Der Orient als Sujet war in der frühen, sowie klassischen Oper ein beliebtes Thema. Kontakte mit dem Orient durch die Türkenbelagerung der Stadt Wien, diplomatische oder Handelsbeziehungen von Paris, Neapel oder Venedig, sowie eine aufkommende Faszination des "exotischen Ostens" im 18. und 19. Jahrhundert stricken ein farbenprächtiges Bild des Orients. Mozarts berühmte Oper "Die Entführung aus dem Serail", die von Zeitzeugen als "Erste deutsche Oper" betitelt wurde beschäftigt sich ausgiebig mit dem Thema Orient und verwendet einige klassische Bilder dieser Kultur, die die Menschen des 18. Jahrhunderts in ihren Köpfen hatten.
Klischees, Ideale und ausgeprägte Fantasien, eingebettet in die ständige Gegenüberstellung des fortschrittlichen und aufgeklärten Europas, als Sujet für eine klassische Oper - Eine historische und musikwissenschaftliche Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Geschichte zweier Welten
Der barbarische Osmane
Der weise Großwesir
Auf der Bühne
Exemplarisches Beispiel: Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail
Handlung
Orientalische Merkmale
Musikalische Stilistik
Orientalistische Charaktere
Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Darstellung des Orientalismus in der europäischen Kunstmusik, insbesondere unter Berücksichtigung der historischen Wahrnehmung des Orients als „Exotismus“ und dessen Umsetzung in Opern des 18. Jahrhunderts am Beispiel von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“.
- Historische Entwicklung des Orientbildes in Europa (von der Bedrohung zur Exotik)
- Stilistische Merkmale und musikalische Mittel des „alla-turca“-Stils
- Inszenierung und Rezeption des Fremden auf der Opernbühne
- Analyse der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ als Paradigma der Türkenoper
Auszug aus dem Buch
Musikalische Stilistik
Am Offensichtlichsten ist sicherlich der Gebrauch einer anderen Instrumentierung als bisher im 18. Jahrhundert üblich war. Durch den Einsatz der „Türckischen Abteilung“, also Trommeln, Becken und Triangel, die man normalerweise sonst nur in Militärkapellen antraf, und einen fast schon chaotisch anmutenden Einsatz dieser Instrumente schafft der Komponist die erste Charakterisierung einer fremden Welt. Eine einschlägige Terrassendynamik bezeichnet ebenfalls den Orient, der Wechsel zwischen abrupt laut und abrupt leise steht dem europäischen an- und abschwellenden Dynamiken gegenüber.
Osmins erstes Lied Wer ein Liebchen hat gefunden steht im typischen g-moll, der Orienttonart des 18. Jahrhunderts. Erwähnenswert sind ebenfalls die kleineren Verzierungen am Schluss des Trallalalera und die Läufer innerhalb der arabischen Tonleiter in der dritten Strophe. Diese Verzierungen werden von Holzbläsern übernommen, was ebenfalls charakteristisch für das orientalische Klangideal ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Problematik, dass orientalische Stilistik in der Musik oft eher ein kulturelles Klischee als eine authentische Repräsentation darstellt.
Geschichte zweier Welten: Beleuchtung des wandelnden Orientbildes, das sich von der historischen Furcht vor dem „barbarischen Osmanen“ hin zu einer ästhetisierten, exotischen Wahrnehmung entwickelte.
Exemplarisches Beispiel: Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail: Detaillierte Betrachtung des Opernklassikers hinsichtlich Handlung, Rollenbildern, musikalischer Ausgestaltung und szenischer Konventionen des 18. Jahrhunderts.
Nachwort: Zusammenfassende Reflexion über die anhaltende Faszination des Orients als Sujet in der Kunst und dessen historische Verwurzelung in der europäischen Musikgeschichte.
Schlüsselwörter
Orientalismus, Exotismus, Kunstmusik, Mozart, Entführung aus dem Serail, Türkenoper, alla-turca, Musikgeschichte, Oper, Musiktheorie, Kulturaustausch, Osmanisches Reich, Inszenierung, Musikinstrumentierung, Janitscharenmusik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung des Orients in der europäischen Kunstmusik des 18. Jahrhunderts und untersucht, wie historische Ereignisse und Vorurteile das musikalische Orientbild prägten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das historische Orientbild, die Entwicklung der „Türkenoper“ sowie die spezifischen musikalischen und dramaturgischen Mittel zur Erzeugung exotischer Atmosphäre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen orientalischen Kultur und dem europäischen Klischeebild aufzuzeigen und zu erläutern, wie dieses Bild in der Opernmusik umgesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturhistorische und musikwissenschaftliche Analyse, gestützt durch Quellenstudien, Libretto-Analysen und den Vergleich mit zeitgenössischen musikalischen Standards.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Hintergründe der Orientrezeption sowie die konkrete Umsetzung musikalischer Stilmittel (Instrumentierung, Rhythmik, Harmonik) anhand von Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Orientalismus, Exotismus, alla-turca-Stil, Mozart, Operninszenierung und historische Türkenbilder.
Wie unterscheidet sich das „Ausbruchsstück“ vom „Einbruchsstück“ in der Oper?
Ein Ausbruchsstück spielt physisch an einem orientalischen Ort, während im Einbruchsstück der Orient lediglich durch die Anwesenheit spezifisch charakterisierter Personen oder Kostüme in einem europäischen Kontext repräsentiert wird.
Warum wurde ausgerechnet die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ als Beispiel gewählt?
Sie gilt als Paradigma der „Türkenoper“ und als Musterbeispiel für die Integration orientalischer Stilistik in die klassische europäische Opernmusik des späten 18. Jahrhunderts.
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- Cecilia Lerg (Autor), 2016, Orientalismus in der europäischen Kunstmusik. Die Wiege des Exotismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428457