Auf Grundlage der statistischen Erhebungen ist zu erkennen, dass sich der Anteil der männlichen Opfer häuslicher Gewalt in einer stetigen Zunahme befindet. In dieser Ausarbeitung wurden statistische Werte für Niedersachsen allgemein und den Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Osnabrück im Speziellen erhoben, Opfer- und Täterberatungsstellen in diesem Zuständigkeitsbereich sowie Unterkünfte für Männer in Niedersachsen und den Niederlanden befragt.
Das Thema „Häusliche Gewalt“ ist in der jüngeren Vergangenheit zunehmend in den Fokus polizeilichen Handelns gerückt. Dieses sowohl in repressiver als auch in präventiver Art und Weise. Neben dem polizeilichen Tätigwerden sind auch andere Institutionen aktiv, die u.a. eine Opfer- und eine Täterberatung anbieten und durchführen. Bei diesen Beratungsangeboten und in der allgemeinen polizeilichen Wahrnehmung wird von der Konstellation Täter = Mann, Opfer = Frau ausgegangen. In der Regel ist diese Konstellation auch tatsächlich so zutreffend. Meist gehen nicht betroffene Personen davon aus, dass der Mann der Frau körperlich überlegen sei, sich daher vergleichsweise problemlos zur Wehr setzen könne und somit keine Gefahr für den Mann bestünde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung „Häusliche Gewalt“
3. Statistische Zahlen
3.1 Niedersachsen
3.2 Polizeidirektion Osnabrück
3.3 Deliktsgruppenspezifische Auswertung und exemplarische Sachverhaltsbetrachtung
4. Beratungs- und Interventionsstellen (BISS) für Opfer häuslicher Gewalt
5. Täterberatungsstellen für Täter/-innen in Fällen häuslicher Gewalt
6. Unterkünfte für Männer als Opfer häuslicher Gewalt im Vergleich Deutschland – Niederlande
6.1 „Männerwohnhilfe e.V.“
6.2 Männerhaus „Opvang voor mannen“
7. Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen im Jahr 2012
8. „Du darfst kein Opfer sein“ – Wenn Männer unter häuslicher Gewalt leiden
9. „Weil Mutti so schlimm war“
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen häuslicher Gewalt gegen Männer im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Osnabrück. Ziel ist es, die Entwicklung der Fallzahlen zu analysieren, die Versorgungslage durch Hilfs- und Beratungsangebote zu beleuchten und Vergleiche zu bestehenden Unterstützungsstrukturen zu ziehen, um den dringenden Handlungsbedarf für eine geschlechtergerechte Opferhilfe aufzuzeigen.
- Analyse polizeilicher Kriminalstatistiken (PKS) zu männlichen Opfern häuslicher Gewalt.
- Evaluation von Beratungs- und Interventionsstellen (BISS) sowie Täterberatungsangeboten.
- Vergleich der Zufluchtsmöglichkeiten für männliche Opfer in Deutschland und den Niederlanden.
- Darstellung gesellschaftlicher Hürden und Stigmatisierung männlicher Gewaltopfer.
Auszug aus dem Buch
3. Statistische Zahlen
Die statistischen Zahlen, die als Grundlage dieser Arbeit Verwendung finden, ergeben sich aus den Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS-Zahlen) des jeweiligen Berichtsjahrs. Es wurden die Werte mit Hilfe des polizeilichen Auswerte- und Recherchetools „NIVADIS Auswertung 2.0“ des „Niedersächsisches Vorgangsbearbeitungs-, Analyse-, Dokumentations und Informations-System“ (NIVADIS) generiert.
Dabei werden die Anzahl der polizeilich bekannt gewordenen Fälle für die jeweiligen Zuständigkeitsbereiche insoweit gefiltert, dass sich die generierten Opferzahlen häuslicher Gewalt auf heranwachsende und erwachsene Opfer beschränken, um Fälle im Kontext Eltern/Kinder weitestgehend ausschließen zu können. Ausgewertet werden die Berichtsjahre 2014 bis 2017. Darüber hinaus werden die einzelnen Deliktsgruppen und exemplarische Sachverhalte aus dem Berichtsjahr 2017 betrachtet, um die Formen häuslicher Gewalt gegen Männer genauer beurteilen zu können.
3.1 Niedersachsen
Betrachtet man die Entwicklung der Opferzahlen häuslicher Gewalt in Niedersachsen für die Jahre 2014 bis 2017 stellt man fest, dass sich die Gesamtzahl von 13.007 Opfern in 2014 auf 14.118 Opfer in 2017 erhöht hat. Vergleicht man die Opferzahlen häuslicher Gewalt bezüglich des Geschlechts, so zeigt sich, dass sich die Opferzahlen beider Geschlechter in den Jahren 2014 bis 2017 in absoluten Zahlen erhöht haben. Die Anzahl männlicher Opfer stieg von 2.583 in 2014 auf 3.193 in 2017. Bei den weiblichen Opfern im gleichen Zeitraum von 10.424 auf 10.925. Prozentual gesehen zeigt sich hier jedoch ein höherer Anstieg der männlichen Opfer häuslicher Gewalt. So stieg der Anteil männlicher Opfer niedersachsenweit von 19,86% in 2014 auf 22,62% in 2017 um knapp 3%.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zunehmende Relevanz häuslicher Gewalt gegen Männer ein und begründet die methodische Herangehensweise der Untersuchung im Raum Osnabrück.
2. Begriffsbestimmung „Häusliche Gewalt“: Dieses Kapitel definiert häusliche Gewalt anhand offizieller Standards, unabhängig von der Beziehungsform oder dem Wohnort des Opfers.
3. Statistische Zahlen: Eine detaillierte Auswertung der Kriminalitätsdaten (2014–2017) belegt einen kontinuierlichen Anstieg männlicher Opfer im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Osnabrück.
4. Beratungs- und Interventionsstellen (BISS) für Opfer häuslicher Gewalt: Es wird die Arbeit der BISS-Stellen analysiert, wobei eine Unterrepräsentation männlicher Ratsuchender bei gleichzeitig hohem Hilfebedarf festgestellt wird.
5. Täterberatungsstellen für Täter/-innen in Fällen häuslicher Gewalt: Dieses Kapitel untersucht Beratungsangebote für Täter und zeigt erhebliche Unterschiede in der Finanzierung und proaktiven Ansprache weiblicher Täterinnen auf.
6. Unterkünfte für Männer als Opfer häuslicher Gewalt im Vergleich Deutschland – Niederlande: Der Vergleich zeigt den Mangel an Männerhäusern in Deutschland gegenüber dem strukturierten Angebot in den Niederlanden auf.
7. Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen im Jahr 2012: Anhand einer Dunkelfeldstudie wird verdeutlicht, dass das Ausmaß häuslicher Gewalt gegen Männer weit über das offizielle Hellfeld der Polizeistatistik hinausgeht.
8. „Du darfst kein Opfer sein“ – Wenn Männer unter häuslicher Gewalt leiden: Anhand eines Fallbeispiels wird die individuelle Leidensgeschichte eines Mannes und das Versagen bestehender Hilfssysteme veranschaulicht.
9. „Weil Mutti so schlimm war“: Eine mediale Betrachtung der Rolle von Frauen als Täterinnen, basierend auf psychologischen Fachmeinungen zu Gewalt in Partnerschaften.
10. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine strukturelle Gleichstellung bei der Unterstützung von Opfern beider Geschlechter.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Männliche Opfer, Polizeidirektion Osnabrück, Kriminalstatistik, BISS, Täterberatung, Männerhaus, Dunkelfeldstudie, Opferhilfe, Prävention, Partnerschaftsgewalt, Stigmatisierung, Gewaltschutzgesetz, Geschlechterrollen, Psychosoziale Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen häuslicher Gewalt gegen Männer im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück, wobei sowohl statistische Daten als auch die Versorgungslage durch Beratungsstellen im Fokus stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die polizeiliche Kriminalitätsstatistik, die Analyse von Beratungs- und Interventionsstellen, Vergleiche von Unterkunftsangeboten für Männer und die Beleuchtung gesellschaftlicher Stigmatisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den tatsächlichen Umfang häuslicher Gewalt gegen Männer aufzuzeigen, bestehende Lücken in den Hilfsangeboten zu identifizieren und die Notwendigkeit einer geschlechtergerechten Unterstützung zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive Auswertung polizeilicher Daten (NIVADIS-Tool) sowie eine qualitative Analyse durch Fragenkataloge an verschiedene Opfer- und Täterberatungsstellen im Zuständigkeitsbereich.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Statistiken zu Opfern und Tätern, die Arbeit der BISS-Stellen, Vergleiche der Unterbringungsmöglichkeiten mit dem Ausland sowie Dunkelfeldstudien und Fallbeispiele ausführlich diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind häusliche Gewalt, männliche Opfer, Opferhilfe, Täterarbeit, Prävention, Dunkelfeld, Männerhaus und geschlechtsspezifische Rollenbilder.
Wie unterscheidet sich die Beratungssituation für Männer im Vergleich zu Frauen?
Die Arbeit zeigt, dass Männer aufgrund gesellschaftlicher Scham und fehlender spezialisierter Angebote (wie etwa Männerhäuser in der Region) signifikant seltener Hilfe in Anspruch nehmen als Frauen.
Welche Rolle spielen die Niederlande in der Analyse?
Die Niederlande dienen als Vergleichsmodell, da dort bereits spezialisierte Männerhäuser existieren und staatlich finanziert werden, was einen strukturellen Vorsprung gegenüber Niedersachsen darstellt.
- Citation du texte
- Nils Pilgrim (Auteur), 2018, Männer als Opfer häuslicher Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426713