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Von einer OV-Sprache zu einer VO-Sprache. Die Änderung der Wortstellung im Französischen

Title: Von einer OV-Sprache zu einer VO-Sprache. Die Änderung der Wortstellung im Französischen

Term Paper (Advanced seminar) , 2017 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Fatma Betül Akcora (Author)

French Studies - Linguistics
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Was den Sprachwandel betrifft, fällt bei genauer Betrachtung des Französischen auf, dass vor allem die Wortstellung im Satz einem eklatanten Wandel unterlag. Während in der lateinische Sprache die Reihenfolge der Wörter relativ frei war, jedoch die Form SOV bevorzugt wurde, ist die Ordnung der Wörter im heutigen Französisch strikt geregelt: Das Französische ist eine SVO-Sprache. Mit der Frage, warum dem so ist, wird sich die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit befassen.

Hierfür wird zuerst erläutert, zwischen welchen Sprachen in der linguistischen Typologie unterschieden wird und wie diese Typen formal aussehen. Danach soll auf den Satzbau im Früh- und Altlateinischen eingegangen und dieser sowohl mit dem des klassischen Latein als auch mit dem des Alt- und Mittelfranzösischen verglichen werden. Daraufhin werden die unterschiedlichen Hypothesen, die über die Entwicklung des französischen Satzbaus aufgestellt worden sind, betrachtet. Den Schluss dieser Arbeit bildet eine Zusammenfassung, die einen Überblick über alle gewonnenen Erkenntnisse gibt.

Sprachwandel ist sowohl ein relevantes als auch ein unumgängliches Phänomen, das ausschlaggebend für die (Weiter-) Entwicklung aller Sprachen der Welt – und somit auch des Französischen – ist. Der historisch-genealogischen Klassifikation zufolge, wird das Französische als ein Repräsentant der romanischen Sprachen betrachtet, die sich aus dem Vulgärlatein entwickelt haben und gehört folglich zur indoeuropäischen Sprachfamilie. Mit ca. 131 Mio. Sprechern (davon 76 Mio. Primärsprachler und 55 Mio. Zweitsprachler) in über 3 Kontinenten und einer Sprachgeschichte, die sich über mehrere Jahrhunderte streckt, ist das Französische also durchaus in der Lage, einen immensen Sprachwandel vorzuweisen.

Wird die Entwicklung der französischen Sprache näher in Betracht gezogen, so lassen sich drei Epochen herauskristallisieren, von denen die erste das Altfranzösische ist, das auf das 9. Jh. bis ca. 1300 datiert wird. Die zweite Phase bildet die Epoche des Mittelfranzösischen, dessen Beginn auf 1300 und Ende ca. auf das 16. Jh. festgelegt ist. Mit dem Ende des 15. und dem Anfang des 16. Jahrhunderts begann die Epoche des Neufranzösischen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Typen der Sprache

2.1 SOV

2.2 SVO

2.3 VSO

2.4 VOS, OVS, OSV

3. Wandel der Wortstellung

3.1 Proto-Indoeuropäisch

3.2 Früh- und Altlatein

3.3 Klassisches Latein

3.4 Altfranzösisch

3.5 Mittel- und Neufranzösisch

4. Hypothesen zum Wandel

4.1 Kasusschwund

4.2 Post- und Prädeterminierung

4.2.1 Left branching

4.2.2 Right branching

5. Die Modifikatoren im Lateinischen und Französischen

5.1 Unveränderte VO-Konstruktionen

5.2 Unveränderte OV-Konstruktionen

5.3 OV-Konstruktionen, die zu VO-Konstruktionen übergingen

6. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den diachronen Wandel der Wortstellung im Französischen, speziell den Übergang von einer Sprache mit OV-Struktur (Objekt-Verb) zu einer SVO-Struktur (Subjekt-Verb-Objekt). Die zentrale Forschungsfrage ist, warum sich dieser syntaktische Wandel vollzog und welche linguistischen Mechanismen, wie etwa der Kasusschwund oder der Wechsel von Post- zu Prädeterminierung, diesen Prozess maßgeblich beeinflussten.

  • Sprachtypologische Grundlagen und Klassifizierung
  • Die Entwicklung der Wortstellung vom Lateinischen zum Französischen
  • Analyse der Hypothese des Kasusschwunds als Triebkraft für den Wandel
  • Untersuchung von Prä- und Postdeterminierung sowie der Konzepte "Left" und "Right branching"
  • Vergleichende Analyse von Modifikatoren im Lateinischen und Französischen

Auszug aus dem Buch

3.3 Klassisches Latein

Während die Wortreihenfolge in den modernen Sprachen relativ strikt geregelt ist, zeichnen sich klassisches Latein und Altgriechisch - bezüglich der Ordnung der Wörter im Satz - durch ihre Variabilität aus. So konstatiert Weil (1991: 4), dass die Wortstellung in der lateinischen Sprache frei, d.h. bis auf einige Ausnahmen, nicht für jedes Wort eine bestimmte Stelle im Satz vorgesehen ist.

Die Beispiele lassen erkennen, dass im klassischen Latein das Verb sowohl in initialer, als auch in medialer und finaler Position in Erscheinung treten konnte. Die mediale Position des Verbs war zwar eine Innovation im Lateinischen, sie verlieh diesem aber weder eine bestimmte Funktion- noch einen spezifischen Wert. Bauer (2009: 257) zufolge haben Hauptsätze, in denen Verben in initialer Position auftreten, pragmatische oder stilistische Funktionen. Geht einem Deklarativsatz ein Nebensatz, ein Adverb oder eine Negation voraus, so steht das Verb in initialer Position und ist stilistisch motiviert. Diese Art von Satzstruktur ist vor allem bei dem antiken Philosophen und Redner Apuleius (123-170 n. Chr.) und dem christlichen Schriftsteller Tertullian (150-220 n. Chr.) vorzufinden. Hat das Verb eine adhortative Funktion oder soll einen Wunsch, ein Gefühl etc. wiedergeben, so steht es ebenfalls in initialer Position und ist pragmatisch motiviert. Ferner erscheinen Verben dann am Anfang eines Deklarativsatzes, wenn es sich um Erzählungen, wie historische Texte und Novellen handelt.

Es ist anzumerken, dass diese Neuerscheinung in Hauptsätzen durchaus frequenter war als in Nebensätzen. Dieses Phänomen änderte sich über die Jahre bzw. Jahrhunderte: Bei der Entstehung des Französischen aus dem Lateinischen fand ein Übergang von einer Sprache des Typs SOV zu einer SVO-Sprache statt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Phänomen des Sprachwandels und die Spezifizierung der Forschungsfrage zur Wortstellung im Französischen.

2. Typen der Sprache: Darstellung der verschiedenen Sprachtypen (SOV, SVO, VSO, VOS, OVS, OSV) und deren typologische Einordnung.

3. Wandel der Wortstellung: Historischer Überblick über die Entwicklung von Proto-Indoeuropäisch über Latein bis hin zum Neufranzösischen.

4. Hypothesen zum Wandel: Diskussion theoretischer Erklärungsansätze für den syntaktischen Wandel, insbesondere Kasusschwund und Veränderungen in der Determination.

5. Die Modifikatoren im Lateinischen und Französischen: Detaillierte Betrachtung spezifischer grammatikalischer Konstruktionen und deren Wandel in der Satzstruktur.

6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage unter Berücksichtigung der untersuchten Hypothesen.

Schlüsselwörter

Sprachwandel, Wortstellung, Französisch, Latein, SOV, SVO, Kasusschwund, Syntax, Typologie, Prädeterminierung, Postdeterminierung, Left branching, Right branching, Indoeuropäisch, Modifikatoren

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der diachronen Entwicklung der Wortstellung im Französischen und untersucht den Prozess, durch den die Sprache von einer SOV-Struktur zu einer festen SVO-Struktur übergegangen ist.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen gehören die historische Sprachwissenschaft, die syntaktische Typologie, der Einfluss morphologischer Veränderungen auf die Syntax sowie die Untersuchung sprachlicher Modifikatoren im Vergleich von Latein und Französisch.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gründe für den Wandel der Satzstruktur zu identifizieren und zu evaluieren, ob Theorien wie der Kasusschwund als alleinige Ursache für diesen Prozess ausreichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine komparative diachrone Analyse angewandt, die primärsprachliche Belege aus verschiedenen Epochen (vom Proto-Indoeuropäischen über das Altlatein bis zum Französischen) gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine typologische Einordnung, eine historische Nachzeichnung der Wortstellungsentwicklung, die Prüfung von Hypothesen zum Wandel sowie eine detaillierte Analyse spezifischer Sprachkonstruktionen und ihrer Modifikatoren.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?

Wesentliche Begriffe sind die Sprachtypen SOV und SVO, Kasussysteme, die syntaktische Determination und Konzepte zur Verzweigungsstruktur (Branching) von Satzteilen.

Wie unterscheidet sich das Lateinische vom Französischen in der Wortstellung?

Während das Lateinische eine hohe Flexibilität in der Wortstellung aufwies, da Kasusendungen die syntaktischen Funktionen (Subjekt/Objekt) markierten, zeigt das Französische eine strikte SVO-Festlegung, da es ein synthetisches Kasussystem verloren hat.

Was besagt die Hypothese zum Kasusschwund?

Sie postuliert, dass der Verlust von Kasusmarkierungen dazu führte, dass die Sprache eine feste syntaktische Struktur (SVO) entwickeln musste, um die Rollen von Subjekt und Objekt im Satz eindeutig zu unterscheiden.

Was bedeuten "Left branching" und "Right branching"?

Diese Begriffe beschreiben die Anordnung von Kopf und Komplement im Satz. Latein gilt als linkverzweigende (SOV) Sprache, während das Französische als rechtsverzweigende (SVO) Sprache eingestuft wird.

Ist der Kasusschwund die einzige Ursache für den Wandel?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Kasusschwund zwar ein wesentlicher Faktor ist, jedoch nicht als alleinige Ursache betrachtet werden kann, da auch andere Sprachen mit Kasusverlust ihre Wortstellung beibehalten haben.

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Details

Title
Von einer OV-Sprache zu einer VO-Sprache. Die Änderung der Wortstellung im Französischen
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Romanisches Seminar)
Course
Le français médiéval
Grade
1,3
Author
Fatma Betül Akcora (Author)
Publication Year
2017
Pages
20
Catalog Number
V426463
ISBN (eBook)
9783668721456
ISBN (Book)
9783668721463
Language
German
Tags
ov-sprache vo-sprache änderung wortstellung französischen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fatma Betül Akcora (Author), 2017, Von einer OV-Sprache zu einer VO-Sprache. Die Änderung der Wortstellung im Französischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426463
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