Die Frau im Judentum


Hausarbeit, 2016

19 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Strömungen im Judentum

2. Aufgaben und Einschränkungen der Frau in der Religion

3. Stellung der Frau in der Familie
3.1 Die Ehe
3.2 Familienleben

4. Stellung der Frau in der Gesellschaft
4.1 Ehe und Scheidung

5. Jüdischer Feminismus

Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung

„Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.“ (Gen 1,27)

Die hier vorliegende Hausarbeit wurde erstellt im Rahmen des Seminars „Einführung in das Judentum“. Als zu vertiefenden Aspekt habe ich „Frauen im Judentum“ gewählt, weil die Gleichberechtigung der Frau in der letzten Zeit aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen eine hohe Aufmerksamkeit erfährt. In der evangelischen Kirche ist die Frau sowohl gesellschaftlich als auch liturgisch gleichberechtigt. Schon ein Blick auf die katholische Kirche zeigt, dass es hier noch einiges zu verbessern gilt. Auch die Debatte über die Verschleierung der Frau im Islam hat in mir das Interesse geweckt, welches Frauenbild die dritte monotheistische Religionsgemeinschaft besitzt.

Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, welche Stellung die Frau in gesellschaftlicher und religiöser Hinsicht innehat.

Allerdings besteht eine Schwierigkeit darin, dass es einerseits verschiedene Strömungen im Judentum gibt, andererseits viele Juden über die Welt verstreut in der Diaspora leben und ihren Glauben dadurch nicht einheitlich realisieren. Hinzu kommt, dass im Staat Israel, der bürgerlich-rechtlich ein demokratisch verfasster Staat ist, religiöse Bestimmungen, die auf Tora, Talmud, Halacha etc. zurückgehen, immer noch Anwendung finden und zum Teil die Durchsetzung staatlich zugesicherter Rechte, wie z.B. Scheidung, erschweren. Daraus ergibt sich die Vorgehensweise, die nicht immer stringent Heutiges vom Traditionellen oder Religiöses vom Säkulären trennen kann.

Nach einer groben Darstellung der verschiedenen Strömungen des Judentums wird die Stellung der Frau in unterschiedlichen Bereichen untersucht. Es erschien ratsam, dabei auf die Rolle der Frau in der Religion, in der Familie sowie in der Gesellschaft einzugehen. So behandelt das zweite Kapitel Aufgaben und Einschränkungen, denen sich die Frau bei der Ausübung der Religion gegenübersieht. Im Folgenden wird die Familie einer genaueren Betrachtung unterzogen, wobei zunächst auf die Ehe, danach auf das Familienleben eingegangen wird. Im nächsten Kapitel wird die gesellschaftliche Stellung der Frau hauptsächlich unter den Aspekten Gleichberechtigung und Berufstätigkeit in den Blick genommen. Da das jüdische Recht für Frauen eine besondere Behandlung vorsieht, wird in einem Unterkapitel die rechtliche Seite von Ehe und Scheidung genauer beleuchtet. Es schließt sich ein kurzer Überblick über den jüdischen Feminismus an, der in den letzten Jahrzehnten deutliche Fortschritte für die Frauen mit sich gebracht hat.

1. Strömungen im Judentum

Schon früh in der Geschichte des Judentums hat es unterschiedliche Strömungen gegeben.1 Für die heute vorherrschenden drei Ausrichtungen des Judentums gilt, dass sie alle für sich in Anspruch nehmen, das ursprüngliche Judentum zu repräsentieren, dies aber in recht unterschiedlicher Ausprägung.2

Die jüdische Aufklärung, Halaska, die erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts einsetzte, kann als Ursache für das Suchen nach neueren, zeitgemäßen Formen der Ausübung des jüdischen Glaubens angesehen werden. Daraus haben sich im Wesentlichen die orthodoxe, die liberale sowie die konservative Richtung entwickelt.3

Orthodoxe Juden fühlen sich nach wie vor der Tora verpflichtet, weil sie sie als direkte Offenbarung Gottes verstehen und unterwerfen sich den Regeln der Halacha, der Hauptquelle des jüdischen Gesetzes, welche sie im Alltag befolgen. Des Weiteren befolgen sie strikt rituelle und liturgische Gebote, wie den Sabbat einzuhalten und koscher zu essen. Auch kann man sie an ihrer Haartracht und Kleidung erkennen.4 Orthodoxe Juden leben in relativ geringer Anzahl über Europa und Amerika verstreut, sind aber vor allem in Israel zu finden, wo sie im ganzen Land auch nur eine „kleine Minorität“5 darstellen, dennoch „bei Regierungsbildungen als Zünglein an der Waage über erheblichen politischen Einfluss“6 verfügen.

Demgegenüber versuchen liberale Juden (mitunter wird von Progressivem Judentum oder Reformjudentum gesprochen)7 die Tora in die Gegenwart einzubinden und sie angepasst zu interpretieren. Die moderne Lesart der Tora zeigt sich in der offeneren Auslegung z.B. der Speiseregeln, deren Beachtung den Gläubigen freigestellt ist. Auch die Gottesdienste sind der heutigen Zeit angepasst und finden z.B. in der jeweiligen Landessprache und mit Orgelmusik statt. „Das Reformjudentum, einst in Deutschland entstanden, hat heute sein Zentrum in den USA. In Israel ist es nur durch kleine Gemeinden vertreten.“8

Eine Position zwischen diesen beiden Strömungen wird vom konservativen Judentum eingenommen, welches sich im 20. Jahrhundert in den USA entwickelte. Einerseits war angestrebt, die Tradition zu bewahren, gleichzeitig wollte man sich der Moderne aber nicht verschließen und Modernisierungen durchsetzen. Allerdings liegt hier die Betonung „auf der Bewahrung, auf der Geschichte, auf der Tradition“.9

In Deutschland sind die verschiedenen Strömungen organisatorisch unter dem Dach des Zentralrats der Juden vereint. So sind „23 Landesverbände mit 105 jüdischen Gemeinden und ihren knapp 100.000 Mitgliedern organisiert (Stand: 2015). Das Spektrum der religiösen Denomination innerhalb der Gemeinden ist weit gefächert und reicht von orthodoxen über konservative bis hin zu liberalen Gemeinden. Damit macht der Zentralrat der Juden in Deutschland deutlich, dass er die religiösen Interessen aller Juden in Deutschland vereinigt.“10

2. Aufgaben und Einschränkungen der Frau in der Religion

Wie aus dem Vers der Genesis, der in der Einleitung genannt wird, hervorgeht, sind Frau und Mann grundsätzlich gleichgestellt und die Frau ist als die Gefährtin des Mannes anzusehen.

Aus traditioneller Sicht ist die Rollenverteilung im Judentum hingegen klar definiert. Während dem Mann die Gunst zu Teil wurde, aktiv am Gottesdienst teilnehmen zu dürfen, war die Frau im jüdischen Gottesdienst ohne „eigenständige Bedeutung“11. Vielmehr lagen ihre Aufgaben im Bereich des Häuslichen und der Familie.

Die Teilnahme am Gottesdienst erfolgte entweder hinter einer Abschirmung, wobei die Frauen dann nicht sehen konnten, was passierte, oder auf einer getrennten Empore.12 Diese Geschlechtertrennung geschieht bis heute in orthodoxen Gemeinden im Synagogengottesdienst, in dem Frauen das Geschehen nur beobachten dürfen.

Im Gegensatz zu den Männern sind der Tradition nach Frauen nicht zum öffentlichen Gebet in der Synagoge verpflichtet und müssen somit auch nicht am Gottesdienst teilnehmen. Grund dafür ist, dass sie „[…] von allen Geboten befreit [sind], die an eine bestimmte Zeit gebunden sind.“13 So wollte man Schwangeren, Wöchnerinnen und stillenden Müttern entgegenkommen, um sie in ihrem Tun, das Familiäre betreffend, nicht zu behindern.

Das orthodoxe Judentum kommt auch heute noch den genannten Traditionen nach und unterscheidet sich deutlich vom liberalen und reformierten Judentum, die keinen Unterschied mehr zwischen Männern und Frauen machen und in denen für alle dieselben Rechte und Pflichten Gültigkeit besitzen.14

Im Folgenden sollen die Einschränkungen, die im orthodoxen Judentum immer noch Anwendung finden, aufgeführt werden.

Um einen Gottesdienst zu ermöglichen, werden zehn erwachsene Personen (Minjan) benötigt. In orthodoxen Gemeinden zählen nur Männer, selbst wenn die erforderliche Zahl nicht erreicht wird, ohne auf eine Frau zurückzugreifen.15 Auch für das Gebet der Trauernden, das Kaddisch, sind zehn Männer erforderlich. Hinzu kommt, dass dieses nicht von einer Frau gesprochen werden darf.16 So betrachtet die orthodoxe Strömung die Frauenstimme sogar als ungesittet, sodass sie in der Synagoge weder laut singen noch beten sollen.17 Dies lässt sich in die gleiche Kategorie einordnen, wie die Separierung der Frauen in der Synagoge, welche mit der Ablenkungsgefahr für die Männer gerechtfertigt wird.18

Das religiöse Studium ist den Männern vorbehalten, Frauen dürfen nicht einmal die Tora lesen.19 So bleibt auch den Mädchen eine Feier zu ihrer Bat Mizwa verwehrt, während die Jungen zu ihrer Bar Mizwa mit großen Feierlichkeiten geehrt werden.20

„In den Synagogen der Modernen Orthodoxen können Frauen Führungspositionen einnehmen und tun das auch. Sie sind Synagogenvorsteherinnen und leiten Spendensammlungen.“21 Vom Priesteramt sind sie allerdings ausgeschlossen.22

Im Unterschied dazu nehmen in liberalen und reformierten Gemeinden, wie bereits angedeutet, Männer und Frauen zusammen am Gottesdienst teil und die Bat Mizwa bei Mädchen wird ebenso freudig gefeiert wie Bar Mizwa.23

Da der Frau aus traditioneller Sicht die Aufgaben im Bereich des Häuslichen und der Familie zugedacht wurden, soll im Folgenenden die Stellung der Frau in der Familie weiter erörtert werden.

3. Stellung der Frau in der Familie

3.1 Die Ehe

Um die Stellung der Frau in der jüdischen Familie genauer darstellen zu können, muss als Ausgangspunkt hierfür auch die Ehe thematisiert werden, die ebenso Aufgaben und Verpflichtungen mit sich bringt und die Grundlage für ein Familienleben im Judentum bildet.

Traditionell war es der Frau erlaubt, nur einen Mann zu heiraten, während der Mann mehrere Frauen ehelichen durfte, wenn seine vorherige Frau durch die nächste Heirat in materiellen Belangen nicht beeinträchtigt wurde.24 Schon um das Jahr 1000 wurde die Monogamie eingeführt und die Ehefrau bekam einen anderen Stellenwert.25 Grundsätzlich gilt im Judentum die Befürwortung der Eheschließung durch den Glauben. Der Talmud empfiehlt genau abzuwägen, ob Mann und Frau zueinander passen und Rabbiner raten dazu, keine gesellschaftlich höher gestellte Frau zu heiraten.26 „Im alten wie im neuzeitlichen Israel sind zivilrechtliche und religiöse Trauung miteinander verbunden.“27 Nach Judith Frisham sind die Mischna und der sie fortführende Talmud „heute immer noch Grundlage für die jüdische Auffassung über Ehe und die Stellung der Frau.“28

Die „jüdische Ehe ist eine Mizwa, die Erfüllung eines religiösen Gebots.“29 Sie ist kein Sakrament, wie in der katholischen Kirche, aber ein ‚brit‘, ein heiliger Bund, der Pflichten innerhalb dieser Ehe mit sich bringt. „Die Ehepartner sind einander, der Allgemeinheit und Gott gegenüber verpflichtet, ihre Beziehung treu sowie in Liebe und gegenseitigem Respekt zu gestalten und ihr Heim zu einem ‚kleinen Heiligtum‘ zu machen, das erfüllt ist von der Schönheit des Heiligen.“30

Das jüdische Recht war schon immer umsorgend, wenn es um die Belange und das Wohlergehen der Frauen ging. „Der Mann soll seine Frau lieben wie sich selbst und mehr ehren als sich selbst, was ganz konkretes Tun bedeutet (Babylonischer Talmud, Sanhedrin 76b).“31 Schon frühe Gesetze z. B. über das Spinnen und Weben, also Arbeiten der Frau, Bestimmungen über Ehe und Sexualität, die Haftung des Mannes gegenüber seiner Frau für medizinische Versorgung und das Verbot des Schlagens der Frau zeigen die immer doch gute Stellung der Frau, im Besonderen wenn man andere Religionen und ihre Traditionen betrachtet.32

Neben der menschlichen Fortpflanzung und dem Leben in glücklicher Gemeinschaft ist das Familienleben ein Ziel der Ehe.33 Die jüdische Frau soll im Folgenden in Bezug auf das Familienleben genauer betrachtet werden.

[...]


1 Vgl. Baumann, S. 54.

2 Vgl. Küng, S. 502.

3 Vgl. Baumann, S. 56.

4 Vgl. ebd., S. 57.

5 Küng, S. 504.

6 Ebd.

7 Vgl. Baumann, S. 58.

8 Ebd.

9 Küng, S. 522.

10 http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/5.mitglieder.html (Stand 11.10.2016).

11 Baumann, S. 82.

12 Vgl. Cohn-Sherbok, S. 154.

13 Nachama et al., S. 155.

14 Ebd.

15 Vgl. Baumann, S. 94.

16 Vgl. Cohn-Sherbok, S. 153.

17 Vgl. Nachama et al., S. 422.

18 Vgl. Much, http://www.trend.infopartisan.net/trd0204/t130204.html (Stand 05.10.2016).

19 Vgl. Nachama et al., S.418.

20 Vgl. Cohn-Sherbok, S. 156.

21 Ebd.

22 Vgl. Landesmann, S. 95.

23 Ebd.

24 Vgl. Landesmann, S. 95f.

25 Ebd., S. 96.

26 Vgl. Trepp, S. 224.

27 Ebd.

28 Frisham, S. 19.

29 Nachama et al., S. 309.

30 Ebd.

31 Levinson, S. 19.

32 Vgl. ebd.

33 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Frau im Judentum
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V426538
ISBN (eBook)
9783668709911
ISBN (Buch)
9783668709928
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frau, judentum
Arbeit zitieren
Verena Ommerborn (Autor), 2016, Die Frau im Judentum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426538

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