Im ersten Teil dieser Dissertation werden die Forschungsergebnisse über Armut aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen behandelt. Des Weiteren wird auf die Problematik der Arbeitslosigkeit als „kritisches Lebensereignis“ unter Berücksichtigung historischer Aspekte eingegangen.
Der zweite Teil hat die theoretischen Grundlagen der -Life-Event-Forschung- zum Gegenstand, wobei die Life-Events aus der Sicht der betroffenen Kinder von arbeitslosen Eltern den Schwerpunkt bilden. Hieran schließt sich eine empirische Untersuchung mit Hypothesenbildung und Datenauswertung an. Als Stichprobe der Untersuchung wurden Kinder im Alter von 12-16 Jahren ausgewählt. Die demographischen Daten wurden mit Hilfe eines Fragebogens ermittelt. Neben dem Einsatz von Fragebögen hätten sich zur Erfassung meiner Fragestellungen Einzelinterviews und Gruppenbefragungen angeboten; auf diese Instrumentarien habe ich wegen der Zeitintensität und der möglichen Verletzung der Privatsphäre verzichtet. Es folgen im vierten und fünften Teil in Anlehnung an Mayring Expertenberichte von Psychologen und Pädagogen sowie Bewältigungsstrategien für die Problematik der Kinder arbeitsloser Eltern. Ziel dieser Arbeit ist nicht die Reproduktion isolierter Theorievorgaben, fertiger Einzelergebnisse oder die Wiedergabe von Geltungs- oder Wahrheitsansprüchen, sondern die Sicht auf empirisch ermittelte und wissenschaftlich analysierte Befunde, auf notwendige praxisbezogene Folgerungen und -darauf aufbauend-reflektiertes und reflektierendes pädagogisches Handeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armut, soziale Deprivation und Arbeitslosigkeit von Familien und ihren betroffenen Kindern
2.1 Basiskonzepte der Armut
2.2. Armut bei Kindern und Jugendlichen
2.3. Datenbasis: Sozio-ökonomisches Panel, Mikrozensus und Sozialhilfestatistik
2.4 Arbeitslosigkeit als kritisches Lebensereignis
2.4.1 Funktion der Arbeit und Forschungsergebnisse zur Arbeitslosigkeit
2.4.1.1 Die Marienthal-Studie
2.4.1.2 Die Warschauer Studie
2.4.1.3 Arbeitslosigkeit während des Nationalsozialismus (1933-1945)
2.4.1.4 Die Detroit-Studie
2.4.1.5 Die Bredaer Protokolle
3. Theoretische Grundlagen: – Life – Event-Forschung und mögliche Konzepte sozialer Unterstützung- – Life – Events aus der Sicht des Kindes
3.1 Historische Entwicklung der Life – Event-Forschung
3.2 Merkmale der Life-Event-Forschung
3.3 Psychische Störungen und kritische Lebensereignisse
3.3.1. Das medizinische Paradigma
3.3.2 Das sozialwissenschaftliche Paradigma
3.3.2.1 Der strukturell-funktionale Ansatz
3.3.2.2 Der prozessuale Ansatz
3.4 Therapieerfolg und kritische Lebensereignisse
3.5 Das Konzept der sozialen Unterstützung
3.5.1 Die Wirkung sozialer Unterstützung
3.5.2 Die Haupt-Effekt-Unterstützung
3.5.3 Die Puffer-Effekt-Unterstützung
3.5.4 Der Ausschließlichkeitsanspruch, der Haupt-Effekt und der Puffer Effekt Unterstützung
3.6 Life-Event-Forschung: Zwischen sozialen Erwartungen und individuellen Fähigkeiten
3.7 Life-Event-Forschung aus der Sicht von Kindern arbeitsloser Eltern
3.7.1 Kinderrechte
3.7.2 Die Rollenverteilung in der Familie
3.7.3 Kinder in der Armuts- und Arbeitslosenforschung
3.7.3.1 Situation in der Schule
3.7.3.2 Kinderarbeit
3.7.3.3 Die Versorgungs- und Gesundheitslage - Theoretische Grundlagen sozialepidemiologischer Forschung
3.7.3.4 Sozialepidemiologische Untersuchungen in der Geschichte
3.7.3.5 Soziale Ungleichheit in der Mortalität
3.7.3.6 Soziale Unterschiede in der Säuglingssterblichkeit
3.7.3.7 Soziale Ungleichheit in der Morbidität
3.7.3.8 Kindesmisshandlung
4. Empirische Untersuchung
4.1 Untersuchungsmethode
4.1.1 Statistische Angaben zum Untersuchungsfeld
4.1.1.1 Statistische Ausgangssituation im Arbeitsamtsbezirk Bochum
4.1.1.2 Hypothesen dieser Untersuchung
4.1.1.3 Allgemeine Angaben zur Untersuchungsmethode
4.1.1.3.1 Gütekriterien der empirischen Untersuchungsinstrumente
4.1.1.3.2 Fragebogen
4.1.1.3.3 Durchführung der schriftlichen Befragung
4.1.2 Datenauswertung
4.1.2.1 Sozio-demographische Daten
4.1.2.2 Alter
4.1.2.3 Geschwister
4.1.2.4 Transfereinkommen der Eltern
4.1.2.5 Dauer der Arbeitslosigkeit
4.1.2.6 Schulabschluss und ausgeübter Beruf vor der Arbeitslosigkeit
4.1.2.7 Betätigung des arbeitslosen Elternteils im Haushalt
4.1.2.8 Soziale Beziehungen zwischen Eltern und Kindern vor und nach der Arbeitslosigkeit
4.1.2.9 Bestrafungen der Kinder durch ihre Eltern
4.1.2.10 Bestrafungsformen
4.1.2.11 Besuchte Schulformen
4.1.2.12 Schulleistung
4.1.2.13 Nachlassen der mündlichen und schriftlichen Leistungen
4.1.2.14 Schulbesuch und-versäumnisse bei der Arbeitslosigkeit
4.1.2.15 Beziehung zu den Lehrern
4.1.2.16. Berufsaussichten
4.1.2.17 Kinderarbeit
4.1.2.18 Freizeitverhalten
4.1.2.19 Psychosomatische Begleiterscheinungen
5. Expertenberichte
5.1 Bericht „Schmidt-Kessler“ vom 28.06.1993
5.2 Bericht „Heuer“ vom 17.08.1993
5.3 Bericht „Mester“ vom 14.03.1993
5.4 Schulischer Bereich
5.5 Privater Bereich
5.6 Kinderarbeit
6. Zusammenfassung
7. Bewältigungsstrategien für die Problematik der Kinder arbeitsloser Eltern
7.1 Effektivität von Copingprozessen
7.2 Das Bewältigungsverhalten
7.2.1 Differenziertheitsgrad
7.2.2 Soziale Aspekte des Bewältigungsverhaltens
7.2.3 Problemorientierte Aspekte des Bewältigungsverhaltens
7.2.4 Erfolgversprechende Verhaltensweisen und die Realisierung
7.2.5 Realisierung empfundener Verhaltensweisen
7.3. Beratungsangebote zur Bewältigung kritischer Lebensereignissen
7.3.1 Möglichkeiten der Jugendhilfe
7.3.1.1 Erziehungsberatungsstellen
7.3.1.2 Erziehungsbeistandschaften und sozialpädagogische Familienhilfen
7.3.1.3 Tagesgruppen
7.3.1.4 Heimerziehung und sonstige Wohnformen
7.3.1.5 Schulsozialarbeit
7.3.1.6 Gemeinde und Stadtteilarbeit
8. „Zur Ernährungsreform“
9. Fazit und Relevanz für die pädagogische Praxis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die psycho-sozialen Auswirkungen von Armut und Arbeitslosigkeit auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Ziel ist es, unter Einbeziehung empirischer Daten und theoretischer Konzepte der Life-Event-Forschung, Belastungen zu identifizieren und pädagogische Unterstützungsstrategien für betroffene Familien zu entwickeln.
- Psychosoziale Folgen von Arbeitslosigkeit für Kinder
- Die Rolle der sozialen Unterstützung (Haupt- und Puffer-Effekte)
- Empirische Untersuchung zur Lebenssituation arbeitsloser Familien in Bochum
- Entwicklung und Evaluation von Bewältigungsstrategien
- Pädagogische Interventionsmöglichkeiten in Schule und Jugendhilfe
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Funktion der Arbeit und Forschungsergebnisse zur Arbeitslosigkeit
A. Wacker formuliert folgende sieben Funktionen von Arbeit:
1. Arbeit stellt ein soziales Kontaktfeld dar, bietet die Möglichkeit, sich auszutauschen und Freundschaften zu schließen.
"Man ist kein Mensch mehr’, sagt die arbeitslose Kunstwissenschaftlerin Gerlinde Brandt, 37.’Man traut sich immer weniger zu ‘. Im Bekanntenkreis ist sie die einzige ohne Job. Die anderen reden von der Arbeit, von ihren Reisen, die arbeitslose Freundin bleibt stumm. Kino, Restaurantbesuche, Sonntagmorgen-Brunch im Hotel- sie, so Brandt, könne sich das mit 1200 Mark Sozialhilfe nicht mehr leisten. Über ihren momentan größten Wunsch, eine eigene Waschmaschine für sich und ihre Tochter, lachen die anderen."1
2. Durch die Bewältigung der Arbeitsaufgaben kann man seine Fähigkeiten objektivieren und gewinnt ein Gefühl für seine Kompetenz.
3. Durch die Produktion wichtiger Güter für andere vermittelt Arbeit die Erfahrung, gebraucht zu werden und der Gesellschaft anzugehören.
"In der bürgerlichen Gesellschaft beruht der Wert des Menschen auf seiner ökonomischen Leistungsfähigkeit. Das Maß an Respekt, das ihm entgegengebracht wird, hängt von dem Ausmaß seiner ökonomischen Kapazität ab. Menschen, die ökonomisch keine Potenz darstellen, sind letzten Endes auch menschlich unbeachtlich."2
4. Arbeit bietet einen sozialen Orientierungsrahmen, der wesentlich für die individuelle Selbsteinschätzung ist.
"Wer Arbeit hat, gesichert und einträglich, der zeigt, dass er ‘etwas geworden’ ist. Er verdient sein Einkommen und kann sich all die Dinge leisten, die wichtig sind fürs Prestige. Arbeit vermittelt Chancen, Bestätigung, Erfolg. Der Job gibt Halt, sichert Kontakte und Gesprächsstoff."1
5. Arbeit ermöglicht die Ausgestaltung und Prüfung des individuellen Realitätskonzepts durch die Konfrontation mit der Realität.
6. Arbeit bietet Bestätigung dafür, über bestimmte Kenntnisse und Fertigkeiten zu verfügen, und bildet so die Basis für die Ausbildung einer persönlichen Identität.
7. Durch die Honorierung der Arbeit wird man erst materiell autark, unabhängig sowohl von den Familienangehörigen (Eltern, Lebensgefährten) als auch vom staatlichen Sozialsystem.
Zusammenfassend möchte ich an dieser Stelle Karl Jaspers2 zitieren:
“Arbeit ist eine Forderung an den Menschen, deren Erfüllung ihn erst zum Menschen werden läßt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die politische Diskussion um Kinderrechte und verknüpft diese mit der massiven Arbeitslosigkeit in Deutschland im Jahr 2000, um das Forschungsfeld zu definieren.
2. Armut, soziale Deprivation und Arbeitslosigkeit von Familien und ihren betroffenen Kindern: Dieses Kapitel erörtert Armutskonzepte und die Datenlage zu sozio-ökonomischen Problemen, während es gleichzeitig die Rolle der Arbeitslosigkeit als kritisches Lebensereignis historisch und psychologisch einordnet.
3. Theoretische Grundlagen: Hier werden die wissenschaftlichen Ansätze der Life-Event-Forschung und soziale Unterstützungsmodelle erläutert, um ein theoretisches Fundament für die Belastungssituation von Kindern zu bilden.
4. Empirische Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert das methodische Vorgehen und die Auswertung der Befragung von Kindern im Alter von 12-16 Jahren in Bochum bezüglich ihrer schulischen und sozialen Situation.
5. Expertenberichte: Fachleute aus verschiedenen pädagogischen Arbeitsfeldern berichten von ihren Erfahrungen mit Kindern arbeitsloser Eltern und deren psychosozialen Problemen.
6. Zusammenfassung: Die zentralen Ergebnisse der sieben Hypothesen werden hier synthetisiert und statistisch belegt.
7. Bewältigungsstrategien für die Problematik der Kinder arbeitsloser Eltern: Das letzte inhaltliche Kapitel erarbeitet konkrete Handlungsmöglichkeiten und pädagogische Unterstützungskonzepte, insbesondere durch Jugendhilfe, Schule und Stadtteilarbeit.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, Psycho-soziale Entwicklung, Life-Event-Forschung, Soziale Unterstützung, Familiensoziologie, Bewältigungsstrategien, Kinderrechte, Kindesmisshandlung, Jugendhilfe, Schulerfolg, Armut, Sozialisationsforschung, psychische Gesundheit, Arbeitsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Dissertation untersucht die psycho-sozialen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen innerhalb ihrer Familien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentral sind die Auswirkungen von Armut, die Bedeutung der Life-Event-Forschung für Kinder, die elterliche Erziehungssituation sowie die Rolle sozialer Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Dissertation?
Die Arbeit analysiert, inwieweit hohe Arbeitslosigkeit die Rechte und Entwicklungschancen von Kindern einschränkt und welche Hilfestellungen pädagogische Institutionen bieten können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden eine quantitative Befragung (Fragebögen bei 700 Jugendlichen), eine qualitative Analyse von Expertenberichten sowie eine Sekundäranalyse bestehender sozialwissenschaftlicher Daten verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Life-Event-Forschung und der Sozialisation sowie eine detaillierte empirische Untersuchung zur Lebenswelt arbeitsloser Familien in Bochum.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Kernbegriffe sind Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, soziale Unterstützung, psychosoziale Folgen, Kindesmisshandlung und Bewältigungsstrategien.
Welche Rolle spielt die Kinderarbeit in der Untersuchung?
Die Arbeit thematisiert Kinderarbeit als eine direkte Folge ökonomischer Not in Familien und diskutiert deren negative Auswirkungen auf die schulische Leistung und Entwicklung der Kinder.
Wie bewerten die Experten (Schmidt-Kessler, Heuer, Mester) die Situation?
Die Experten bestätigen die hohen psychosozialen Belastungen der Kinder, betonen die Schwierigkeit des Schulalltags und fordern eine engere Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schulen.
- Quote paper
- Dr. Eberhard Knost (Author), 2000, Auswirkungen von Armut und Arbeitslosigkeit auf die psycho-soziale Entwicklung der Betroffenen und deren Familien, insbesondere der Kinder und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428331