Diese Hausarbeit will eine Auseinandersetzung mit den kartesischen Argumenten versuchen, wirkt die mechanische Naturauffassung Descartes’ und seine Bezeichnung der Tiere als Maschinen auf den heutigen Leser doch zunächst befremdlich und bei näherer Betrachtung möglicherweise sogar provozierend. Zunächst soll in einer kurzen Vorbemerkung der kartesische Dualismus dargestellt und daher die Grundlage für das weitere Verständnis geschaffen werden. Dann sollen Descartes’ Argumente zur Sprachfähigkeit der Tiere und zu ihren Fertigkeiten im Vergleich zum Menschen ausführlich erläutert werden. Kritik an diesen Argumenten wird sich den Ausführungen jeweils unmittelbar anschließen. Hierbei ist der Schwerpunkt vor allem auf eigene Überlegungen gelegt worden; doch sollen auch einige namhafte Philosophen exemplarisch zu Wort kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der kartesische Dualismus
3. Kritische Vorbemerkung
4. Das Fertigkeitsargument
4.1 Die kartesische Argumentation
4.2 Kritik an Descartes
5 Das Sprachargument
5.1 Die kartesische Argumentation
5.2 Kritik an Descartes
6. Konsequenzen der kartesischen Argumentation
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die kartesischen Argumente zur Differenzierung zwischen Mensch und Tier, insbesondere das Fertigkeits- und das Sprachargument, um die wissenschaftliche Haltbarkeit der Annahme zu prüfen, dass Tiere lediglich als mechanische Automaten ohne Vernunft zu betrachten seien.
- Kartesischer Dualismus (res cogitans vs. res extensa)
- Analyse des Fertigkeitsarguments und seiner Grenzen
- Untersuchung des Spracharguments und moderner Gegenpositionen
- Ethische Konsequenzen für den Umgang mit Tieren
- Kritik an anthropozentrischen Maßstäben in der Philosophie
Auszug aus dem Buch
4.1 Die kartesische Argumentation
Das erste Argument, das zeigen soll, dass Tiere über keinerlei Vernunft, also kartesische res cogitans, verfügen, ist das Fertigkeitsargument. Descartes’ Grundannahme ist, dass die Vernunft ein „Universalinstrument“ ist, das „bei allen Gelegenheiten zu Diensten steht“19. Demnach ist es einem vernunftbegabtem Wesen möglich, auf Situationen, die Handlungen erfordern, adäquat zu reagieren, und dies auch in Bereichen, in denen das Wesen normalerweise aufgrund seiner organischen Beschaffenheit nicht zu besonderen Leistungen fähig wäre. Diese organischen Einschränkungen können kraft der Vernunft ausgeglichen werden. Ein Wesen, das dagegen „nicht aus Einsicht handel[t], sondern nur zufolge der Einrichtung [seiner] Organe“20, kann zwar möglicherweise in vielen Situation ebenso gut oder sogar besser als ein Wesen mit Vernunft handeln, versagt aber „zweifellos bei vielem anderen“21. Denn die Organe benötigen, so Descartes, für jede besondere Handlung eine besondere Einrichtung.
Descartes gesteht explizit zu, dass Tiere den Menschen in vielen Situationen überlegen sind. Doch überrascht ihn dies nicht, da auch „viele verschiedene Automaten oder bewegungsfähige Maschinen menschliche Geschicklichkeit zustande bringen [können]“22. Also: Auch wenn Tiere teilweise wesentlich ausgeprägtere Fähigkeiten besitzen als wir Menschen, so ist dennoch zu beachten, dass „[d]er Tatbestand, daß sie es besser machen als wir, [nicht] beweist, daß sie Geist haben; denn wenn man es so nimmt, dann hätten sie mehr als irgend einer von uns und würden es in jeder Beziehung besser machen“23.
Ein anzumerkender Unterschied zwischen Mensch und Tier wäre ebenfalls, dass Tiere nie in dem Wissen – also in moderner Begrifflichkeit gesprochen: im Bewusstsein – handeln, etwas machen zu können. Sie setzen daher ihre Fähigkeiten nicht bewusst ein; „[s]ie sehen nicht, sondern machen nur Sehbewegungen, hören nicht, sondern machen nur Hörbewegungen“24.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische und ethische Relevanz der Differenz zwischen Mensch und Tier ein und skizziert die methodische Auseinandersetzung mit Descartes’ Schriften.
2. Der kartesische Dualismus: Dieses Kapitel erläutert Descartes’ theoretische Grundlegung der Trennung von Körperwelt (res extensa) und denkender Substanz (res cogitans).
3. Kritische Vorbemerkung: Hier werden die zentralen Annahmen Descartes’ schematisch zusammengefasst, um die Grundlage für die darauffolgende kritische Analyse zu bilden.
4. Das Fertigkeitsargument: Das Kapitel analysiert Descartes’ These, dass Tiere aufgrund ihrer rein mechanischen Natur keine Vernunft besitzen, und konfrontiert diese mit kritischen Gegenargumenten.
5 Das Sprachargument: Hier steht die Untersuchung der Sprache als primäres Unterscheidungskriterium im Zentrum, wobei insbesondere die Kritik an der mangelnden Flexibilität tierischer Kommunikationsformen herausgearbeitet wird.
6. Konsequenzen der kartesischen Argumentation: Dieses Kapitel beleuchtet die praktischen Folgen des kartesischen Modells für den Tierschutz und die moralische Bewertung von Tierversuchen.
7. Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Argumentation zusammen und plädiert mit Verweisen auf den Utilitarismus für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Tieren.
Schlüsselwörter
René Descartes, kartesischer Dualismus, res cogitans, res extensa, Fertigkeitsargument, Sprachargument, Tierethik, Anthropozentrismus, Mechanismus, Vernunft, Bewusstsein, Tierrechte, Speziesismus, Kommunikation, praktische Intelligenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Philosophie René Descartes’ und seiner fundamentalen Unterscheidung zwischen Mensch und Tier durch die Konzepte der Vernunft und Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf den kartesischen Dualismus, die mechanische Naturauffassung von Tieren sowie die ethischen Implikationen dieser Ansichten für den heutigen Umgang mit Tieren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Descartes’ Argumente (Fertigkeits- und Sprachargument) kritisch zu hinterfragen und zu zeigen, dass sie auf anthropozentrischen Annahmen beruhen, die aus heutiger Sicht wissenschaftlich und ethisch angreifbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Es handelt sich um eine philosophische Diskursanalyse, die auf primären Textquellen von Descartes basiert und diese mit moderner Forschung sowie den Positionen anderer Philosophen wie La Mettrie oder Peter Singer kontrastiert.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Fertigkeitsargument (Tiere als Automaten) und das Sprachargument (Kommunikation als Beweis für Vernunft) detailliert dargestellt und mit Kritikpunkten aus den Bereichen der Primatenforschung und Ethik entkräftet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind res cogitans, res extensa, Speziesismus, praktische Intelligenz, tierische Leidensfähigkeit und der kartesische Sprachtest.
Wie steht die Arbeit zu Descartes' privatem Umgang mit Tieren?
Die Arbeit stellt klar, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass Descartes einen grausamen Umgang mit Tieren befürwortete; sein Dualismus war primär philosophisch und theologisch motiviert, nicht als Rechtfertigung für Tierquälerei gedacht.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit Primaten wie dem Bonobomädchen Kanzi?
Dieser Vergleich dient als moderner Gegenbeweis zum kartesischen Sprachtest, da er zeigt, dass einige Tiere durchaus zu komplexen, sprachähnlichen Leistungen fähig sind, die Descartes ausschließlich dem Menschen zuschrieb.
- Citation du texte
- Sonja Filip (Auteur), 2006, Descartes und die Tiere. Die kartesische Argumentation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427476