In der folgenden Arbeit werde ich versuchen, die wesentlichen Merkmale der Glocksee-Pädagogik und ihrer praktischen Umsetzung zu beschreiben. Mir geht es hierbei in erster Linie darum, eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten und Aussagen zu erfassen, da eine ausschöpfende Bearbeitung des Themas wohl den Rahmen einer Seminar-Hausarbeit sprengen würde. Es geht also vielmehr darum, eine allgemeine Einführung in das Thema Glocksee-Schule zu finden, welche die Entstehungsphase, die Kernprinzipien und die praktische Umsetzung beschreiben soll. Das Interesse am Thema Glocksee-Schule hat zwei Beweggründe: Zum einen interessiert mich als ehemaliger Schüler das theoretische Konzept dieser Schule einmal aus wissenschaftlicher Perspektive zu betrachten. Zum anderen ist das Thema Glocksee-Schule aber auch gerade wegen der andauernden PISA Diskussion von besonderer Bedeutung, wie ich finde. Denn gerade im Bezug auf mögliche Lösungskonzepte zur PISA Problematik könnte der Blick in Richtung alternative Pädagogik wieder eine wichtige Bedeutung gewinnen.
Was in der vorliegenden Arbeit deutlich werden wird ist, dass die Glocksee-Schule in der Auseinandersetzung mit ihren Kritikern ihr radikales Konzept der antiautoritären Erziehung so modifiziert hat, dass die notwendige Anpassung an das Regelschulsystem trotzdem nicht zu einem totalen Bruch mit der Grundidee geführt hat. So gelten die Prinzipien der Selbstregulierung und des exemplarischen Lernens noch heute als wichtige Prinzipien der Glocksee-Pädagogik, wenngleich sie nicht mehr so verstanden werden wie in der Anfangsphase der Siebziger Jahre.
In einem Schlusskommentar werde ich dann versuchen, meine persönlichen Erfahrungen mit dem Konzept der Glocksee-Pädagogik zu vergleichen und eine Bewertung des Glocksee-Ansatzes vorzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Planungs- und Gründungsphase
3. Das Konzept der Glocksee-Schule
3.1 Marxistische Ansätze
3.2 Selbstregulierung
3.3 Exemplarisches Lernen
3.4 Revision des ursprünglichen Konzeptes
4. Ein Blick in die Praxis: Tagesablauf Phasen des Unterrichtes
4.1 Zeiten der Übergänge
4.2 Angebote
4.3 Festgelegte Arbeitsphasen
4.4 Projekte
5. Glocksee-Schule und Pisa Studie
6. Schluß
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die pädagogischen Kernprinzipien und die historische Entwicklung der Glocksee-Schule wissenschaftlich einzuordnen und deren Relevanz vor dem Hintergrund der PISA-Diskussion kritisch zu beleuchten.
- Entstehungsgeschichte der Glocksee-Schule im Kontext der antiautoritären Bewegung.
- Theoretische Fundierung durch marxistische Ansätze und das Konzept der Selbstregulierung.
- Praktische Umsetzung des Schulalltags sowie die Selbstrevision des Konzepts.
- Vergleichende Analyse der Glocksee-Pädagogik mit den Ergebnissen und Forderungen der PISA-Studie.
Auszug aus dem Buch
3.2. Selbstregulierung
Das Prinzip der Selbstregulierung folgt als Konsequenz aus den Erkenntnissen der Lernprozesse des Kindes, indem es die bewußte Selbststeuerung der Lerndynamik berücksichtigt und so der Selbstentfremdung durch aufgezwungene Lernprozesse entgegenwirkt. Selbstregulierung in der alltäglichen Unterrichtspraxis der Glocksee-Schule Anfang der Siebziger Jahre heißt zunächst einen Rückzug des Erwachsenen aus der traditionellen pädagogischen Handlungsweise des Erziehenden oder Belehrenden zu einer Funktion welche die naturgemäße Wissensaneignung des Kindes vollkommen unterstützt.
Dieses bedeutet, Kindern nicht nur die Freiheit zu geben, ihre Bedürfnisse, Wünsche oder Phantasien frei ausdrücken zu lassen, sondern auch, in der Konsequenz die Kinder ihre eigenen Strategien entwickeln zu lassen, wie sie diese Bedürfnisse verwirklichen können. Da die naturwüchsig-ganzheitliche Wissensaneignung der Kinder in einem klaren Gegensatz zu der klassischen Wissensvermittlung in der Regelschule steht, soll das Selbstregulierungsprinzip den Kindern wieder einen ihrer Natur entsprechenden Zugang zum Wissen verschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation, als ehemaliger Schüler das theoretische Konzept der Glocksee-Schule im wissenschaftlichen Kontext und in Bezug auf die aktuelle PISA-Debatte zu untersuchen.
2. Planungs- und Gründungsphase: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung der Schule Anfang der 1970er Jahre als Reformprojekt im Zuge der Kinderladenbewegung und der antiautoritären Pädagogik.
3. Das Konzept der Glocksee-Schule: Hier werden die Kernprinzipien der Glocksee-Pädagogik, insbesondere marxistische Ansätze, Selbstregulierung und exemplarisches Lernen, detailliert dargelegt.
4. Ein Blick in die Praxis: Tagesablauf Phasen des Unterrichtes: Die praktische Umsetzung des Konzepts im Schulalltag wird anhand von Übergangszeiten, Angeboten, Arbeitsphasen und Projekten veranschaulicht.
5. Glocksee-Schule und Pisa Studie: Der Autor setzt die pädagogischen Ansätze der Schule in Bezug zu den PISA-Ergebnissen und diskutiert diese als mögliche Antwort auf die Bildungsmisere.
6. Schluß: Eine abschließende Reflexion über die Übertragbarkeit des Konzepts und die Herausforderungen für Eltern und Lehrer in einer alternativen Schulform.
Schlüsselwörter
Glocksee-Schule, Alternative Pädagogik, Selbstregulierung, Antiautoritäre Erziehung, Exemplarisches Lernen, PISA-Studie, Bildungsmisere, Reformpädagogik, Oskar Negt, Schulentwicklung, Projektunterricht, Didaktik, Individuelle Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in das pädagogische Konzept der Glocksee-Schule, von ihrer Gründung in den Siebzigerjahren bis hin zur heutigen Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf den Kernprinzipien der Selbstregulierung, des exemplarischen Lernens sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der Bildungsmisere nach der PISA-Studie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die theoretische Basis der Schule zu erläutern und zu prüfen, inwieweit die alternativen Ansätze der Glocksee-Schule Antworten auf heutige schulische Herausforderungen bieten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine pädagogische Hausarbeit, die auf Literaturrecherche, der Analyse zeitgenössischer pädagogischer Schriften und der persönlichen Reflexion des Autors als ehemaliger Schüler basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen (marxistische Ansätze, Selbstregulierung) und die detaillierte Beschreibung des praktischen Unterrichtsalltags.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Die zentralen Begriffe sind Glocksee-Schule, Selbstregulierung, antiautoritäre Erziehung und die Relevanz alternativer Pädagogik in der modernen Schullandschaft.
Wie hat sich das Konzept der Schule über die Zeit verändert?
Aufgrund von Problemen in der Praxis und der Einführung der zehnten Klasse musste sich die Schule einer Selbstrevision unterziehen, die zu einer stärkeren Strukturierung des Unterrichts führte.
Wie bewertet der Autor die Übertragbarkeit des Glocksee-Konzepts?
Der Autor äußert sich kritisch und stellt in Frage, ob das Konzept als allgemeine Schulform für große Einheiten (wie Gesamtschulen) taugt, betont aber die Notwendigkeit überschaubarer Lernumgebungen.
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- Raoul Festante (Author), 2003, Einführung in das pädagogische Konzept der Glocksee-Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42739