Fleischverzehr und Vegetarismus in der Bibel

Das Christentum als "grüne Religion"


Seminararbeit, 2017
11 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was bedeutet „grün sein“

3. Die Ernährung und Speisegebote im Alten Testament

4. Lockerungen der Speisegebote im Neuen Testament

5. Argumentationen
5.1. Argumente für Vegetarismus
5.2. Argumente gegen Vegetarismus
5.3. Argumente für einen bewussten reduzierten Fleischverzehr

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Christentum lässt sich durch viele verschiedene Eigenschaften definieren. Doch ist es auch eine grüne Religion? Eine zentrale Frage , die aufkommt, wenn man das Christentum in seiner Vielfalt von Eigenschaften betrachtet. Man kann verschiedene Ansätze nutzen, um an die Beantwortung dieser Frage zu gelangen. Unter anderem können die Bereiche Tierschutz, politische Predigten, Gentechnologie und der Fairetrade-Handel betrachtet werden. Alle sind in ihrer Art und Weise sehr komplex und decken nur einen Teilbereich ab. Schaut man sich den Bereich der Tier-Ethik an, lassen sich schon viele Möglichkeiten erkennen, um die Frage nach einem „grünen“ Christentum zu beantworten. Diese Ethik wird zum Beispiel in Verbindung mit Massentierhaltung oder Tierversuchen diskutiert. In diesem Zusammenhang interessiert die Auffassung vom Tier als Nahrungsmittel im christlichen Glauben und ob dort der Umgang mit fleischlichen Lebensmitteln überhaupt gestattet ist. Zunächst einmal muss die Formulierung „grünes Christentum“ genauer erläutert werden, wenn man auf dieser Grundlage die weiteren Fragen zum Umgang mit dem Tier als Lebensmittel aufbaut. Um zu schauen, was das Christentum zum Thema Fleischverzehr sagt, stellt die Bibel als Wegweiser durch den christlichen Glauben eine Orientierung dar. Sowohl das Alte als auch das Neue Testament geben in ihren Texten Hinweise auf Ernährungsregeln. Innerhalb dieser Speisegebote sollte auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, ob ein vegetarisches Leben das Christentum als grüne Religion ausmacht und es einen biblisch begründeten Vegetarismus gibt. Für diese These gibt es verschiedene Argumentationsgrundlagen, die unterschiedliche Beantwortungen zur Frage nach einem grünen Christentum erschließen lassen.

2. Was bedeutet „grün sein“?

Laut dem Duden ist eine Bedeutung des Begriffs „grün“ unter anderem zu verstehen als eine Eigenschaft sich um Umweltschutz zu sorgen. Als Beispiele werden „grünes Denken“ und „grüne Produkte kaufen“ genannt.1 Außerdem ist es bekannt in Zusammenhang mit der deutschen Partei Bündnis 90/die Grünen, die sich in ihrer politischen Orientierung im wesentlichen auf ökologische Themen konzentrieren.2 Doch kann man diese Bedeutung auch auf das Christentum übertragen? Gibt es grüne Bezugspunkte?

In Betrachtung der vielen Ernährungsanregungen, die wir in der Bibel finden, lässt sich so manches mal annehmen, dass ein vegetarischer Lebensstil christlich begründet wäre. Einige der Regelungen beziehen sich konkret auf den richtigen Umgang mit dem Verzehr von Fleisch. Sie geben Anregungen ein bewussteres Essverhalten, wie es im jüdischen Glauben auch als koscheres oder treifes Essen in ihren Speisegesetzen beachtet und umgesetzt wird, an den Tag zu legen.

3. Die Ernährung und Speisegebote im Alten Testament

In der Bibel wird gleich zu Beginn im Alten Testament in dem dort beschriebenen Schöpfungsbericht die Orientierung zu einer fleischlosen Ernährung deutlich. Nachdem Gott den Menschen geschaffen hatte, erteilt er ihnen den Herrschaftsauftrag:“... Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“3 Eine Herrschaft bedeutet Fürsorge und Verantwortung für die ihm anvertrauten Lebewesen. Nach Vollendung der Schöpfung wendet sich Gott an den Menschen und erklärt ihm, dass Pflanzen und Früchte dem Menschen zur Nahrungsaufnahme zur Verfügung stehen: „Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.“4 Die Tiere waren zu diesem Zeitpunkt schon geschaffen und hätten ebenfalls eine Nahrungsgrundlage bieten können, was Gott aber nicht zu beabsichtigen schien . Im Paradies klingt die Anweisung Gottes an den Menschen ähnlich, wie zuvor nach Beendigung der Schöpfung: „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen;...“.5 Von der Möglichkeit Fleisch zu essen gibt es keinerlei Andeutung. Weiterführend wird eine vegetarische Ernährung deutlich nachdem Adam und Eva von der Schlange verführt wurden und vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten. Gott grenzt die Möglichkeit der Nahrungsaufnahme weiter ein. Als Strafe soll der Mensch sich mit viel Arbeit und Anstrengung vom Ackerbau ernähren.6 Hier fand eine weitere Einschränkung statt. Man könnte es als eine Mischung aus Frutarier und Veganer in einer besonders strengen Regelung sehen. Nach diesen Anweisungen scheint eine vegetarische Lebensweise von Gott vorgeschrieben. Selbst vor Eintritt der Sintflut weist Gott Noah an, wie er sich während der Zeit auf der Arche ernähren soll: „Und du sollst dir von jeder Speise nehmen, die gegessen wird, und sollst sie bei dir sammeln, dass sie dir und ihnen zur Nahrung diene.“7 Hier wird nicht explizit von bestimmten Nahrungsmitteln gesprochen, aber da Noah sich das Essen mit den Tieren auf der Arche teilen soll, wäre eine fleischfreie Nahrung nachvollziehbar. Ein Raubtier könnte in der Lage sein während der Zeit auf der Arche auf Fleisch zu verzichten und sich von anderem zu ernähren. Denn würden das Raubtier und der Mensch andere Tiere verzehren während der Sintflut, würde die Zahl einiger Tiere dezimiert werden, was wiederum dem Schutzauftrag und der eigentlichen Bestimmung der Arche widersprechen würde. Der Gedanke zu einer fleischfreien Ernährung ändert sich aber kaum, dass die Sintflut vorbei ist. Nachdem diese überstanden war gab Gott Noah Weisungen mit auf den Weg. Er soll nun nicht mehr nur die Erzeugnisse des Ackerbaus essen, sondern seine Ernährung auch auf Fleisch umstellen: „Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich's euch alles gegeben. Allein das Fleisch mit seinem Leben, sein Blut esst nicht!8 Warum nun auf einmal der Wandel kommt, wird nicht eindeutig klar.

Die wichtigsten Regeln und Weisungen des Christentums, die noch heute als Orientierung dienen, sind in den zehn Geboten gegeben, die Mose von Gott auf dem Berg Sinai erhalten hat. (Exodus 20 2-17) Aber dort finden sich keinerlei Weisungen im Hinblick auf die Ernährung. Auch kein Verbot von Fleischverzehr. Andererseits kann man das fünfte Gebot „du sollst nicht töten“9 auch nicht nur zwischenmenschlich betrachten, sondern auch auf alle Mitgeschöpfe übertragen und somit wäre das Essen eines Tieres verboten, wenn es dafür getötet werden müsste.

Später im Exodus-Buch wird in den Geboten der Gottesfurcht darauf verwiesen, dass man kein gerissenes Tier verzehren darf. „... darum sollt ihr kein Fleisch essen, das auf dem Felde von Tieren zerrissen ist,...“10 Dies grenzte dann die Möglichkeiten des Fleischverzehrs noch weiter ein, weil man dann nur Tiere essen dürfte, die höchstens unfallbedingt eingegangen sind. Kranke Tiere oder alte Tiere fallen logischerweise weg, weil sie die eigene Gesundheit gefährden oder ungenießbar wären.

Eine detaillierte Aufzählung von Speisegeboten lässt sich sowohl im Levitikus-Buch als auch im Deuteronomium des Alten Testaments finden. Dort ist die Rede von reinen und unreinen Tieren. In beiden Büchern sind die Speisegebote Teil mehrerer Verhaltensregeln, welche den Menschen von Gott gegeben worden sind. Im Wesentlichen geht es bei diesen Speisegeboten um den Verzehr von Tieren. Während in Levitikus damit begonnen wird, welche Tiere überhaupt gegessen werden dürfen („Dies sind die Tiere, die ihr essen dürft unter allen Tieren auf dem Lande.“11 ), ist es im Deuteronomium das Gegenteilige. Es beginnt mit dem Verbot „Du sollst nicht essen, was dem Herrn ein Gräuel ist.“12. Im Vergleich sind beide Auflistungen identisch. Gegessen werden dürfen wiederkäuende Paarhufer und beschuppte Flossenfische.13 Bei Federtieren werden in beiden Büchern die Vogelarten, die nicht zum Verzehr geeignet sind, genauestens angegeben. Die Auswahl an Federvieh zum Essen ist nach der Verbotsliste nicht mehr allzu groß. Neben dem Adler, dem Falken, dem Strauß und dem Käuzchen werden noch einige andere Vogelarten aufgezählt.14 Übrig war wahrscheinlich nur noch das Haushuhn. Auch heute wird ein Großteil der angegebenen Tiere nicht verzehrt. Meist aus ethischen Gründen oder der Effizienz wegen. Mit diesen Ernährungsregeln ist man aber vom Gedanken des vegetarischen Lebensstils weit entfernt.

4. Lockerungen der Speisegebot im Neuen Testament

Im Neuen Testament tauchen immer wieder Situationen auf, in denen es um die richtige Handhabung mit Lebensmitteln geht. Besonders im Evangelium nach Markus tritt als erstes eine auffällige Veränderung im Umgang damit auf. Als Jesus sich mit seinen Jüngern bei den Pharisäern aufhält ruft er die Leute zu sich und sagt zu ihnen: „Es gibt nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, das ihn unrein machen könnte; sondern was aus dem Menschen heraus kommt, das ist's was den Menschen unrein macht.“15 Der erste Teil des Satzes widerlegt die Weisung, die im Alten Testament noch verschiedene Speisen als unrein ansah. Im weiteren Gesprächsverlauf wird dies noch einmal deutlich. Jesus wandte sich noch einmal an die Menschen und meinte zu ihnen:“ Seid ihr denn auch so unverständig? Versteht ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann? Denn es geht nicht in sein Herz , sondern in den Bauch und kommt heraus in die Grube. Damit erklärte er alle Speisen für rein.“16 Besonders der letzte Satz ist gewichtig in seiner Formulierung. Genau betrachtet ist dies ein Widerspruch zu den Weisungen von Gott aus den Büchern Levitikus und Deuteronomium, in denen es klar formulierte Verbote gab. Schwerlich zu sagen, ob Jesus an dieser Stelle sich selbst das Leben nur einfach macht, um dem Genuss nach Speis und Trank nachzugehen. Eine Vermutung, die im Evangelium nach Lukas Begründung finden könnte. Dort wird von einem genussvollen Leben Jesu´ gesprochen. Er sei ein „Fresser und Weinsäufer“17. Zur Zeit des Neuen Testaments gehörte der Fleischverzehr zu einem guten Leben. Deutlich wird dies im Gleichnis des verlorenen Sohnes, welches Jesus erzählt. Nach der Rückkehr des Sohnes gibt es ein Fest, bei dem das „gemästete Kalb“ gegessen wird. Der Vater spricht, nachdem er seinen Sohn zurück hat: „... und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's, lasst uns essen und fröhlich sein.“18 Auch durch die Aussage des Bruders wird deutlich, dass Fleisch zu einer guten Feierlichkeit dazu gehört und es mit Bedacht gegessen wird, nicht einfach grundlos: „... und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber...hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.“19 Das Tier erhält so eine Bedeutung, wenn es verzehrt wird.

In der Abendmahlgeschichte, wie sie im Lukasevangelium steht, wird keine Ernährungsanregung deutlich, aber eine wichtige Symbolik. Zum Tag der ungesäuerten Brote bittet Jesus darum ein Passalamm vorzubereiten: „Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passalamm, damit wir's essen.“20 Als sie später alle zusammen sitzen, betont Jesus gegenüber seinen Jüngern, was ihm dieses gemeinsame Mahl bedeutet: „Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes.“21 Im Verlauf des Abendmahls teilt Jesus das Brot mit seinen Gefolgsleuten und führt dem Brot damit eine starke Bedeutung bei. „Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.“22 Er setzt den Brotleib mit seinem Leib gleich und lässt ihn symbolisch von seinen Jüngern essen. So, wie sie zuvor das Passalamm gemeinsam aßen.

[...]


1 Bibliographisches Institut GmbH: Duden, unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/gruen#Bedeutung4b (aufgerufen am 22.08.2017)

2 Bibliographisches Institut GmbH: Duden, unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/gruen#Bedeutung4a (aufgerufen am 22.08.2017)

3 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Geneis 1, 28

4 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Genesis 1, 29

5 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Genesis 2, 16-17

6 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Genesis 3, 17 ff

7 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Genesis 6, 21

8 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Genesis 9, 3 ff

9 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Exodus, 20,13

10 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Exodus 22, 30

11 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Levitikus 11, 2

12 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Deuteronomium 14,3

13 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Deuteronomium 14,6 und 14,9

14 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Deuteronomium 14,12 ff

15 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Mk 7,15 ff

16 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Mk, 7,18+19

17 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Lk 7,34

18 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Lk 15,23

19 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Lk 15,29

20 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Lk 22,8

21 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Lk 22,15

22 Bibel, Luther-Übersetzung 2017, Lk 22,19

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Fleischverzehr und Vegetarismus in der Bibel
Untertitel
Das Christentum als "grüne Religion"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Das Christentum als grüne Religion
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V428242
ISBN (eBook)
9783668721630
ISBN (Buch)
9783668721647
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vegetarismus Bibel
Arbeit zitieren
Rebecca Czayka (Autor), 2017, Fleischverzehr und Vegetarismus in der Bibel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428242

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