society von Akademien auf dem europäischen Festland?
Im Gegensatz zu den staatlich finanzierten und gelenkten Akademien in Paris blieb die Royal Society weitgehend unabhängig und zeichnete sich durch einen elitären Kreis von Amateurwissenschaftlern aus, die ihre Themen selbst wählten.
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- Thorsten Mohr (Author), 2004, Die Rolle der Royal Society im 17. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42621