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Kritische Würdigung der Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IAS 38. Eldorado bilanzpolitischer Möglichkeiten?

Eine empirische Untersuchung kapitalmarktorientierter Kapitalgesellschaften in Deutschland

Título: Kritische Würdigung der Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IAS 38. Eldorado bilanzpolitischer Möglichkeiten?

Tesis (Bachelor) , 2017 , 79 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Florian Fiedler (Autor)

Economía de las empresas - Contabilidad e impuestos
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Verkürzte Produktlebenszyklen, rasante technologische Fortschritte und der Einzug der Digitalisierung fordern von Unternehmen eine erhöhte Risikobereitschaft und immer neue Produktinnovationen in immer kürzerer Zeit ab. Insbesondere die Transformation der „Industrie- zur Wissensgesellschaft“ fördert dabei den Nimbus immaterieller Vermögenswerte als ökonomische Werttreiber. Der Forschung und Entwicklung kommt bei der Erstellung dieser eine herausragende Rolle zu. Im Kontext der gesamtwirtschaftlich wachsenden Bedeutung von Forschung und Entwicklung und den damit verbundenen steigenden Ausgaben auf Unternehmensebene stellt sich aus Sicht der Rechnungslegung die zentrale Frage, inwieweit die aktuellen Bilanzierungsvorschriften den Informationsbedürfnissen der Jahresabschlussadressaten bezüglich des „zentralen Erfolgsfaktor[s]“ der Zukunft nachkommen.

Tatsächlich herrscht im Rechnungswesen ein Dissens über den „richtigen“ Bilanzierungsansatz von Forschungs- und Entwicklungkosten. Während in der deutschen Rechnungslegung nach HGB Forschungsaufwendungen nicht aktiviert und Entwicklungskosten wahlweise bilanziert oder als Aufwand erfasst werden können, gilt beispielsweise nach US-GAAP grundsätzlich ein Aktivierungsverbot für Forschungs- und Entwicklungskosten. Die für die vorliegende Arbeit betrachteten IFRS hingegen schreiben eine zwingende Aktivierungspflicht für Entwicklungsaufwendungen bei Erfüllung spezifischer Kriterien vor. Tatsächlich stellen die vom IASB diktierten Vorschriften für selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte in ihrer Suche nach dem Ausgleich zwischen Relevanz und Objektivierung eine Kompromisslösung dar, die Anwendern eine Vielzahl bilanzpolitischer Gestaltungsräume gewährt. Der „heilige Gral des Rechnungswesens“ verkommt nach den Bilanzierungsvorschriften des IAS 38 somit zum „Eldorado bilanzpolitischer Möglichkeiten“ und konterkariert eines der Hauptziele der IFRS, nämlich Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen zu gewährleisten, erheblich.

Die vorliegende Arbeit verfolgt zwei Zielsetzungen. Zum einen arbeitet sie im Rahmen einer theoretischen Analyse die Ursachen heraus, die bei der bilanziellen Ersterfassung von Forschungs- und Entwicklungskosten zu einem faktischen Aktivierungswahlrecht für Entwicklungskosten führen. Zum anderen untersucht sie im Rahmen einer empirischen Untersuchung den Umgang IFRS-bilanzierender Unternehmen in Deutschland mit dem faktischen Aktivierungswahlrecht in praxi für die Geschäftsjahre 2012-2016.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Die Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten im Kontext bilanzpolitischer Gestaltungsmöglichkeiten

2.1 Grundlagen der Bilanzpolitik

2.1.1 Einordnung, Objekte und Träger der Rechnungslegungspolitik

2.1.2 Bilanzpolitisches Instrumentarium

2.2 Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IAS 38

2.2.1 Einordnung von Forschung und Entwicklung in den Anwendungsbereich des IAS 38

2.2.2 Bestimmung des Ansatzes von Forschungs- und Entwicklungskosten mithilfe der Vierstufenkonzeption

2.2.2.1 Erste Stufe – Allgemeine Definitionskriterien für Vermögenswerte

2.2.2.2 Zweite Stufe – Spezifische Definitions- und Ansatzkriterien für immaterielle Vermögenswerte

2.2.2.3 Dritte Stufe – Trennung von Forschungs- und Entwicklungsphase

2.2.2.4 Vierte Stufe – Ergänzende Ansatzkriterien für Entwicklungskosten

2.2.3 Zugangsbewertung

2.2.4 Ausweispflichten im Anhang

2.2.5 Einschränkung bilanzpolitischer Gestaltungsmöglichkeiten

2.3 Zwischenfazit

3 Empirische Untersuchung zur aktuellen Rechnungslegungspraxis

3.1 Ziel der Untersuchung

3.2 Methodische Vorgehensweise

3.2.1 Bestimmung der Stichprobe

3.2.2 Datenerhebung

3.3 Auswertung und Interpretation der Ergebnisse

3.3.1 Bedeutung von Forschung und Entwicklung

3.3.2 Aktivierungsverhalten

3.4 Kritische Würdigung der Untersuchung

4 Thesenförmige Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die bilanzpolitischen Gestaltungsspielräume bei der Aktivierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IAS 38. Ziel ist es, zu untersuchen, wie kapitalmarktorientierte Unternehmen in Deutschland das bestehende Aktivierungswahlrecht in der Praxis nutzen und welche Rolle dabei branchenspezifische Faktoren spielen.

  • Bilanzpolitik im Kontext von Forschung und Entwicklung (F&E)
  • Strukturierte Analyse des IAS 38 und der Vierstufenkonzeption
  • Empirische Untersuchung des Aktivierungsverhaltens deutscher kapitalmarktorientierter Unternehmen
  • Einfluss von Branchenzugehörigkeit auf Forschungsintensität und Aktivierungsquoten
  • Kritische Reflexion der Anreize zur Bilanzmanipulation durch Ermessensspielräume

Auszug aus dem Buch

2.2 Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IAS 38

Die Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte des Anlagevermögens wird in der internationalen Rechnungslegung durch IAS 38 geregelt. Ein immaterieller Vermögenswert ist nach IAS 38.8 ein „identifizierbarer, nicht monetärer Vermögenswert ohne physische Substanz“. Beispiele für solche Vermögenswerte sind IAS 38.9 Computersoftware, Lizenzen, Patente oder Urheberrechte. Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind integraler Bestandteil zur Schaffung originärer immaterieller Vermögenswerte und fallen nach IAS 38.5 ebenfalls in den Anwendungsbereich des IAS 38. Dennoch sind nicht alle mit diesen Tätigkeiten verbundenen Ausgaben unter die Vorschriften des IAS 38 zu subsumieren. So verweist IAS 38.3(a) Forschungs- und Entwicklungskosten, die kundenspezifische Aufträge anfallen, auf die Regelungen des IAS 11. Bei selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten, die zum Verkauf im üblichen Geschäftskreislauf eingeplant sind, verweist die gleiche Vorschrift auf den IAS 2. Letztlich sind gemäß IAS 38.3(c) originäre immaterielle Vermögenswerte, bei denen das Unternehmen das Nutzungsrecht an Dritte vergibt, durch IAS 17 zu bilanzieren. Abgesehen von diesen Abgrenzungen werden in der vorliegenden Arbeit auch die von IAS 38 geregelten Forschungs- und Entwicklungskosten, die im Rahmen von Kooperationsprojekten mit anderen Unternehmen oder durch Fremdvergabe entstehen, nicht behandelt.

Dieses Vorgehen kann damit begründet werden, dass es sich bei den genannten Beispielen um Sonderfälle handelt, die nicht mit der hier zu diskutierenden Problematik in Verbindung stehen. Der Fokus der vorliegenden Arbeit richtet sich deshalb auf die Ausgaben, die im Rahmen von selbständig durchgeführten Forschungs- und Entwicklungsprojekten anfallen und vollständig durch unternehmensinterne Kapazitäten abgedeckt werden. Dies betrifft sowohl solche, die zur Erstellung intern genutzter Vermögenswerte (z.B. einer Steuerungssoftware für Logistikprozesse) oder im Rahmen einer Serienfertigung (beispielsweise bei modularen Baukästen in der Automobilbranche) entstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Problemstellung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung von Forschung und Entwicklung für Unternehmen und die damit verbundenen Herausforderungen bei der bilanzpolitischen Behandlung nach internationalen Standards.

2 Die Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten im Kontext bilanzpolitischer Gestaltungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen der Bilanzpolitik und analysiert detailliert die komplexen Ansatzkriterien und Wahlrechte des IAS 38 für Forschung und Entwicklung.

3 Empirische Untersuchung zur aktuellen Rechnungslegungspraxis: Der empirische Hauptteil untersucht das tatsächliche Aktivierungsverhalten von 98 deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen über einen Zeitraum von fünf Jahren.

4 Thesenförmige Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wichtigsten Ergebnisse der theoretischen Analyse und der empirischen Untersuchung prägnant zusammen.

Schlüsselwörter

Bilanzpolitik, IAS 38, Forschung und Entwicklung, F&E, Aktivierungswahlrecht, immaterielle Vermögenswerte, Rechnungslegung, Kapitalmarkt, Bilanzierungspraxis, Ermessensspielräume, Aktivierungsquote, Forschungsintensität, IFRS, Jahresabschluss, Bilanzmanipulation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der bilanzpolitischen Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach dem internationalen Standard IAS 38 und untersucht, wie Unternehmen diese Spielräume nutzen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Bilanzpolitik, die detaillierte Analyse der Ansatzkriterien für immaterielle Vermögenswerte sowie eine empirische Untersuchung des Aktivierungsverhaltens in deutschen Konzernen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es herauszufinden, ob Unternehmen ihre Forschungs- und Entwicklungskosten bilanzpolitisch opportunistisch aktivieren, um beispielsweise den Jahresüberschuss zu glätten oder zu beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine Kombination aus theoretischer Analyse (Literaturrecherche zum IAS 38) und einer empirischen quantitativen Untersuchung von Geschäftsberichten von 98 Unternehmen der Indizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX durchgeführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der "Vierstufenkonzeption" des IAS 38 und eine empirische Analyse der Forschungsintensität und Aktivierungsquoten in Abhängigkeit von Branche und Unternehmensgröße.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bilanzpolitik, IAS 38, F&E-Aktivierung, Ermessensspielräume und internationale Rechnungslegung geprägt.

Wie unterscheidet sich die Forschungsphase von der Entwicklungsphase nach IAS 38?

In der Forschungsphase besteht ein Aktivierungsverbot, da der zukünftige wirtschaftliche Nutzen noch nicht sicher feststellbar ist. In der Entwicklungsphase besteht hingegen bei Erfüllung spezifischer Kriterien eine Aktivierungspflicht.

Welche Rolle spielt die Branche bei der Aktivierung?

Die Untersuchung zeigt, dass das Aktivierungsverhalten branchenspezifisch ist; während in der Pharmabranche oft restriktiv verfahren wird, nutzen Automobilunternehmen die Spielräume stärker zur Aktivierung von Entwicklungskosten.

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Detalles

Título
Kritische Würdigung der Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IAS 38. Eldorado bilanzpolitischer Möglichkeiten?
Subtítulo
Eine empirische Untersuchung kapitalmarktorientierter Kapitalgesellschaften in Deutschland
Universidad
University of Applied Sciences Wernigerode  (Lehrstuhl für allgemeine BWL, insbesondere Rechnungswesen)
Calificación
1,3
Autor
Florian Fiedler (Autor)
Año de publicación
2017
Páginas
79
No. de catálogo
V428426
ISBN (Ebook)
9783668723771
ISBN (Libro)
9783668723788
Idioma
Alemán
Etiqueta
IAS 38 IAS IFRS Forschung und Entwicklung Bilanzpolitik empirische Forschung Bilanzierung Internationale Rechnungslegung Rechnungswesen immaterielle Vermögenswerte immaterielle Vermögensgegenstände Ermessensspielräume Bilanzkosmetik Wahlrecht
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Florian Fiedler (Autor), 2017, Kritische Würdigung der Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach IAS 38. Eldorado bilanzpolitischer Möglichkeiten?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428426
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