Impact Investment. Ethisch nachhaltige Geldanlagen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
38 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Impact Investment
2.1 Begriffserklärung
2.2 Abgrenzung zu verwandten Begriffen

3. Das Angebot
3.1 Was passiert bereits?
3.2 Entwicklung des deutschen Marktes

4. Wirkungsorientiertes Investieren in Entwicklungs- und Schwellenländern

5. Analyse und Darstellung der Wirkung

6. Schlussfolgerung

IV. Literaturverzeichnis

V. Anhang

VI. Ehrenwörtliche Erklärung

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Einordnung des Begriffs II

Abbildung 2: Das Ökosystem des deutschen WI-Marktes

Abbildung 3: Wirkungstreppe

1. Einleitung

Seit jeher streben Investoren die Maximierung einer Kapitalrendite an. Allerdings steigt die Tendenz seit geraumer Zeit, dass auch ein Investieren mit sozialer oder ökologischer Wirkung für die Gesellschaft seinen Platz findet. Somit finden ethisch nachhaltige Geldanlagen zunehmend Resonanz, bei denen die Investoren neben der finanziellen Absicht Ziele, die sich dem dehnbaren Prinzip der Nachhaltigkeit zuordnen lassen, verfolgen.1 Der Begriff der Nachhaltigkeit umgreift den ökonomischen und ökologischen Umgang mit begrenzten Ressourcen, so dass diese auch künftigen Generationen möglichst dauerhaft zur Verfügung stehen, ebenso wie die soziale Gerechtigkeit auf der Welt. Das Konzept wurde im Jahre 1987 von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in dem „Brundtland Bericht“ veröffentlicht und folgend auf der Weltkonferenz Agenda 21 im Jahre 1992 in Rio de Janeiro verkündet.2 Ungeachtet der Tatsache, dass das Konzept divergent interpretiert wird, ist Übereinkommen hinsichtlich der Geldanlage zu erkennen; sie sollte sozial- und ökologisch verträglich und ökonomisch sinnvoll erfolgen . Die nachhaltigen Anleger analysieren und messen die sozial oder ökologisch erreichte Wirkung jedoch selten.

Demgegenüber formuliert Impact Investment die Ambition der genannten Ziele sowie einer Analyse und Darstellung der Wirkung. Bisher ist der Markt noch relativ klein, doch aus diversen Marktstudien zu Impact Investment geht hervor, dass eine aufstrebende Entwicklung zu verzeichnen ist. Beispielsweise zeigt die Marktstudie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahre 2016, dass der Impact Investment Markt zwischen 2012 und 2014 um über 30 Prozent gewachsen ist. Zudem ist das Marktvolumen im Jahr 2015 auf 11 Millionen Euro geschätzt worden.3

In der vorliegenden Seminararbeit wird untersucht, welche Investment-Ansätze bisher bestehen, welche weiteren Entwicklungen in diesem Markt zu erwarten sind und wie Impact Investment analysiert und dargestellt werden kann. Im zweiten Kapitel wird zunächst der Begriff Impact Investment beschrieben und definiert, um die Entstehung der Terminologie nachvollziehen zu können. Um Missverständnissen vorzubeugen erfolgt des Weiteren eine klare Abgrenzung zu verwandten Konzepten, wie beispielsweise der Spende. Die Definitionen und Abgrenzungen sind Voraussetzung für das Verständnis dieser Seminararbeit.

Die Idee, Kapital als Schlüssel für die Mobilisierung sozialer Probleme zu verwenden, verbreitet sich laut der Studien am schnellsten in den liberalen Wohlfahrtsstaaten wie den USA, Australien, Kanada, Israel und Großbritannien . 4 In Kapitel drei wird vorangehend das Angebot des Impact Investment Marktes außerhalb von Deutschland dargestellt. Die Entwicklung des deutschen Marktes und Akteure, die den Markt voranbringen, werden demnach überdies in Kapitel drei aufgezeigt.

Aus Marktanalysen geht hervor, dass die Relevanz von Impact-Investment Ansätzen in Entwicklungs- und Schwellenländern bereits hoch ist. Experten schätzen, dass 70 Prozent der globalen Impact Investments in diese Länder fließen und der Markt bis 2020 bis zu einer Billionen US-Dollar betragen wird.5 Die bisherigen Ansätze und Aktivitäten von Institutionen, die seit Jahren das Kapital des privaten Sektors und Innovationen nutzen, um die Armut zu beenden und den Wohlstand der Länder zu fördern, werden daher in Kapitel vier näher betrachtet.

Des Weiteren stellt die Wirkungsanalyse einen elementaren Kernpunkt und auch die größte Herausforderung des Impact Investments, dar. Eine Analyse der sozialen und/-oder ökologischen Wirkung der Investitionen mit anschließender Berichterstattung wird hierbei erstellt.6 Eine Investition kann jedoch ohne solch eine Analyse nicht als Impact Investment betrachtet werden. Daher sind sich Experten einig, dass die Wirkung nur gemessen werden kann, wenn Daten effizient erhoben, untersucht und übermittelt werden.7 Im fünften Kapitel wird demgemäß die Analyse und Darstellung der Wirkung erörtert und mögliche Ansätze für Lösungen der Probleme geschildert.

Im Schlussteil erfolgt anschließend eine Zusammenfassung der Rechercheergebnisse mit einer kritischen Betrachtung. Das Kapitel wird mit einer Prognose und weiterem Forschungsbedarf des Impact Investment Marktes abgeschlossen.

Die Seminararbeit basiert vorwiegend auf einer detaillierten Recherche von Marktanalysen zu Impact Investment aus Deutschland sowie dem Ausland. Zudem stützt sich die Arbeit auf Aussagen von Marktakteuren aus Pressemitteilungen, Fachbüchern und wissenschaftlichen Zeitschriften. Ferner werden Beiträge von Webseiten verschiedener Organisationen für aktuelle Informationen herangezogen. Die erlangten Aussagen wurden durch kritisches Hinterfragen der gelesenen Texte ausgearbeitet und bei fremdsprachiger Literatur erfolgten Übersetzungen die dem Sinn entsprechen.

2. Impact Investment

2.1 Begriffserklärung

Diverse sich unterscheidende Definitionen und Interpretationen von Social Impact Investment (SII), kurz Impact Investment (II), sind das Resultat verschiedener Kulturen und bestehender Möglichkeiten von privaten Investitionen in Sozialprojekte. Eine der ersten Definitionen, die aus der Analyse von Best-Practice Erfahrungen mit II entwickelt wurde, stammt von dem Global Impact Investing Network (GIIN) und wurde wie folgt formuliert: „Investments made into companies, organizations, and funds with the intention to generate social and environmental impact alongside a financial return.“8 II stellt demnach eine neue Anlagen- und Finanzierungsform dar, die die Bereitstellung von Kapital und soziale Wirkung zusammenbringt.

Die erste deutsche Übersetzung von II stammt aus dem Abschlussbericht des deutschen National Advisory Board (NAB), der im September 2014 veröffentlicht wurde. Darin wird II mit Wirkungsorientiertem Investieren (WI) übersetzt.9 Die sogenannten National Advisory Boards sind jeweils von den G8-Staaten im Rahmen der britischen G8-Präsidentschaft im Jahr 2013, bei der der Social Impact Investment Taskforce (SIITFworden . Der Auftrag der privat-öffentlichen, unabhängigen SIITF bestand in der Formulierung von Empfehlungen für die Weiterentwicklung des globalen Marktes bzw. den Marktaufbau für WI . 10

Das deutsche NAB bestand hierbei aus 40 Vertreterinnen und Vertretern von Finanz- und Sozialwirtschaft, Forschung, Stiftungen und dem öffentlichen Sektor. Dabei übernahm die Bertelsmann Stiftung, die auf zivilgesellschaftlicher Seite durch Dr. Brigitte Mohn vertreten wurde, die Leitung des deutschen NAB und veröffentlichte im Jahr 2014 den zuvor genannten Abschlussbericht. Ferner wurde die Taskforce auf öffentlicher Seite von Susanne Dorasil aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vertreten.11 Der Bericht diente als Bestandsaufnahme der länderspezifischen Gegebenheiten und Erfahrungen in Bezug auf deutsche Initiativen im Bereich des WI. Ebenso formulierte das NAB Handlungsempfehlungen für WI Investoren, die in dem Bericht erläutert wurden.12

Nachkommend wurde im August 2015 die Global Social Impact Investment Steering Group (GSG) als Nachfolger der SIITF gegründet und verfolgt weiterhin das Ziel der Taskforce, den II Markt voranzubringen.13 Inzwischen gehören 16 Mitgliedstaaten der GSG an, die jeweils über ein eigenes NAB verfügen und dafür zuständig sind, II in ihren Nationen zu forcieren.14 Die GSG wiederrum bietet den NABs Hilfestellungen, um den länderspezifischen Vorhaben begegnen zu können.15

Laut des deutschen NAB Berichts, lässt sich II in vier Kerncharakteristika gliedern. Zum einen sei die Erreichung von sozialer und/oder ökologischer Wirkung die Absicht der Investoren . Zudem spiele die Renditeerwartung eine große Rolle, denn die Investitionen sollten jedenfalls den Kapitalerhalt sicherstellen und im besten Fall eine finanzielle Rendite erwirtschaften . Die dritte Charakterisierung umfasst den Umfang an Renditeerwartungen und Anlagekategorien: Die Erträge können sowohl geringer als herkömmliche Renditen ausfallen als auch höhere Renditen erreichen. Des Weiteren sei die Wirkungsmessung ein elementarer Kernpunkt des II. Indes wird eine Analyse und anschließende Berichterstattung der sozialen und/-oder ökologischen Wirkung der Investitionen erstellt.16

Einige Marktanalysen zeigen, dass ein großer Teil der wirkungsorientierten Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländer (Low Income Countries (LIC))17 fließt. Dies bedeutet, dass Impact Investments sowohl in entwickelten Märkten, als auch in LICs erfolgen können.18 Die Investitionen können hierbei nach Wirtschaftssektoren oder nach Zielen, wie beispielsweise der Mitigation an den Klimawandel, kategorisiert werden.19 Es seien sowohl soziale Investitionen in Heime für Kinder und Ausbildungen möglich, wie auch ökologische Investitionen in Abfall- und Biogasanlagen. Impact Investment ist demzufolge weltweit für alle Branchen und Industrien und in allen Entwicklungsphasen relevant.20

2.2 Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Bevor das Marktangebot und die Analyse und Darstellung von Impact Investment dargelegt wird, erfolgt zunächst die Einordnung des Begriffs im Vergleich zu benachbarten Ansätzen. Abbildung 1 soll diese Abgrenzung darstellen. Beim traditionellen Investieren verfolgen die Investoren in der Regel das Ziel der maximalen Kapitalrendite ohne soziale Wirkung.21 Die einzige Aufgabe von Unternehmen bestehe darin, den Interessen der Aktionäre zu dienen und möglichst viel Profit zu erwirtschaften, brachte Milton Friedman im Jahre 1970 zum Ausdruck. Dagegen sei die Berücksichtigung sozialer Belange Aufgabe der öffentlichen Hand.22

Abbildung 1: Einordnung des Begriffs II

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

WI wird häufig als Synonym für einzelne Formen des Socially Responsible Investings (SRI) verwendet. Der europäische Dachverband für nachhaltige Geldanlagen „Eurosif“ (European Sustainable Investment Forum) ist z.B. der Ansicht, dass Impact Investing nur ein anderer Weg sei, eine SRI-Strategie zu implementieren.23 Einige Autoren argumentieren dagegen, die Unterscheidung der zwei Formen liege in der expliziten Definition von Wirkungszielen und der Wirkungsmessung beim II. Denn SRI gehe davon aus, dass zwar eine ökologische und soziale Wirkung erfolge, doch eine anschließende Messung nicht einhergehe.24

Impact Investment unterscheidet sich nicht nur von der konventionellen Kapitalanlage , sondern auch von der klassischen Spende. Das deutsche NAB begründet dies damit, dass bei der Spende der Transfer von Geldern mit Absicht unwiederbringlich erfolge und der Empfänger keine Ansprüche an den Spender habe.25 Die wesentliche Differenzierung zur Spende sei demnach der verzinste Rückfluss von Kapital, der beim WI mindestens in Form des Kapitalerhalts zu erwartet ist, wie in Kapitel 2.1 bereits erwähnt.26

Die Darstellung des bisherigen Impact Investment Angebot auf deutschem und internationalem Markt, erfolgt im nächsten Kapitel.

3. Das Angebot

3.1 Was passiert bereits?

Impact Investment wurde erstmals auf dem Weltwirtschaftsforum im Jahre 2013 in Davos und bei der zuvor genannten britischen G8-Präsidentschaft, mit der gleichzeitigen Gründung der Social Impact Investment Taskforce im selben Jahr, thematisiert.27 Die Marktstudienergebnisse zeigen, dass II seitdem bedeutende Aufmerksamkeit von Investoren und politischen Entscheidungsträgern gewonnen hat.28

Die Idee, Kapital als Schlüssel für die Mobilisierung sozialer Probleme zu verwenden, verbreitet sich laut der Studien am schnellsten in den liberalen Wohlfahrtsstaaten wie den USA, Australien, Kanada, Israel und Großbritannien . 29 In den USA nannte die „Rockefeller Foundation“ bereits im Jahre 2007 erstmals den Begriff „Impact Investing“ genannt, um Investitionen mit Rendite und gleichzeitigem sozialen und/oder ökologischem „Impact“ zu definieren.30 Laut des Berichts der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) aus dem Jahre 2010 habe die Stiftung, zusammen mit anderen großen Stiftungen wie der „Bill & Melinda Gates Foundation“, es seither geschafft einen Markt für wirkungsorientiere Investitionen in den USA aufzubauen.31

Aus einigen Berichten und Studien zu II ist ferner zu entnehmen, dass Großbritannien von bedeutendem Interesse in Bezug auf den II Markt ist.32 Bereits im Jahre 2001 wurde von der Regierung die „Social Investment Taskforce“ eingesetzt, um zu erforschen, wie private Investoren Innovationen und Präventionen von sozialen Problemen unterstützen könnten.33 Denn die bisherigen Ansätze seien in dieser Hinsicht nicht erfolgreich gewesen und Bevölkerungsteile seien laut der Regierung vernachlässigt worden.34 Die Taskforce fungierte als Katalysator, um wichtige Interessengruppen zusammenzubringen. So wurde laut des UK NAB Berichts, durch die Handlungsempfehlungen der Taskforce, die erste soziale Investmentbank weltweit gegründet.35 Des Weiteren betont die OECD in ihrem SII Bericht aus dem Jahre 2015, dass das Vereinigte Königreich über die meisten Daten zu II verfügt. Dies hänge mit der jahrelangen Aufzeichnung der II Aktivitäten, Auftragsforschungen und Forschungsberichten zusammen.36 Bereits im Jahre 2012 hat Großbritannien ein WI-Marktvolumen von 183-244 Millionen Euro erreicht.37

Die Europäische Union folgte den oben aufgeführten Vorreiterländern und lancierte eine Vielzahl von Instrumenten. Darunter die im Jahre 2011 gegründete Social Business Initiative (SBI).38 SBI wird mit enger Zusammenarbeit mit Stakeholdern und EU-Ländern implementiert und zielt darauf ab, Sozialunternehmen39 anhand neuer Finanzierungsansätzen zu fördern.40 Der dafür konzipierte Aktionsplan beinhaltet drei Themengebiete: Finanzierung von Sozialunternehmen entlasten, Sichtbarkeit von sozialen Unternehmertum erhöhen und rechtliche Rahmenbedingungen für Sozialunternehmen ergiebiger gestalten.41 Des Weiteren implementierte eine Tochter der europäischen Investitionsbank, der European Investment Fund (EIF) zwei Instrumente, die bestehende II Intermediäre bei wirkungsorientieren Aktivitäten unterstützen sollen.42 Den European Fund for Strategic Investments (EFSI), der neben Investitionen in z.B. gefährdete Kleinstunternehmen in der EU, Investitionen in Organisationen im sozialen Sektor umfasst.43 Der seit 2013 existierende Social Impact Accelerator (SIA) stellt zudem die erste europaweit öffentlich-private Partnerschaft dar, die den wachsenden Bedarf für Eigenkapitalfinanzierung zur Unterstützung von Sozialunternehmen beachtet . 44 Laut der II Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahre 2016, hat der EIF mit dem SIA einen Dachfonds geschaffen45, der im Juli 2015 ein Volumen von 243 Millionen Euro erreichte.46 Ferner hat die EU den Europäischen Fonds für soziales Unternehmertum (EuSEF) geschaffen, der Investitionsansätze zertifiziert, die in Social Business finanzieren.47 Um die Zertifizierung zu erhalten, muss ein Fonds vorweisen, dass mindestens 70% des aggregierten Kapitalerhalts der Investoren in Sozialunternehmen fließt.48

Laut einer Studie von Weber und Petrick aus dem Jahre 2014 zu Marktentwicklungen und Akteuren des WI Marktes in Deutschland, befindet sich der deutsche WI Markt wiederrum in einer frühen Entwicklungsphase.49 Die Gründe dieser Entwicklung und Akteure des deutschen Marktes werden im nächsten Kapitel dargestellt.

3.2 Entwicklung des deutschen Marktes

Der Grund, weshalb der II Markt in dem angelsächsischem Raum weiterentwickelt sei als in Deutschland, könne zum einen an dessen ausgeprägten wohlfahrtsstaatlichen Traditionen liegen, argumentieren Weber und Petrick.50 Zum anderen kam die OECD zu dem Ergebnis, dass die Investoren und die Politik besonders in Großbritannien experimentierfreudiger als in Deutschland seien.51 Zudem würden die deutsche Politik und Verwaltung bisher kaum Beteiligung zeigen und es würde mehr Zeit dafür investiert, um zu überlegen, wie das Konzept von SII mit den gegebenen Prinzipien und Institutionen aufeinander abgestimmt werden könne.52 Demnach würde der deutsche WI Markt bisher eher privat und vornehmlich philanthropisch forciert werden.53 Nichtsdestotrotz ist das Interesse an dem Nischenmarkt seit dem deutschen NAB Bericht aus dem Jahre 2012 deutlich gestiegen, wie aus der aktuellsten WI-Studie der Bertelsmann Stiftung von 2016 hervorgeht.54 Dies hänge insbesondere mit den zahlreichen nationalen und internationalen Initiativen zusammen. Das investierbare Vermögen55 habe sich, laut den Berechnungen der Stiftung, seit 2012 somit von ca. 24 Millionen Euro auf ca. 70 Millionen Euro im Jahr 2015 verdreifacht.56 Des Weiteren seien die durchschnittlichen Transaktionen seit 2012 von rund 100.000 auf 300.000 Euro angestiegen.57 Gemessen an den Transaktionen entfielen die meisten Investitionen auf die Sektoren Beschäftigung mit 20 Prozent, Bildung mit 18 Prozent, Gesundheit mit 12 Prozent und nachhaltigem Konsum/Umwelt mit 9 Prozent.58

Die Bertelsmann Stiftung begrenzte in ihrer Studie die Betrachtung des Marktes auf die Finanzierung sozialer Vorhaben und schloss hingegen Sektoren wie beispielsweise erneuerbare Energien, Klimaschutz und die Finanzierung von Kleinstunternehmen aus.59 Der Marktbegrenzung entsprechend, stellte der Bericht aus dem Jahr 2016 die Akteure des deutschen WI Marktes dar, von denen die wesentlichen im nächsten Abschnitt erläutert werden. Die Stiftung orientierte sich hierbei an dem WI-Bericht und dem dort dargestellten „Social Impact Investment Ecosystem“, der SIITF aus dem Jahre 2014.60 Das „Ökosystem des deutschen WI Marktes“61 ist in Abbildung 2 dargestellt. Die Kapitalbereitstellung erfolge hierbei durch Investoren, wie z.B. Stiftungen oder institutionelle Investoren. Die Intermediäre, beispielsweise Ethikbanken, lenken das Kapital in Richtung der Kapitalempfänger, indem sie die Verbindung zwischen den Empfängern und Investoren herstellen. Zudem bestehe das Ökosystem aus Finanzprodukten, die den Bedürfnissen der Empfänger entsprechend angewendet werden . Ferner stellen wirkungsorientierte gemeinnützige Organisationen oder Sozialunternehmen die Kapitalempfänger dar.62

Abbildung 2: Das Ökosystem des deutschen WI-Marktes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Eigene Darstellung in Anlehnung an SIITF, Bertelsmann Stiftung)

Die in Abschnitt eins erläuterte, seit 2012 positive Marktentwicklung sei besonders den beiden Fonds, Ananda Ventures und BonVenture zuzuschreiben.63 Laut Weber und Petrick machten sie zwei Drittel des Marktvolumens im Jahre 2012 aus.64 Der drittgrößte Investor sei die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit ihrem Finanzierungsprogramm für Sozialunternehmen gewesen.65 Das Förderprogramm wurde zusammen mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entwickelt und sollte das Wachstum von Social Business vorantreiben.66 Bis zur Beendigung des Programmes im Jahre 2014 wurden ca. 1,5 Millionen Euro in 11 verschiedene soziale Unternehmen investiert.67 Das Marktstudienergebnis der Bertelsmann Stiftung ergab allerdings, dass das weggebliebene Transaktionsvolumen nach Beendigung durch andere Investoren ausgeglichen wurde und der Markt, bezogen auf die jährlichen Transaktionen, weitgehend stabil blieb.68 Gestützt wird die Aussage durch die Auswertungen der Studie, denn das Transaktionsvolumen habe in 2015 zwischen vier bis fünf Millionen Euro gelegen und könne in 2016 sieben bis acht Millionen Euro erreichen.69 Der Ausgleich sei insbesondere den zuvor erwähnten Intermediären Ananda und BonVenture zuzuschreiben.70

Laut der Bertelsmann Stiftung, sei der MRI-Pilotfonds Bildung ein weiterer bedeutender Intermediär. Er wurde von BonVenture aufgesetzt, um in Bildungsprojekte und -organisationen zu investieren.71 Das Kapital des Fonds ist seit 2016 für einen Zweck von 700.000 Euro zur Verfügung gestellt.72

Während die oben aufgeführten Investoren als Kapitalbereitsteller auftreten, agieren andere Intermediäre, beispielsweise die Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship (FASE), als Unterstützer für Sozialunternehmen, um benötigtes Kapital zu akquirieren.73 Mittlerweile existieren zudem Initiativen, die Sozialunternehmen bei ihrer Gründung zu beraten und fördern, wie beispielsweise das Social Impact Lab, welches seit 2012 ca. 240 soziale Gründungsvorhaben betreut und an acht Standorten vertreten ist.74 Weitere Intermediäre sind solche, die Investoren beraten und neue Finanzierungsvehikel entwickeln. Beispielsweise berät Impact in Motion Investoren über divergente WI Anlagen und erstellt Analysen des II Marktes.75

Im erweiterten Umfeld dieser Intermediäre agieren Sozial- und Ethikbanken in Deutschland schon länger, aber seien gemäß der WI Definition den zweckorientierten Investitionen zuzuschreiben, so die Bertelsmann Stiftung . 76 Denn bei den Kapitalbereitstellungen erfolge bisher keine Wirkungsmessung und -analyse77, die jedoch, wie erläutert, ein Kerncharakteristika des II darstellt. Ein Interesse seitens der Banken bestehe dabei, zumal sich insbesondere Private häufig für Investmentprodukten interessieren, die eine Erzielung der Wirkungen mobilisieren. Vieler dieser Banken, beispielsweise die GLS Gemeinschaftsbank eG, investiere bereits seit vielen Jahren wirkungsorientiert in LIC (z.B. durch Mikrofinanzfonds).78 Analog zu dem Vereinigten Königreich, wo Sozial – und Ethikbanken die größten Intermediäre darstellen79, könnten soziale Banken, aufgrund der langjährigen Erfahrung in LIC, auch ein wichtiger Intermediär auf dem deutschen WI-Markt werden, plädiert die Bertelsmann Stiftung.80

[...]


1 Vgl. Pex, Finette, 2016, S. 115.

2 Vgl. Jäger, 2004, S. 93.

3 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 6.

4 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 16; Weber, Scheck, 2012, S. 8.

5 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 6; SIITF, 2014, S. 33; Stirling, et al., 2017, S. 5; Benford, et al., 2014, S. 57.

6 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 22.

7 Vgl. OECD, 2015, S. 52; SIITF, 2014, S. 2; Benford, et al., 2014, 51; Dombrowski, et al., 2017, S. 19.

8 GIIN, 2017, Internetquelle.

9 Vgl. Social II in DE, 2016, S. 13; Benford, et al., 2014, S. 11.

10 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 4.

11 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 4.

12 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 4.

13 Vgl. Bertelsmann Stiftung, 2017, Internetquelle; Benford, et al., 2014, S. 4.

14 Vgl. Bertelsmann Stiftung, 2017, Internetquelle.

15 Vgl. Bertelsmann Stiftung, 2017, Internetquelle.

16 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 22.

17 Die Abkürzung „LIC“ wird nachfolgend synonym für Schwellen- und Entwicklungsländer verwenden.

18 Vgl. GIIN, 2017, Internetquelle; Benford, et al., 2014, S.57.

19 Vgl. GIIN, 2017, Internetquelle.

20 Vgl. GIIN, 2017, Internetquelle.

21 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 20., Eckert, Schäfer, 2015, S. 17.

22 Vgl. Friedman, 1970, S. 122 ff.

23 Vgl. Eurosif, 2014, S. 3.

24 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 14; Weber, Scheck, 2012, S. 9, 10; Pex, Finette, 2016, S. 125.

25 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 23.

26 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 13.

27 Vgl. Wilson, et al., 2015, S. 10. Eurosif, 2014, S. 3; Social Impact Investment Taskforce, 2014, S. 2.

28 Vgl. Eurosif, 2014, S. 3.

29 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 16; Weber, Scheck, 2012, S. 8.

30 Vgl. Rockefeller Foundation, 2018, Internetquelle.

31 Vgl. Wilson, et al., 2015, S. 26.

32 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 16; Weber, Scheck, 2012, S. 8.

33 Vgl. NAB UK, S. 8; Wilson, et al., 2015, S. 42.

34 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 24.

35 Vgl. NAB UK, S. 13.

36 Vgl. Wilson, et al., 2015, S. 81, 82.

37 Vgl. Weber, Petrick, 2013, S. 3.

38 Vgl. Europäische Kommission (2018). Internetquelle.

39 Der englische Begriff „Social Business“, wird in der vorliegenden Arbeit synonym für den Begriff „Sozialunternehmen“ verwendet.

40 Vgl. Europäische Kommission (2018). Internetquelle, Benford, et al., 2014, S. 24.

41 Vgl. Europäische Kommission (2018). Internetquelle.

42 Vgl. European Investment Fund, 2017, Internetquelle, Benford, et al., 2014, S. 24, Petrick, Birnbaum, 2016, S. 17.

43 Vgl. European Investment Fund, 2017, Internetquelle.

44 Vgl. European Investment Fund, 2017, Internetquelle, Benford, et al., 2014, S. 24, Petrick, Birnbaum, 2016, S. 17.

45 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 24, Petrick, Birnbaum, 2016, S. 17.

46 Vgl. European Investment Fund, 2017, Internetquelle.

47 Vgl. Wilson, et al., 2015, S. 36; Benford, et al., 2014, S. 24.

48 Vgl. Wilson, et al., 2015, S. 36; Pex, Finette, 2016, S. 123.

49 Vgl. Weber, Petrick, 2013, S. 2.

50 Vgl. Weber, Petrick, 2013, S. 2.

51 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 16; Bertelsmann Stiftung, 2015, Internetquelle.

52 Vgl. Bertelsmann Stiftung, 2015, Internetquelle.

53 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 17.

54 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 17.

55 „Das investierbare Vermögen setzt sich aus dem in WI-Fonds (BonVenture, Ananda Ventures) verwalteten Vermögen (Assets under Management) und den Investmentzusagen der Stiftungen (Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG, BMW Stiftung Herbert Quandt, Bertelsmann Stiftung) zusammen; der Fonds BonVenture III befindet sich noch im Fundraising und wurde mit dem Kapital des ersten Zeichnungsschlusses (13,2 Mio. Euro) berücksichtigt.“ Bertelsmann Stiftung, 2016, S. 18.

56 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 18.

57 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 17.

58 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 21.

59 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 15.

60 Vgl. SIITF, 2014, S. 2.

61 Petrick, Birnbaum, 2016, S. 15.

62 Vgl. SIITF, 2014, S. 2; Petrick, Birnbaum, 2016, S. 15.

63 Vgl. Weber, Petrick, 2013, S. 3; Nommensen, 2016, S. 1; Petrick, Birnbaum, 2016, S. 15.

64 Vgl. Weber, Petrick, 2013, S. 3.

65 Vgl. Weber, Petrick, 2013, S. 3.

66 Vgl. Weber, Petrick, 2013, S. 3; Benford, et al., 2014, S. 25.

67 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 20.

68 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 20, 23.

69 Vgl. Nommensen, 2016, S. 1; Petrick, Birnbaum, 2016, S. 20.

70 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 20.

71 Vgl. Dombrowski et al., 2016, S. 7.

72 Vgl. Bundesverband deutscher Stiftungen, 2018, Internetquelle.

73 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 41.

74 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 40.

75 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 42.

76 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 41; Petrick, Birnbaum, 2016, S. 32.

77 Vgl. Benford, et al., 2014, S. 42; Petrick, Birnbaum, 2016, S. 32.

78 Vgl. Weber, Petrick, 2013, S. 8; Benford, et al., 2014, S. 42; Petrick, Birnbaum, 2016, S. 32.

79 Vgl. Big Society Capital, 2014, S. 56.

80 Vgl. Petrick, Birnbaum, 2016, S. 32.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Impact Investment. Ethisch nachhaltige Geldanlagen
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Ethisch-Nachhaltige Geldanlagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
38
Katalognummer
V427718
ISBN (eBook)
9783668717510
ISBN (Buch)
9783668717527
Dateigröße
873 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Impact Investment, Finanzen, Finanzethik, Ethisch-nachhaltige Geldanlagen, Impact Investing, Social Business, Sozialunternehmen, Entwicklungsprojekte, Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Nachhaltigkeit, SDG
Arbeit zitieren
Nikola Walz (Autor), 2018, Impact Investment. Ethisch nachhaltige Geldanlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427718

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Impact Investment. Ethisch nachhaltige Geldanlagen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden