Wird ein Blick auf die russische Literatur geworfen, so kristallisieren sich eine Reihe von Schriftsteller wie Dostoevskij, Tolstoj, Nabokov heraus, die weltweit beruhmt sind und grose Anerkennung geniesen. Nichtsdestotrotz stellt Puškin eine Schlusselfigur dar, wenn insbesondere die russische Literatur des 19. Jahrhunderts anvisiert wird: Seine Ertrage, seine Werke sowie sein Leben sind unumstritten von groser Bedeutung, die viele Male aufgegriffen und thematisiert wurden. Die Werke Puškins beschaftigten des Ofteren seine Nachfolger und dienten als Inspirationsquelle fur unzahlige Werke. So auch die Erzahlung Pikovaja dama, die sowohl romantische, als auch realistische sowie fantastische Zuge aufweist. Nicht nur die Handlung, sondern auch das Charakter des Protagonisten bildeten nach der Publikation interessante Diskussionsthemen, die unterschiedlich gedeutet und interpretiert worden sind. Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit versucht das Thema dieses Werks aufzugreifen und den Eintritt des Parvenus in die russische Literatur zu zeigen.
Hierfür wir zunachst das russische Zarenreich im 19. Jahrhundert sowie auf die Biographie Puškins eingegangen, um relevante Hintergrundinformationen zu veranschaulichen. Daraufhin erfolgt eine Inhaltsangabe der Erzahlung Pikovaja dama sowie die Charakterisierung der Hauptfiguren. Danach wird auf die Entstehungsgeschichte der Erzahlung eingegangen und der Inhalt des Romans Le Rouge et le Noir, der mit Puškins Erzahlung auffallige Parallelen aufweist, dargestellt. Im letzten Abschnitt richtet sich das Augenmerk auf die gesellschaftliche Stellung und Handlung des Protagonisten. Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Hintergrund
3. Biographie von Puškin
4. Pikovaja dama
4.1 Inhaltsangabe
4.2 Charakterisierung der Hauptfiguren
4.3 Zur Entstehungsgeschichte der Erzählung
4.4 Das Mysterium der Karten
5. Le Rouge et le Noir
6. Das Parvenü in der russischen Literatur
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Eintritt und die Darstellung des „Parvenüs“ in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts am Beispiel von Puškins Erzählung Pikovaja dama. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie der Protagonist durch soziale Ambitionen und den Wunsch nach individuellem Aufstieg in Konflikt mit der Ständeordnung gerät und welche Rolle dabei die Thematik des Glücksspiels sowie literarische Inspirationen spielen.
- Analyse des historischen Kontextes im russischen Zarenreich des 19. Jahrhunderts.
- Charakterisierung der Protagonisten von Pikovaja dama und deren soziale Motivationen.
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte und möglicher literarischer Inspirationsquellen.
- Vergleichende Untersuchung der Parvenü-Figur anhand von Pikovaja dama und Stendhals Le Rouge et le Noir.
- Reflexion über soziale Aufstiegsmechanismen und die Folgen des ungebremsten Ehrgeizes.
Auszug aus dem Buch
4.3 Das Mysterium der Karten
Eine Reihe von Sekundärliteratur über Pikovaja dama lässt erkennen, dass das Mysterium der drei Karten nicht nur den jungen Ingenieur Germann, sondern auch viele weitere, die sich mit dieser Erzählung näher befassten, in seinen Bann zog. Die Suche nach dem Ursprung bzw. Geheimnis der gewinnversprechenden Karten führte zu unterschiedlichen Ergebnissen. So besagt die erste These, dass die Karten Drei und Sieben aus dem im Jahre 1828 verfassten Gedicht Bračnyj pir Tovija des russischen Schriftstellers Fjodor Glinka entnommen worden wären. In diesem schreibt der Verfasser:
Так старыи Товии шепчет сыну: „То наш Азария! . . . Причину“ „Желал бы знать: о чем грустит?“ „Не ест, не пьет и все молчит!“ „Какои тоски, какои утраты“ „Он полон думои? Мало ль платы?“ „Утроить, сын! усемерить: [Hervorgebung durch mich] „Неблагодарным страшно быть!“
Eine weitere Annahme lautet, dass das Werk Der holländische Jude des deutschen Schriftstellers Heinrich Claurens als Quelle für die magischen Karten in Pikovaja dama gedient haben müsse, da der Held dieser Novelle zunächst auf die Drei, danach auf die Sieben setzt und eine große Summe gewinnt. Die Tatsache, dass Puškin – der selbst ein leidenschaftlicher Spieler gewesen ist – mit dem Thema des Kartenspiels aus der Literatur durchaus vertraut war und vermutlich Claurens' Werk kannte, verleiht dieser These eine gewisse Plausibilität.
Durch reichliche Recherchen konnte jedoch auch die Erkenntnis gewonnen werden, dass in keinem weiteren literarischen Werk alle drei Karten, d. h. Drei, Sieben und Ass, zusammen gefunden werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung Puškins für die russische Literatur ein und skizziert das Ziel der Arbeit, den Eintritt des Parvenüs in die russische Literatur am Beispiel der Erzählung Pikovaja dama zu untersuchen.
2. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die politische und soziale Lage im Russland des 19. Jahrhunderts, insbesondere unter den Zaren Alexander I. und Nikolaus I., als Kontext für die Entstehung der klassischen russischen Literatur.
3. Biographie von Puškin: Es erfolgt eine biografische Skizze des Dichters, die seine Ausbildung, seine politische Entwicklung, seine Verbannung und seinen Einfluss auf die Literatur beleuchtet.
4. Pikovaja dama: In diesem zentralen Kapitel wird die Erzählung inhaltlich zusammengefasst, die Charaktere analysiert, die Entstehungsgeschichte beleuchtet und das Motiv der drei Karten untersucht.
5. Le Rouge et le Noir: Dieses Kapitel liefert eine inhaltliche Darstellung von Stendhals Roman, um die Grundlage für den anschließenden literarischen Vergleich zu schaffen.
6. Das Parvenü in der russischen Literatur: Hier werden die Parallelen zwischen Germann und Julien Sorel herausgearbeitet und die Figur des Parvenüs als jemand definiert, der aus einfachen Verhältnissen nach Reichtum und Aufstieg strebt.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und ordnet Puškins Erzählung als Spiegelbild der zeitgenössischen Gesellschaft und als Vorläufer literarischer Auseinandersetzungen mit dem Thema Glücksspiel ein.
Schlüsselwörter
Pikovaja dama, Aleksandr Puškin, russische Literatur, 19. Jahrhundert, Parvenü, Germann, soziale Mobilität, Glücksspiel, Stendhal, Le Rouge et le Noir, Julien Sorel, Zarenreich, literarische Inspiration, Aufsteiger, Emporkömmling.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Erzählung Pikovaja dama von Aleksandr Puškin und untersucht darin insbesondere die Figur des Parvenüs sowie dessen Eintritt in die russische Literatur des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem historischen Kontext, der Charakterentwicklung der Protagonisten, der literarischen Entstehungsgeschichte und dem Vergleich mit anderen Werken der europäischen Literatur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Puškin durch die Figur des Germann das Motiv des Parvenüs in die russische Literatur einführte und welche gesellschaftlichen sowie individuellen Dynamiken diesen Prozess begleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer textnahen Analyse der Erzählung Pikovaja dama, einer historischen Kontextualisierung sowie einer komparativen literaturwissenschaftlichen Gegenüberstellung mit Stendhals Werk Le Rouge et le Noir.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Analyse des historischen Umfelds, eine detaillierte Charakterisierung der Hauptfiguren, eine Untersuchung der Entstehungsgeschichte und das Mysterium der Karten sowie den Vergleich der Protagonisten Germann und Julien Sorel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Pikovaja dama, Puškin, Parvenü, soziale Mobilität, Glücksspiel, Ehrgeiz und literarische Inspiration.
Warum ist der Vergleich mit Stendhals Le Rouge et le Noir für diese Arbeit so relevant?
Der Vergleich ist zentral, da sowohl Germann als auch Julien Sorel als typische Vertreter des Parvenüs fungieren, die aus einfachen Verhältnissen kommen und durch Ehrgeiz und die Ausnutzung anderer gesellschaftlich aufzusteigen versuchen.
Welche Rolle spielt das Motiv der drei Karten für den Protagonisten Germann?
Das Motiv der drei Karten fungiert als Katalysator für Germanns Bestreben, das soziale Schicksal zu überwinden; der Pakt, den er damit eingeht, führt letztlich zu seinem persönlichen Untergang und dem Verlust seines Verstandes.
- Arbeit zitieren
- M.o.A. Fatma Betül Akcora (Autor:in), 2018, Der Eintritt des Parvenüs in die russische Literatur. Puškins Pikovaja dama, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426467