Exegese Matthäus 19,3-12


Seminararbeit, 2018

27 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textsicherung
2.1 Wirkungsgeschichtliche Reflexion
2.2 Abgrenzung der Perikope
2.3 Übersetzungsvergleich (Tabelle im Anhang)

3. Sprachlich-sachliche Analyse des Textes
3.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen und Realien
3.1.1 Die Pharisäer
3.1.2 Die Schöpfungsgeschichte
3.1.3 Die Jünger/innen Jesu
3.1.4 Soziale Rollen und soziale Situation von Frauen
3.2 Textlinguistische Fragestellungen
3.2.1 Basisoppositionen und Gegensatzpaare
3.2.2 Spannungsbögen
3.2.3 Tragende Begrifflichkeiten und semantische Felder
3.2.4 Akteure
3.2.5 Quantitäten
3.2.6 Wiederholungen
3.2.7 Pro-Formen
3.2.8 Verknüpfungen
3.2.9 Tempora
3.2.10 Erzählbrüche
3.2.11 Gliederung
3.2.12 Kohärenz

4. Die Aussageabsicht des Autors
4.1 Form- und Gattungsanalyse
4.2 Textpragmatische Analyse

5. Kontextuelle Analyse (diachron)
5.1 Traditionsgeschichte (die geistige Vorgeschichte des Textes)
5.2 Synoptischer Vergleich im weiteren und im engeren Sinn

6. Der Text als Teil eines theologischen Gesamktkonzepts (synchron)
6.1 Kompositionskritik
6.2 Redaktionskritik

7. Ergebnis, Fazit

8. Religionspädagogischer/bibeldidaktischer Ausblick

9. Literaturverzeichnis
Internetquellen

10. Anhang

1. Einleitung

Diese Exegese schreibe ich im Rahmen des Seminars Exegetisches Arbeiten im zweiten Modul des Lehramtsstudiums in katholischer Religion.

Für meine Exegese entschied ich mich für eine Bibelstelle im Matthäus Evangelium, in dem Jesus von den Pharisäernüber die Ehe und Ehescheidung gefragt wird. Diese Bibelstelle war mir bisher nicht bekannt, jedoch fand ich in einem meiner Seminare, in dem wir das Matthäus Evangelium gelesen haben, Zugang zu ihr. Aus jetziger Sicht bin ich dankbar, dass ich die Bibelstelle vor einigen Jahren noch nicht kannte, da sich zu dieser Zeit meine Eltern getrennt haben und ich glaube, dass ich die Bibelstelle aus kindlicher Perspektive sehr ernst genommen hätte und eventuell andere Gründe, außer des von Jesu beschriebenen Fall von Unzucht, die zu einer Trennung führen können, nicht akzeptiert hätte.

Meine Motivation für die Auswahl dieser Bibelstelle ist durch einige Fragen zu beantworten. Warum hatte man damals ein so striktes Verständnis von der Ehe? Warum durften Männer ihre Frauen nur verlassen, wenn ein Fall von Unzucht vorlag? Durften auch Frauen ihre Männer aus diesem Grund verlassen? Musste man in der Ehe verharren, wenn die Liebe nicht mehr vorhanden ist?

Ich hoffe diese Fragen im Verlauf der Exegese beantworten zu können und mir ein tieferes Verständnisüber diese Thematik zur Zeit Jesu aneignen zu können.

Für die Exegese benutze ich die Einheitsübersetzung der Bibel, da mir diese persönlich zuspricht und ich mich mit deren Sprache und Ausdrucksweise identifizieren kann.

2. Textsicherung

2.1 Wirkungsgeschichtliche Reflexion

Das in Mt 19,3-12 enthaltene Motiv der Ehescheidung und der Enthaltsamkeit war kirchengeschichtlich ein wichtiges Thema. Der Text wurde für das Gesetzesverständnis des Gnostikers Ptolemäus zum Grundtext. Da das ganze Opfergesetz im Judenchristentum als eine Erlaubnis Mose angesichts der Sünden im Volk verstanden wurde, wurde der Text für die spätere Kirche eine ״Hilfe, mit dem Problem der Geltung des Mosegesetzes grundsätzlich fertig zu werden.“[1] Wirkungsgeschichtlich vor allem relevant sind aber die Verse 10-12, da diese eine wichtige Rolle in der Diskussion um den Zölibat spielen. Manche heutigen katholischen Ausleger begründen mit der Textstelle ein dem Evangelium gemäßes Verständnis des Zölibats, in dem das von Jesus gewollte Zölibat nichts zu tun hat mit dem Ideal der Enthaltsamkeit, das Ziel sei vielmehr die Anwendung aller menschlichen Kräfte auf das Werk des Gottesreiches.[2] Allerdings spielte diese stelle in der Alten Kirche nur eine geringe Rolle, was in derer Abneigung gegen Eunuchen zu begründen ist und in der Notwendigkeit sich gegen eine wörtliche Deutung des Textes zu wehren, da es bei Origines zu Selbstkastrationen kam.[3] Die populärste Auslegung nimmt die Erkenntnis vorweg, dass der dritte Typ der Eunuchen, nämlich der, welcher sich freiwillig gegen die Ehe entscheidet,übertragen zu sehen ist. Denn nur dieser dritte Typ ist gnadenhaft, bzw. tugendhaft, da nach Clemens Alexandrinus ein wahrer Eunuch nicht der ist, der zum Sexualverkehr unfähig ist, sondern der, welcher sich freiwillig gegen ihn entscheidet.[4] Die verbreiteste Deutung im Sinne sexueller Askese findet man beispielsweise bei Gnostikern oder syrischen Wanderasketen, aber auch bei manchen Kirchenleuten. Kirchliche Ausleger warnen allerdings vor einer krampfhaften Askese und halten dazu an, dass nicht jeder diese fassen kann und diese kein Gebot für alle sei.[5]

Das Aufgreifen eines Zölibats war also vor allem in der Alten Kirche, aber auch heute noch, ein wichtiges Thema. Im Sinne der Zurückhaltung dieser, deutete man Mt 19,12 allerdings eher als ״Rat zur Jungfräulichkeit, nicht als Gebot“.[6]

2.2 Abgrenzung der Perikope

Um die Abgrenzung der Perikope deutlich zu machen, muss man zunächst den Makrokontext miteinbeziehen und die Verse 1-2 genauer betrachten. Dort wird durch die Worte ״[...] verließer Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.“ deutlich, dass ein Ortswechsel, und somit eine klare Abgrenzung zum vorher Geschilderten stattfindet. Die Verse 1-2 handeln jedoch im Gegensatz zu den darauffolgenden Versen von einer Heilsgeschichte, sodass diese als erste Sinneinheit zu verstehen sind.

Vers 3 beginnt mit dem Adverb ״da“, welches aufzeigt, dass der neue Handlungsstrang an dieser stelle, bzw. zu diesem Zeitpunkt eintritt. Es wird nicht klar deutlich, ob ״da“ in diesem Fall auf die zeitliche oderörtliche Einordnung abzielen möchte. Trotzdem ist es ersichtlich, dass kein erneuter Ortswechsel stattfindet und sich das Gespräch Jesu mit den Pharisäern in Judäa ereignet. Gleichzeitig gibt es einen Personenwechsel, welcher durch die beginnenden Worte in Vers 3 deutlich wird: ״Da kamen die Pharisäer zu ihm, [...]“. In Vers 3-9 unterhält sich Jesu also mit den Pharisäern, die ihn fragen, ob man die Ehe aus jedem beliebigen Grund scheiden darf. Meines Erachtens endet diese Sinneinheit in Vers 9, da in Vers 10 die Jünger Jesu in Erscheinung treten, die vorher nicht erwähnt wurden, womit ein neuer Sinnabschnitt, die Jüngerbelehrung, beginnt. Die Jünger behaupten aufgrund der Ausführung Jesu, dass der Mensch den Bund, den Gott geschaffen hat, nicht trennen darf, dass es nicht gut sei zu heiraten. Man könnte die Sinneinheit Vers 3-9 nochmals in zweiteilen, nämlich in Vers 3-7 und Vers 7-10; so würde man jeder Frage der Pharisäer und der dazugehörigen Antwort Jesu einen Sinnabschnitt Zuteilen.

Der Abschluss der Perikope wird dadurch deutlich, dass wiederum ein Wechsel der Personen und der Handlung folgt, was durch Vers 13 ״da brachte man die Kinder zu ihm [...]“ sichtbar wird.

2.3 Übersetzungsvergleich (Tabelle im Anhang)

In den deutschen Übersetzungen lassen sich beim genaueren Untersuchen der Perikope einige Unterschiede feststellen. Ich habe die Übersetzungen der Einheitsübersetzung, Zürcher Bibel und der Elberfelder Bibel verglichen.

In Vers 3 findet man gleich zu Beginn der Bibelstelle den ersten Unterschied in den Übersetzungen. Allein die Zürcher Bibel verwendet anstatt des Terminus ״versuchen“ die einfachere Ausdrucksweise ״auf die Probe stellen“. Diese verschiedenen Ausdrücke tragen zu keinem Bedeutungsunterschied bei, dennoch ist die Übersetzung der Zürcher Bibel für einen Leser ohne theologische Vorkenntnisse greifbarer. Zwar erfährt man als Leser in keiner Übersetzung, warum die Pharisäer Jesus auf die Probe stellen wollen, doch ist dies durch die Verwendung der Phrase ״auf die Probe stellen“ sofort fassbar, während der Terminus ״versuchen“ für ungeübte Bibelleser Verwirrung hervorrufen kann.

In Vers 4 antwortet Jesus den Pharisäern auf ihre Frage hin, ob man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen könne. Die Elberfelder Bibel verwendet nach ״er antwortete“ noch den Zusatz ״und sprach“. Dieser Zusatz verleiht Jesus Erhabenheit gegenüber seinen Zuhörern und lässt das Gespräch noch mehr wie eine Belehrung wirken.

In Vers 5 ״darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen“ benutzt allein die Elberfelder Bibel anstatt ״Mann“ das Wort ״Mensch“. Ich denke, dass mit ״Mensch“ in diesem Fall ebenfalls der Mann gemeint ist und auf eine sehr ursprüngliche Bedeutung zurückgegriffen wird, da Gott zuerst den Mann schuf und dieser somit den ursprünglichen Menschen verkörpert.

In Vers 7 ״der Frau eine Scheidungsurkunde zu geben und sie aus der Ehe zu entlassen“ verzichtet die Elberfelder Bibel auf das Personalpronomen ״sie“ und lässt eine Deutung offen, ob es auch einer Frau gestattet sein könnte, den Mann aus der Ehe zu entlassen. Allerdings gilt dies nur für den Leser ohne große Vorkenntnisse, da Matthäus bewusst Mk 10,12 nichtübernimmt, ״da es für ihn in jüdischer Tradition nicht denkbar ist, dass eine Frau ihren Mann entlässt.“[7]

In Vers 8 ״wegen eurer Flartherzigkeit“ benutzt lediglich die Elberfelder Bibel denähnlichen Begriff ״Flerzenshärtigkeit“. Diese Begriffe drücken sinngemäßdas gleiche aus, allerdings wird in der Elberfelder Bibel die Begrifflichkeit des Flerzens in den Vordergrund gestellt. Nach jüdischer Auffassung soll das Gesetzeswort in den Menschen eindringen bis in die Tiefe seines Flerzens, damit dieser das Wort verinnerlichen kann. Da ebendiese Flerzenshärtigkeit verhindert, dass die Menschen Gottes Wille in sich wirken lassen, hat Mose den Scheidebrief erlaubt (5. Mose 24,1-4).[8]

Vers 9 ״wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch“, wird in der Elberfelder Bibel durch den Satz ״und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch“ ergänzt. Somit begeht auch ein Mann, der noch unverheiratet ist und eine Frau heiratet, die von einem anderen aus der Ehe entlassen wurde, Ehebruch.

In Vers 12 ״denn manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und mache haben sich selbst dazu gemacht [...]“ lässt die Einheitsübersetzung einen deutlich größeren Interpretationsspielraum zu. Während in den Übersetzungen der Züricher Bibel und der Elberfelder Bibel die Unfähigkeit zur Ehe klar mit der Fähigkeit den Sexualakt zu vollziehen verknüpft ist, da diese die Beschreibung ״Eunuch“, bzw. ״Verschnittener“ verwenden, kann man die Auslegung der Einheitsübersetzung einfacher in den heutigen Kontextübertragen und andere Gründe für die Unfähigkeit zur Ehe benennen.

3. Sprachlich-sachliche Analyse des Textes

3.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen und Realien

3.1.1 Die Pharisäer

Der Name Pharisäer bedeutet vom hebräischenübersetzt ״der Abgesonderte“ was wahrscheinlich an die außenstehende Charakteristika dieser Gruppe anknüpft. Den Pharisäern ging es vor allem um die Heilung des Alltags durch die Tora, das heißt sie hatten das Ziel, dass die ursprünglich nur für den Priesterdienst am Tempel geltenden Reinheits- und Speisegebote auf die alltäglichen Lebensvollzüge des ganzen Volks ausgeweitet werden.[9] Die Pharisäer haben sehr genau auf die Einhaltung des Gesetzes und der mündlichen Tradition geachtet und waren gegenüber allen fremden und neuen Einflüssen ablehnend.[10]

3.1.2 Die Schöpfungsgeschichte

Das Neue Testament entwickelt keine eigene Schöpfungsvorstellung, sondern beruht sich auf die des Alten Testaments. Die Menschen damals glaubten, dass die Lebensgrundlage des Menschen auf das Wort und den Willen Gottes zurückzuführen ist.[11]

3.1.3 Die Jünger/innen Jesu

Die Jünger/innen Jesu sind als diejenigen zu bezeichnen, ״die das Leben Jesu teilten und mit ihm unterwegs waren, die von ihm lernten und mit ihm arbeiteten, - die ihm nachfolgten“. Alle Jünger/innen gehörten der Jesusbewegung an. Sie stammten größtenteils aus Galiläa undübten die dort verbreiteten Berufe aus, wie Z.B. Fischer oder Zöllner.[12]

3.1.4 Soziale Rollen und soziale Situation von Frauen

Zur Zeit Jesu herrschte eine sehr strikte Unterscheidung der Geschlechterrollen und den Attributen, die dem jeweiligen Geschlecht zugeordnet waren. Diese Rollen wurden als von Gott gegeben gesehen und die Vertauschung von männlichen und weiblichen Rollen war unerwünscht.[13] Frauen hatten im Gegensatz zu Männern einen wenig differenzierten Zugang zu den verschiedenen Ressourcen desöffentlichen Lebens.[14] Trotzdem ist nicht anzunehmen, dass Frauen vollständig aus demöffentlichen Leben ausgeschlossen wurden und ihre Anwesenheit auf den Bereich des Flauses beschränkt war. Sie haben beispielsweise an Theaterbesuchen teilgenommen, teilweise an Gerichtsverhandlungen oder ihre Berufstätigkeit hat die Anwesenheit außerhalb des Flauses erfordert.[15]

3.2 Textlinguistische Fragestellungen

3.2.1 Basisoppositionen und Gegensatzpaare

In Mt 19,3-12 lassen sich zwei Basisoppositionen ausmachen, die den Zustand A zu Beginn der Perikope und den Zustand в zum Ende hin anzeigen. Der Ausgangspunkt der Erzählung ist ein Gespräch zwischen Jesus und den Pharisäern, welches in Vers 3-9 stattfindet. Die Pharisäer fragen Jesus, ob man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen dürfe, worauf Jesus antwortet, indem er die Schöpfergeschichte zitiert. In Vers 10-12 führt Jesus ein Gespräch mit seinen Jüngern und die Pharisäer werden nicht mehr erwähnt. Somit ist Zustand A (Vers 3-9) ein Streitgespräch zwischen Jesus und den Pharisäern und Zustand B (Vers 10-12) eine Jüngerbelehrung.

3.2.2 Spannungsbögen

Die Perikopě ist durch einen Spannungszustand zwischen der Ausgangssituation und der Endsituation gekennzeichnet. Der Spannungszustand wirdüber die ganze Perikope hinweg erzeugt, denn den Zielpunkt kennt der Leser zu Anfang nicht. Vers 3 bildet die Exposition des Textes, da die Basis der Erzählung geschaffen wird, indem die Pharisäer Jesus ihre Frage stellen. Jesus bezieht sich in seiner Antwort auf die Schöpfung und geht auf die Frage nach legitimen Scheidungsgründen gar nicht ein. Der Spannungsbogen wird gehalten, da die Pharisäer in Vers 7 einen Einwand formulieren, in dem sie sich auf das Gebot der Scheidungsurkunde von Mose beziehen. Der Leser ist gespannt auf die Antwort Jesu, da er weiß, ״dass es für Jesus einen Gegensatz zwischen dem Wort des Mose und dem Wort des Schöpfers nicht geben kann.“[16] Auch jetzt flaut die Spannung der Perikope nicht ab, da Jesus in Vers 9 plötzlich doch eine Möglichkeit der Scheidung erwähnt, nämlich den Ehebruch. In Vers 10 eröffnet sich ein zweiter Spannungsbogen, da nun plötzlich die Jünger auftauchen und die Schlusssequenz der Perikope in ein Jüngergesprächübergeht (siehe Punkt 3.2.1). Man könnte behaupten, dass Vers 11 eine Peripetie darstellt, die in Vers 10 eingeleitet wird. Der Abschnitt der Ehe ist nach Vers 9 eigentlich abgeschlossen und Vers 10-12 handelt von etwas Neuem, der Ehelosigkeit.[17] Erst im letzten Vers der Perikope fällt die Spannung wieder, da Jesus seine Rede beendet.

3.2.3 Tragende Begrifflichkeiten und semantische Felder

Mt 19,31-12 weist zwei bedeutende Wortfelder auf. Zum einen gibt es das Wortfeld der Schöpfung, das aus den Wörtern ״der Schöpfer“, ״erschaffen“, ״am Anfang“ und ״von Geburt an“ besteht. Dies unterstreicht, dass für Jesus eine Scheidung im Grunde genommen gar nicht in Frage kommt und durch den Verweis auf die Schrift und auf Gott selbst gibt er dem, was folgt, eine besondere Autorität.[18]

Zum anderen ist das Wortfeld der Ehe, bzw. Scheidung bedeutend. Dies wird hervorgehoben durch die Wörter ״Mann“, ״Frau“, ״Scheidungsurkunde“, ״Ehebruch“, ״heiraten“, ״ein Fleisch“. Dieses Wortfeld beschreibt das elementare Thema dieser Perikope, da eines der Flauptthemen der Bibelstelle die Ehe und Ehescheidung ist. Außerdem passt das Wortfeld der Ehe zu dem der Schöpfung, da in der Genesis die Menschen als Mann und Frau geschaffen wurden und somit auch die Ehe geschaffen wurde.

Die Textstelle besteht fast ausschließlich aus wörtlicher Rede, sodass die Verben des Sprechens eine elementare Rolle spielen. Es werdenüberwiegend verschiedene Varianten von ״sagen“ verwendet, wie Z.B. ״fragen“, oder ״antworten“.

3.2.4 Akteure

Insgesamt gibt es drei verschiedene Personen, bzw. Personengruppen: Jesus, die Pharisäer und die Jünger. In der Kommunikationsstruktur dieser Perikope lässt sich ein einfaches Muster heraussteilen. Es wird eine Frage gestellt oder eine Behauptung aufgestellt, auf die Jesus antwortet. Zu Beginn stellen die Pharisäer Jesus eine Frage (siehe Punkt 3.2.1). Durch das Wort ״versuchen“ wird deutlich, dass die Pharisäer und Jesus keine Freunde sind, sie werden als versucherisch personifiziert und es wird angedeutet, dass die Frage in böser Absicht gestellt wurde.[19] Durch die Worte Jesu in Vers 4 ״Flabt ihr nicht gelesen [...]“ impliziert Jesus die mangelnde Schriftkenntnis der Pharisäer.[20] Jesus bildet das Zentrum der Erzählung, er hat den größten Sprechanteil. Die Jünger Jesu treten erst zum Ende der Perikope hin auf und schlussfolgern aus dem Vorausgegangenen, dass eine Heirat nicht ratsam sei. Da Jesus in Vers 3-9 in hohem Ton von der Ehe gesprochen hat, bleibt unklar warum die Jünger eine Ehe als nicht ratsam empfinden und die Bemerkung wirkt im Kontext recht unpassend.[21] Jesus nutzt die Gelegenheit, um die Jünger zu belehren.

3.2.5 Quantitäten

Wie bereits in Punkt 3.2.3 beschrieben, besteht die Perikope hauptsächlich aus der wörtlichen Rede Jesu, die eindeutig den Schwerpunkt darstellt. Die Fragen der Pharisäer werden kurz gehalten und umfassen jeweils nur einen Vers, während die Antworten Jesu ausführlichüber mehrere Verse hinweg beschrieben werden. Das gleiche umfasst die Verse 10-12, in denen der Fokus ebenso auf der Antwort Jesu liegt.

[...]


[1] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, u. Luz, s. 97

[2] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament u. Luz s. 103

[3] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament u. Luz s. 103

[4] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament u. Luz s. 104

[5] Evangelisch-Katholischer-Kommentar zum Neuen Testament, u. Luz, s. 104, 105

[6] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament u. Luz s. 105

[7] Das Evangelium nach Matthäus, Ulrich Luck, S.212

[8] Das Evangelium nach Matthäus Ulrich Luck s. 211

[9] www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-nt/religioese-parteien/pharisaeer/ (16.08. 20:07)

[10] Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel und Handkonkordanz, s. 2099

[11] http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-at/schoepfung/ (24.8. 19:44)

[12] Grundbegriffe zum Alten und Neuen Testament, Bechmann/Fander, s. 150,151

[13] Urchristliche Sozialgeschichte, E.w. Stegemann/W. Stegemann, s. 309

[14] Urchristliche Sozialgeschichte E.w. Stegemann/W. Stegemann s. 311

[15] Urchristliche Sozialgeschichte E.w. StegemannW. Stegemann s. 315

[16] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, u. Luz, s. 94

[17] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament u. Luz s. 106

[18] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament u. Luz s. 93

[19] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, u. Luz, s. 93

[20] Das Evangelium nach Matthäus, M. Konradt, s. 297

[21] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, u. Luz, s. 107

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Exegese Matthäus 19,3-12
Note
2,5
Autor
Jahr
2018
Seiten
27
Katalognummer
V428243
ISBN (eBook)
9783668729766
ISBN (Buch)
9783668729773
Dateigröße
898 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, matthäus
Arbeit zitieren
Isabel Dammer (Autor), 2018, Exegese Matthäus 19,3-12, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428243

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