Integration ist ein Schlagwort, das durch die Diskussionen um die deutsche Flüchtlingspolitik in den letzten Jahren aktueller denn je geworden ist. Die erfolgreiche Eingliederung von Flüchtlingen, Migranten und Migrantinnen in die deutsche Gesellschaft und das bestehende Wert- und Normsystem, ist eine Aufgabe, die nicht nur finanziell eine Herausforderung für Bund und Länder darstellt, sondern auch die Offenheit und das Engagement der Bürger fordert.
Ein Begriff, der eng mit dem der Integration verbunden ist, ist die Inklusion, die spätestens seit der Veröffentlichung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Jahre 2006 nicht nur bildungspolitische, sondern auch gesellschaftliche Debatten provoziert hat. Auch körperliche und geistige Einschränkungen sollen demnach nicht weiter zu einer Einschränkung im sozialen, beruflichen und bildungspolitischen Sinne führen, sondern es soll gleiche Chancen für alle geben.
Im Gegensatz zur Integration, die auf die Anpassung der Menschen an die Anforderungen der fremden Gesellschaft abzielt, möchte die Inklusion die Rahmenbedingungen an die besonderen Bedürfnisse dieser anpassen. Dies gilt auch für den schulischen Bereich, der immer mehr dazu angehalten wird, inklusiven Unterricht zu ermöglichen. Der Deutsch- und Mathematikunterricht bietet dazu bereits einige differenzierende Konzepte, die die Individualität im Lernprozess des einzelnen Schülers berücksichtigen. Ein Fach, dem es bis heute jedoch noch immer an einem ausführlichen Konzept zur inklusiven Didaktik fehlt, ist der Sachunterricht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Inklusion – eine „Pädagogik der Vielfalt“
1.1 Die fünf Standards der Inklusion
1.2 Inklusiver Sachunterricht
2. Die Projektmethode – entdeckend ins Leben
3. Die Projektmethode als Form inklusiven Sachunterrichts
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung der Projektmethode für die Gestaltung eines inklusiven Sachunterrichts in der Grundschule, indem sie theoretische Grundlagen mit praktischen Anforderungen an heterogene Lerngruppen verknüpft.
- Grundlagen der Inklusion und deren Bedeutung für das Bildungssystem
- Leitlinien und didaktische Ziele des Sachunterrichts im inklusiven Kontext
- Funktionsweise und Phasenmodell der Projektmethode nach Karl Frey
- Chancen, Grenzen und Dilemmata der Projektarbeit bei der Förderung von Vielfalt
- Rolle der Lehrperson und Notwendigkeit eines schulspezifischen Umdenkens
Auszug aus dem Buch
3. Die Projektmethode als Form inklusiven Sachunterrichts
Eine der Kernaufgaben und gleichzeitig der Kernschwierigkeiten inklusiven Sachunterrichts ist es, „ein ausgewogenes Verhältnis von individuellem, gemeinschaftlichem und kooperativem Lernen in der praktischen Umsetzung zu vereinen.“ (Schroeder/Miller 2017, S. 243). Unterricht in Form von Projektarbeit bietet einige Möglichkeiten, individuelle Erfahrungen und Interessen der SuS mit der Arbeit an einem gemeinsamen Gegenstand zu verbinden und an praktischen Beispielen, Versuchen und dem Besuch von außerschulischen Lernorten selbst mit allen Sinnen zu erleben. Zu Anfang ist jedoch allgemein anzumerken, dass Projektarbeit, unabhängig vom Ziel der Inklusion, in kleinen Schritten eingeführt werden muss. Die SuS müssen die Möglichkeit bekommen, sich mit dieser Methode vertraut zu machen und sich an die großen Freiheiten, die diese Methode bietet, zu gewöhnen. Plötzliche große Freiheiten im Unterrichtsgeschehen, insbesondere in den ersten beiden Schuljahren der Grundschule, könnte die Kinder überfordern und ein Gefühl der Hilflosigkeit provozieren, was keine Grundlage für erfolgreiche Projektarbeit darstellt. Die Lehrperson sollte sich also nach und nach vom leitenden Wissensvermittler zum beratenden Partner entwickeln, dabei jedoch von Beginn an die Selbstständigkeit der SuS fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt den Inklusionsbegriff vor den Hintergrund gesellschaftlicher und bildungspolitischer Anforderungen und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Projektmethode im Sachunterricht.
1. Inklusion – eine „Pädagogik der Vielfalt“: Dieses Kapitel definiert Inklusion anhand theoretischer Standards und erläutert die spezifischen Anforderungen an einen inklusiven Sachunterricht.
2. Die Projektmethode – entdeckend ins Leben: Hier werden die Merkmale, Phasen und Zielsetzungen der Projektmethode nach Karl Frey als selbstgesteuerte Unterrichtsform dargelegt.
3. Die Projektmethode als Form inklusiven Sachunterrichts: Das Kapitel verknüpft die Projektmethode kritisch mit den Anforderungen der Inklusion und beleuchtet Chancen sowie Umsetzungsgrenzen in der Schulpraxis.
Schlüsselwörter
Inklusion, Projektmethode, Sachunterricht, Grundschule, Heterogenität, Pädagogik der Vielfalt, schülerzentriertes Lernen, Projektarbeit, inklusive Didaktik, Chancengerechtigkeit, Selbststeuerung, Differenzierung, Lernvoraussetzungen, Gruppenarbeit, Bildungsziele
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie die Projektmethode als offene Unterrichtsform dazu beitragen kann, den vielfältigen Anforderungen eines inklusiven Sachunterrichts in der Grundschule gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen das Inklusionsverständnis nach modernen Standards, die theoretische Grundlegung des Sachunterrichts sowie die Analyse der Projektmethode als Werkzeug zur Gestaltung individueller Lernprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, inwieweit sich die Projektmethode für einen inklusiven Sachunterricht in der Grundschule eignet und welche Potenziale oder Hindernisse dabei in der Praxis auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit fachdidaktischen Konzepten (u.a. nach Karl Frey und Kersten Reich) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Inklusion, erläutert die Struktur der Projektmethode und prüft deren praktische Anwendung, Herausforderungen und Grenzen in einer heterogenen Klassengemeinschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Inklusion, Projektmethode, Sachunterricht, Heterogenität und schülerzentriertes, selbstgesteuertes Lernen.
Wie wirkt sich die Projektmethode auf die Rolle der Lehrperson aus?
Die Lehrperson wandelt sich vom leitenden Wissensvermittler zum beratenden Partner und Mitorganisator, was eine große Verantwortung bei der Balance zwischen notwendiger Freiheit und notwendiger Struktur mit sich bringt.
Welches Dilemma wird im Zusammenhang mit Inklusion und Projektarbeit beschrieben?
Es besteht das Dilemma, dass die notwendige Offenheit der Projektmethode manche Kinder überfordern kann, während gleichzeitig die Gefahr besteht, dass die Bedürfnisse einzelner Schüler zugunsten der Gruppenarbeit oder durch mangelnde Differenzierung in den Hintergrund rücken.
- Arbeit zitieren
- Fabienne Mies (Autor:in), 2018, Inwieweit eignet sich die Projektmethode für inklusiven Sachunterricht in der Grundschule?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426435