Grammatikvermittlung und Sprachreflexion. Analyse eines ausgewählten Lehrwerks für die 8./9. Klasse Mittelschule


Seminararbeit, 2017

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Aufgabenstellungen

1.1 Portfolio Aufgabe 1

Analyse eines ausgewählten Lernbereichs aus dem bayerischen Lehrplan DAZ Ausarbeitung der grammatischen Grundlagen für diesen Lernberereich In der Analyse eines Lernbereichs aus dem bayerischen Lehrplan Deutsch als Fremdsprache für die weiterführenden Schulen beziehe ich mich auf das Lernfeld 5 „Was mir wichtig ist!“1. Die SuS lernen hier, sich im familiären, beruflichen und alltäglichen Kontext im mündlichen Sprachgebrauch korrekt auszudrücken. Sie können mündlich (und schriftlich) Wünsche, aber auch Kritik äußern. Sie sind in der Lage, Probleme zu diskutieren und über Lösungsmöglichkeiten zu sprechen. In der Konsumwelt finden sie sich zurecht, indem sie mühelos ihre Bedürfnisse artikulieren können wie beispielsweise „Ich brauche eine Jeans!“. In der Arbeitswelt können sie ihre Tätigkeiten genauer beschreiben und darüber reden. Im Bereich der Lexik beziehe ich mich in der Sachanylse des grammatikalischen Lernbereichs besonders auf die beiden Punkte „Kritische Äußerungen“,„Probleme und Lösungen“ und „Wünsche“. Die syntaktischen Mittel, die hierbei gebraucht werden, sind zum Beispiel „Das finde ich...“, „Ich schlage vor...“, „Ich brauche...“ oder „Ich möchte gern...“. Es geht um das Kennenlernen der Wortart „Verb“ und seiner sach- und fachgerechten sprachlichen Verwendung.

Ein Stolperstein beim Erlernen der deutschen Sprache ist die unterschiedliche Klassifikation der Wortarten, insbesondere der Verben. Die Wortarten selbst können morphologisch, syntaktisch oder semantisch klassifiziert werden.2 Die morphologische Klassifikation geht von der Form von Wörtern und ihrer Verständlichkeit aus. Ein Kriterium, das nur bei veränderlichen, flektierenden Wortarten greift. Während Substantive, Verben, Adjektive, Artikel je nach Kontext ihre Form ändern, bleiben andere Wörter unabhängig davon immer unverändert gleich (beispielsweise „sehr“).3 Alle unveränderlichen Wörter würden in einer einzigen Klasse zusammenfallen, wenn man ausschließlich der morphologischen Klassifikation folgen würde. Die syntaktische Klassifikation der Wortarten geht von der Verteilung, Distribution und Funktion von Wörtern im Satz aus.4 Eine rein syntaktische Klassifikation von Wortarten ermittelt, welche Wörter kombinierbar und gegenseitig austauschbar sind bzw. in welcher Abfolge sie auftreten können. In flektierenden Sprachen wie dem Deutschen ist eine relativ freie Wortstellung möglich. Andere Sprachen sind sogar noch viel freier wie beispielsweise das Russische. Die Wortartenklassifikation über das syntaktische Kriterium führt gerade in stark flektierenden Sprachen zu einer sehr hohen Anzahl von Wortarten, da die veränderlichen Wortarten im Satz am Beweglichsten sind.5 Die syntaktische Klassifikation wird daher bevorzugt auf unveränderliche Wortarten angewendet. Die semantische Klassifikation geht von der Bedeutung von Wörtern aus, den Bedeutungskategorien.6 Für das Deutsche gilt zumeist eine Mischklassifikation, die alle drei Kategorien verbindet.

Da Verben für die Satzbildung unerlässlich sind, müssen sie den Deutsch als Fremdsprache Lernenden bekannt sein. Die grammatischen Kategorien des Verbs sind Person (1., 2., 3. Person), Numerus (Singular, Plural), Tempus (Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I, Futur II), Modus (Imperativ, Indikativ, Konjunktiv I, Konjunktiv II) und Genus Verbi (Aktiv, Passiv).7 Eine Konjugation der Verben erfolgt dadurch, dass man das Verb nach Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus Verbi anpasst. Es gibt finite Verbformen, die mit Person und Numerus gebildet werden und Personalendungen aufweisen wie „ich gehe, du gehst...“. Infinite Verben sind Infinitive (gehen, machen), Partizip I (gehend, machend) oder das Partizip II (gegangen, gemacht).8

Das Genus Verbi (Aktiv - Passiv) ist als eine grammatische Kategorie des Verbs im Deutschen von besonderer Bedeutung.9 Das Passiv wird in der deutschen Sprache in das persönliche Passiv und das unpersönliche Passiv unterteilt. Die Bildung des persönlichen Passivs ist in allen finiten Verbformen mit „werden“, „sein“ oder „bekommen“ möglich.10 Das „Werden-Passiv“ nennt man auch Vorgangspassiv, da es sich auf ein Geschehen bezieht. Dies kommt insbesondere bei Verben mit Akkusativ vor, bei den transitiven Verben. Das Akkusativobjekt wird zum Subjekt des Passivsatzes. Das Subjekt selbst bleibt meist ungenannt oder mit der Präpositionalphrase „von“ oder „durch“.11 Das „Sein-Passiv“ ist das sogenannte Zustandspassiv und bezieht sich auf ein abgeschlossenes Geschehen. Bildbar ist es mit fast allen Verben mit Akkusativ. Das Zustandspassiv ist an das Vorgangspassiv gebunden.12 Die dritte Möglichkeit des persönlichen Passivs ist das „Bekommen-Passiv“, das Rezipientenpassiv. Gebildet werden kann es zu Verben mit Akkusativ und Dativ, die einen Personenbezug haben.13 Es bezieht sich auf ein Geschehen, das sich im Verlauf befindet. Das unpersönliche Passiv steht im Gegensatz zum persönlichen Passiv immer ohne Subjekt und wird nur in der 3. Person Singular und gemeinsam mit „werden“ oder „sein“ gebildet.

Zu analysieren sind die verschiedenen Verbklassen. Es gibt die Vollverben, denen eine feste Bedeutung zugeordnet werden kann und die allein im Satz das Prädikat bilden. Die Hilfsverben „haben“, „sein“ und „werden“ helfen bei der Bildung der Tempora, des Passivs und des Konjunktivs.14 Kopulaverben wie „sein“, „werden“ oder „bleiben“ verbinden sich zum Beispiel mit einem Prädikativ / Prädikatsnomen (Adjektiv, Substantiv).15 Die Modalverben, die es im Deutschen gibt, sind: „dürfen“, „können“, mögen“, müssen“, sollen“, „wollen“. Sie heißen so, weil sie den Gehalt einer Aussage modifizieren. Meistens treten sie mit einem zweiten Verb auf, das im Infinitiv ohne „zu“ verwendet wird. Allerdings können sie auch als Vollverben Verwendung finden, wo sie dann ein regelmäßiges Partizip bilden. Allein im Satz könnte es so lauten: „Das habe ich nicht gewollt!“16 Aber als Modalverb würde es heißen: „Ich habe nicht kommen wollen!“17 Die Modalverben verfügen über ein eigenes Flexionsparadigma im Präsens, das formal dem Präteritum starker Verben gleicht (Präterito-Präsentien). Des Weiteren gibt es in der deutschen Grammatik die Modalitätsverben, Verben mit modaler Nebenbedeutung. Diese werden syntaktisch anders verwendet als in der ursprünglichen Bedeutung. Schließlich gibt es noch die Funktionsverben, die in sogenannten Funktionsverbgefügen (FVG) auftreten.18 Das sind feststehende Verbindungen aus einem relativ bedeutungsarmen Funktionsverb und einer Nominal- (das Substantiv bezeichnet ein Geschehen) oder einer Präpositionalphrase. Funktionsverben stehen häufig neben Verben mit ähnlicher Bedeutung. Unregelmäßige Verben wären Witterungsimpersonalia wie „Es regnet!“19 oder „Es schneit!“20, aber auch „Es mangelt an…!“21, „Es handelt sich um...“22. Als letzte Unterteilung der Verben gibt es noch die Klasse der reflexiven Verben, einerseits der echten reflexiven Verben wie „Ich freue mich!“23, andererseits die der unecht reflexiven Verben wie „Er wäscht sein Auto!“.

Neben der Klassifikation der Verben gibt es noch die syntaktische Unterteilung in transitive Verben, intransitive Verben und absolute Verben.24 Transitive Verben sind Verben, die in einem Akkusativ dominieren können. Das Akkusativobjekt wird dann im Passiv zum Subjekt. Intransitive Verben sind Verben, bei denen kein Akkusativobjekt stehen kann. Absolute Verben sind Verben, die außer dem Subjekt keine weiteren Ergänzungen brauchen.

1.2 Portfolio Aufgabe 2

Zu erfüllende Kriterien von Lehrwerken für DAZ im Bereich der Grammatik Begründung unter Rückgriff auf Fachliteratur, mit besonderer Berücksichtigung der sprachlichen Kompetenzen der Lernenden Laut Funk 2010 beinhaltet die Grammatikdidaktik „all jene unterrichtsbezogenen Konzepte und Planungen, die die Einsicht der Lernenden in die morpho-syntaktische, lexikalische, semantische und pragmatische Systematik der Sprache zum Ziel haben“25. Das Grammatikverständnis im engeren Sinn ist die formfixierte traditionelle Grammatik, die Wortbildung (die Morphologie) und der Satzbau (die Syntax).

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1 https://www.isb.bayern.de/schulartspezifisches/lehrplan/deutsch-als-zweitsprache/lehrplan/621/ zuletzt aufgerufen am 02.09.2016

2 vgl. Bergenholtz, Henning/Mugdan, Joachim. Einführung in die Morphologie. 1979.

3 vgl. ebd.

4 vgl. Bergenholtz, Henning/Mugdan, Joachim. Einführung in die Morphologie. 1979.

5 vgl. Elsen, Hilke. Grundzüge der Morphologie des Deutschen. 2011.

6 vgl. ebd.

7 Duden - Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. 2009. Kapitel „Das Wort“, S. 129 - 633.

8 vgl. ebd.

9 vgl. Eisenberg, Peter. Das Wort. Grundriss der deutschen Grammatik. 2006.

10 vgl. Engel, Ulrich. Deutsche Grammatik. 2009.

11 vgl. Volmert, Johannes. Grundkurs Spachwissenschaft. 2005.

12 vgl. ebd.

13 vgl. ebd.

14 vgl. Engel, Ulrich. Deutsche Grammatik. 2009.

15 vgl. ebd.

16 Engel, Ulrich. Deutsche Grammatik. 2009. S. 45.

17 ebd.

18 vgl. ebd.

19 Barz, Irmhild. Die Wortbildung. In: Duden - Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. 2009, S. 634 -762.

20 ebd.

21 ebd.

22 ebd.

23 ebd.

24 vgl. Donalies, Elke: Die Wortbildung des Deutschen: Ein Überblick. 2005.

25 Helbig, Gerhard/Buscha, Joachim. Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. 2001.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Grammatikvermittlung und Sprachreflexion. Analyse eines ausgewählten Lehrwerks für die 8./9. Klasse Mittelschule
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V427575
ISBN (eBook)
9783668718623
ISBN (Buch)
9783668718630
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Kerstin Reule (Autor), 2017, Grammatikvermittlung und Sprachreflexion. Analyse eines ausgewählten Lehrwerks für die 8./9. Klasse Mittelschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427575

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