Vittoria Colonna und der Petrarkismus


Hausarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung
1.1. Petrarkistinnen
1.2. Petrarcas Liebeslyrik und der Petrarkismus

2. Vittoria Colonna- „ die Göttliche“

3.

4. Bibliographie

1. EINLEITUNG

1.1. Petrarkistinnen – Weibliche Gelehrsamkeit als Phänomen der Renaissance

Das Cinquecento wird von der Sekundärliteratur gerne als ein „Jahrhundert der Frau“ bezeichnet. Bedenkt man, dass in jenem Jahrhundert – dieser Blütezeit der menschlichen Kultur, die weg vom dunklen Mittelalter, hin zu einer umfassenden geistigen Wiedergeburt, der Renaissance, führen wollte – die Frau nach wie vor von der Kirche mit Misstrauen betrachtet und verachtet, in Klöster verbannt, als „Hexe“ gejagt und verbrannt wurde oder, wenn ihr dieses Schicksal erspart blieb, sie ihr Dasein doch zumindest als willenloses Eigentum des Mannes fristen musste, so mutet jene Epoche keineswegs als eine der Frau wohlgesonnene Zeit an. Tatsächlich kann von einem „Jahrhundert der Frau“ lediglich in Bezug auf einen minimalen Prozentsatz der damaligen Bevölkerung gesprochen werden, und auch nur dann in eingeschränktem Sinne. Fakt ist, dass das Cinquecento einen zuvor nie dagewesenen Reichtum an Dokumenten weiblicher Gelehrsamkeit hervorgebracht hat, sicherlich ein Ausdruck weiblicher Emanzipation, der jedoch lediglich einer sozial begrenzten, privilegierten Schicht vorbehalten war: Den Töchtern der Oberschicht und des gehobenen Bürgertums. Diese trotz allem bemerkenswerte Wendung in der Geschichte der Frau war erst durch die Bewegung des Humanismus möglich geworden. Der Frau wurde im Zuge dieser Geistesströmung nicht nur ihr Menschsein anerkannt, sondern auch die Eigenschaft zugesprochen, wie der Mann ein vernunftbegabtes Wesen zu sein, das sich folglich wie dieser eine höhere Bildung aneignen und durch Studium zu „einem sittlichen und vernünftigen Wesen konstituieren“ sollte, um dem humanistischen Ideal nach geistiger Erhöhung und Vervollkommnung gerecht zu werden. Folglich wurden höhere Töchter künftig in relevanten Fächern wie Grammatik, Poesie, Rhetorik, Sprachen, Literatur, aber auch in Gesang und dem Spielen verschiedener Instrumente unterrichtet, wobei jedoch klare Grenzen gesetzt wurden, um womöglich eine geistige Überflügelung des Mannes zu vermeiden. Ziel der anspruchsvollen weiblichen Erziehung war keinesfalls, sie für die Bekleidung eines wichtigen Amts zu befähigen oder sie gar mit den Männern in einen Bildungswettstreit treten zu lassen, sondern ihre „geistigen und moralischen Fähigkeiten in den Grenzen der ihnen zugestandenen Lebensbereiche zu vervollkommnen“ und „ein gutes und frommes Leben“ zu. Auch der Zugang zu den Universitäten blieb der Frau selbstverständlich nach wie vor verschlossen. Von einer Gleichstellung von Mann und Frau konnte also keineswegs die Rede sein. Demnach ist auch der Feststellung Renate Försters zu widersprechen: „Es war die höfische Liebe, wodurch die Stellung der Frau eine entscheidende Veränderung erfuhr“. Weder die Verehrung der Frau in der höfischen Dichtung noch die späteren Zugeständnisse weiblicher Gelehrsamkeit im Humanismus konnten an dem sozialen Status der Frau etwas positiv verändern, wie zahlreiche historische Dokumente weiblicher Benachteiligung und Diskriminierung auf zum Teil dramatische Art beweisen. Sie war und blieb Opfer einer patriarchalischen, frauenverachtenden Gesellschaft. Nichtsdestotrotz ist es dem Cinquecento zu verdanken, dass einige Frauen, wenn nicht die sozialen, so doch die geistigen Schranken deutlich überschreiten konnten und im Gefolge des Petrarkismus Bemerkenswertes schufen. Im Folgenden soll diese bedeutende und einflussreiche literarische Bewegung näher beschrieben werden.

1.2. Petrarcas Liebeslyrik und der Petrarkismus

Als Francesco Petrarca (1304-1374), neben Dante und Boccaccio eine der drei unsterblichen „Corone“ der italienischen Literatur, in den dreißiger Jahren des vierzehnten Jahrhunderts mit der Arbeit an seiner großen Gedichtsammlung, dem Liederbuch Canzoniere begann, ahnte er wohl kaum, dass dieses Werk ihn bis zu seinem Lebensende beschäftigen und auch noch Jahrhunderte nach seinem Tode ganze Generationen von Dichtern, Literaten und Künstlern beeinflussen sollte. Es hätte ihn wohl sehr verwundert, hätte er gewusst, dass ausgerechnet dieses volkssprachliche Werk, das er selbst abfällig als Rerum vulgarium fragmenta bezeichnete und welches er im Gegensatz zu seinen lateinischen Schriften sehr geringgeschätzte (vgl. Hoffmeister, 86) auf die Nachwelt eine derart überwältigende Wirkung ausübte. Was war es, was den Canzoniere über Jahrhunderte hinweg so faszinierend und nachahmenswert machte? Zweifellos ist der Grund dafür vor allem in der Vollkommenheit der Sprache zu suchen, mit der Petrarca in fast allen der 366 Gedichte (317 Sonette, 4 Madrigale, 7 Balladen, 29 Canzonen und 9 Sestinen) die Schmerzliebe zu der von ihm verehrten Madonna Laura thematisiert, deren überwältigende Schönheit er preist und der zuliebe er unendliche Liebesqualen erleidet, da die Angebetet ihn nicht erhört. Ob diese unerfüllte Liebe tatsächlich auf eine real existierende Frau namens Laura zurückgeht oder ob sie eine Fiktion Petrarcas darstellt, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Die Frage nach der Existenz Lauras ist im Grunde genommen ohnehin zweitrangig, diente diese Gestalt, eine Allegorie weiblicher Vollkommenheit, Petrarca doch letztendlich dazu, eine Art psychologisches Selbstbildnis von sich selbst abzugeben oder, wie es Hugo Friedrich noch treffender formuliert, eine „Selbstdarstellung (...) des eigenen Ichs mit seinen Spannungen, Widersprüchen, Unentschlossenheiten, Hoffnungen, Lähmungen und Eitelkeiten“ zu erschaffen – hier liegt laut Friedrich „der reale, persönliche Gehalt des lyrischen Werks, das ihn einkleidet in die imaginäre Lauraliebe“ (Friedrich, 209). Ziel und Zweck des Canzoniere ist also nicht die Darstellung der Liebe zu Laura an sich, sondern letztere dient vor allem als Instrument des Autors, um sein eigenes Inneres besser zu begreifen, sich selbst als Mensch Ausdruck zu verschaffen, seine Gefühle, Ängste und Wünsche in Worte zu kleiden und nicht zuletzt, um im Rahmen dieses Anspruchs ein sprachliches Kunstwerk zu schaffen. Wie wichtig Petrarca die sprachliche Vollkommenheit seiner Gedichte war, zeigt die Unermüdlichkeit, mit der er bis ins hohe Alter immer wieder Gedichte überarbeitete und verbesserte, um sie erst dann dem Canzoniere beizufügen. Es war vor allem jene kunstvolle Sprache, die im sechzehnten Jahrhundert dieses – zu jener Zeit in neuen kommentierten Auflagen erstmals vollständig erschienene – Werk zu einem wahren „Bestseller“ machte. Der Canzoniere wurde zum unübertroffenen Vorbild des eleganten, anmutigen sprachlichen Ausdrucks, Petrarcas Sprache wurde Mode und von den höheren Kreisen Italiens wie eine Fremdsprache erlernt, um sich sodann selbst im petrarkistischen Stil zu versuchen und eigene Sonette zu verfassen. Die Petrarca-Mode erfasste bald weite Teile Europas und der große italienische Dichter wurde zum Vorbild aller Liebeslyrik: „In der Tat hat diese Epoche sich willentlich, in einer Art Orthodoxie, an Petrarca angeschlossen und planmäßig einen Typus nachahmender Lyrik hervorgebracht, der als literarische Mode über die Grenzen Italiens hinausdrang (...)“ (Friedrich, 312). Dass bei dieser „Nachahmungs-Euphorie“ keineswegs nur Meisterwerke, sondern überwiegend durchschnittliche, bis ins Lächerliche gehende Petrarca-Imitationen herauskamen, kann man sich nur allzu gut vorstellen. Die wahren Meisterwerke des Petrarkismus wurden von jenen Frauen und Männern geschaffen, die sich nicht sklavisch an das Original hielten, sondern zumindest inhaltlich neue Ideen und Gedanken in ihre Lyrik einfließen ließen (große Ausnahme bleibt hier jedoch der traditionalistische Intellektuelle Pietro Bembo, dem es vor allem um die präzise sprachliche Imitation Petrarcas als klassisches Vorbild ging; er wird oftmals als „Vater des Petrarkismus“ bezeichnet (vgl. Förster, 83 f.)). Gewisse Themen der Liebeslyrik Petrarcas wurden jedoch überwiegend beibehalten. So z.B. die Schmerzliebe, .d.h. die unerwiderte Liebe zu einem vollkommenen, aber unerreichbaren Wesen, wobei jedoch nicht das Liebesleid im Vordergrund steht, sondern der Liebende dieses Leid bejaht und eine gewisse Lust am Liebesschmerz empfindet (vgl. Hoffmeister, 123). Auch für Petrarca typische rhetorische Figuren wie Antithese und Oxymora und charakteristische Topoi (z.B. „Liesbeskrieg“, Haare und Augen des geliebten Wesens) sind im Petrarkismus immer wiederkehrende Motive. Wie für die gesamte Kunst der Renaissance, gilt jedoch auch für den Petrarkismus, dass es sich nicht um eine bloße Reproduktion alter, überkommener Vorbilder handelte, sondern dass dabei die eige ne künstlerische Leistung entscheidend war und auf der Basis des Alten etwas Neues erschaffen werden sollte. Das alte, bewunderte Vorbild diente dem wahren Künstler als Inspiration und nicht als bloße Kopiervorlage. Die großen Petrarkisten hätten sonst wohl kaum die ihnen gebührende Berühmtheit erlangt, wenn sie die petrarkistische Vorlage nicht auf originelle Art erneuert und mit ihren eigenen Ideen bereichert hätten. Entscheidend für das Verständnis petrarkistischer Liebeslyrik im sechzehnten Jahrhundert und der Liebeskonzeptionen ihrer Autoren ist jedoch die Kenntnis der im sechzehnten Jahrhundert in Italien aufkommenden Bewegung des Neoplatonismus. Ihr Begründer, der toskanische Arzt und Philosoph Marsilio Ficino (1433-1499), und seine Schriften hatten entscheidenden Einfluss auf die Geistesgeschichte der Renaissance.

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Details

Titel
Vittoria Colonna und der Petrarkismus
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V427758
ISBN (eBook)
9783668717350
ISBN (Buch)
9783668717367
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Petrarca
Arbeit zitieren
Lisa Helfer (Autor), 2007, Vittoria Colonna und der Petrarkismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427758

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