Die zunehmende Herausforderung der immer geringer werdenden christlichen und speziell katholischen Schülerinnen und Schülern, lässt die Frage nach einem gemeinsamen Religionsunterricht aller Konfessionen lauter werden. Allerdings wird man damit vor Probleme gestellt, die die unterschiedlichen Theologien angehen. Am Beispiel der Ekklesiologie wird auf eine Möglichkeit geschaut, wie dies für einen konfessionell-kooperativen Religionsunterricht gelingen kann.
Die Ekklesiologie ist eines der übergeordneten Themenbereiche im Religionsunterricht beider Konfessionen, welches besonders große Unterschiede darstellt, die so tiefgreifend sind, dass die DBK sie als erstes Hindernis eines gemeinsamen Religionsunterrichts aufführt. Daher wird in dieser Arbeit anhand dieses Beispiels versucht darzulegen, wie ein gemeinsamer Religionsunterricht funktionieren kann und welche Vor- und Nachteile er bietet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ekklesiologische Vorbemerkungen
2.1 Ekklesiologie und Kirchenverständnis des zweiten Vatikanischen Konzils
2.2 Exkurs: Maria ist die Kirche
2.3 Differenzen zwischen Katholischer und Evangelischer Ekklesiologie
3 Religionsunterricht in Deutschland
3.1 Allgemeiner Überblick
3.2 Ziele des Religionsunterrichts
3.3 Ekklesiologie im Religionsunterricht
3.4 Katholisch
3.5 Evangelisch
3.6 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
3.7 Konfessionell gemischt, als konfessionell-kooperativ
3.7.1 Allgemeine Vor- und Nachteile konfessioneller Kooperation
3.8 Umgang mit Unterschieden – Ein Blick auf das „Hamburger Modell“
3.9 Probleme und Chancen eines konfessionell-kooperativen Religionsunterricht
3.9.1 Beispiel: Ekklesiologie
4 Zusammenfassung und Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Chancen eines konfessionell kooperativen Religionsunterrichts vor dem Hintergrund der konfessionellen Differenzen in der Ekklesiologie. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie ein gemeinsamer Religionsunterricht gestaltet werden kann, ohne das eigene konfessionelle Profil zu verwässern, und welche methodischen Ansätze hierbei für die Vermittlung ekklesiologischer Inhalte geeignet sind.
- Grundlagen der katholischen Ekklesiologie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil
- Konfessionelle Differenzen zwischen katholischem und evangelischem Kirchenverständnis
- Struktur und Zielsetzungen des Religionsunterrichts in Deutschland
- Chancen und Probleme des konfessionell kooperativen Religionsunterrichts
- Didaktische Konzepte und Modelle für den kooperativen Religionsunterricht
Auszug aus dem Buch
2.1 Ekklesiologie und Kirchenverständnis des zweiten Vatikanischen Konzils
In diesem Kapitel werden in gebotener Kürze Aspekte der Ekklesiologie des zweiten Vatikanischen Konzils dargestellt. Dies geschieht lediglich in Auszügen, anhand derer sich im Besonderen Differenzen zum Evangelischen Kirchenverständnis aufzeigen lassen. Auch legen die genannten Punkte keine Vollständigkeit oder große theologische Ausdifferenzierung dar, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Das zweite Vatikanische Konzil hat „zum ersten Mal in der Kirchengeschichte […] die Kirche selbst in den Mittelpunkt konziliarer Arbeit gestellt“4. Die Kirche – und damit auch die Ekklesiologie – wurde besonders in der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium in den Blick genommen. Durch jenes Dokument bestimmt das Konzil insbesondere die Kirche an sich, ihr Wesen, sowie ihre Sendung neu.5 Genauer unterschieden behandelt Lumen Gentium das Geheimnis und die Struktur der Kirche, die Bestimmung und das eschatologische Ziel der Kirche, sowie die Gemeinschaft der Heiligen und in einem besonderen Kapitel „Über die heilige Jungfrau“ Maria.6
Das Konzil versteht die Kirche in erster Linie als „Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (LG 1). Sie wird als „Mysterium“ angesehen, welche das bereits angebrochene Reich Gottes repräsentiert (Vgl. LG 3). Nach der dogmatischen Konstitution des zweiten Vatikanischen Konzils ist die Kirche von Jesus Christus gegründet und Wirkungsstätte des Heiligen Geistes:
Als das Werk vollendet war, das der Vater dem Sohn auf Erden zu tun aufgetragen hatte (vgl. Joh 17,4), wurde am Pfingsttag der Heilige Geist gesandt, auf daß [sic!] er die Kirche immerfort heilige und die Gläubigen so durch Christus in einem Geiste Zugang hätten zum Vater (vgl. Eph 2,18). Er ist der Geist des Lebens, die Quelle des Wassers, das zu ewigem Leben aufsprudelt (vgl. Joh 4,14; 7,38-39); durch ihn macht der Vater die in der Sünde erstorbenen Menschen lebendig, um endlich ihre sterblichen Leiber in Christus aufzuerwecken (vgl. Röm 8,10-11).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Rückgang konfessioneller Lerngruppen und die daraus resultierende Notwendigkeit, einen konfessionell kooperativen Religionsunterricht kritisch zu hinterfragen.
2 Ekklesiologische Vorbemerkungen: Dieses Kapitel erläutert das katholische Kirchenverständnis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und stellt die zentralen ekklesiologischen Unterschiede zum evangelischen Verständnis dar.
3 Religionsunterricht in Deutschland: Es wird ein Überblick über die Rahmenbedingungen und Ziele des Religionsunterrichts gegeben, gefolgt von einer Analyse, wie Ekklesiologie in den beiden Konfessionen vermittelt wird und welche Chancen der kooperative Ansatz bietet.
4 Zusammenfassung und Abschluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass trotz unüberwindbarer Differenzen ein konstruktiver Austausch durch Kooperation möglich ist, sofern die Lehrkräfte gezielt auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede vorbereitet werden.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Ekklesiologie, konfessionell kooperativ, Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium, Kirchenverständnis, Ökumene, Differenzlernen, Urteilskompetenz, evangelisch, katholisch, Religionsdidaktik, Christentum, Konfessionslosigkeit, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Herausforderungen eines konfessionell kooperativen Religionsunterrichts unter besonderer Berücksichtigung ekklesiologischer Unterschiede zwischen katholischer und evangelischer Lehre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Ausarbeitung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem kirchlichen Selbstverständnis (Ekklesiologie), den didaktischen Zielen des Religionsunterrichts in Deutschland sowie den rechtlichen und praktischen Voraussetzungen einer konfessionellen Kooperation.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein kooperativer Unterricht ekklesiologische Inhalte vermitteln kann, ohne dabei die spezifischen konfessionellen Grundlagen zu verwässern, und welchen Beitrag dies zur Urteilskompetenz der Lernenden leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theologischen und religionspädagogischen Literaturanalyse, in die offizielle Konzilsdokumente, kirchliche Richtlinien, aktuelle Lehrpläne und fachwissenschaftliche Diskussionen einfließen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine dogmatische Gegenüberstellung der Kirchenverständnisse, einen Überblick über die aktuelle Schulpraxis in Deutschland sowie die Diskussion didaktischer Modelle für den konfessionell kooperativen Religionsunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören Religionsunterricht, Ekklesiologie, konfessionelle Kooperation, Ökumene, kirchliches Selbstverständnis und Urteilskompetenz.
Warum ist das Verständnis von Maria für diese Untersuchung von besonderer Bedeutung?
Das Verständnis von Maria als „Urbild der Kirche“ stellt eine erhebliche Diskrepanz zur evangelischen Ekklesiologie dar, was die ökumenische Verhältnisbestimmung der Kirche im Unterrichtsalltag verkompliziert.
Welche Rolle spielt das „Hamburger Modell“ in der Analyse des Autors?
Das Hamburger Modell dient als Fallbeispiel für einen dialogischen Religionsunterricht, wobei der Autor kritisch anmerkt, dass durch die Integration verschiedener Religionen wichtige spezifisch christliche Themengebiete im Bildungsplan verloren gehen könnten.
Welche spezifische Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Lehrerausbildung?
Der Autor schlussfolgert, dass ein erfolgreicher kooperativer Religionsunterricht eine spezifische gemeinsame Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte erfordert, um einen konstruktiven Umgang mit den inhaltlichen Differenzen sicherzustellen.
- Citar trabajo
- Maximilian Piechowiak (Autor), 2018, Probleme und Chancen eines konfessionell kooperativen Religionsunterrichts. Das Beispiel Ekklesiologie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426969