Die Vielfalt des sizilianischen Dialektes am Beispiel der Galatesischen Gebete


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

1. Einleitung

Eine diatopische Variation wird als sprachliche Gliederung in einem Raum definiert, die wieder in Dialekten oder regionalen Varianten unterteilt werden (vgl. Gabriel 2007: 65). Die italienische Sprache zeigt diatopische sowie diastratische Unterschiede auf. Die allgemein bekannte Grundsprache Italiens l ’ italiano popolare, wird jedoch nicht nur verwendet, sondern zeigt eine Koexistenz auf sprachlicher Ebene mit den regional bedingten Dialekten. Somit zeigen sich die zahlreichen Sprachvarietäten in Italiens Städten und Regionen am häufigsten (vgl. De Mauro 1997: 42).

Dass diese sich sprachlich sowie schriftlich voneinander unterscheiden, wurde bereits untersucht und in verschiedenen literarischen Werken niedergebracht. Betrachtet man die italienischen Dialekte, zeigt sich dass verschiedene Themen, wie die Grammatik besonders im sizilianischen bereits untersucht wurden, wie beispielsweise Grammatica Siciliana von Giuseppe Pitrè. Besonders Sizilien sticht durch die hohe Vielfalt innerhalb einer Region besonders hervor und erweist sich als vielseitig.

Die Vielschichtigkeit, sowie die verschiedenen Einflüsse deuten auf viele Eroberungen Siziliens hin, welche ihre Spuren in der Sprache hinterlassen haben. Die Sprachgeschichte ist daher von großer Bedeutung und muss genauer betrachtet werden. Bei diesen Unterschieden ist es wichtig zu definieren, inwiefern der Dialekt benutzt wird. Dies kann man nur anhand grammatikalischer und phonetischer Merkmale ausmachen, die vorher festgelegt wurden. Dabei ist zu beachten, welchen Dialekt einer Stadt genauer betrachtet werden soll. Um dies festzulegen, wird zunächst die Sprachgeschichte genauer analysiert und die sich daraus entwickelten Phänomene von Sizilien und in diesem Falle von Galati- Mamertino. Eine Kleinstadt im Norden Siziliens, welche vermutlich vom König Ducenzio 459 v. Chr. errichtet wurde.

Wenn die für diese Arbeit wichtigsten Phänomene festgelegt wurden, kann man diese verwenden, um bestimmte Texte zu analysieren. Die Sizilianer sind für ihre Religion bekannt, sowie Galati mit der Vielzahl an Kirchen. Die sich daraus entwickelten Gebete erweisen sich als einerseits kulturelles Gut, andererseits als sprachliche Texte, die man genauer analysieren kann. Diese werden dazu dienen das Galatesische genauer zu definieren, unter Berücksichtigung der Sprachgeschichte.

2. Sprachgeschichte Siziliens

Die Insel Sizilien ermöglichte durch ihre Lage mehrere Eroberungen, die sich in den Städten und Dörfern unterschiedlich stark niederließen und dementsprechend die Sprache sowie die Kultur beeinflussten (vgl. Gerard 1948: 45). Betrachtet man die Stadt Galati- Mamertino werden unterschiedliche und viele Einflüsse durch die Eroberungsgeschichte gezeigt. Die erste wichtige Eroberung kam seitens der Griechen VIII v. Chr. und besetzten mehrere Städte Siziliens, um aus ihnen ihre Kolonien zu machen. Die Unzufriedenheit der Bewohner ließ diese gegen die Griechen von 459 v. Chr. bis zu ihrer Vertreibung 450 v. Chr. kämpfen. Der führende Herrscher König Ducenzio gründete die damalige Stadt „Calate“, welche dem heutigen Galati entspricht (vgl. Fabio 1999: 13).

Fast zweihundert Jahre später eroberten die Römer 264 v. Chr. die Insel, mit dem Vorwand ihnen helfen zu wollen. Eigentlicher Zweck war jedoch die Insel als strategisch vorteilhaften Ort für den Punischen Krieg1 zu nutzen, um Afrika zu erobern. Ihre Herrschaft war die längste und hielt bis 535 n. Chr. an, bis die Byzantiner Sizilien eroberten und herrschten bis 827 n. Chr. (vgl. Fabio 1999: 14).

Daraufhin folgte die Eroberung der Araber, die jedoch vermutlich bereits vor den Griechen lange Zeit in Sizilien herrschten und ihre Sprache, besonders Syntax und Morphologie, sowie die Kultur in Form von Ernährung und Architektur prägte. Die Eroberung 827 erfolgte jedoch durch die gewünschte Verbreitung ihrer Religion im Namen Allahs, diese handelt jedoch trotzdem zugunsten Siziliens und unterstützen deren Sprache und Kultur mit arabischen Einflüssen. Ihre Religion wurde ebenfalls durch Mitgiften2 toleriert und neben dem Islamismus. Das heutige Galati könnte auch erst zu dieser Zeit errichtet worden sein, während der Erbauung ihres charakteristischen Schlosses (vgl. Fabio 1999: 16).

Ihre Herrschaft zerbrach an inneren Unstimmigkeiten und brachte 1061 die Normannen an die Macht in Sizilien, welche den Christentum wieder stark verbreiteten (vgl. Fabio 1999: 17 f.). Nachdem der letzte normannische König starb, ging die Herrschaft 1186 weiter an die Schwaben, die unteranderem Palermo zur der bekannten Literaturstadt Es wurden drei große Kriege zwischen Karthago (See- und Handelsmacht in Afrika) und dem Römischen Reich, die letztendlich siegten.

Mitgiften waren Gelder oder Güter, welche von den Einheimischen an die Araber gezahlt wurden, um Vor- teile zu erzielen.

Europas machten (vgl. Fabio 1999: 19). Nach dem Tod vom schwäbischen Herrscher übernahmen die Franzosen 1266 Sizilien. Sie wurden allerdings kurz darauf vertrieben und ließen die aragonesischen3 Spanier 1282 übernehmen. Diese beuteten die Sizilianer aus und zeugten für wenig Bereicherung der Sprache oder Kultur. Nichtsdestotrotz zeigte sich in Galati eine konstante Zufriedenheit (vgl. Fabio 1999: 29).

Zur Zeit des Rinascimento wurden viele Kirchen und ein Kloster erbaut, welche bis heute die Kultur der Stadt prägen. Es begannen dann weitere Herrschaften 1713 bis 1720 von den Savoyer4 und von 1720 bis 1734 von den Österreichern, die aber nicht sehr die Dialekte besonders in Galati beeinflussten (vgl. Fabio 1999: 31).

Letztendlich eroberte 1734 der spanische Königssohn Karl III.5 Sizilien und begann die Bourbonen Herrschaft. Die Sizilianer sahen jedoch die Französische Revolution, orientierten sich an ihnen und begannen 1812 sich gegen die Besetzung der Spanier zu währen. Erst während der guerra risorgimentale konnte sie sich 1854 endgültig von den Bourbonen befreien, um 1860 die einheitliche Geschichte Italiens zu beginnen. Die Einigung erreichte Galati am 4. November 1860, doch die vorherrschenden Umstände wie die Arbeitslosenrate wurde dadurch nicht gemindert und zwang unter anderem auch die Sizilianer und Galatesen das Land zu verlassen und in reichere Länder wie Amerika zu immigrieren (vgl. Fabio 1999: 32).

3. Merkmale des sizilianischen Dialektes

Die Insel Sizilien konnte durch ihre begünstigende Lage im Mittelmeerraum mehrere ausländische sprachliche Einflüsse in der Geschichte sammeln. Die Sprache selbst gehört dem indo-europäischen an und die Dialekte setzten sich hauptsächlich aus dem italo- romanen zusammen. Durch die hohe Vielfalt und die große Anreicherung der Varietäten Siziliens ist eine allgemeine Ausführung der Grammatik weitestgehend schwierig. Die größten Einflüsse der Sprache stammen aus dem Lateinischen, Arabischen und Byzantinischen, welche man in einigen dialektalen Wörtern wiederfindet (vgl. Bigalke Aragonesisch ist eine romanische Sprache, die im Norden Spaniens gesprochen wird und dem Spanischen ähnelt.

Die Savoyer lagen zwischen der Schweiz und Frankreich und sprachen dem den Französischen eine franko- provenzialische Sprache namens Arpitan.

Sein eigentlicher Name war Carlos Sebastián de Borbón, wodurch der Name Bourbonen Herrschaft stammt. 1997: 5). „L’idioma siciliano, quindi, come quello italiano, deriva in massima parte dal latino direttamente o attraverso le principali lingue neolatine (italiano, francese, spagnolo)“ (Fabio 1999: 121). Die Sprache besteht wie im Italienischen aus Phonetik, Phonologie, Morphologie, Syntax und Lexik. Betrachtet man nun die Grammatik genauer, gleicht diese dem Italienischen, allerdings verändern sich besonders die Wörter, wie beispielsweise die Verben durch die historisch geprägten äußeren Einflüsse.

3.1. Das Alphabet

Einen Unterschied erkennt man deutlich im Vergleich zum italienischen Alphabet, denn dieser besteht aus 21 Buchstaben. Der sizilianische Dialekt hingegen kann aus bis zu 27 Buchstaben bestehen, davon sind 6 Vokale und 21 Konsonanten. Die vorhandenen Laute sind jedoch zahlreicher, da die Verbindungen der Buchstaben, die sich durch die bereits genannte Historie der Insel, im sizilianischen vielfältig sind (vgl. Fortuna 2002: 17).

Betrachtet man das Alphabet genauer in der Unterteilung der Vokale und Konsonanten, weisen diese Unterschiede zum Italienischen auf. Das Vokalsystem wurde in den Jahrhunderten in Sizilien reduziert und aus dem klassischen Latein bestehend aus zehn Vokalen, wurden es acht im Vulgärlatein und letztendlich wieder verringert auf fünf Vokale / a / , / ɛ / , / i / , / ɔ / , / u / im Sizilianischen (vgl. Mocciaro 1991: 25). Folgende Vokale sind innerhalb der Wörter dominant: / a / , / i / und / u / . Durch Mutationen im Dialekt werden die Vokale / e / und / o / hauptsächlich zu / i / und / u / verwandelt (vgl. Pitrè 2008: 33). Das sehr markante / u / im sizilianischen, ist ebenfalls im Galatesischen sehr stark vertreten, allerdings zeigt sich als ebenfalls dominant das stärker geöffnete / a / , welches seinen Ursprung im Griechischen hat (vgl. Fabio 1999: 115 f.). Ebenfalls typisch ist die Diphthongierung von / e / und / u / zu / ie / oder / uo / in einer offenen Silbe (vgl. Pitrè 2008: 51).

Die allgemeinen Regeln für Konsonanten im sizilianischen gleichen den allgemeinen Regeln im romanischen, welche prinzipiell die stimmlosen beibehalten und die Media sich innerhalb schwächt (vgl. Pitrè 2008: 53). Die Auswirkungen dieser Phänomene sind beispielsweise Mutationen eines Konsonanten, welcher sich nach einem Vokal verdoppelt oder je nachdem zu einem Neuen mutiert. Das Phänomen der Verdopplung ist besonders markant im sizilianischen, stammt aus dem Lateinischen und ist typisch für deren

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Details

Titel
Die Vielfalt des sizilianischen Dialektes am Beispiel der Galatesischen Gebete
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V428096
ISBN (eBook)
9783668717923
ISBN (Buch)
9783668717930
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vielfalt, sizilianischen, dialektes, beispiel, galatesischen, gebete
Arbeit zitieren
Giulia Alí (Autor), 2017, Die Vielfalt des sizilianischen Dialektes am Beispiel der Galatesischen Gebete, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428096

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