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Die geistesgeschichtlichen Voraussetzungen der "Enthaltung von Beseeltem" in Ovids Werken

Title: Die geistesgeschichtlichen Voraussetzungen der "Enthaltung von Beseeltem" in Ovids Werken

Thesis (M.A.) , 2014 , 90 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Hendrik Koop-Lampe (Author)

Latin philology - Medivial and Modern Latin
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Summary Excerpt Details

Der Begriff „Enthaltung von Beseeltem“ begegnet zum ersten Mal bei Platon, der damit die orphische Lebensweise beschreibt: die damaligen Menschen hätten sich von sogenannten orphischen Lebensmitteln ernährt, indem sie sich alles Beseelten, also der Lebewesen enthielten, mit der Begründung, daß dies eine nach göttlichem Recht unerlaubte Speise sei. Ebenso verwarfen sie blutige Tieropfer und opferten den Göttern etwa Kuchen und Früchte, also unblutige, pflanzliche Opfergaben.

Die orphische Lebensweise scheint also das zu sein, was wir heute als „Vegetarismus“ bezeichnen. Der Begriff „Vegetarier“ wurde allerdings erst im 20. Jahrhundert aus dem älteren „Vegetarianer“ gekürzt, welcher im 19. Jahrhundert wiederum vom englischen „vegetarian“ entlehnt wurde. Zuvor nannte man eine solche Ernährungsweise unter anderem „pythagoreische Diät“. Während der Jahrhunderte zwischen Platons Nomoi und den Werken des Iamblichos und Porphyrios taucht der Begriff allerdings kein einziges Mal auf.

Dennoch muß dies nicht heißen, daß die abstinentia animalium bis dahin in der Literatur nicht thematisiert worden wäre. Die Enthaltung von Fleischverzehr bzw. Tieropfern begegnet bereits schemenhaft bei Hesiod, in indirekten Überlieferungen vom Orphismus und Pythagoreismus, in fragmentarischen Zeugnissen des Empedokles, im Politikos und der Politeia Platons, in Exzerpten des Theophrast und des Dikaiarch, und andeutungsweise bei Aratos, Poseidonios, Lukrez und Vergil, um dann in einem großangelegten Lehrvortrag des Pythagoras im fünfzehnten Buch der Metamorphosen Ovids ausführlich postuliert und mit vielen anderen Komponenten begründet und verknüpft zu werden.

Mit dieser vegetarischen Idee stehen in der gesamten literarischen Tradition eine ganze Reihe weiterer Lehren, Motive, Vorstellungen und Argumente im Zusammenhang, nämlich der sogenannte Weltalter- bzw. Metallmythos und die Erzählungen vom goldenen Geschlecht unter der Herrschaft des Kronos/Saturn, die Seelenwanderungslehre (Metempsychose), die Lehre von der Verwandtschaft der Lebewesen, die Elementenlehre, die vorsokratische Naturphilosophie, die Kulturgeschichte, die Aitiologie und die Kulturentstehungstheorie. Es wird zu untersuchen sein, welche Verbindungen all diese einzelnen Elemente in der Literatur von Hesiod bis Ovid eingegangen sind, wobei den wichtigsten geistesgeschichtlichen Voraussetzungen für Ovids Behandlung des Themenkomplexes eigene Kapitel gewidmet sind: dem Pythagoreismus, Empedokles und Theophrast.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

II.1. Die geistesgeschichtlichen Voraussetzungen

II.1.a. Pythagoreismus

II.1.b. Empedokles

II.1.c. Theophrast

II.2. Die Enthaltung von Beseeltem im Werk des Ovid

II.2.a. Der Geschlechtermythos Ov. met. 1, 89–162

II.2.b. Die Pythagoras-Rede Ov. met. 15, 75–142

II.2.c. Die Fasten

II.2.d. Die Pythagoras-Rede Ov. met. 15, 143–478

III. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung

IV. Literaturverzeichnis

a. Primärliteratur

b. Hilfsmittel

c. Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der „Enthaltung von Beseeltem“ (Vegetarismus) in Ovids Werken, insbesondere in den Metamorphosen, und analysiert deren geistesgeschichtliche Voraussetzungen. Ziel ist es, die Verbindung zwischen der Idee des Fleischverzichts und den antiken Lehren zur Weltaltermythologie, Seelenwanderung (Metempsychose) und Kulturentstehung zu ergründen und Ovids eigenständige literarische Leistung in diesem Kontext zu würdigen.

  • Die geistesgeschichtlichen Wurzeln des Vegetarismus (Pythagoreismus, Empedokles, Theophrast).
  • Die Rolle des Geschlechtermythos bei der Darstellung menschlicher und tierischer Verhältnisse.
  • Die philosophische Funktion der Pythagoras-Rede in den Metamorphosen.
  • Das Verhältnis von Opferriten, Fleischgenuss und Frömmigkeit (pietas).
  • Die Aitiologie der Tieropfer in Ovids Fasten im Vergleich zu den Metamorphosen.

Auszug aus dem Buch

II.1.b. Empedokles

Das bei Iamblichos in Bezug auf Pythagoras angedeutete Motiv eines vormaligen Friedens zwischen Tieren und Menschen taucht bei Empedokles von Akragas (495-435 v. Chr.) zum ersten Mal auf. In einem Nikander-Scholion werden ihm folgende Verse zugeschrieben: „Und alle waren zahm und den Menschen gegenüber freundlich, die wilden Tiere und die Vögel, und Wohlwollen war entbrannt.“ Es wird jedoch nicht gesagt, zu welcher Zeit dies gewesen sein soll. Ähnlich verhält es sich mit dem bei Porphyrios überlieferten Frg. 128 über die Herrschaft der Kypris: „Weder war bei jenen Ares ein Gott noch Kydoimos, noch Zeus ein König, auch nicht Kronos und nicht Poseidon, sondern Kypris war Königin.“ Bei jenen Menschen wurden keine Stiere geopfert, sondern nur unblutige Opfergaben dargebracht, „und es galt als größtes Verbrechen, edle Glieder hineinzuschlingen, nachdem man ihnen das Leben geraubt hat“, d.h. für sie galt die ἀποχὴ ἐμψύχων. Doch wer waren „jene“? Für GATZ und HAUSSLEITER steht fest, daß es sich bei ihnen um die Menschen des hesiodischen goldenen Geschlechts handeln müsse, womit Empedokles der erste wäre, der den Vegetarismus ausdrücklich mit dem Geschlechtermythos verbunde hätte. Es wird jedoch mit keinem Wort das χρύσεον γένος erwähnt, und es ist nicht ganz klar, auf wen sich κείνοισιν bezieht. Bei Porphyrios ist zuvor lediglich vom kretischen Kult der Korybanten (Porph. Abst. 2, 20: Κορυβαντικῶν ἱερῶν) und von „vielen“ die Rede, bei denen die ursprünglichen Trankopfer ohne Wein waren (τὰ μὲν ἀρχαῖα τῶν ἱερῶν νηφάλια παρὰ πολλοῖς ἦν), wofür denn auch die empedokleischen Verse als Zeugnis genannt werden: μαρτυρεῖται δὲ ταῦτα ... καὶ παρ’ Ἐμπεδοκλέους. Die vorhergehenden Verse fehlen hier zwar, doch wird auch in den anderen Fragmenten ein goldenes Geschlecht nicht erwähnt, sodaß man erst einmal nur festhalten kann, daß hier lediglich eine nicht näher bestimmte, ursprüngliche Vorzeit gemeint ist.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einführung definiert den Begriff der „Enthaltung von Beseeltem“, beleuchtet dessen etymologische Entwicklung und skizziert die Bedeutung der Vegetarismus-Idee in der antiken Literatur von Hesiod bis Ovid.

II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die geistesgeschichtlichen Voraussetzungen durch die Lehren von Pythagoreismus, Empedokles und Theophrast und untersucht deren Einfluss auf Ovids Darstellung im Geschlechtermythos, in der Pythagoras-Rede und in den Fasten.

III. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung: Dieses Kapitel resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und betont Ovids Rolle als erster Autor, der das Lehrgebäude von Vegetarismus, Seelenwanderung und Mythos zu einer kohärenten literarischen Trias vereinte.

IV. Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen sowie Hilfsmittel dokumentiert.

Schlüsselwörter

Enthaltung von Beseeltem, Vegetarismus, Metempsychose, Seelenwanderung, Pythagoras, Ovid, Metamorphosen, Fasten, Theophrast, Empedokles, Geschlechtermythos, Tieropfer, antike Philosophie, Seelenlehre, Frömmigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das antike Konzept des Vegetarismus, historisch als „Enthaltung von Beseeltem“ bezeichnet, und wie dieses Thema von dem römischen Dichter Ovid in seinen Werken, insbesondere den Metamorphosen und den Fasten, literarisch und philosophisch verarbeitet wurde.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die antike Seelenwanderungslehre (Metempsychose), die philosophische Begründung der Fleischabstinenz durch verschiedene Denker wie Pythagoras, Empedokles und Theophrast, sowie die Verknüpfung dieser Ideen mit der klassischen Weltalter- und Geschlechtermythologie.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Ovid philosophische Lehren zur „Enthaltung von Beseeltem“ in den antiken Geschlechtermythos integriert hat, um eine neue, eigenständige kritische Perspektive auf die moralische Degeneration und die Kulturentstehung des Menschen zu schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine philologische und geistesgeschichtliche Analyse. Der Autor untersucht Texte der klassischen Literatur und vergleicht diese mit philosophischen Fragmenten und spätantiken Quellen, um die Intertextualität und die philosophischen Argumentationslinien Ovids nachzuvollziehen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der geistesgeschichtlichen Quellen (Pythagoreismus, Empedokles, Theophrast) und die konkrete Anwendung dieser Lehren in Ovids Werken, wobei insbesondere der „Geschlechtermythos“ sowie die „Pythagoras-Rede“ im 15. Buch der Metamorphosen sowie die Fasten analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese wissenschaftliche Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem: Enthaltung von Beseeltem (Vegetarismus), Seelenwanderung (Metempsychose), Pythagoras, Ovid, Metamorphosen, Fasten, Tierethik, Frömmigkeit (pietas) und der griechisch-römische Mythos der Weltzeitalter.

Wie begründet Ovid in seinen Metamorphosen das Verbot des Fleischessens?

Ovid lässt Pythagoras das Fleischessen als Verstoß gegen die pietas und als Mord an Verwandten darstellen, da menschliche Seelen in Tierleiber wandern können. Zudem nutzt er die Vorstellung, dass Menschen durch Tieropfer einen „Vorwand“ schaffen, um ihren Hunger auf Fleisch vor sich selbst und den Göttern zu rechtfertigen.

Welchen Einfluss hat Theophrast auf die Argumentation Ovids?

Ovid übernimmt von Theophrast die kulturhistorische Sichtweise auf die Entwicklung der Opfergaben von unblutigen pflanzlichen Opfern hin zu Tieropfern. Besonders die Argumentation, dass die Wahl des Opfertiers primär durch den Genusswunsch (Genuß beim Essen) bestimmt ist, dient Ovid als kritische Folie gegen das scheinbar fromme Opferritual.

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Details

Title
Die geistesgeschichtlichen Voraussetzungen der "Enthaltung von Beseeltem" in Ovids Werken
College
University of Münster
Grade
1,0
Author
Hendrik Koop-Lampe (Author)
Publication Year
2014
Pages
90
Catalog Number
V426401
ISBN (eBook)
9783668710931
ISBN (Book)
9783668710948
Language
German
Tags
Ovid Pythagoras Empedokles Theophrast Metamorphosen Vegetarismus Veganismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hendrik Koop-Lampe (Author), 2014, Die geistesgeschichtlichen Voraussetzungen der "Enthaltung von Beseeltem" in Ovids Werken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426401
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