Im Vertrag über die Europäische Union (Maastricht-Vertrag) von 1993 wurde die Errichtung einer WWU bis zum 1. Januar 1999 vereinbart. Die Wechselkurse zwischen den Währungen der Staaten, die an der Währungsunion teilnehmen, sollten durch unwiderruflich festgelegte Umrechnungskurse ersetzt und der Euro als eigenständige Währung eingeführt werden. Gleichzeitig sollten die nationalen Zuständigkeiten auf dem Gebiet der Geldpolitik auf das neu zu errichtende Europäische System der Zentralbanken (ESZB) übertragen werden, das aus der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie den nationalen Notenbanken gebildet werden sollte. Am 1.6.1998 nahm die EZB ihre Arbeit auf und seit dem 1.1.1999 ist sie für die Durchführung der einheitlichen Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet zuständig.
Infolge der europäischen Entwicklungen musste die Deutsche Bundesbank ab 1999 einen großen Teil ihrer Aufgaben und Befugnisse an die EZB übertragen.
Die vorliegende Arbeit zeichnet die geschichtliche Entwicklung kurz nach und beschreibt die Organe und Aufgaben der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank. Anschließend werden die Geldpolitik der EZB (Zielsetzung, Zwei-Säulen-Konzept, Instrumentarium) dargestellt und die Parallelen zwischen Bundesbank und EZB aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte der Deutschen Bundesbank und der EZB
2 Organe und Aufgaben von Bundesbank und EZB
2.1 Die Deutsche Bundesbank
2.1.1 Organe und Organisation
2.1.2 Aufgaben und Befugnisse
2.2 Die Europäische Zentralbank
2.2.1 Organe
2.2.2 Aufgaben
2.2.3 Beziehungen der EZB zu internationalen Organisationen und Foren
3 Die Geldpolitik der EZB
3.1 Zielsetzung
3.2 Zwei-Säulen-Konzept
3.3 Instrumentarium
3.3.1 Offenmarktgeschäfte
3.3.2 Ständige Fazilitäten
3.3.3 Mindestreserven
4 Parallelen zwischen Bundesbank und EZB
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die organisatorische sowie funktionale Ausgestaltung der Geldverfassung in der Bundesrepublik Deutschland, mit besonderem Fokus auf den Übergang von der nationalen Geldpolitik der Bundesbank hin zum europäischen System unter der EZB.
- Historische Genese der deutschen und europäischen Zentralbanken
- Organisationsstrukturen und Entscheidungsfindungen im Eurosystem
- Geldpolitische Strategien der EZB (Zwei-Säulen-Konzept)
- Instrumente der Geldsteuerung (Offenmarktpolitik, Fazilitäten, Mindestreserve)
- Vergleichende Analyse der Unabhängigkeit und Kontinuität
Auszug aus dem Buch
3.2 Zwei-Säulen-Konzept
Die Geldpolitik kann die Preisentwicklung nicht direkt steuern, sondern muss über einen komplexen Transmissionsprozess wirken, der gewöhnlich das Finanzsystem, die Finanzmärkte und die Realwirtschaft umfasst. Die Preisentwicklung reagiert außerdem mit unterschiedlich starker Verzögerung auf den Einsatz der monetären Instrumente. Um also die zukünftige Preisentwicklung halbwegs abschätzen zu können, analysieren und beobachten die Zentralbanken eine Reihe monetärer, finanzieller und sonstiger wirtschaftlicher Indikatoren, mit deren Hilfe eine genauere Beurteilung des wirtschaftlichen Umfelds, der Aussichten für die zukünftige Preisentwicklung und der Wirkung geldpolitischer Maßnahmen erfolgen kann. Um trotz der Komplexität des Themas brauchbare und möglichst sichere Ergebnisse zu gewinnen, beruht der geldpolitische Ansatz der EZB auf zwei einander ergänzenden analytischen Perspektiven, den „zwei Säulen“:
• Wirtschaftliche Analyse
Diese Perspektive ist auf die Beurteilung der kurz- bis mittelfristigen Bestimmungsfaktoren der Preisentwicklung ausgerichtet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der realwirtschaftlichen Entwicklung und den Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft. Dieser Ansatz basiert darauf, dass die Preisentwicklung über diese Zeithorizonte hinweg von Angebot und Nachfrage an den Güter-, Dienstleistungs- und Faktormärkten beeinflusst wird.
• Monetäre Analyse
Die monetäre Analyse konzentriert sich auf einen längeren Horizont und nutzt den langfristigen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen. Sie dient vor allem als Mittel zur Überprüfung der aus der wirtschaftlichen Analyse abgeleiteten kurz- bis mittelfristigen Hinweise für die Geldpolitik.
Dieser Zwei-Säulen-Ansatz soll garantieren, dass bei der Bewertung der Preisrisiken keine relevanten Informationen verloren gehen und dass die unterschiedlichen Sichtweisen sowie die Gegenprüfung von Informationen adäquat berücksichtigt werden, um zu einer soliden Gesamtbeurteilung der Risiken für die Preisstabilität zu gelangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Geschichte der Deutschen Bundesbank und der EZB: Der Abschnitt skizziert den Weg von der deutschen Zentralbank nach 1945 über die Bank deutscher Länder bis hin zur Gründung der EZB im Rahmen der europäischen Integration.
2 Organe und Aufgaben von Bundesbank und EZB: Dieses Kapitel erläutert die veränderte Rollenverteilung und die neuen Organisationsstrukturen der Bundesbank sowie die Aufgabenbereiche und Gremien der Europäischen Zentralbank.
3 Die Geldpolitik der EZB: Hier werden die Zielsetzung der Preisstabilität, das analytische Zwei-Säulen-Konzept sowie die operativen geldpolitischen Instrumente wie Offenmarktgeschäfte und Mindestreserven dargestellt.
4 Parallelen zwischen Bundesbank und EZB: Das letzte Kapitel zieht Vergleiche zwischen dem bewährten deutschen System und dem EZB-Modell, wobei insbesondere auf die Kontinuität in der Unabhängigkeit gegenüber der Politik eingegangen wird.
Schlüsselwörter
Geldverfassung, Deutsche Bundesbank, Europäische Zentralbank, EZB, Geldpolitik, Preisstabilität, Zwei-Säulen-Konzept, Offenmarktgeschäfte, Mindestreserve, Währungsunion, ESZB, Eurosystem, Zentralbank, Geldmenge, Zinspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Strukturen der Geldverfassung in Deutschland und dem Übergang der geldpolitischen Verantwortung an die Europäische Zentralbank.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Notenbanken, die Organe der EZB, die geldpolitische Strategie (Zwei-Säulen-Konzept) sowie die Instrumentarien der Geldsteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung und Analyse, wie sich die Geldpolitik von einem national geprägten System der Bundesbank zu einem europäischen, durch die EZB gesteuerten System gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf Primärquellen, Verträgen der Europäischen Gemeinschaft und Berichten der Zentralbanken basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Aufgaben und Organe der Banken, die theoretischen Grundlagen der Geldpolitik der EZB und die detaillierten Funktionsweisen der geldpolitischen Instrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Preisstabilität, Eurosystem, Zentralbankunabhängigkeit, Offenmarktgeschäfte und Währungsunion.
Was unterscheidet das Zwei-Säulen-Konzept der EZB?
Das Konzept kombiniert eine wirtschaftliche Analyse der kurzfristigen Dynamik mit einer monetären Analyse, um langfristige Preisrisiken besser bewerten zu können.
Wie sicherte die Bundesbank früher ihre Unabhängigkeit?
Die Unabhängigkeit war rechtlich in § 12 BBankG verankert, was die Bundesbank bei der Ausübung ihrer Befugnisse weisungsunabhängig gegenüber der Bundesregierung machte.
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- Katrin Grünwald (Author), 2005, Die Geldverfassung II - Bundesbank und EZB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42783