Das Zusammenspiel von Rhetorik und Argumentationstheorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Rhetorik
2.1 Was ist Rhetorik
2.2 Verschiedene Blickwinkel auf die Wissenschaft der Rhetorik
2.2.1 Die Leistungen der Rhetorik
2.2.2 Die Kritik an der Rhetorik 2.3 Entwicklung der Rhetorik
2.3.1 Rhetorik in der Antike
2.3.1 a Griechenland
2.3.1 b Rom
2.3.2 Rhetorik im Mittelalter
2.3.3 Rhetorik in der Renaissance
2.3.4 Rhetorik in der Aufklärung
2.3.5 Rhetorik im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart

3. Argumentationstheorie 3.1 Was ist Argumentationstheorie16
3.2 Entwicklung der Argumentationstheorie

4. Das Zusammenspiel von Rhetorik und Argumentationstheorie

6. Abschließende Überlegungen

Literaturverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

Bei Argumentationstheorien in ihrer gegenwärtigen Form handelt es sich um eine vergleichsweise junge Disziplin. Die Wurzeln dieser Wissenschaft sind dagegen schon sehr alt und finden sich in der Antike im Rahmen von Logik, Dialektik und Rhetorik. Heute ist das Fach Argumentationstheorie Teil von Fächern wie beispielsweise der Philosophie, der Logik oder der Psychologie.

Rhetorik ist die Kunst der Beredsamkeit. Sie hatte sich schon in der griechischen Antike als Wissenschaft etabliert und spielte insbesondere in den meinungsbildenden Prozessen der attischen Demokratie eine herausragende Rolle.

Zu den Aufgaben der Rede zählte es, den Zuhörer von einer Meinung zu überzeugen oder zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Bei der Rhetorik handelt es sich gleichzeitig um Kunst als auch um Wissenschaft; zum einen geht es um die Kunst, Menschen von einer Ansicht zu überzeugen oder zu einer Handlung zu bewegen, zum anderen um die Wissenschaft vom wirksamen Reden.

Argumentationstheorie befasst sich mit der Form und dem Gebrauch von Argumenten. Die Funktion eines Arguments besteht darin, die Gültigkeit oder Ungültigkeit einer bislang nicht erwiesenen These zu beweisen. Nach traditionellem Verständnis werden verschiedene Typen von Argumenten unterschieden. Das ideale Argument verwendet eine präzise Aussage, aus der eine logische Schlussfolgerung gezogen werden kann. Stehen Aussage sowie Schlussfolgerung in einem plausiblen Verhältnis zueinander, handelt es sich um eine bewiesene These. Weiterhin muss der Begriff des Argumentierens stets von den Methoden Erklären, Beweisen oder Erwirken von Zustimmung über Drohungen beziehungsweise Verlockungen abgegrenzt werden.

Aktuell gibt es nicht DIE einheitliche und über alles stehende Argumentationstheorie. Es lässt sich zwar von einer gemeinsamen Basis sprechen, doch die verschiedenen Theorien unterscheiden sich bezüglich der jeweiligen Disziplin, in der sich ihr Ursprung finden lässt. Allen Argumentationstheorien gemein ist der Aspekt, dass sie dialogisch sowie dialektisch orientiert sind und es sich um eine verbale Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien, die einen unterschiedlichen Standpunkt vertreten, handelt. Diejenige Partei, die zuerst ihren Standpunkt äußert, ist der Proponent und diejenige Partei, die daraufhin einen anderen Standpunkt vertritt, gilt als der Oponent.

Eines der erklärten Ziele der Argumentationstheorie ist, zu bestimmen, wie man konträre Meinungen innerhalb einer Diskussion beseitigen könne. Die Basis für eine erfolgreiche Diskussion bildet ein ״vernünftiger“ und sachlicher Austausch. (Vgl. Behrens, Leila: Einleitung: Empirische Argumentationstheorie - In: Leila Behrens und Florian Stieghorst (Hrsg): Argumentieren im Internet: Zwei argumentationstheoretische Analysen. Köln 2010, s. 4f.)

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich mich zunächst einmal damit auseinandersetzen, was Rhetorik eigentlich ist. Anschließend geht es um die beiden unterschiedlichen Blickwinkel, die es in Hinblick auf die Wissenschaft der Rhetorik gibt. Als nächstes werde ich mich mit der Entwicklung der Disziplin der Beredsamkeit innerhalb der verschiedenen Epochen, angefangen von der Antike bis hin zur Gegenwart befassen. Im folgenden werde ich mich damit befassen, was genau unter Argumentationstheorien zu verstehen sei. Der nächste Punkt dieser Arbeit beinhaltet die Entwicklung der Argumentationstheorie. Abschließend gehe ich auf das Verhältnis zwischen Argumentationstheorie und der antiken Wissenschaft der Rhetorik ein.

2. Rhetorik

2.1 Was ist Rhetorik?

Die Wissenschaft der Rhetorik lässt sich von verschiedenen Seiten aus betrachten, doch letztlich führt kein Weg um das Studium der klassischen antiken Rhetorik herum. Dieses System bildet bis in die Gegenwart hinein die Grundlage der Wissenschaft, schlussendlich konnte sich neben diesem System keine Konkurrenzentwicklung wirklich behaupten. Dies führte dazu, dass die klassische antike Rhetorik bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. (Vgl. Ueding, Gert: Klassische Rhetorik. München 1995, s. 8f.)

Bei der Rhetorik handelt es sich um ein effektives Instrument der Praxis­Beeinflussung, doch über die Richtung dieser Beeinflussung zu reflektieren, geschweige denn sie selbst zu bestimmen, fällt nicht mehr in den Bereich der Rhetorik, sondern in die Verantwortung desjenigen, der dieses Instrument nutzt. . (Vgl. Berk, Ulrich: Konstruktive Argumentationstheorie. Stuttgart-Bad Cannstatt 1979, s. 204.)

Die Fähigkeit einen Standpunkt in einer öffentlichen Rede überzeugend zu vertreten und auf diese Weise das Denken und Handeln anderer zu beeinflussen, ist das Ziel der Rhetorik. (Vgl. Metzler Lexikon Sprache. Herausgegeben von Helmut Glück. Stuttgart, Weimar 2010, s. 567.) Dementsprechend geht mit dem Beherrschen der Rhetorik ein erfolgreiches Auftreten in der Öffentlichkeit einher. (Vgl. Heßelmann, Peter: Rhetorische Grundbegriffe. - In: Helmut Brackert, Jörn Stückrath (Hrsg.): Literaturwissenschaft Ein Grundkurs. Hamburg 2004, s.l 18.)

Im deutschen Sprachgebrauch hat sich das Wort ״überzeugen“ etabliert, um das Ziel der Rhetorik zu beschreiben. Der Begriff ״überreden“ ist dagegen negativ konnotiert. In der Antike wurde diesbezüglich noch nicht wirklich differenziert, wenngleich den Sophisten vorgeworfen wurde, eine systematische Überredungspraxis zu betreiben.

Die Rhetorik stellt dem Redner ein Repertoire von Anweisungen und Regeln zur Verfügung, an Hand derer er seinen Stoff aufbereiten und somit das oben genannte Ziel erreichen kann. (Vgl. Metzler Lexikon Sprache, s. 567.)

Im deutschen Sprachgebrauch hat sich das Wort ״überzeugen“ etabliert, um das Ziel der Rhetorik zu beschreiben. Der Begriff ״überreden“ ist dagegen negativ konnotiert. In der Antike wurde diesbezüglich noch nicht wirklich differenziert, wenngleich den Sophisten vorgeworfen wurde, eine systematische Überredungspraxis zu betreiben.

Rhetorik kann im Monolog sowie im Dialog angewendet werden. Bei einem Monolog steigert das Argument die Prämisse durch eine gezielte Schlussfolgerung, mit der der Redner sein Gegenüber zu überzeugen versucht. Im Dialog muss der Redner nun auf die verbalen und nonverbalen Reaktionen seines Gesprächpartners reagieren. Sokrates beispielsweise nutzt den Dialog, um seine Lehren weiter zu geben.

Terminologisch unterscheiden die Griechen übrigens nicht zwischen praktischer und theoretischer Rhetorik, die techne rhetorike bezeichnet zugleich die Rhetorik als praktische Fertigkeit sowie als theoretische Wissenschaft. Erst durch die römischen Redelehrer etablierte sich die Unterscheidung zwischen rhetorica als der Theorie und oratoria als Praxis der Beredsamkeit. (Vgl. Ueding, Gert: Klassische Rhetorik. München 1995, s. llf.)

Neben der Funktion, eine Anleitung für die erfolgreiche Gestaltung einer Rede zu stellen, ist die Rhetorik auch eine literaturwissenschaftliche Hilfslehre für die Aufgabe der Hermeneutik. Mit Hilfe des Wissens der Rhetorik können schriftliche Quellen auf ihre Überzeugungsstrategien hin analysiert werden. (Vgl. Heßelmann, Peter: Rhetorische Grundbegriffe, s. 126.)

Festgehalten werden kann an dieser Stelle, dass die Rhetorik eine der eindrucksvollsten systematischen wissenschaftlichen Leistungen der Antike darstellt, die bis heute von Bedeutung ist.

2.2 Verschiedene Blickwinkel auf die Wissenschaft der Rhetorik 2.2.1 Leistung der Rhetorik

Weiterhin muss Rhetorik stets im sozialhistorischen Kontext sowie im Hinblick auf die Praxisbezogenheit rhetorischen Sprechens gesehen werden. Die umfassende rhetorische Texterschließung vermag eine aufklärerisch- emanzipatorische Aufgabe zu erfüllen, indem sie in der Lage ist, die Funktion von sprachlichen Äußerungen nicht zuletzt ideologiekritisch zu reflektieren. Auf diese Weise kann manipulatives Sprechen aufgedeckt werden. (Vgl. Heßelmann, Peter: Rhetorische Grundbegriffe, s. 126.)

Vornehmlich von der Stoa und von den Römern, aber auch von Aristoteles wurden beträchtliche moralische Ansprüche an den Vortragenden gestellt. Die Beredsamkeit sollte stets der Tugend verpflichtet sein. (Vgl. Heßelmann, Peter: Rhetorische Grundbegriffe, s. 119f.)

Die ״ars bene dicendi“ mit ihrem angestammten Prinzip von Rede und Gegenrede hat die Funktion, den verantwortungsbewussten argumentativen Dialog im demokratischen Gemeinwesen zu fördern.

Konstatiert werden kann an dieser Stelle, dass eine ethische Redekunst die Möglichkeit eines kritisch-toleranten öffentlichen Diskurses bietet. (Vgl. Heßelmann, Peter: Rhetorische Grundbegriffe, s. 126.)

2.2.2 Kritik an der Rhetorik

Allen mit Rhetorik in Zusammenhang gebrachten Phänomenen wird auch noch gegenwärtig nicht selten mit Misstrauen begegnet.

Die Diskreditierung rhetorischen Sprechens ist so alt wie die Redekunst selbst und basiert auf der Tatsache, dass sich ein mündiger Bürger möglichst wenig beeinflussen lassen möchte.

In der Tat gibt es zahlreiche Beispiele für den Missbrauch einer demagogischen Redegewalt nicht nur im nationalsozialistischen Deutschland.

Die Denunzierung der Rhetorik hat ihren Ursprung in der von Platon vorgebrachten philosophischen Kritik. Diese besagt, dass Rhetorik als Überlistungstheorie lehren könne, jedes artikulierte Argument als wahr erscheinen zu lassen und Menschen zu jedem beliebigen, auch moralisch bedenklichen Handeln zu bewegen. (Vgl. Heßelmann, Peter: Rhetorische Grundbegriffe, s. 118.)

2.3 Entwicklung der Rhetorik 2.3.1 Rhetorik in der Antike 2.3.1.a Griechenland

Die Geschichte der Rhetorik beginnt in der griechischen Antike.

Jedoch wurden haben sich von der Frühgeschichte der Rhetorik nur wenige Texte erhalten, so dass es nur spärliche Informationen gibt. Worauf die

Entstehung der Rhetorik zurückzuführen ist, kann dementsprechend nicht mehr genau festgestellt werden.

Abgesehen von den mangelnden Quellen, ist der Übergang von einem naturgegebenen praktischen Reden zu einer reflektierten Beredsamkeit, basierend auf Regeln, Exempeln und Übungen fließend. (Vgl. Ueding, Gert: Klassische Rhetorik. München 1995, s. llf.)

Die ältesten Zeugnisse für die Redekunst finden sich schon bei Homer im 9. Buch der Ilias. Dort wird der überaus kunstfertige und wortreiche Versuch unternommen, den Helden von seinem Groll abzubringen und ihn zur Wiederaufnahme des Kampfes zu bewegen. In einer bis zu den Römern reichenden Tradition gilt Homer dementsprechend als der Gründer der Beredsamkeit, wenn natürlich nicht im Sinne ihrer theoretischen Konzeptualisierung. (Vgl. p. Riemer, M. Weißenberger, B. Zimmermann: Einführung in das Studium der Gräzistik. München 2000, s. 97.)

Nach dem Sturz der Tyrannis in Sizilien im Jahr 467 V. Chr. hatte es gerichtliche Auseinandersetzungen über Besitzverhältnisse gegeben. Währenddessen traten erstmals schlagkräftige Redner hervor und die Rhetorik erhielt die Chance, sich im öffentlichen Leben zu etablieren. Das, mit dem Ende der Tyrannis entstandene, politische Machtvakuum hatte zur Folge, dass die politische Diskussion in der Öffentlichkeit notwendig wurde. Interessensgegensätze wurden nun im Rahmen der öffentlichen Rede ausgetragen. Es wurden sich konkrete Gedanken da drüber gemacht, wie man vor seiner Zuhörerschaft überzeugend auftritt.

Weiterhin ist das Jahr 427 V. Chr. für die Etablierung der Rhetorik von entscheidender Bedeutung, denn zu diesem Zeitpunkt kam Gorgias von Sizilien nach Griechenland und trat mit großem Erfolg als Redelehrer auf. Jedoch gehen die Voraussetzungen, die erfüllt sein mussten, damit sich die neue Disziplin durchsetzen konnte noch weiter zurück. Als um 510 V. Chr. nach der Abschaffung der Tyrannis sowie nach der 462 V. Chr. stattgefundenen Entmachtung des Areopags, die demokratischen Reformen vollzogen wurden, wurde die Beherrschung der Redekunst in Athen immer wichtiger.

Die athenische Demokratie basiert auf der sogenannten ersten Aufklärung. Diese richtete sich gegen den Mythos und setzte dagegen sowohl bei der Erklärung der Natur wie bei der Begründung des Handelns allein auf die Kräfte der Vernunft.

Den sowohl stärksten Schub in der Richtung einer rationalen Lebensgestaltung lösten die Sophisten aus, die einen pragmatischen Vernunftgebrauch auf der Grundlage eines individualistischen Skeptizismus propagierten.

Protagoras war ein Verfechter der Abhängigkeit aller Urteile vom menschlichen Maßstab. Er vertrat die Ansicht, dass es keine absolute Wahrheit gebe, sondern nur eine relative, da man immer vom jeweiligen Menschen ausgehen müsse.

Dadurch hat er den Widerspruch Platons herausgefordert, dessen Auseinandersetzung mit dem Problem des Wissens völlig anders verlaufen war. Platon verfocht eine rationale Rechtfertigung des Wissens. Die Grundlage dessen war seine Ideenlehre, die besagte, dass alles sinnlich Gegebene seine tatsächliche Wirklichkeit in der Teilhabe am wahren Wesen dieses Gegebenen habe. Wissen sei demnach Wiedererkennen, dem das Verfahren des Zergliederns und Zusammensetzens, des Prüfens und Widerlegens bis in die Aufdeckung der verborgenen Zusammenhänge dient. Das bloß Wahrscheinliche sei demnach für den Menschen nicht ausreichend, der Verzicht auf die Bewusstwerdung der Wirklichkeit sei sogar schädlich. Platons Beschäftigung mit der Position der Sophisten, führte zum negativen Bild dieser. Er kritisierte unter anderem, dass es den Sophisten vor allem da dran gelegen sei, sich mit Hilfe der Beherrschung der Rede in allen Angelegenheiten durchzusetzen und auf diese Weise selbst frei und anderen überlegen zu sein. Den Sophisten wurde oftmals unterstellt, dass es ihnen vor allem darum ginge mit ihren Reden die Auditoren zu überreden und dass ihnen jeglicher Moral sowie Ethik fehle. Insgesamt hat die Rhetorik in den Augen Platons zwei Seiten: Einerseits könne man mit einer Rede aus edlen Beweggründen Gutes bewirken, anderseits könne bei fehlender Moral des Redners etwas Schlechtes hervorgerufen werden.

Im Gorgias lässt Platon selbigen im Dialog einräumen, dass er auf dem Gebiet der Gerechtigkeit lediglich mit Wahrscheinlichkeit und nicht mit tatsächlichem Wissen dienen könne.

Die Sophisten selber waren eher Stolz auf den Verzicht des unanfechtbaren Wissens, weil sie die Ansicht vertraten, dass im Alltag mehr als Wahrscheinlichkeit nicht zu realisieren sei und alle höheren Ansprüche von nahezu utopischem Charakter seien. Gorgias, der zwar stets an einem effektvollen Auftreten interessiert war, hatte gleichzeitig den Anspruch eines verantwortlichen Umgangs mit der Disziplin der Redekunst.

Nichtsdestotrotz vertritt Platon die Ansicht, Rhetorik verfüge nicht nur über kein Wissen, sondern führe regelrecht von diesem weg. (Vgl. Göttert, Karl­Heinz: Einführung in die Rhetorik. Grundbegriffe-Geschichte-Rezeption, s. 75-78.)

Um die Rhetorik Aristotles' zu erfassen, ist der ihr zugrundeliegende Begriff des Wissens von entscheidender Bedeutung. Er unterscheidet zwischen unveränderlichem Wissen und Wissen, das sich auf veränderliches bezieht und demzufolge einer Meinung entspricht. Im Gegensatz zu Platon wertet er aber dieses Meinungswissen auf. Aristoteles Rhetorik basiert auf einem Meinungswissen der wahrscheinlichen Schlüsse sowie einer logisch stringenten Argumentation. Er ist der Ansicht, dass man auf einer derartigen Grundlage sinnvoll handeln sowie sinnvoll etwas herstellen könne. Aristoteles ist davon überzeugt, dass sich im Bereich des Wahrscheinlichen trotz der widrigen Bedingungen methodisch verfahren lasse. Dabei müsse man da drauf vertrauen, dass es in der Natur der Menschen liege, die Wahrheit zu erreichen. Die Beweiskraft der Argumente müsse sich, statt am logischen Zwang, in diesem Fall an der Zustimmung der meisten bzw. der Weisesten messen. Technisches Handeln im Bereich der Meinung gilt für Aristotles also nicht wie für Platon als unvernünftiges Handeln, sondern es zählt als vernünftig am Maßstab des für alle Ernstzunehmenden Geltenden. Während bei Platon der Fokus auf der Vermittlung der Wahrheit und der Durchsetzung beim Publikum liegt, ist die Lehre Aristoteles' eine Lehre der Wahrscheinlichkeit, in der die Überzeugungskraft und die Glaubhaftigkeit für die Wirksamkeit einer Rede ausschlaggebend sind. Göttert, Karl-Heinz: Einführung in die Rhetorik. Grundbegriffe-Geschichte-Rezeption, s. 8 Iff) Die Rhetorik entfaltete im öffentlichen Leben des Altertums ihre soziokulturelle Potenz insbesondere als politische Rede vor Versammlungen und Gremien (״genus deliberativum“), als Festrede (״genus demonstrativum“) und als Gerichtsrede (״genus iudicale“). (Vgl. Heßelmann, Peter: Rhetorische Grundbegriffe, 119f.)

Im antiken Athen bestand ein Gericht nicht aus Berufsrichtern, sondern war ganz aus Laien zusammengesetzt. Bei Prozessen kam es daher besonders auf die Überzeugungskraft des einmaligen Redevortrages an. Wenn es sich um eine Privatklage handelte, traten Laien als Kläger auf. Für jemand anderen, in seinem Namen oder in seiner Sache zu sprechen, war nur dann möglich, wenn es sich um einen nahen Blutsverwandten handelte und dieser seine Sache nicht selbst vertreten konnte oder durfte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das Zusammenspiel von Rhetorik und Argumentationstheorie
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V426440
ISBN (eBook)
9783668711617
ISBN (Buch)
9783668711624
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zusammenspiel, rhetorik, argumentationstheorie
Arbeit zitieren
Sarah Müller (Autor), 2015, Das Zusammenspiel von Rhetorik und Argumentationstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426440

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