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Rousseau und Robespierre: Über die Religion und ihr Verhältnis zum Staate

Title: Rousseau und Robespierre: Über die Religion und ihr Verhältnis zum Staate

Seminar Paper , 2003 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Florian Jung (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Es sind dies zweifelsohne Zeiten des Umbruchs, in denen sich entscheidende weltpolitische Akteure neu orientieren und positionieren. Viel ist spekuliert worden über die Zeit nach dem Kalten Krieg. Viele Menschen, die nach langer Zeit von der latenten Angst vor einem dritten Weltkrieg befreit waren, glaubten trotz zahlreicher regionaler Konflikte an ein beginnendes Zeitalter weltweiten Friedens. Doch bereits eine Dekade später nähren nur noch blinder Optimismus oder stoischer Wille einen solchen Glauben. Das Ansehen der Vereinten Nationen als Quell des Weltfriedens hat durch das Vorgehen der „Koalition der Willigen“ enormen Schaden erlitten, und eine Kraft droht die Menschheit zu spalten, die bereits Millionen Menschenleben kostete und zumindest in westlichen Demokratien weitgehend in der Bedeutungslosigkeit verschwunden zu sein schien. Diese Kraft, die religiöse Intoleranz, peitscht islamistische Fundamentalisten zum Terror und begründet gleichzeitig eine Wertegemeinschaft mit, welche sie diesem entgegenstellt. Die Religion hat als Motiv menschlichen und damit auch gesellschaftlichen Handelns wieder verstärkt an Bedeutung gewonnen, und ihr Verhältnis zu einem anderen entscheidenden Prinzip menschlicher Interaktion, der Politik, ist vor allem für westliche Industrienationen ungewohnt vielschichtig geworden.
Zur Aufhebung dieser Befremdlichkeit ist es deshalb auch in laizistischen Staaten unerlässlich, wieder intensiv über das Verhältnis von Religion und Politik nachzudenken. Zu diesem Zweck mag es dienlich sein, die Auffassungen zweier bedeutender historischer Persönlichkeiten, gemeint sind Jean-Jacques Rousseau und Maximilien Robespierre, über eben dieses Verhältnis darzustellen, zumal beide großen Einfluss auf die historische Entwicklung der Demokratie in Europa besaßen. Abschließend sollen dann die beiden Vorstellungen über das Optimum dieses Verhältnisses kurz miteinander verglichen werden. Wobei der nahezu spiegelbildliche Aufbau der Arbeit auch schon während der Darstellung der Ansichten Robespierres Vergleiche mit denen Rousseaus gestattet.
Da der Umfang der vorliegenden Arbeit jedoch begrenzt ist, kann sie das Verhältnis von Politik und Religion nur asymmetrisch, wie die Überschrift bereits andeutet, mit Schwerpunkt auf dem Religionsbegriff, darstellen. Die Kenntnis der Staatstheorien der beiden Autoren wird deshalb vorausgesetzt und nicht ausdrücklich erläutert.

Excerpt


Gliederung

I. Einleitung

II. Jean-Jacques Rousseau: Über die Religion und ihr Verhältnis zum Staate

1. Das Suboptimum

a) Die gedeutete historische Entwicklung

b) Die zu erklärenden Begriffe

aa) La religion de l’homme

bb) La religion du citoyen

cc) La religion du prêtre

2. Das Optimum

a) Die zu instrumentalisierende Religion

b) La religion civile

III. Maximilien Robespierre: Über die Religion und ihr Verhältnis zum Staate

1. Das Suboptimum

a) Die erlebte historische Entwicklung

b) Der zu erklärende Eingriff

2. Das Optimum

a) Die zu instrumentalisierende Religion

b) Der Kult des Höchsten Wesens

IV. Die beiden Optima – ein Optimum

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Religion und Staat bei Jean-Jacques Rousseau und Maximilien Robespierre, um die Instrumentalisierung von Religion für staatliche Zwecke und die Suche nach einem idealen politischen Ordnungsmodell zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie beide Denker das Optimum dieses Verhältnisses konzipieren und welche praktischen Implikationen sowie Spannungsfelder daraus resultieren.

  • Rousseaus Theorie der Zivilreligion als Instrument der Staatsstabilisierung.
  • Robespierres praktische Religionspolitik im Kontext der Französischen Revolution.
  • Der Vergleich zwischen theoretischem Entwurf (Rousseau) und realpolitischer Umsetzung (Robespierre).
  • Das Spannungsfeld zwischen individueller Glaubensfreiheit und politischer Zweckmäßigkeit.
  • Die Analyse der Instrumentalisierung religiöser Bedürfnisse für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Auszug aus dem Buch

aa) La religion de l’homme

Rousseau ist überzeugt von der Existenz einer Religion, die allen Menschen innewohnt. Er bezeichnet sie deshalb als die allgemeine Religion des Menschen. Sie ist Bestandteil der menschlichen Natur und bedarf als solcher keiner äußeren Form, keiner speziellen Institutionen, sie ist einzig „… beschränkt auf den inneren Kult des obersten Gottes und die ewigen Pflichten der Moral, ist die reine und einfache Religion des Evangeliums, der wahre Gottesglaube…“.

Dieser Gottesglaube ist unmittelbar in der menschlichen Natur und der möglichen Wahrnehmung der Wirklichkeit verankert. Er besitzt demnach trotz oder gerade aufgrund seiner streng individualistischen Begrenzung die Möglichkeit zur Überwindung derselben in der Entstehung eines Kollektivs des Glaubens. Wenn diese Religion in jedem Menschen verankert ist, so sind in diesem Punkte alle Menschen gleich. Darin erblickt auch Rousseau die große Leistungsfähigkeit dieser Religion. Durch sie „… erkennen sich die Menschen… alle als Brüder…“; diese Form der Religion kann alleine die große Gefahr der religiösen Intoleranz beseitigen. Allerdings besitzt sie einen entscheidenden Nachteil, der sie der Realität in Richtung des unverwirklichbaren Ideals entrückt: „… statt die Herzen der Bürger an den Staat zu heften, entfernt sie sie davon wie von allen irdischen Dingen…“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Verhältnisses von Religion und Politik und führt die beiden historischen Hauptfiguren Rousseau und Robespierre als Untersuchungsobjekte ein.

II. Jean-Jacques Rousseau: Über die Religion und ihr Verhältnis zum Staate: Dieses Kapitel analysiert Rousseaus Ablehnung bestehender Religionsformen und seinen theoretischen Entwurf einer funktionalen Zivilreligion.

III. Maximilien Robespierre: Über die Religion und ihr Verhältnis zum Staate: Der Abschnitt untersucht Robespierres religiöse Politik während der Französischen Revolution und die Einführung des Kults des Höchsten Wesens.

IV. Die beiden Optima – ein Optimum: Dieses Kapitel vergleicht die Ansätze von Rousseau und Robespierre und diskutiert, inwiefern ihre theoretischen Ideale in der Praxis zu einem „Suboptimum“ führten.

Schlüsselwörter

Rousseau, Robespierre, Zivilreligion, Staat, Religion, Politik, Gesellschaftsvertrag, Instrumentalisierung, Französische Revolution, Kult des Höchsten Wesens, Toleranz, Moral, Volk, Glaubensfreiheit, Staatsorganisation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Religion und Staat bei Jean-Jacques Rousseau und Maximilien Robespierre unter dem Gesichtspunkt, wie Religion zur Stärkung des Staates instrumentalisiert werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die theoretische Ausarbeitung einer Zivilreligion bei Rousseau und die praktische Umsetzung religiöser Politik, wie etwa der Kult des Höchsten Wesens, unter Robespierre.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Konzepte von Rousseau und Robespierre zu analysieren und zu vergleichen, um aufzuzeigen, wie beide eine optimale Beziehung zwischen politischer Ordnung und religiösem Glauben erreichen wollten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die staatstheoretische Werke (wie Rousseaus „Contract Social“) mit den politischen Handlungen und Reden Robespierres in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Rousseaus Religionsverständnis, gefolgt von einer detaillierten Analyse der historischen Ereignisse und der Religionspolitik Robespierres während der Französischen Revolution.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Zivilreligion, Staatsstabilisierung, Instrumentalisierung von Religion, moralische Grundlagen der Gesellschaft und das Verhältnis von individuellem Glauben zum Gemeinwohl.

Wie bewertet der Autor den Erfolg des Kults des Höchsten Wesens?

Der Autor stellt fest, dass der Kult sein Ziel verfehlte, das Volk zu einen, und stattdessen eher Misstrauen und Konflikte schürte, da er nicht in die Herzen der Bürger fand.

Warum ist der Vergleich zwischen Rousseau und Robespierre für den Autor schwierig?

Die Schwierigkeit liegt darin, dass Rousseau primär ein theoretischer Denker war, während Robespierre eine reale politische Machtposition innehatte und unter Handlungsdruck stand, was zu Widersprüchen zwischen Ideal und Praxis führte.

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Details

Title
Rousseau und Robespierre: Über die Religion und ihr Verhältnis zum Staate
College
University of Passau
Grade
1,3
Author
Florian Jung (Author)
Publication Year
2003
Pages
20
Catalog Number
V42794
ISBN (eBook)
9783638407403
Language
German
Tags
Rousseau Robespierre Religion Verhältnis Staate
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Jung (Author), 2003, Rousseau und Robespierre: Über die Religion und ihr Verhältnis zum Staate, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42794
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