Diese Arbeit wird sich der Frage widmen, was für und was gegen offene Grenzen für Menschen im Sinne von Wanderungsbewegungen spricht und welche Konsequenzen aus selbigen erwachsen können. Hierfür wird zunächst grundsätzlich erörtert, was Grenzen eigentlich sind und welche Bedeutung sie für eine Gesellschaft und einen Staat haben. Zur Veranschaulichung und Präzisierung dieses Konstruktes sowie implizit als Beispiel für langfristig geöffnete Grenzen wird eine Unterscheidung zwischen den Grenzen innerhalb der Europäischen Union und den EU-Außengrenzen im Hinblick auf Grenzdurchlässigkeiten vorgenommen.
Nachdem eine Differenzierung der Begriffe Flucht und Migration stattgefunden hat, die grundlegend konträren Denkmuster der Gesinnungs- und Verantwortungsethik hinsichtlich dieser Begriffe veranschaulicht wurden und noch einmal allgemein die Bedeutung offener Grenzen dargelegt wurde, werden die empirischen gesellschaftlichen Folgen kurzfristig geöffneter Grenzen anhand der Bundesrepublik Deutschland aufgezeigt, die insbesondere durch die Ereignisse des Jahres 2015 besonders gut für diesen Zweck geeignet ist.
Schließlich werden in einem Schlusswort die wichtigsten Aspekte der vorangegangenen Argumentation herausgegriffen und sowohl das Pro und Kontra offener Grenzen als auch die Bedingungen, die für jene erfüllt sein müssten, zusammengefasst. Eingrenzend ist zum einen hervorzuheben, dass der Fokus auf Grenzüberschreitungen im Sinne von Flucht und Migration gelegt werden wird und nicht auf rein temporäre Grenzüberquerungen abzielt. Zum anderen wird es bei der späteren Erörterung der Folgen in erster Linie um die Auswirkungen im Aufnahmeland gehen und nur implizit um die Konsequenzen für die Herkunftsländer.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedeutung von Grenzen
2.1 Grenzen innerhalb Europas vs. EU-Außengrenzen
2.2 Flucht vs. Migration
2.3 Gesinnungs- vs. Verantwortungsethik
2.4 Offene Grenzen
3. Gesellschaftliche Folgen offener Grenzen am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Institutionelle Herausforderungen
3.2 Sicherheit
3.3 Soziale Frage
3.4 Wahrnehmung durch die Gesellschaft
3.5 Integration und Chancen
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die gesellschaftlichen Auswirkungen offener Grenzen, insbesondere im Kontext der spontanen Grenzöffnung Deutschlands im Jahr 2015. Dabei wird analysiert, inwieweit ein Staat im Spannungsfeld zwischen ökonomischer Liberalisierung und nationaler Souveränität offen bleiben kann, ohne seine Stabilität zu gefährden.
- Theoretische Bestimmung von Staatsgrenzen und deren Wandel
- Differenzierung zwischen Flucht und Migration
- Ethik der Grenzpolitik (Gesinnungs- vs. Verantwortungsethik)
- Empirische Untersuchung der Folgen der Grenzöffnung 2015
- Integration, Arbeitsmarkt und soziale Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
2. Bedeutung von Grenzen
Befragt man den Duden nach dem Begriff Grenze, so beschreibt er sie als „(durch entsprechende Markierungen gekennzeichnete[n]) Geländestreifen, der politische Gebilde (Länder, Staaten) voneinander trennt“, als „Trennungslinie zwischen Gebieten, die im Besitz verschiedener Eigentümer sind oder sich durch natürliche Eigenschaften voneinander abgrenzen“ oder als „nur gedachte Trennungslinie unterschiedlicher, gegensätzlicher Bereiche und Erscheinungen o. Ä.“ sowie als „Begrenzung, Abschluss(linie) [oder] Schranke“ (Bibliographisches Institut GmbH 2018c). All diesen Beschreibungen ist gemein, dass eine Separierung zweier Einheiten voneinander zum Ausdruck gebracht wird, wobei sich die Gebilde immer auch in gewissen Ambivalenzen bis hin zu Paradoxien zueinander verhalten. Für Schwenken ergeben sich aus Grenzen beispielsweise eine „Reihe von widersprüchlichen Gleichzeitigkeiten“:
Sie gelten als Schutzeinrichtungen, gleichzeitig wird an ihnen Macht und Gewalt ausgeübt, zum Teil personale Gewalt gegenüber Personen, die irregulär die Grenze passieren wollen, und strukturelle Gewalt über die Konstruktion der Grenze als Grenze an sich. Grenzen dienen zudem als Marker für exklusive soziale, linguistische, ethnische etc. Identitäten, sie verhindern Kontakte und Austausch zwischen Individuen und Gruppen, verbinden aber auch. (Schwenken 2006: 50)
Grenzen sind also auch ein „identitätsstiftendes Moment der Gesellschaft“, da in „der Abgrenzung vom Fremden [erst] das Eigene bestimmt“ und nur durch „das Nicht-Gleiche [...] Gleiches als Gleiches wahrgenommen“ werde (Schmid 1994: 7).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Polarisierung durch die Flüchtlingspolitik 2015 ein und stellt die Kernfrage nach der Stabilität eines Staates im Kontext offener Grenzen.
2. Bedeutung von Grenzen: Hier werden der Begriff Grenze und dessen soziologische, politische sowie ethische Dimensionen in Abgrenzung zu Identitätsbildung und Souveränität theoretisch erarbeitet.
3. Gesellschaftliche Folgen offener Grenzen am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die realpolitischen Konsequenzen der Grenzöffnung 2015 hinsichtlich staatlicher Institutionen, Sicherheit, sozialer Verteilungskämpfe und gesellschaftlicher Wahrnehmung.
4. Resümee: Das Fazit fasst die Pro- und Kontra-Argumente zusammen und formuliert Bedingungen für eine gelingende Grenzpolitik unter Berücksichtigung ethischer und institutioneller Aspekte.
Schlüsselwörter
Offene Grenzen, Flucht, Migration, Bundesrepublik Deutschland, Flüchtlingspolitik 2015, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik, Staatliche Souveränität, Institutionelle Herausforderungen, Grenzsicherheit, Integration, Gesellschaftliche Wahrnehmung, Liberal Paradox, Arbeitsmarkt, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik offener Grenzen und analysiert sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die praktischen Konsequenzen für einen Staat, insbesondere am Beispiel der deutschen Flüchtlingspolitik ab 2015.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder sind Grenzbegriffe, die Unterscheidung zwischen Flucht und Migration, ethische Dilemmata zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik sowie die Auswirkungen auf Sicherheit, Soziales und Integration.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie offen ein Staat sein kann, ohne seine Stabilität zu verlieren, und welche Konsequenzen aus einer (spontanen) Grenzöffnung erwachsen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und soziologische Analyse, die theoretische Grundlagen mit aktuellen empirischen Daten, Umfragen und staatlichen Berichten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Grenzbegriffs und eine Fallstudie zu den gesellschaftlichen, institutionellen und sicherheitsrelevanten Folgen der Grenzöffnung 2015 in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Flucht, Migration, Gesinnungs- und Verantwortungsethik, staatliche Souveränität sowie die gesellschaftliche Integration geprägt.
Welche Rolle spielt das "liberale Paradox" in der Argumentation?
Das liberale Paradox beschreibt den Konflikt, dass Staaten einerseits die Weltwirtschaft liberalisieren und öffnen, andererseits jedoch die Kontrolle über ihre Grenzen zur Aufrechterhaltung demokratischer Freiheit behalten wollen.
Warum wird die Silvesternacht 2015 in Köln im Text erwähnt?
Die Ereignisse dienen als Fallbeispiel für eine überforderte staatliche Institution und die daraus resultierende negative Auswirkung auf die gefühlte Sicherheit in der Bevölkerung.
Welche Bedeutung misst die Autorin der Integration bei?
Erfolgreiche Integration wird als notwendige Voraussetzung angesehen, um Zuwanderung sowohl für die Zuwanderer als auch für das Aufnahmeland langfristig erfolgreich und stabil zu gestalten.
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- Mandy Büttner (Autor), 2018, Offene Gesellschaft. Das Für und Wider offener Grenzen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427688