Die „Historia D. Johann Fausten“ als Anti-Vita Martin Luthers

Die literarische Faustfigur als dämonisches Gegenbild Luthers und die »Historia« als streng lutherische Warnschrift


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Historia von D. Johann Fausten und ihre Funktion als streng lutherische Warnschrift

3. Die Lebensgeschichte des D. Johann Fausten als dunkle und dämonische Anti-Vita Martin Luthers
3.1. Die frühen Jahre Fausts und Luthers - Herkunft, Bildung und Werdegang
3.2. Fausts und Luthers Entwicklung während ihrer Studienzeit
3.3. Über den menschlichen Erkenntnisdrang und den Grundkonflikt von Glaube und Wissen bei Faust und Luther
3.4. Faust und Luthers Auseinandersetzung mit dem Teufel

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur

„Der Faust der Sage ist das Gegenbild Luthers. Luther glaubt: Faust zweifelt. Luther verehrt die heilige Schrift: Faust schiebt sie beiseite. Luther misstraut der Vernunft: Faust ist ein Forscher auf eigene Hand. Luther kämpft siegreich mit dem Teufel: Faust unterliegt ihm.“ (Scherer, Wilhelm: Geschichte der Deutschen Literatur. Berlin 1883, S. 336)

1. Einleitung

Die Geschichte um den Schwarzkünstler und Teufelsbündner Dr. Johann Faust gehört zu den am reichsten angelegten, bekanntesten und bedeutendsten Erzählungen der deutschen Literatur und hat seit dem 16. Jahrhundert den Stoff zu unzähligen literarischen Bearbeitungen geliefert.1 So ist es gerade im Hinblick auf das anstehende 500-jährige Reformationsjubiläum nicht verwunderlich, dass sich der neuste Band des Faust-Jahrbuchs thematisch mit dem Schwerpunkt „Faust und Luther als Symbolfiguren deutscher Geschichte“2 auseinandersetzt. Die einzelnen Beiträge des Jahrbuchs beschäftigen sich jedoch nur entfernt mit der Frage, in welchem Verhältnis Faust und Luther zueinander stehen und welche Bedeutung den beiden Schlüsselfiguren des 16. Jahrhunderts in der deutschen Erinnerungskultur zukommt. Der Rezensent Martin Bauer zieht daher das ernüchternde Fazit, dass das Heft entgegen aller Erwartungen keine Aufarbeitung der literarisch-historischen Faust-Luther-Konstellation biete.3

Die wissenschaftliche Überlegung, einen Zusammenhang zwischen der historischen Person Martin Luthers und der literarischen Faustgestalt herzustellen, ist im Zuge der Konfessionalisierung und Nationalisierung der deutschen Geschichtsschreibung im 19. Jahrhundert entstanden, die mit der Mythologisierung historischer Einzelpersönlichkeiten einherging.4 So wurde der Protestantismus von den Befürwortern einer kleindeutschpreußischen Lösung als „zentrales Element des deutschen »Nationalcharakters«“5 verstanden. Dies erklärt warum Luther in der national-protestantischen Historiographie als Nationalheld, protestantische Identifikationsfigur sowie als Retter und Vorkämpfer der Deutschen Nation dargestellt und gefeiert wurde.6

Die eingangs zitierte Passage aus Wilhelm Scherers „Geschichte der Deutschen Literatur“, die im Jubiläumsjahr zum 400sten Geburtstag Martin Luthers 18837 verfasst wurde, muss vor diesem Hintergrund gelesen werden. So stellt der nationalpreußisch gesinnte, österreichische Literaturhistoriker8 die These auf, dass Faust der Sage das Gegenbild Luthers sei.9 Zur Begründung seiner Überlegung fasst Scherer die zentralen Unterschiede zwischen Faust und Martin Luther in knapper und antithetischer Art und Weise zusammen.10 Die einzelnen Aspekte, z. B. Fausts und Luthers gegensätzliche Haltungen zum Glauben, zur Heiligen Schrift und zur Wissenschaft, sowie der unterschiedliche Ausgang ihrer Auseinandersetzung mit dem Teufel, werden jedoch weder näher erläutert noch belegt.

Aus heutiger Sicht mag es zunächst schwierig und unergiebig erscheinen, die Plausibilität von Scherers programmatischer These zum Faust-Luther-Verhältnis zu überprüfen und nachzuvollziehen. So hat auch in der literaturwissenschaftlichen Forschung bislang kaum eine Auseinandersetzung mit Scherers Ansatz stattgefunden.11 Nichtsdestotrotz scheint gerade das Lutherjahr 2017 den richtigen Anlass zu bieten, um die Faust-Luther-Konstellation in der Faustsage neu zu untersuchen und sich auf diese Weise einem komplexen Forschungsdesiderat zu nähern.

Von allen Faustbüchern des 16. Jahrhunderts ist die Historia von D. Johann Fausten 12, die erstmals im Jahr 1587 erschienen ist, sicherlich der geeignetste Gegenstand für die vorliegende Untersuchung. So ist die streng lutherisch ausgerichtete Historia das älteste schriftliche Werk, das sich mit der Lebensgeschichte Fausts in einem größeren zusammenhängenden Umfang auseinandersetzt.13

In der vorliegenden Arbeit soll aufgezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen der literarischen Faustfigur der Historia und der historischen Person Martin Luthers besteht. So inszeniert der anonyme Autor der Historia das gottlose Leben des D. Johann Fausten nicht nur als abschreckendes Negativ-Exempel, sondern gestaltet es gleichsam auch als dunkles und dämonisches Gegenbild zum heilsgewissen Leben Martin Luthers.14 Diese These soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit anhand folgender Leitfragen überprüft werden: Inwiefern kann die Historia als lutherische Warnschrift gedeutet werden? Welche zentralen Parallelen und Unterschiede ergeben sich aus einem Vergleich zwischen dem Faust der Histoira und der Person Luthers? Und inwiefern ist die Lebensgeschichte des D. Johann Faust als Anti-Vita Martin Luthers konzipiert?

Um die Funktion der Historia als streng lutherische Warnschrift herauszuarbeiten, soll das Werk zunächst im Zuge einer Quellenkritik untersucht und in den kirchenhistorischen Kontext des Reformationszeitalters eingeordnet werden. Es wird hierbei vor allem wichtig sein, einen genaueren Blick auf den Entstehungshintergrund der Historia und ihre Quellen zu werfen und darüber hinaus die konfessionelle Ausrichtung des unbekannten Autors näher zu beleuchten.

Anschließend sollen zentrale Parallelen und Unterschiede zwischen der literarischen Faustfigur und der Person Martin Luthers herausgearbeitet werden. Um aufzuzeigen, dass die Lebensgeschichte des Fausts als Anti-Vita Luthers konzipiert ist, sollen zunächst die Herkunft, der Bildungsweg und der universitäre Werdegang Fausts und Luthers vergleichend untersucht werden. Als zentrale Unterscheidungsmerkmale sollen im Folgenden der Grundkonflikt von Glaube und Wissen bei Faust und Luther herausgearbeitet sowie der unterschiedliche Ausgang ihrer Auseinandersetzung mit dem Teufel näher beleuchtet werden.

Die Schlussbetrachtung soll die erarbeiteten Ergebnisse zusammenfassen, klären, ob die gestellten Fragen beantwortet werden konnten, und Perspektiven weiterer Forschung aufzeigen.

2. Die Historia von D. Johann Fausten und ihre Funktion als streng lutherische Warnschrift

Über das Leben und Wirken des historischen Fausts gibt es fast keine verlässlichen Zeugnisse.15 Ab dem Jahre 1572, rund dreißig Jahre nach Fausts vermeintlichen Tod, erschienen jedoch zahlreiche anonyme Handschriften, Historien, Volksbücher und Knittelvers-Dichtungen über den historischen Faust, die darauf hindeuten, dass seine Lebensgeschichte schon länger Stoff mündlicher Überlieferungen und Anekdotenbildung geworden war.16

Die Historia von D. Johann Fausten (1587) ist das älteste und erste schriftliche Werk, in dem die verschiedenen zirkulierenden Geschichten und Anekdoten über den Lebensweg des historischen Fausts aufgegriffen17 und zu einer größeren zusammenhängenden, wohl durchdachten Erzählung zusammengefasst wurden.18 Um die Lebensgeschichte des Zauberers, Schwarzkünstlers und Teufelsbündners möglichst authentisch und glaubwürdig wirken zu lassen, 19 hat der anonyme Autor20 der Historia auf zahlreiche geographische, historische, theologische, literarische und naturwissenschaftliche Quellen zurückgegriffen.21 Dabei wurden neben unzähligen naturkundlichen und kosmographischen Werken sowie Marginalien- und Sprichwortsammlungen, vor allem auch theologische Schriften aus dem Umkreis der Wittenberger Reformation als Quellen herangezogen.22

Luthers Aufzeichnungen, seine Schriften und Erzählungen bilden dabei den wichtigsten Quellenbestand der Historia.23 So zitiert der unbekannte Autor an vielen Stellen ausführlich aus Luthers Tischgesprächen.24

Die Historia erschien erstmals im Herbst 1587 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main und wurde von dem Verleger und Drucker Johann Spieß herausgegeben.25 Alle Indizien deuten darauf hin, dass der anonyme Autor der Historia das Werk erst kurze Zeit vor der Frankfurter Buchmesse niederschrieb.26 Die Historia ist in den 1580er Jahren in einer Zeit entstanden, die noch stark unter dem Eindruck der konfessionellen Spannungen und Unruhen des 16. Jahrhunderts stand und vom Neben- und Gegeneinander verschiedener reformatorischer Glaubensrichtungen geprägt war.27 So waren nach Luthers Tod 1546 jahrzehntelang anhaltende Streitigkeiten zwischen den Anhängern Melanchthons, den sogenannten Philippisten, und den Gnesiolutheranern um Flacius Illyricus ausgebrochen.28 Während den Philippisten Kalvinismus und Verrat am Luthertum vorgeworfen wurde, begriffen sich die Gnesiolutheraner als „Hüter der »reinen Lehre«“29 und hielten sich streng an Luther und seine Schriften.30 Die Lehrstreitigkeiten im innerprotestantischen Lager fanden erst mit der Konkordienformel von 1577 einen Abschluss, die jedoch nicht von allen lutherischen Landeskirchen anerkannt wurde.31

Obwohl vor einer Überinterpretation der inner- und transkonfessionellen Spannungen in der Konzeption der Historia zu warnen ist,32 kann recht sicher davon ausgegangen werden, dass der unbekannte Autor der Historia genuin lutherisch ausgerichteter Theologe gewesen ist.33 So ist auch die Historia ganz im Sinne einer streng lutherischen und moralisch-belehrenden Warnschrift vor der Teufelsbündelei geschrieben worden.34 Es gibt zahlreiche Indizien, die für die streng lutherische Tendenz des Werkes und seines Autors sprechen:

Wie Hartmut Rudolph treffend zusammenfasst, deuten auf inhaltlicher Ebene bereits „die Zweizahl der Sakramente, die Papstpolemik, die theologische Wertung des Ehestandes (gegen den Zölibat) oder der Teufel in Gestalt eines grauen Mönches“35 auf eine lutherische Ausrichtung des Werkes hin. Zudem ist der Text mit Anspielungen auf die lutherische Rechtfertigungslehre und das sola - fide -Prinzip, sowie Zitaten aus den Schriften Luthers und Melanchthons durchsetzt.36 Darüber hinaus stehen auch die zahlreichen eingearbeiteten Mahnungen und Anweisungen, die der Belehrung des Lesers dienen, den Lehren Luthers und der Reformation nahe.37

Auch die Beschäftigung mit dem Verleger und Drucker der Historia lässt Rückschlüsse auf die genuin lutherische Tendenz des Werkes zu. So verlegte der aus dem protestantischen Oberursel stammende Johann Spieß ausschließlich orthodox lutherische Kampfschriften, die das moralische und religiöse Leben des christlichen Lesepublikums beeinflussen sollten.38 Dementsprechend informieren bereits das Titelblatt und die von Johann Spieß hinzugefügte Vorrede den Leser darüber, dass es sich bei der Historia um eine Warnschrift handle, die „der gantzen Christenheit“ (18/5) und „allen hochtragenden, fürwitzigen vnd gottlosen Menschen […] zum schrecklichen Beispiel, abscheulichen Exempel vnd treuherziger Warnung“ (3) dienen solle. Die Leser werden in der Vorrede vor allem vor den Kernsünden „Sicherheit / Vermessenheit vnd fürwitz“ (5, 32-33) gewarnt, die den Menschen zur Abkehr von Gott und zum Bund mit dem Teufel treiben.

Während der Anfang und das Ende der Lebensgeschichte Fausts im Sinne einer eindringlich moralisch belehrenden Warnung vor der Teufelsbündelei und als Negativ- Exempel zu lesen sind, dominiert im Schwankteil der Historia ein unterhaltender Erzählstil.39 Hier wird von den Ausschweifungen, Abenteuern und Zauberstücken Fausts berichtet, ohne dass moralische Lehren geäußert werden. Dessen ungeachtet dient die Geschichte des „weitbeschreyten Zauberers vnnd Schwartzkünstlers“ (3) D. Johann Fausten jedoch nicht primär der kurzweiligen Unterhaltung,40 sondern vor allem der moralischen Unterweisung, Belehrung und Erziehung des christlichen Lesepublikums. Als streng lutherisches Lehrbuch will die Historia ihre Leser dazu anleiten, ein gottgefälliges Leben zu führen und sich in allen Lebenslagen moralisch richtig zu verhalten.41 Maria E. Müller fasst die Intention des Faustbuches pointiert zusammen: „Die ‘Historia‘ ist […] ein Plädoyer für eine christliche Ordnung des Lebens, in der Vernunft und Sinnlichkeit in geregelte Bahnen gelenkt werden und so die Gefahr des tobenden Höllenheers durch Gebet und Gelächter, durch Arbeit und eine solide Produktion und Aufzucht christgläubiger Menschlein gebannt ist.“42

3. Die Lebensgeschichte des D. Johann Fausten als dunkle und dämonische Anti-Vita Martin Luthers

3.1. Die frühen Jahre Fausts und Luthers - Herkunft, Bildung und Werdegang

Bei einem Vergleich von Faust und Luthers Herkunft, ihrer Bildung und ihrem Werdegang treten einige auffällige Parallelen zutage.43

Die frühen Jahre Luthers sind in vielem unscharf, da Luthers Erinnerungen an seine Kindheit, von der er rückblickend in den Tischreden erzählt, stark von seiner eigenen heilsgeschichtlichen Selbstdeutung geprägt sind.44

[...]


1 Zur Rezeptionsgeschichte des Fauststoffes siehe ausführlicher Henning, Hans: Faust-Variationen. Beiträge zur Editionsgeschichte vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. München [u.a.] 1993.

2 Jan Badewien und Tim Lörke (Hrsg.): Faust Jahrbuch 2010-2013, Bd. 4. Bielefeld 2014. Zum Themenschwerpunkt vgl. die Kapitelüberschrift „Faust und Luther als Symbolfiguren deutscher Geschichte“ im Inhaltsverzeichnis des Faust-Jahrbuchs.

3 Vgl. Bauer, Manuel: Ringen mit teuflischen Künsten. [Rezension zu] Jan Badewien und Tim Lörke (Hsrg.):
Faust Jahrbuch 2010-2013, Bd. 4. Bielefeld 2014. In: literaturkritik.de 6 (2015).
(http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=20646, letzter Zugriff am 06.03.2017).

4 Siehe Metzger, Franziska: Geschichtsschreibung und Geschichtsdenken im 19. und 20. Jahrhundert. Bern 2011, S. 156-185.

5 Ebenda, S. 166.

6 Vgl. ebenda, S. 166-167. Zum Lutherbild im 19. Jahrhundert siehe ausführlicher Lehmann, Hartmut: Martin Luther als deutscher Nationalheld im 19. Jahrhundert. In: Luther 55 (1984), S. 53-65; sowie Becker, Winfried: Luthers Wirkungsgeschichte im konfessionellen Dissens des 19. Jahrhunderts. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 49 (1985), S. 530-560.

7 Im Jahr 1883 fand das erste Großjubiläum statt, das ausdrücklich der Person Luthers galt. Vgl. Wendebourg, Dorothea: Im Anfang war das Reformations-Jubiläum. Eine kurze Geschichte von Reformationsfeiern und Lutherbildern. In: Die Politische Meinung. Sonderausgabe 4 (2016), S. 19-25.

8 Zur nationalpreußischen Ausrichtung Wilhelm Scherers vgl. Sternsdorff, Jürgen: Wissenschaftskonstitution und Reichsgründung. Die Entwicklung der Germanistik bei Wilhelm Scherer. Eine Biographie nach unveröffentlichten Quellen (Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, Deutsche Literatur und Germanistik 321). Frankfurt am Main [u.a.] 1979, S. 98-100. Sternsdorffs Monographie bietet im Übrigen eine ausgezeichnete Darstellung der wissenschaftlichen und politischen Biographie Wilhelm Scherers.

9 Vgl. Scherer, Wilhelm: Geschichte der Deutschen Literatur. Berlin 1883, S. 336.

10 Vgl. ebenda.

11 Eugen Wolff versucht basierend auf Scherers These zu belegen, dass die Historia von D. Johann Fausten eine Parodie Luthers darstellt. Vgl. Wolff, Eugen: Faust und Luther. Ein Beitrag zur Entstehung der Faust- Dichtung von Eugen Wolff. Halle 1912. Dieser Ansatz hat jedoch in der Forschung wenig Zustimmung gefunden. Daneben ist Hannes Kästner der einzige, der am Rande seiner hervorragenden Untersuchung zu „Fortunatus und Faust“ einige Parallelen und Unterschiede zwischen der literarischen Faustfigur in der Historia von D. Johann Fausten und der Person Luthers aufzeigt und vom Lebenslauf Fausts als „Anti-Vita“ Luthers spricht. Vgl. Kästner, Hannes: ‚Fortunatus‘ und ‚Faust‘. Glücksstreben und Erkenntnisdrang in der Erzählprosa vor und nach der Reformation. In: Wolfgang Haubrichs (Hrsg.): Anfänge des Romans (Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 89, Jg. 23). Göttingen 1993, S. 87-120. Zum Begriff der „Anti-Vita“ vgl. ebenda, Anm. 40, S. 103.

12 Die Historia wird nach folgender Ausgabe zitiert: Historia von D. Johann Fausten. Text des Druckes von 1578. Kritische Ausgabe. Hg. v. Stephan Füssel und Hans Joachim Kreutzer. Stuttgart 2006. Textzitate werden durch in Klammern nachgestellte Seiten- und Zeichenangaben belegt.

13 Siehe hierzu Kreutzer, Hans Joachim: Nachwort: In: Historia von D. Johann Fausten. Text des Druckes von 1578. Kritische Ausgabe. Mit den Zusatztexten der Wolfenbütteler Handschrift und der zeitgenössischen Drucke, hg. v. Stephan Füssel und Hans Joachim Kreutzer. Stuttgart 2006, S. 333-336.

14 Zur These vgl. insbesondere Döring, Tobias: Doktor Faustus. In: Christine Strobl und Michael Neumann: Menschen, die Geschichte schrieben. Die Renaissance (Marixwissen). Wiesbaden 2014, S. 34.

15 Nichtsdestotrotz ist es Hans Hennig erfolgreich gelungen, die Lebensgeschichte des historischen Fausts zu rekonstruieren. Siehe Henning, Faust-Variationen, S. 11-50.

16 Vgl. Horn, Eva: Abwege der Forschung. Zur literarischen Archäologie der wissenschaftlichen Neugierte (Frankenstein, Faust, Moreau). In: Eva Horn (Hrsg.): Literatur als Philosophie - Philosophie als Literatur. München 2006, S. 165.

17 Zu den Quellen siehe ausführlicher Müller, Jan Dirk: Das Faustbuch in den konfessionellen Konflikten des 16. Jahrhunderts. Vorgetragen in der Sitzung vom 11. Januar 2013 (Sitzungsberichte / Bayerische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Jg. 2014, H. 1). München 2014, S. 8.

18 So stellt Müller treffend fest, dass „man das Faustbuch „bei allen Unebenheiten, die die Forschung herausgearbeitet hat, als einen durchdachten Entwurf mit präzisen Wirkungsabsichten betrachten muß und nicht als schlampige Kompilation heterogener Teile.“ Ebenda.

19 Die Historia erhebt einen Anspruch auf Authentizität der Geschehnisse, der sich durch das gesamte Werk zieht. Vgl. hierzu ausführlicher Rohls, Jan: „Historia von D. Johann Fausten“. Der lutherische Roman und seine literarische Wirkung. In: Jan Rohls (Hrsg.): Protestantismus und deutsche Literatur (Münchener theologische Forschungen 2). Göttingen 2004, S. 28-30.

20 Der Autor der Histoira ist bis heute unbekannt, obwohl es sehr viele Theorien zu seiner Identität gibt. Siehe hierzu Henning, Faust-Variationen, S. 51-82.

21 Vgl. Rupprich, Hans: Das Zeitalter der Reformation. 1520-1570 (Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart 4. Die deutsche Literatur vom späten Mittelalter bis zum Barock 2). München 1973, S. 194.

22 Neben Luthers Bibelübersetzung (1545) und seinen „Tischreden“ (1566), Johannes Manlius „Loci communes“ (1565) und Andreas Osianders „Wunderliche Weissagung vom Papsttumb“ (1527), sind auch lutherisch geprägten Erzählsammlungen wie das „Historien und Exempelbuch“ (1572) von Andreas Hondorff und die „Epitome Historiarum Christlicher Ausgelesener Historien und Geschichten (1576) von Wolfgang Bütner als Quellen der Historia anzuführen. Vgl. Rohls, Historia von D. Johann Fausten, S. 29-30.

23 Vgl. Döring, Doktor Faustus, S. 33-34.

24 Zu den Verweisen innerhalb der Historia zu und Luthers Tischreden als intertextuellem Bezugspunkt in der Historia siehe vor allem Münkler, Marina: Narrative Ambiguität. Die Faustbücher des 16. bis 18. Jahrhunderts (Historische Semantik 15). Göttingen [u.a.] 2011, S. 78-83.

25 Vollständigkeitshalber sollte noch angemerkt werden, dass die Überlieferung der Historia nicht einheitlich ist und es außer dem zitierten Druck (A¹) noch weitere Fassungen der Historia gibt. Im Rahmen dieser Arbeit können die nachfolgenden erweiterten Editionen jedoch ebenso wenig thematisiert und berücksichtigt werden wie die vorausgehende Wolfenbütteler Handschrift. Ausführlicher hierzu siehe Rupprich, Das Zeitalter der Reformation, S. 191-192; sowie Kreutzer, Nachwort, S 334-348.

26 Vgl. Kreutzer, Nachwort, S. 330.

27 Siehe hierzu ausführlicher Rudolph, Hartmut: Das Faustbuch im kirchengeschichtlichen Zusammenhang. In: Richard Auernheimer und Frank Baron (Hrsg.): Das Faustbuch von 1587. Provokation und Wirkung (Bad Kreuznacher Symposien 2). München 1991, S. 41-42.

28 Zu den innerprotestantischen Unruhen und Kontroversen siehe ausführlicher Neuner, Peter: Martin Luthers Reformation. Eine katholische Würdigung. Freiburg im Breisgau [u.a.] 2017, S. 30-35.

29 Rudolph, Das Faustbuch im kirchengeschichtlichen Zusammenhang, S. 41.

30 Vgl. ebenda.

31 Zur Entstehungsgeschichte und zur Bedeutung der Konkordienformel als Bekenntnisschrift der lutherischen Kirchen siehe die Studie von Kolb, Robert: Die Konkordienformel. Eine Einführung in ihre Geschichte und Theologie. Übersetzt aus dem Amerikanischen von Marianne Mühlenberg (Oberurseler Hefte. Ergänzungsbände 8). Göttingen 2011.

32 So deutet Michsack die Figur des Fausts in der Historia als satirische Verkörperung Melanchthons. Diese Interpretation wurde in der literaturwissenschaftlichen Forschung jedoch entschieden abgelehnt. Vgl. Rudolph, Das Faustbuch im kirchengeschichtlichen Zusammenhang, S. 43-45.

33 In der Forschung zur Historia tauchen periodisch immer wieder Spekulationen über eine antilutherische Haltung des anonymen Autors auf. Diese lassen die zahlreichen äußeren und innertextlichen Belege außer Acht, die für eine genuin lutherische Einstellung des Autors sprechen. So hat Eugen Wolff mit wenig Zustimmung versucht, die Historia als katholische Tendenzschrift zu deuten. Siehe Wolff, Faust und Luther.

34 Insbesondere Erich Schmidt und Barbara Könneker haben die vielfältige Abhängigkeit des Werkes von der lutherischen Theorie herausgearbeitet. Siehe Könneker, Barbara: Faust-Konzeption und Teufelspakt im Volksbuch von 1587. In: Heinz Otto Burger und Klaus von See (Hrsg.): Festschrift für Gottfried Weber. Berlin [u.a.] 1967, S. 159-213; sowie Schmidt, Erich: Faust und Luther. In: Sitzungsberichteder Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1 (1896), S. 567-591.

35 Rudolph, Das Faustbuch im kirchengeschichtlichen Zusammenhang, S. 42.

36 Henning, Faust Variationen, S. 56.

37 Im Rahmen dieser Arbeit ist es leider nicht möglich, einen die Bezüge zwischen Luthers Lehre und den Belehrungen der Historia herauszuarbeiten. Siehe dazu ausführlicher Rudolph, Das Faustbuch im kirchengeschichtlichen Zusammenhang, S. 48-57.

38 Vgl. Müller, Das Faustbuch in den konfessionellen Konflikten, S. 24-25.

39 Zur Argumentation vgl. Auernheimer, Richard/ Frank Baron: Vorwort. In: Dies. (Hrsg.): Das Faustbuch von 1587. Provokation und Wirkung (Bad Kreuznacher Symposien 2). München 1991, S. IX.

40 Jan-Dirk Müller weist darauf hin, dass die in der Historia erzählte Lebensgeschichte des Teufelsbündners D. Johann Fausten eine ungeheure Faszination auf das Lesepublikum des 16. Jahrhunderts ausgeübt haben muss, sodass die Historia innerhalb kürzester Zeit zu einem erfolgreichen „Best- und Longseller“ wurde. Vgl. Müller, Das Faustbuch in den konfessionellen Konflikten, S. 8-9.

41 Vgl. Kästner, Fortunatus und Faustus, S. 90.

42 Müller, Maria E.: Poiesis und Hexerei. Zur „Historia von D. Johann Fausten“. In: Günther Mahal (Hrsg.): Die „Historia von D. Johann Fausten“ (1587). Ein wissenschaftliches Symposium anläßlich des 400jährigen Buchjubiläums (Publikationen des Faust-Archivs 2). Vaihingen an der Enz 1988, S. 65.

43 Kreutzer weist allerdings zu Recht darauf hin, dass die Anfangsbiographie von Faust auch die Lebenswege zahlreicher anderer Theologen widerspiegle. Vgl. Kreutzer, Nachwort, S. 339.

44 Vgl. Schilling, Heinz: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. München 2012, S. 56. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Luthers Biographie im Rahmen dieser Arbeit nicht in ihrer gesamten Komplexität dargestellt werden kann. Für eine detaillierte Biographie zu Martin Luthers Leben, seiner Theologie und seinem Wirken siehe Schilling, Martin Luther. Über Schillings Biographie herrscht in der Forschung weitgehend Konsens.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die „Historia D. Johann Fausten“ als Anti-Vita Martin Luthers
Untertitel
Die literarische Faustfigur als dämonisches Gegenbild Luthers und die »Historia« als streng lutherische Warnschrift
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Historisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V426483
ISBN (eBook)
9783668721494
ISBN (Buch)
9783668721500
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
historia, johann, fausten, anti-vita, martin, luthers, faustfigur, gegenbild, warnschrift
Arbeit zitieren
Sabrina Rutner (Autor), 2017, Die „Historia D. Johann Fausten“ als Anti-Vita Martin Luthers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426483

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