Jugendoppositionelle Strömungen in der NS-Zeit


Hausarbeit, 2002

22 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der totalitäre Erziehungsanspruch der Nazis

3. Entstehung, Struktur und Aufbau der Hitlerjugend

4. Auswahl jugendoppositioneller Gruppen gegen HJ und NS
4.1. kommunistischer Jugendwiderstand
4.2. Bündische Jugend
4.3. Edelweißpiraten und „wilde Jugendgruppen“
4.4. Swing Kids

5.Staatliche Repressionen am Beispiel der „wilden Jugendcliquen“

6. Zusammenfassung

1. Einleitung

Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches im Mai 1945, darf dieses dunkle Kapitel in der Geschichte der Menschheit nicht beendet werden. Obwohl oder gerade weil das NS-Regime so totalitär und alle Lebensbereiche erfassend war, regte sich auf vielen Ebenen ein Widerstand gegen den Faschismus.

Oft wird beim Thema Widerstand im Dritten Reich lediglich an die Gruppe um Graf von Stauffenberg und Gördeler gedacht, die am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler versuchte und dabei scheiterte. Es erscheint dabei sehr fraglich , ob diese Gruppe aus einer rein antifaschistischen Perspektive heraus versuchte Hitler zu beseitigen, oder ob sie durch Hitlers Größenwahn den Untergang des nationalsozialistischen Reiches befürchteten und es durch den Mord am Führer retten wollten.

Andere Widerstandsgruppen finden jedoch kaum eine Beachtung in der Geschichtsschreibung. So gab es neben dem bürgerlichen Widerstand auch den von kommunistischen, teilweise sozialdemokratischen sowie einigen kirchlichen Gruppen.

Aber auch in der Jugend entstanden mehrere Bewegungen, die sich dem Regime der Nazis nicht anpassen konnten bzw. wollten.

Einige dieser Jugendbewegungen sollen nachfolgend beschrieben werden. Einen Schwerpunkt dabei wird auf die sogenannten „wilden Jugendcliquen“ gelegt, da diese kaum bekannt sind, aber eine recht bedeutende Rolle im Widerstand gegen das NS-Regime einnehmen.

Zunächst soll jedoch auf die damalige Situation im Dritten Reich eingegangen werden, indem der ideologische Überbau der nationalsozialistischen Erziehung und die Aufgaben der Hitlerjugend in diesem Zusammenhang beleuchtet werden soll.

2. Der totalitäre Erziehungsanspruch der Nazis

Nachdem Adolf Hitler am 30.01. 1933 die Macht ergreifen konnte, installierte er einen faschistischen Staat, in dem er sich selbst aber auch mit Hilfe anderer zum Führer der Deutschen stilisierte.

Das, 1924 von Hitler verfasste, Buch „Mein Kampf“ war richtungsweisend für die Ziele bzw. deren Umsetzung im Dritten Reich. In „Mein Kampf“ wird die völkische Weltanschauung Hitlers deutlich, die in kulturtragende Rassen (die Arier) und minderwertige Rassen (Slawen, Neger und vor allem Juden) unterscheidet und damit auch wertet.

Dabei müssen die als minderwertig definierten Rassen von der arischen Rasse bekämpft werden, da sie eine Gefahr für die arische Kultur darstellen würden.

In diesem Buch, welches bis zur Zerschlagung des NS-Reiches als ideologische Grundlage diente, wird bereits angekündigt, wie die Bedrohung durch „minderwertige“ Völker bekämpft werden soll: die Vernichtung der jüdischen Rasse, sowie der Anspruch des vermeintlichen Herrenvolkes der Deutschen auf Lebensraum, welches auch mit notfalls militärische Gewalt durchgesetzt werden soll.

Dieser daraus entstehende Militarismus sowie das Konstrukt der „Volksgemeinschaft“, der man mit dem Blut verbunden ist, sind zentrale Ideologeme des Nationalsozialismus.

Um ihre Ziele durchsetzen zu können, brauchten die Nazis eine breite gesellschaftliche Verankerung ihrer menschenverachtenden Ideologie.

Deshalb wurde versucht in alle Lebensbereiche der Menschen mit der nationalsozialistischen Ideologie vorzudringen, damit das einfache Volk nicht nur aus Angst vor Sanktionen, sondern wegen ihrem Glauben an Hitler bedingungslos gehorchen würde.

Niemand durfte eine Möglichkeit haben, sich dieser Beeinflussung zu entziehen.

„Der Nationalsozialismus muss grundsätzlich das Recht in Anspruch nehmen, der gesamten deutschen Nation ... seine Prinzipien aufzuzwingen und sie in seinen Ideen und Gedanken zu erziehen.“ (nach Steinhaus 1981, S.53)

Mit diesem Zitat Hitlers wird deutlich, welchen Wert der nationalsozialistische Staat auf den Sektor der Erziehung legte.

Die Erziehung, besonders im ideologischen Sinne, war für das Dritte Reich eine der wichtigsten Stützen, um seine barbarischen Ziele zu verfolgen.

Dem einzelnen sollte die totale Aufopferung für die „Sache“ der Nazis und für das arische „Herrenvolk“ vermittelt werden: „Du bist nichts, Dein Volk ist alles“ (Keim 1995, S. 59) Diese Aussage ist ein zentraler Bestandteil faschistischer Ideologie und genau das sollte der „arischen Volkgemeinschaft“ vermittelt werden, geknüpft an das Bewusstsein der Überlegenheit der eigenen Rasse.

Diese Ideologieerziehung der Kinder und Jugendlichen fand auf verschiedenen Ebenen statt: Schule, Hitlerjugend (HJ) für Jungen oder Bund deutscher Mädels für Mädchen und Elternhaus.

Auf allen drei Ebenen – wenn auch beim Elternhaus mit Ausnahmen – sollte die Identifikation mit der Volksgemeinschaft geschaffen bzw. gestärkt werden. Massenaufmärsche, allgegenwärtigen Nazi-Symbolen, feste hierarchische Strukturen von Gehorchen und Befehlen und der „kameradschaftliche Zusammenhalt“ in HJ

sollten auch eine gefühlsmäßige Bindung an den Nationalsozialismus erwirken.

Mädchen sollten so erzogen werden, dass sie später als Mütter möglichst viel „Menschenmaterial produzieren“ sollten und ihrem Mann zu Seite stehen sollten.

Besonders der militärische Drill, sportliche Aktivitäten und feste, unantastbare Befehlshierarchien sollten die Jungen auf ihre späteren soldatischen Aufgaben vorbereiten.

3. Entstehung, Struktur und Aufbau der Hitlerjugend

Nachdem bereits 1922 versucht worden war, eine NSDAP-Jugendorganisation zu schaffen und sich diese mit dem Verbot der NSDAP auflöste, entstanden um 1925/26, nach der Neugründung der NSDAP, neue Jugendgruppen der Partei.

Auf Initiative einzelner Parteiangehöriger – vor allem Kurt Grubers – entstand die „Großdeutsche Jugendbewegung“, die 1926 offiziell als Jugendarbeit der NSDAP anerkannt wurde. Ab dann wurde sie „auf Vorschlag Julius Streichers in >>Hitler-Jugend, Bund deutscher Arbeiterjugend<< umbenannt.“ (Klönne 1984, S.15).

Ab 1927 war jeder 18-jährige Hitlerjunge verpflichtet in die SA (Sturmabteilung) überzutreten.

In der Folgezeit wurden andere Jugendorganisationen (z.B. „Bund Deutsches Jungvolk“ an die HJ angegliedert. Der Reichsführer der HJ war zunächst Kurt Gruber (ab 1931 A. Axmann).

1931 ernannte Hitler Baldur von Schirach zum Reichsjugendführer der NSDAP und führte somit nicht nur die HJ, sondern auch den NS-Studentenbund und den NS-Schülerbund, später wurde ihm die Gesamtleitung der NS-Jugendarbeit übertragen.

Nachdem die HJ ab 1926 „auch formal eine Art Jugendabteilung der SA“ (Klönne 1984, S.18) war, löste sie sich allmählich von der SA-Führung, hatte aber ähnliche Funktionen wie die SA (Agitations- und Demonstrationstätigkeiten).

Als Hitler am 30.01.1933 die Macht ergreifen konnte, ließ auch die HJ keinen Zweifel am totalitären Charakter ihrer Organisation. So sagte Schirach: „Wie die NSDAP nunmehr die einzige Partei ist, so muss die HJ die einzige Jugendorganisation sein.“ (zit. nach Klönne 1984 S.19).

Konkurrierende Jugendorganisationen (politische, konfessionelle, bündische und die Sportjugend) wurden entweder der HJ untergegliedert bzw. annektiert oder verboten.

Schirachs Position als Reichsjugendführer ab 1933 ermöglichte ihm die Kontrolle über sämtliche Jugendverbände und damit über die Legitimation ihres Bestehens bzw. Nicht-Bestehens. Die Gleichschaltung der Jugendarbeit war somit nahezu vollzogen. Im, Ende 1936 von Hitler erlassenem, „Gesetz über die Hitlerjugend“ wird die alleinige Erziehungskompetenz („körperlich, geistig u. sittlich“) außerhalb der Schule und des Elternhauses dem Reichsjugendführer der NSDAP und somit Schirach übertragen.

Anfangs nur freiwillig, jedoch unter sozialem Druck, wurde der Eintritt in die Hitlerjugend später Pflicht für alle Jungen und Mädchen.

Durch die Übernahme der Sportjugend im Juli 1936 hatte die HJ nun auch das Monopol über sportliche Aktivitäten der Jugend. Nicht nur dadurch war die Leibeserziehung und die „körperliche Ertüchtigung“ zentraler Bestandteil der Jugendarbeit in der HJ und BDM (Bund Deutscher Mädels, ist der HJ untergegliedert).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Jugendoppositionelle Strömungen in der NS-Zeit
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V42636
ISBN (eBook)
9783638406307
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Jahreshausarbeit
Schlagworte
Jugendoppositionelle, Strömungen, NS-Zeit
Arbeit zitieren
Christian Uhrheimer (Autor), 2002, Jugendoppositionelle Strömungen in der NS-Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42636

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