Partizipation in Kindertageseinrichtungen. Chancen und Risiken


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung
I Grundlagen der Partizipation von Kindern
1 Definition Partizipation
2 Gesetzliche Verankerung
3 Das Bild vom Kind
II Umsetzungsideen
III Chancen und Herausforderungen

B Fazit

Literaturverzeichnis
Bücher
Internetquellen

A Einleitung

Vom Morgenkreis über das Wickeln, die Mahlzeiten, den Mittagsschlaf bis hin zur Abholsituation, in Kindertageseinrichtungen lernen Kinder, zum ersten Mal außerhalb ihrem Sozialisationsort Familie, wie eine Gemeinschaft organisiert ist, wie Entscheidungen getroffen werden und wie ein respektvolles Miteinander aussehen kann. Gemäß § 1 SGB VIII sollen Kinder sich zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten entwickeln (vgl. NomosGesetze 2017, S. 1796) und da dies ohne fremde Hilfe nicht erfolgen kann, muss ein Großteil dessen bereits in Kindertageseinrichtungen erfolgen. Ziel soll es folglich sein, dass Kinder lernen ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche wahrzunehmen und diese vor anderen Menschen zu äußern und zu vertreten. Dies kann nur erreicht werden, wenn Kindern die Möglichkeit eingeräumt wird, an Entscheidungen, die ihren Alltag betreffen mit zu wirken. Im Umkehrschluss heißt dies für Fachkräfte, dass sie die bestehenden Machtverhältnisse zwischen ihnen und den Kindern verändern müssen, damit ein Kontakt auf Augenhöhe entstehen kann. Praktisch kann dies allerdings nur erreicht werden, wenn ausreichend Partizipationsmöglichkeiten bestehen (vgl. Hansen, Knauer, Sturzenhecker 2011, S.17 ff). Was Partizipation letztlich bedeutet, welche Stufen und gesetzlichen Verankerungen bestehen und welche Umsetzungsideen für Partizipation in Kindertageseinrichtungen bereits in der Literatur zu finden sind, soll im Zuge der vorliegenden Hausarbeit reflektiert werden. Die Arbeit kann in zwei Teile gegliedert werde. Der erste, theoretische Teil, beschäftige sich zum einen mit Fachliteratur zum Thema Partizipation und zum anderen mit dem Bild vom Kind nach Maria Montessori. Nach kurzer Annährung an das Thema, werden im zweiten Teil mögliche Umsetzungsideen, Herausforderungen und Chancen aufgeführt, die durch Partizipation in Kindertageseinrichtungen entstehen. Die Arbeit schließt mit einem persönlichen Fazit ab.

I Grundlagen der Partizipation von Kindern

1 Definition Partizipation

Der Begriff Partizipation stammt dem Lateinischen Wortstamm „particpare“ ab und wird mit Teilhabe, Beteiligung und Mitbestimmung übersetzt (vgl. Duden online). In erster Linie geht es bei Partizipation darum, dass in einer Gruppe zwischen den Beteiligten ein ausgeglichenes Machtverhältnis besteht und dadurch die Belange der Gruppe gemeinsam besprochen und Entscheidungen diesbezüglich getroffen werden können. Jedes Individuum soll die Möglichkeit haben über Alternativen, die seine Lebenswelt betreffen eigenständige Entscheidungen ohne Beeinflussung von außen zu treffen (vgl. Schröder 1995, S. 14). Macht gibt es generell dort, wo Menschen aufeinandertreffen und gemeinsam agieren. Folglich treffen alle Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen auf Macht. Nach Max Weber bedeutet Macht, seinen eigenen Willen im Rahmen einer sozialen Beziehung auch gegen Wiederstreben durchzusetzen (vgl. Weber 1972, S. 28ff). Die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern erfolgt in zwei unterschiedlichen Arten von Begegnungen. Solange Erwachsene und Kinder Entscheidungen gemeinsam festlegen, kann von einer Begegnung auf Augenhöhe gesprochen werden. Es handelt sich somit um ein ausgewogenes Machtverhältnis. Allerdings müssen Eltern sowie Fachkräfte, in einigen Situationen zum Wohl des Kindes Entscheidungen, ohne deren Mitsprache treffen, wodurch eine Machtungleichheit entsteht, welches durch den Erfahrungsschatz und das Wissen der Erwachsenen noch verstärkt wird. Dieser Ungleichheit zwischen Erwachsenen und Kindern bedarf es einer Gegensteuerung seitens Eltern und Fachkräften (vgl. Debation 2016, S. 23ff; Maywald 2016, S. 21). Unterschiedliche Machtverhältnisse lassen sich auch in Kindertageseinrichtungen finden. Diese werden dort in vier Ausübungsbereiche gliedert. Im Bereich der Handlungs- und Gestaltungsmacht übernehmen die Pädagogen und Pädagoginnen die Gestaltung der Umwelt, sie entscheiden zum Beispiel über die Aufmachung der Räumlichkeiten. Die Zuteilung von Ressourcen, wie zum Beispiel von Stiften oder Blättern fällt unter die Verfügungsmacht. Weiterhin haben Fachkräfte die Macht, die Meinungen der Kinder zu beeinflussen. In diesem Fall wird von einer Definitions- und Deutungsmacht gesprochen. Der vierte Ausübungsbereich ist die Mobilisierungsmacht, in der die Kinder von Meinungen anderer überzeugt werden sollen (Hansen, Knauer, Sturzenhecker 2011, S. 28ff.). Hierdurch wird deutlich, dass Machtanwendungen von Fachkräften hinsichtlich Kindern ganz unterschiedlich ausgeübt werden können und dass Partizipation folglich in vielen Bereichen Anwendung finden muss. Die Freiheit, beziehungsweise Selbstbestimmung, Problemlösungen gegeneinander abzuwägen und Entscheidungen selbstständig zu treffen, wirkt sich positiv auf die Entwicklung eines Kindes aus, sowie auf die des Staates. Denn die Demokratie eines Landes, lebt von den Menschen die bereit sind für ihre Rechte einzustehen und zu kämpfen. Der Grundstein für diese Bereitschaft kann bereits in Kindertageseinrichtungen gelegt werden. (vgl. Maywald 2016, S. 16ff).

Die Mitwirkung von Kindern an der Gestaltung ihrer Lebenswelt ist kein eindimensionales Konstrukt, sondern findet vielmehr in vielfältigen Formen statt. Zudem kann in vielen Fällen nicht einfach nur von Partizipation oder NichtPartizipation gesprochen werden, sondern vielmehr muss eine Abstufung stattfinden. Roger Hart entwickelte 1997 im Zuge dessen eine Partizipationsleiter, in welcher er solche Abstufungen vorgenommen hat (vgl. Hart, Roger1997, 40ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Hart, Roger 1997

Die ersten drei Stufen der Leiter stellen für Hart keine Partizipation da, sondern vielmehr spricht er von Instrumentalisierung. Im Gegensatz dazu stellt die achte Stufe die volle Beteiligung dar. Zwischen den ebengenannten Stufen liegen weitere unterschiedliche Formen der Beteiligung, welche sich, laut Hart, je nach Situation als besonders zweckmäßig für Kinder und Jugendliche erweisen können. Die perfekte Form gibt es dennoch nicht, je nach Einrichtung oder Institution ist eine andere Beteiligungsform von Nöten (Hart, Roger 1997, S. 40ff).

2 Gesetzliche Verankerung

Die gesetzliche Lage und die Rechtsansprüche von Kindern und Jugendlichen haben sich in den letzten Jahren sehr zum Positiven entwickelt. Die polnische Regierung regte im Jahr 1979 die Vereinten Nationen dazu an, aus der Genfer Erklärung eine internationale Konvention für Kinder zu entwickeln. Diese trat am 5. April 1992, drei Jahre nach dem die Vereinten Nationen die Konvention beschlossen hatten, auch in Deutschland mit einer Vorbehaltserklärung in Kraft (vgl. Lauenstein 1999, S. 17ff.). Knapp 18 Jahre später wurde die Vorbehaltserklärung im Jahr 2010 von der deutschen Regierung verabschiedet. Seitdem gilt die Konvention in Deutschland, wie in bereits 193 anderen Staaten, uneingeschränkt für jedes Kind. Dieses globale Menschenrechtsübereinkommen für Kinder beinhaltet in 54 Artikeln Regelungen zu ökonomischen, kulturellen, zivilen, politischen und sozialen Rechten. Artikel 12 Absatz 1 der UN-Kinderrechtskonvention, gilt als wichtigster Artikel zur Beteiligung. Er verpflichtet die Vertragsstaaten, dem Kind ein Recht auf freie Meinungsäußerung zuzusichern (vgl. Lauenstein 1999, S. 17ff.; Maywald 2016, S. 18ff.). Der Nationale Aktionsplan, kurz NAP, entstand nach dem Kinderweltgipfel im Jahr 2002 und wurde 2005 im Bundeskabinett verabschiedet. Er galt bis 2010 als Leitfanden für bessere Bedingungen aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Dieser enthielt zwar keine konkreten gesetzlichen Verankerungen, wurde aber mit Anlehnung an die UN- Kinderrechtskonvention verfasst, um diese in Deutschland umzusetzen (vgl. Nationaler Aktionsplan, S. 6ff.). Neben der UN-Kinderrechtskonvention existieren noch weitere Bestimmungen auf nationaler Ebene, in denen Beteiligungsrechte für Kinder verankert sind. Im Achten Sozial Gesetzbuch, dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, welches 1991 in Kraft trat, findet sich eine explizierte Grundlage für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in § 8 Absatz 1 (vgl. Debatin 2016, S. 11). Dieser besagt, „ Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der ö ffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen “ (NomosGesetze 2017, S. 1798). Ebenfalls im Achten Sozialgesetzbuch in § 45 SGB VIII sind Regelungen zu Partizipations- und Beschwerdemöglichkeiten in Kindertageseinrichtungen verankert (vgl. Hansen/Knauer 2016, S. 47f.). Jener muss bei Eröffnung einer Kindertageseinrichtung Beachtung finden, anders würde die Einrichtung keine Betriebserlaubnis erhalten (vgl. Debatin 2016, S. 11). Weiterhin finden sich Beteiligungsrechte in den Gemeindeordnungen einzelner Bundesländer (vgl. Maywald, 2016 S. 21.) und im Bundeskinderschutzgesetz, welches 2012 in Kraft trat und Lücken im Kinderschutz schließen sollte (vgl. BmfFSFM, Bundeskinderschutzgesetz).

3 Das Bild vom Kind

Maria Montessori, geboren 1870 in Chiaravelle bei Ancona entwickelte zunächst alleine und später gemeinsam mit ihrem Sohn Mario Montessori eine weltweit anerkannte Pädagogik (vgl. Standing 2009, S. 9ff.). Sie vertrat die Ansicht, dass jedes Kind ein einmaliges Individuum ist, welches sich nach einem eigenen inneren Bauplan entwickelt und bereits ab Geburt als kompetent betrachtet werden kann (vgl. Holtstiege 2009, S. 12ff). Die Entwicklung des Kindes gliedert Maria Montessori in drei unterschiedliche Phasen, wobei sie sich an den Phasen von Jean Piaget orientiert. In diesen Phasen, welche auf einander aufbauen und nur in eine Richtung verlaufen, sind die Kinder in der Lage sich wesentliche und interessante Dinge aus ihrer Umwelt auf ihre ganz spezielle Weise anzueignen (vgl. Holtstiege 1994, S. 74). Das Kind kann sich aber nur die Dinge zu eigen machen, die in seiner Umgebung vorherrschen oder ihm angeboten werden. Innerhalb dieses Handlungsspielraumes entscheidet das Kind aber selber, welche Einflüsse es wahrnimmt und sich zu eigen macht. Eltern und Fachkräfte sollten dabei eine Beeinflussung und Einmischung auf das Minimalste reduzieren. Angesichts dieser Aussage, ist davon auszugehen, dass das Kind bereits von Anfang an über die nötigen Kompetenzen für Partizipationsprozesse verfügt (vgl. Selden 2007, S. 14ff; Steenberg 1997 S. 18ff).

II Umsetzungsideen

Die Partizipation von Kindern braucht eine Gesprächskultur, die ein Dialog in Augenhöhe zwischen Kindern und Fachkräften ermöglicht (vgl. Rehmann 2016; S. 142). Der Dialog soll sowohl unter den Kindern, als auch zwischen Kindern und Fachkräften durch die Gesprächskultur gefördert werden. Dementsprechend ist die Aufgabe der Fachkräfte, dass die Kinder die Möglichkeit bekommen, sprachliche und soziale Kompetenzen zu erlernen, um ihre Interessen und Wünsche in der Gruppe zu äußern und sich an Entscheidungen zu beteiligen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Partizipation in Kindertageseinrichtungen. Chancen und Risiken
Hochschule
Hochschule RheinMain
Veranstaltung
Inklusion und Partizipation
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V426802
ISBN (eBook)
9783668710405
ISBN (Buch)
9783668710412
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindertageseinrichtungen, Partizipation, Mitsprache, Ideen, Chancen, Herausforderungen
Arbeit zitieren
Angelique Wegener (Autor:in), 2017, Partizipation in Kindertageseinrichtungen. Chancen und Risiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426802

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