Kompetenzprofile, Leistungsvermögen und Arbeitsmarktvulnerabilität älterer Arbeitnehmer. Empirische Befunde und Zukunftsprognosen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
33 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Arbeitsmarktvulnerabilität älterer Arbeitnehmer
1.1 Definitionen
1.2 Erwerbslosigkeit und Frühruhestand
1.3 Hintergründe: Die „Koalition des Vorruhestands“
1.4 Die negativen Auswirkungen der Frühausgliederungspraxis

2. Zukunftsprognosen: Ältere Arbeitnehmer und der demographische Wandel

3. Leistungsvermögen und Kompetenzprofile älterer Arbeitnehmer
3.1 Interne Faktoren: Einbußen und Ressourcen des alternden Menschen
3.2 Externe Faktoren: Vorurteile der Umwelt und Auswirkungen auf berufliche Lern- und Leistungsfähigkeit

4. Fazit: Umdenken

Literaturverzeichnis

Vorwort

Von den problembelasteten Phasen im Lebenslauf, denen wir uns im Rahmen unseres Blockseminars „Theorie und Politik der Sozialen Sicherung“ gewidmet haben, ist das Thema „Kompetenzprofile, Leistungsvermögen und Arbeitsmarktvulnerabilität älterer Arbeitnehmer. Empirische Befunde und weitere Entwicklung im Lichte der vorliegenden Bevölkerungsprognosen“ schon in der Nähe der letzten Statuspassage angesiedelt (sofern man den Lebenslauf erwerbsarbeitszentriert betrachtet): Der Übergang in die nachberufliche Phase liegt für ältere Arbeitnehmer schon in greifbarer Nähe. Inwieweit es ihnen trotzdem noch möglich ist, die Ressourcen des Arbeitslebens zu nutzen, will ich zu Beginn meiner Arbeit analysieren: Wie die Überschrift „Arbeitsmarktvulnerabilität“ schon andeutet, ist die Situation Älterer auf dem Arbeitsmarkt von einer hohen Verletzbarkeit gegenüber einer angespannten wirtschaftlichen Situation gekennzeichnet: Langzeitarbeitslosigkeit und eine frühe Verrentung prägen häufig die Perspektiven dieser Altersgruppe - ein Abbild der Bemühungen vieler Unternehmen, mittels Frühausgliederung älterer Mitarbeiter Personal abzubauen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Wie es im Zusammenspiel mit politischen und gewerkschaftlichen Kräften sowie den betroffenen Arbeitnehmer selbst zu dieser Entwicklung kommen konnte, werde ich im Folgenden erläutern. Anschließend möchte ich die negativen Konsequenzen aufzeigen, die die Frühausgliederung Älterer für sie selbst, die Unternehmen, die sozialen Sicherungssysteme sowie die Volkswirtschaft insgesamt betrachtet mit sich bringt. Danach beschäftige ich mich mit den demographischen Veränderungen der nächsten 50 Jahre: Schrumpfung und zunehmende Alterung der Erwerbsbevölkerung sowie ein drohender Fachkräftemangel werden dafür sorgen, dass ein Fortbestehen der Frühausgliederungspraxis schier unmöglich wird. Es folgt eine Analyse der beruflichen Leistungsfähigkeit Älterer, in der ich vor allem aufzeigen möchte, dass viele Defizite, die Unternehmen pauschal ihrer älteren Belegschaft zuschreiben, wie zum Beispiel mangelnde Lernbereitschaft, hausgemachte Probleme sind. Als Abschluß meiner Arbeit werde ich Handlungsoptionen seitens der Politik sowie der Unternehmen für die Zukunft aufzeigen.

1. Arbeitsmarktvulnerabilität älterer Arbeitnehmer

1.1 Definitionen

Meinen Ausführungen möchte ich noch eine Definition älterer Arbeitnehmer voranstellen. Dies ist insofern problematisch, als dass es von Beruf zu Beruf sehr unterschiedlich ist, ab wann ein Arbeitnehmer als „alt“ betrachtet wird. So zählen beispielsweise Stewardessen schon mit 30 bis 35 Jahren zu den Älteren, während ein Professor mit 45 oder 50 Jahren noch als jung betrachtet wird. Ebenso hängt es von der urteilenden Person ab, wann ein Mitarbeiter als „alt“ gilt (Jüngere Personen zählen einen Mitarbeiter frühzeitiger zur Gruppe der Älteren) sowie auch von der konjunkturellen Lage (In wirtschaftlich guten Zeiten wird man erst ab einem viel höheren Alter als älterer Arbeitnehmer eingestuft als in wirtschaftlich schlechten Zeiten).[1] Für die Untersuchung der Arbeitsmarktbeteiligung ist eine Eingrenzung der Gruppe der älteren Arbeitnehmer aber zwingend erforderlich, da eine allzu differenzierte Analyse des Datenmaterials den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. So schließe ich mich der Definition des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit an, das Ältere als „Arbeitnehmer in den letzten 10 Jahren vor Beginn der Regelaltersrente mit 65 Jahren“[2] einstuft, also Mitarbeiter ab 55 Jahren.

Bezüglich der Arbeitsmarktdaten richte ich mich überwiegend nach den Festlegungen der International Labour Organization (ILO). Erwerbstätige sind danach alle Personen ab einem Alter von 15 Jahren, die in der Berichtswoche zumindest eine Stunde gegen Entgelt oder als Selbstständige bzw. als mithelfende Familienangehörige gearbeitet haben oder in einem Ausbildungsverhältnis standen. Dabei ist es egal, ob die Tätigkeit regelmäßig oder nur gelegentlich ausgeübt wird. Auch solche Personen gelten als Erwerbstätige, die zwar in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, aber in der Berichtswoche wegen Krankheit, Urlaub oder Erziehungsurlaub bzw. Elternzeit nicht gearbeitet haben. Als erwerbslos gelten nach ILO Personen ab 15 Jahren,

die in der Berichtswoche nicht in einem entlohnten Beschäftigungsverhältnis standen bzw. nicht selbstständig waren, aber innerhalb von zwei Wochen für eine Beschäftigung verfügbar sind und in den letzten vier Wochen aktiv nach einer Beschäftigung gesucht haben. Auch Personen, die die Arbeitsuche abgeschlossen haben, ihre Tätigkeit aber erst innerhalb der nächsten drei Monate aufnehmen, zählen als erwerbslos. Erwerbstätige und Erwerbslose bilden zusammen die Gruppe der Erwerbspersonen. Die Erwerbslosenquote ist dementsprechend der prozentuale Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen, wohingegen die Erwerbstätigenquote den Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung (im erwerbsfähigen Alter, bzw. wenn nach Altersgruppen differenziert wird, an der gleichaltrigen Bevölkerung) bezeichnet. Der Anteil der gesamten Erwerbspersonen an der Bevölkerung (s.o.) wird Erwerbsquote genannt. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter umfasst Personen von 15 bis unter 65 Jahren.[3]

Allerdings greife ich auch auf Daten der Bundesagentur für Arbeit zurück, die statt Erwerbslosigkeit den Begriff der Arbeitslosigkeit verwendet. Arbeitslos sind danach Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen, den Vermittlungsbemühungen des Arbeitsamtes zur Verfügung stehen und sich beim Arbeitsamt persönlich arbeitslos gemeldet haben.[4] Die Zahl der Erwerbslosen ist in der Regel kleiner als die Zahl der Arbeitslosen, da zum Beispiel eine Person, die weniger als 15 Stunden wöchentlich arbeitet nach dem ILO-Konzept nicht als erwerbslos gilt, nach der Definition von Beschäftigung durch die Bundesagentur für Arbeit aber arbeitslos sein kann.

1.2 Erwerbslosigkeit und Frühruhestand (Stand der Daten: 2003)

Im Ranking der Industrieländer schneidet Deutschland relativ schlecht ab, was die Erwerbsbeteiligung Älterer und insbesondere deren Erwerbstätigenquote, angeht. Während der Durchschnitt der OECD-Länder zumindest bei 50,8 Prozent liegt, sind hierzulande nur 39 Prozent der 55- bis unter 65-Jährigen beschäftigt.[5]

Auch ein Vergleich mit den übrigen Altersgruppen zeigt, dass Ältere am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert sind: Obwohl die 55- bis unter 65-Jährigen in Deutschland 19,2 Prozent der Personen im Erwerbsalter ausmachen, beträgt ihr Anteil an allen Erwerbstätigen nur 11,5 Prozent.[6] Dies ist vornehmlich auf zwei Faktoren zurück zu führen: Zum einen auf die hohe und vor allem lang andauernde Erwerbslosigkeit der 55- bis unter 60-Jährigen und zum anderen auf die Dominanz der Nichterwerbspersonen in der Altersgruppe der 60- bis unter 65-Jährigen aufgrund von Frühverrentungsregelungen. Beide Faktoren werde ich im Folgenden analysieren:

In keiner anderen Altersgruppe ist der Anteil der Erwerbslosen derartig hoch wie bei den 55- bis unter 60-Jährigen, wie Tabelle 1 dokumentiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Heidenreich u.a. (2004 b)

Wenn Ältere einmal ihre Beschäftigung verloren haben, stehen ihre Chancen relativ schlecht, wieder eine Anstellung zu finden, so dass „Erwerbslosigkeit im fortgeschrittenen Alter nahezu gleichbedeutend mit einem endgültigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben“[7] ist. Auch die Bundesagentur für Arbeit zählt fortgeschrittenes Lebensalter zu den Faktoren, die die Beschäftigungschancen von Arbeitslosen verringern[8]. Zwar ist das Zugangsrisiko der Älteren auf Grund diverser arbeitsrechtlicher Vorgaben, wie zum Beispiel besonders rigider Kündigungsschutzbestimmungen, relativ gering – von den Personen, die im Juni 2003 arbeitslos wurden, waren nur 6,2 Prozent 55 bis unter 65 Jahre alt, während 17,9 Prozent aus der Altersgruppe der 20 bis unter 25-Jährigen stammten.[9] Dafür ist ihr Verbleibsrisiko aber umso höher. Betrug die durchschnittliche Dauer der abgeschlossenen Arbeitslosigkeit bei den 55- bis unter 60-Jährigen im Jahr 2003 18,5 Monate, waren die 20 bis unter 25-Jährigen im Durchschnitt nur 4 Monate ohne eine Beschäftigung.[10]

Dementsprechend sind die 55 bis unter 65-Jährigen auch häufig bei den Langzeitarbeitslosen (Personen, die länger als 1 Jahr arbeitslos sind) anzutreffen: Sie stellen 14,2 Prozent dieser Risikogruppe, während sie an allen Arbeitslosen nur einen Anteil von 9,4 Prozent ausmachen.[11]

In der hohen und lang andauernden Arbeitslosigkeit der 55- bis 60-Jährigen spiegelt sich auch die gängige Frühausgliederungsstrategie der Unternehmen wieder: Ältere werden zunächst mit Abfindungen und/oder sozialem Druck dazu bewegt, der Aufhebung ihres Beschäftigungsverhältnisses zuzustimmen. Dabei machen sich die Betriebe zunutze, dass Mitte der achtziger Jahre die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für ältere Arbeitnehmer von 12 auf 32 Monate verlängert wurde[12], so dass „die Arbeitgeber (...) nicht selten (...) so punktgenau (kündigen), dass die lange Dauer des Arbeitslosengeldes gerade die Zeit bis zum frühestmöglichen Eintritt in die Rente überbrückt.“[13] Das wäre dann die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit, die bereits mit 60 Jahren in Anspruch genommen werden kann.

[...]


[1] Vgl. Lehr (1990), S.100 - 104

[2] Koller / Bach / Brixy (2003), S. 9. Wenn ich im weiteren Verlauf meiner Arbeit von dieser Definition gelegentlich abweiche geschieht dies, weil die von mir verwendete Literatur nicht immer dieser Definition folgt, sondern ältere Arbeitnehmer auch oft als Personen ab 50 Jahren oder manchmal sogar schon ab 40 Jahren deklariert.

[3] Vgl. Heidenreich u.a. (2004 a), S.101 - 102

[4] Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Interpretationshilfen, Arbeitslosigkeit, Arbeitslose – wesentliche Merkmale (2004)

[5] Vgl. OECD Employment Outlook (2004), S. 297 - 299

[6] Vgl. Eigene Berechnung auf Basis: Statistisches Bundesamt (2003 a), Tabelle 1.2 Bevölkerung im Mai 2003 nach Alter, Beteiligung am Erwerbsleben sowie Erwerbstätige nach Stellung im Beruf

[7] Bäcker / Naegele (1995), S.777

[8] Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Interpretationshilfen, Arbeitslosigkeit, Risikofaktoren der Arbeitslosigkeit

[9] Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2003 a), S. 7

[10] Vgl. ebd., S.11

[11] Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2003 b), S. 4

[12] Die verlängerte Bezugsdauer („57er-Regelung“) ist im Rahmen der Agenda 2010 inzwischen wieder abgeschafft worden. Aufgrund von Vertrauensschutzregelungen treten die neuen Fristen für das Arbeitslosengeld aber erst 2006 in Kraft.

[13] Tietz (2004), S. 96

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Kompetenzprofile, Leistungsvermögen und Arbeitsmarktvulnerabilität älterer Arbeitnehmer. Empirische Befunde und Zukunftsprognosen
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Sozialpolitik)
Veranstaltung
Theorie und Politik der sozialen Sicherung
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
33
Katalognummer
V42654
ISBN (eBook)
9783638406468
ISBN (Buch)
9783638706865
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Habe die Arbeit schon einmal eingesandt, doch da gab es Probleme mit der Anzeige der Grafik 1. Habe die Grafik nun noch einmal separat eingescannt und der ZIP-Datei beigefügt.
Schlagworte
Kompetenzprofile, Leistungsvermögen, Arbeitsmarktvulnerabilität, Arbeitnehmer, Empirische, Befunde, Entwicklung, Lichte, Bevölkerungsprognosen, Theorie, Politik, Sicherung
Arbeit zitieren
Diplom-Volkswirtin Friederike Krieger (Autor), 2005, Kompetenzprofile, Leistungsvermögen und Arbeitsmarktvulnerabilität älterer Arbeitnehmer. Empirische Befunde und Zukunftsprognosen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42654

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