Dramaturgie und Filmästhetik der Krimiserie "Bosch"


Essay, 2017
10 Seiten, Note: unbenotet

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dramaturgische Analyse
2.1. Charakterzeichnung
2.2. Ziele und Konflikte
2.3. Struktureller Aufbau

3. Filmästhetische Analyse

4. Resümee

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Bosch“ ist eine US-amerikanische Krimiserie von Amazon und Fabrik Entertainment aus dem Jahr 2014. Die erste Staffel basiert auf dem Harry-Bosch-Roman von Michael Connelly „City of Bones“ aus dem Jahr 2002. Neben Connelly als Produzenten der Serie, zeichnet sich Eric Overmyer als Executive Producer verantwortlich, der auch schon „Treme“, „The Affaii“ und „Boardwalk Empire“ mitgestaltete.

Zunächst wurde im Februar 2014 eine Pilotfolge auf Amazon Instant Video veröffentlicht. Für die Entscheidung zur weiterführenden Produktion ließ Amazon seine Zuschauer die Serie bewerten. Nach dem überwiegend positiven Feedback wurden neun weitere Folgen der zehnteiligen ersten Staffel ein Jahr später veröffentlicht. In Deutschland ist die Serie seit dem 26. Juni 2015 auf Amazon Instant Video als Stream verfügbar.[1]

„Bosch“ bietet einen interessanten dramaturgischen Aufbau und eine sehr ansprechende Bildästhetik, die im Folgenden analysiert werden. Abschließend werden meine persönlichen Eindrücke und Kritik geschildert.

2. Dramaturgische Analyse

„Bosch“ erfüllt mit seiner Narrationsstruktur und der Komplexität der Geschichte die Klassifikation der sogenannten Qualitätsserien. Diese zeichnen sich vor besonders durch ein hohes „Production-Value“, multiple Handlungsstränge und eine differenzierte Darstellung von gut und böse aus. Connely’s Erzählung schwankt dabei ausgesprochen ausgewogen zwischen einer dramatischen und epischen Struktur und schafft so einen Mix aus Spannung und Glaubwürdigkeit.

Hervorzuheben ist auch die kreative Kontextuierung von intertextuellen Verknüpfungen, wie die Fabelgestalt Reineke Fuchs oder die Deutung der Eule durch Hieronymus Bosch.

Weiterhin ist die Serie eine fiktive Geschichte, welche den Arbeitsalltag von Mordermittlern realistisch abbildet. Während es in den konventionellen Krimi-Drehbüchern gängig ist, dass sich der Zuschauer auf einen Mordfall konzentrieren soll, überschneiden sich in „Bosch“ die Ereignisse verschiedener Fälle. Daher wird der Zuschauer stets aufgefordert, die multiplen Handlungsstränge parallel nachzuvollziehen.

Zweifelsohne sind einige Methoden die Bosch anwendet um die Fälle zu lösen strittig. Oft stehen dahinter zwar moralisch vertretbare Entscheidungen, jedoch stehen diese nicht selten im Konflikt mit dem Gesetz. Die Serie versucht hier tief in die Entscheidungsprozesse der Ermittler einzugehen und stellt neben Erfolgen auch Fehlentscheidungen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen dar. Der abgebildete Realismus wirkt daher sehr authentisch und lässt somit auch ein erhöhtes Maß an Menschlichkeit zu.

Neben dem Berufsalltag werden auch private Lebenssituationen der verschiedenen Charaktere behandelt. Diese zusätzliche Ebene vertieft einerseits die Charakterzeichnung und dient andererseits zur Emotionalisierung. Somit nehmen die familiären Nebengeschichten eine argumentierende Rolle ein, da sie oftmals die verschiedenen Verhaltensmuster der Detectives erklärbar machen. Auch die andauernde Belastungen durch die Diskrepanz von Familienleben und Polizeiarbeit werden kontinuierlich thematisiert. Die Macher erzeugen mit dem Einsatz des Familienlebens einen schmalen Grad zwischen Empathie und Ablehnung, welcher zwischen den einzelnen Situationen differiert.[2]

2.1. Charakterzeichnung

Protagonist:

Harry Bosch ist Mitte fünfzig. Er ist geschieden und hat eine 17-jährige Tochter. Bosch arbeitet als Detective im Morddezernat Hollywood/Los Angeles. Er hört vornehmlich Bebop-Jazz auf altem Vinyl und lebt in einem futuristischen Bungalow auf Stelzen abseits der Innenstadt in den Hollywood-Hills. Sein anspruchsvoller Einrichtungsstil steht im Kontrast zu seinem Äußerlichen. Demnach trägt er Anzüge von der Stange und hat sichtbare Tätowierungen an beiden Unterarmen. Diese weisen auf eine bewegte Vergangenheit hin, die er als Heimkind und später als Soldat in Afghanistan erlebte. Bosch löst seine Probleme oftmals unkonventionell und mit fragwürdigen Mitteln. Dennoch ist er ein kollegialer Ermittler, der für seine Arbeit lebt und alles dafür tut, den Mörder zu fassen. Er steht für einen Cop der alten Schule und fühlt sich gelegentlich in der modernen Polizeiarbeit mit technologischen Mitteln deplatziert. Mit dem LAPD führt er eine Art Hassliebe, was oftmals zu Konflikten mit seinen Vorgesetzten führt.[3]

Antagonist:

Raynard Waits ist Anfang vierzig. Er ist ein Serienmörder und Psychopath. Waits wirkt ausgelaugt und sein Auftreten in der Öffentlichkeit ist eher zurückhaltend. Kultiviert wurde er durch seine französischstämmige Mutter, die mit der Erziehung ihres Sohnes überfordert war und ihn in ein Heim gab. Es handelt sich um das selbe Heim in dem Bosch nach dem Tod seiner Mutter eingewiesen wurde. Dies ist die spezifische Gemeinsamkeit von Protagonist und Antagonist. Waits findet seine Befriedigung durch die nächtliche Entführung und Ermordung von männlichen und weiblichen Prostituierten vom Straßenstrich. Ferner entwickelte Waits im Laufe seines Lebens abgründige Neigungen, bei denen Vergewaltigungen, Folter und Tötung im Zentrum stehen.[4]

Verbündeter:

Die Macher der Serie schaffen mit der Figur Jerry Edgar den kontrastierten Harry Bosch als Ermittlungspartner. Demnach verwirklichen sie konsequent, von Äußerlichkeiten (afroamerikanisch, Ende zwanzig, offen für neue Technologien, stilbewusstes Auftreten mit Maßanzügen, bezieht eine kleine Stadtwohnung die schlicht eingerichtet ist) über familiäre Relationen (pflegt ein sehr gutes Verhältnis zu seiner getrennt lebenden Frau und hat eine inniges Beziehung mit seinen beiden Kindern) bis hin zur moralischen Haltung (berechenbar, handelt vorschriftsmäßig), einen Partner als Gegenentwurf zum Protagonisten. Infolgedessen führt dies zwangsläufig zu kleineren Konflikten in der Ermittlungsarbeit, welche den Spannungsbogen ausdehnen. Einen Bruch in der Sympathiebindung erleidet die Hauptperson dadurch nicht. Vielmehr erzeugt diese Konstellation eine kritischere Bewertung der gefällten Entscheidungen.[5]

2.2. Ziele und Konflikte

Ziele:

In den Hollywood-Hills werden menschliche Knochen im Wald gefunden. Bosch und sein Partner Jerry Edgar sollen den Fall lösen.

Weiterhin taucht ein Serienmörder auf, der auf spektakuläre Weise aus der Untersuchungshaft ausbricht. Bosch soll ihn fassen.[6]

Innere Konflikte:

Bosch muss sich während den Ermittlungen vor einem Gerichtsverfahren verantworten, da er wegen widerrechtlicher Tötung bei der Ausübung seiner polizeilichen Tätigkeit von der Familie des Opfers verklagt wurde. Er wird für die Dauer des Verfahrens beurlaubt, arbeitet aber inoffiziell weiter. Dennoch belasten ihn diese Umstände psychisch, was ihm den Fokus auf seinen Knochenfundfall und die Jagd auf Waits erschwert.

Weiterhin besitzt Bosch eine dramatische Vergangenheit, die sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Bosch’s Mutter arbeitete als Prostituierte und wurde von einem Freier getötet. Der Mörder wurde nie gefasst. Bosch versucht seit Jahren den Fall in seiner Freizeit zu lösen.[7]

Persönlicher Konflikt:

Bosch hat ein zerrüttetes Verhältnis zu seiner Tochter Meddie. Diese lebt bei seiner Ex­Frau Elenore und ihrem neuen Ehemann in Las Vegas. Er tut sich sichtlich schwer ein gutes Vater-Tochter-Verhältnis aufzubauen und wirkt trotz seines dominanten Auftretens als Detective, in dieser Beziehung verunsichert.[8]

Außerpersönliche Konflikte:

Der zu lösende Knochenfundfall legt viele Fragen offen. Es gibt wenig Anhaltspunkte die zum Mörder führen könnten. Die Obduktion ergibt, dass der Mord vor 25 Jahren geschehen sein muss und es sich um einen männlichen Jungen handelt.

Durch Zufall wird der Antagonist, kurz nach einem Mord, beim Abtransport der Leiche ertappt. Er wird zwar festgenommen, doch ihm gelingt eine spektakuläre Flucht aus der Untersuchungshaft. Waits entwickelt eine psychische Bindung zu Bosch weil er in ihm einen Gleichgesinnten sieht und dessen unentwegte Aufmerksamkeit sucht.[9]

2.3. Struktureller Aufbau

Rezeption:

Der Rezipient verfolgt in Unwissenheit den Hauptakteur bei der Lösung seiner Fälle. Dabei treten nach und nach immer mehr Sackgassen und Überraschungsmomente auf, die Bosch in den Ermittlungen zurückwerfen. Durch die Gleichstellung des Wissenstands erzeugt das Narrativ eine Verbindung zwischen Zuschauer und Protagonist.

Abseits der Hauptrezeption der Unwissenheit, nutzt die Erzählung nach und nach dramatische Ironie bei der Charakterprogression des Antagonisten. Hierbei besitzt der Zuschauer einen Handlungsvorsprung, der sich im Laufe des Konfrontationsaktes weiter aufbaut und die Unwissenheit bis zum Höhepunkt nahezu ablöst.[10]

Vorgeschichten:

Die Vorgeschichte des Knochenfundfalls wird anhand der Ermittlungen erzählt. Bosch findet Hinweise, vernimmt Zeugen und Personen aus der Vergangenheit des toten Jungen. Somit erarbeitet sich die Historie zum Mord chronologisch.

[...]


[1] Wikipedia (11. November 2017): https://de.wikipedia.org/wiki/Bosch (Fernsehserie)

[2] Schlütz, Daniela (2015): Quality-TV als Unterhaltungsphänomen. Springer Verlag

[3] v. Cossart, Edgar (2017): Story tells, Story sells. Lesedrehbuch

[4] v. Cossart, Edgar (2017): Story tells, Story sells. Lesedrehbuch

[5] v. Cossart, Edgar (2017): Story tells, Story sells. Lesedrehbuch

[6] v. Cossart, Edgar (2017): Story tells, Story sells. Lesedrehbuch

[7] v. Cossart, Edgar (2017): Story tells, Story sells. Lesedrehbuch

[8] v. Cossart, Edgar (2017): Story tells, Story sells. Lesedrehbuch

[9] v. Cossart, Edgar (2017): Story tells, Story sells. Lesedrehbuch

[10] Schlütz, Daniela (2015): Quality-TV als Unterhaltungsphänomen. Springer Verlag

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Dramaturgie und Filmästhetik der Krimiserie "Bosch"
Hochschule
Middlesex University in London  (SAE Institute Frankfurt am Main)
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V427040
ISBN (eBook)
9783668713338
ISBN (Buch)
9783668713345
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dramaturgie, filmästhetik, krimiserie, bosch
Arbeit zitieren
Maurice Kissner (Autor), 2017, Dramaturgie und Filmästhetik der Krimiserie "Bosch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427040

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