Inwiefern hängen Versagensängste mit Schulabsentismus zusammen?

Schulabsentismus, Versagensangst


Hausarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen von Versagensangst
2.1 Definition von Versagensangst
2.2 Entstehung und Verlauf
2.3 Folgen

3. Schulabsentismus
3.1 Die Bedeutung von Schule und Schulabsentismus
3.2 Ausmaßdes Schulschwänzens
3.3 Zusammenhang mit Versagensangst

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

״Den größten Fehler, den man im Leben machen kann,

ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“ (Dietrich Bonhoeffer, 1906 - 1945).

״Ich kann es nicht, ich kann mich anstrengen wie ich will, ich schaffe es nicht, besonders bei neuen Lernschritten - Ich wage mich nicht an die Hausaufgabe“. Entscheidungen zu treffen, fällt mir schwer. Es wird zu viel von mir erwartet. Habe ich ein ״negatives Selbstbild“ von mir? Stehe ich mir selbst im Weg? Jedes fünfte Kind in Deutschland leidet unter Schulangst. Jungen sind offenbaröfter betroffen als Mädchen. Tagtäglich haben Jugendliche mit Versagensängsten zu kämpfen. Sie fürchten sich vor dem Unterricht und können nachts nicht schlafen. Ihre Schulleistungen leiden enorm darunter und sie bezweifeln, den steigenden Anforderungen der Schule nicht mehr gerecht werden zu werden. Gehörst du auch zu den Menschen, die sich von dem Gedanken lähmen lassen, mit einer Idee oder einem Vorhaben scheitern zu können? Der Gang zur Schule wird mit schlechten Erlebnissen assoziiert, die Schule wird immer mehr vernachlässigt. Manchmal ist die Angst, in die Schule zu gehen, offensichtlich, manchmaläußert sie sich versteckt. Hinter dem Schulschwänzen ist mehr als nur ein kleines Übel versteckt. Fehler, Ablehnung, die Angst zu versagen - es könnte jeden treffen. Wie weit kann die Angst zu versagen, einen Menschen treiben? Schule, ein Ort des Miteinanders oder ein Ort der Angst? Dass Kinder phasenweise keine Lust auf Schule haben, ist normal. Doch was ist, wenn die Unsicherheiten im Schülerleben nicht mehr verschwinden? Bei einem so tiefen Motivationsloch hilft es meistens nicht zu erklären, dass die Leistungen in der Schule von hoher Wichtigkeit sind und einen großen Einfluss auf das spätere Leben haben werden. Ab wann kann manüberhaupt von Versagensangst reden? Gefühle wie Versagensangst und Selbstzweifel, wir kennen sie alle, doch was ist, wenn die Angst zu versagen, die Angst nicht zu genügen, krankhaft macht und der Weg zur Schule gemieden wird? Diese Frage soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit analysiert und erläutert werden. Die Frage, wie weit Versagensangst sich entwickelt und die Verbindung zu Schulabsentismus sind

Beweggründe dieser Arbeit. Der erste Teil meiner Arbeit dient dem theoretischen Teil. Zum einen wird der Begriff Versagensangst und die verschiedenen Differenzierungen von Versagensangst in der Schule definiert und zum anderen werde ich kurz und prägnant auf die Entstehung, den Verlauf und die Folgen eingehen. Im zweiten Teil führe ich die Begrifflichkeiten von Schule und Schulabensentismus vor. Darauf aufbauend werde ich auf die Verbreitung des Schulschwänzens eingehen und anhand eines Artikels des Berliner Tagespiegels die Anzahl von Schulschwänzer in Berlin prüfen. Anknüpfend folgt der Zusammenhang von Versagensangst und Schulabsentismus und am Ende dieser Hausarbeit folgt mein Schlusswort.

2. Grundlagen von Versagensangst

2.1 Definition: Versagensangst

Angst ist ein Faktor, dass uns unmittelbar im Leben begleitet und auch teilweise prägt. Angst wird als ein Gefühl verspürt und die Wiedergabe in Worten scheint für Betroffene unmöglich. Viele Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem Thema Versagensangst, sie versuchen das Phänomen der Angst zu entschlüsseln. Doch was bedeutet Versagensangst und wie entsteht sie? Versagensangst ist eine Form von Angst, ein Überlebens­mechanismus. Der Begriff ״Angst“ wurde von Sigmund Freud 1894 erstmals in die Psychologie eingeführt. Angst kann aus dem Griechischenübersetzt werden mit dem Wort ״Enge“. Freud beschreibt es als ein Gefühl, welches mit vielen Gesichtem, in unterschiedlichen Situationen und in einem unterschiedlichen Ausmaßauftreten kann. (Angele, Christian, ״Angst“ unter: http://www.medizinnetz.de/umfassende berichte/ angst/, abgemfen am 25.10.17). ״Es ist ein Signal, welcher als Warnung dient.“ (Nieuwenbroek 2004, s. 19). Versagensangst löst einen Gefühls-zustand aus, der die Existenz eines Menschen betrifft. Der Zustand wird hervorgerufen durch eine Lebensbeeinträchtigung bzw. eine Lebensbedrohung, von der eine Schädigung erwartet wird. Diese kann real, aber auch der Ausgang einer vermeintlichen Bedrohung sein. (vgl. Heiderich und Rohr 2007, S.78). Versagensangst bedeutet also, dass jemand Angst vor dem Scheitern einer bevorstehenden Handlung hat. Oder davor, einen Fehler zu machen. Die Angst zu versagen betrifft zudem alle zentralen Lebensbereiche wie Schule, Ausbildung, Bemf und zwischenmenschliche Beziehungen. ״Je wichtiger uns etwas ist, desto mehr Angst haben wir, es zu verlieren. Um unsere Versagensängste zu verstehen, sollten wir unsere eigenen Werte, Einstellungen und Lebensziele bedenken.“

(Morschitzky 2006, s. 13). Versagensangst tritt ein, wenn Leistungen in der Schule im sozialen, motorischen und kognitiven Bereich gefordert sind, die bewertet werden. Die Fähigkeiten werden durch die Annahme auf ein mögliches Scheitern blockiert, (vgl. Nieuwenbroek 2004, S.29). Versagensangst kann somit in drei unterschiedlichen Kate­gorien unterteilt werden: in die kognitive, soziale und motorische Versagensangst. ״ [...] - wobei sich diese drei Formen durchausüberlappen können“. (Nieuwenbroek 2004, S.27). Von sozialer Versagenangst sprechen wir, wenn die Betroffenen Angst haben, von nahestehenden Personen negativ beurteilt und abgelehnt zu werden. Wenn dieses Gefühl das Leben des Betroffenen beherrscht, in dem Fall wird das Sozi al verhalten blockiert. ״Die anderen verstehen bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr und reagieren möglicherweise negativ, so dass aus der anfänglichen Angst tatsächlich Wirklichkeit wird.“ (Nieuwenbroek 2004, s.27). Bei der motorischen Versagensangst geht es um die Angst, Fehler bei praktischen Handlungen zu begehen. Ein typisches Beispiel ist die praktische Führerscheinprüfung. Die kognitive Versagenangst zeichnet sich durch den Leistungsdruck in der Schule aus. Wenn befürchtet wird, dass der Betroffene in der Schule negativ beurteilt wird, sprechen wir von einer kognitiven Versagenangst. Dieses Gefühl kann sich zwangsläufig in den Leistungenäußern, (vgl. Nieuwenbroek 2004, S.27). Es gibt wahrscheinlich noch weitere Formen von Versagenangst, in meiner Hausarbeit werde ich mich auf die kognitive Versagensangst beschränken.

2.2 Entstehung und Verlauf

Die Ursachen für die Entstehung von Versagensangst sind vielfältig. Es stimmt, dass von jedem Menschen eine ganze Reihe von Leistungen verlangt wird, um in der Gesellschaft bestehen zu können. Die Angst zu versagen kann in Situationen auftreten, in denen eine Aufgabe erledigt werden muss, die beurteilt wird. Dieser Druck sorgt dafür, dass viele Menschen in ihren Leistungen hinter den Erwartungen Zurückbleiben. Die Angst zu versagen ist erlernt und wird als etwas Demütigendes erfahren, (vgl. Nieuwenbroek 2004, S.15). Die Angstzustände lassen sich an Symptomen erkennen, wobei der Ausmaßder Äußerung stark bei Menschen variiert. Der Körper stellt seine Funktionen um. Die Pulsfrequenz steigt an und Schweißausbrüche treten ein, das Herz klopft schneller. Zudem treten Hitzewallungen und Denkblockaden ein. (vgl. Heidench, Rohr 2007, s.80f). Die Betroffenen sind nicht mehr dazu fähig, Leistung zu erbringen, weil sie immer davon ausgehen, dass sie es nicht schaffen werden. Dies führt auf Dauer in einen Teufelskreis, weil der Betroffene nur noch bekannte und sichere Situationen angeht und jede Form von unbekannten Herausforderungen ablehnt und aus dem Weg geht. (vgl. Hans Morschitzky 2006, s.22f.). Aufgrund bestimmter Situationen in der Vergangenheit und in Verbindung mit den oben genannten Symptomen, wie im Kopf wieder spielende Sequenzen, neigen Betroffene dazu bestimmte Handlungen komplett zu vermeiden, (vgl. Nieuwenbroek 2004, S.75). Die Betroffenen fühlen sich innerlich leer und nicht erfüllt. Das Selbstwertgefühl leidet darunter. Es wird versucht, die innere Leere durchäußere Stimulation zu stopfen, dabei entwickelt der Betroffene einübersteigertes Bedürfnis nach Anerkennung. Dies wiederum führt zur Angst der Ablehnung, Angst vor Fehler und damit zur Versagensangst. Menschen mit einer stark ausgeprägten Versagensangst vermeiden Handlungen oder Vorhaben komplett, bei denen sie ein Risiko eingehen müssten und scheitern könnten. In extremen Fällen schränkt die Versagensangst das Leben des Betroffenen gewaltig ein. Versagensangst kann in unterschiedlicher Stärke auftreten. Manche Menschen sind nur ab und zu von Versagensängsten betroffen, für andere kann es das am meist beherrschende Gefühl sein. Somit kann eine stark ausgeprägte Versagensangst oft zu Stillstand und Lähmung führen, (vgl. Ard Nieuwenbroek 2004, S.17).

2.3 Folgen

Die Angst zu versagen kann so ausarten, dass differenzierte Angststörungen daraus resultieren: Panikattacken, generalisierte Angststörungen, Depressionen, psycho­somatische Störungen und soziale Phobien. Eine Panikattacke ist ein Zustand intensiver Angst. Betroffene beschweren sichüber massive körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Atemnot oder Schwindel und psychische Symptome, gleichwie die Angst, verrückt zu werden, selbst wenn es keinen körperlichen Grund dafür gibt. Eine Panikattacke entsteht, wenn die innere Anspannungsgrenzeüberschritten wird, meist auch ohne erkennbaren Grund. Sie dauert einige Minuten an und kehrt im Laufe der Zeitöfter wieder auf. Da die Symptome für den Betroffenen als lebensbedrohlich erlebt werden, entwickelt der Betroffene große Erwartungsängste vor immer wiederkehrenden Panikattacken. Somit wird auch das Selbstbild der Betroffenen verändert: Er fühlt sich hoffnungslos und ohnmächtig. Die generalisierte Angststörung charakterisiert sich unter ständigem Gefühl von Besorgtheit und Anspannung. Die Ängste treten in vielfältigen

Situationen auf. Menschen mit generalisierter Angststörung machen sich andauernd Sorgen, die sie nicht kontrollieren können. Sie erwarten im Alltag stets das Schlimmste und sorgen sichübermäßig um andere Menschen. Die Überfürsorglichkeit soll als eine Art Selbstschutz dienen, um der befürchteten lebensbedrohlichen Situation entgegenzuwirken. Die ständigeängstliche Angespanntheit führt zur inneren Ruhelosigkeit, Erschöpfungszuständen, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Herz-, Magen-, oder Darmbeschwerden. Um die 5% der Menschen in Deutschland leiden im Laufe ihres Lebens unter einer generalisierten Angststörung. Versagensangst kann auch zur Überforderung führen und kann sich im weiteren Verlauf zu einer Depression steigern. Die Betroffenen bewerten Vergangenheit und Gegenwart negativ ״Ich weiß, dass ich im Leben versagt habe“. Sie fühlen sich körperlich und seelisch antriebslos. Sie befürchten, zukünftig weiterhin zu versagen. ״Ich werde nie mehr etwas schaffen und für immer ein Versager bleiben“.(vgl. Morschitzky 2006, S.117). Unruhige Nächte lassen nicht zu, dass körperlich und seelisch benötigte Energie aufgebaut wird. Viele Schüler/innen sowie Studierende leiden unter psychosomatischen Störungen. Diese werden von Spannungskopfschmerzen, Migräne, Rückenschmerzen und Kreislauf-Erkrankungen begleitet. Kindern ist bei Versagensängstenübel und sie beklagenüber Kopfschmerzen und Fieberschübe. ״Es handelt sich um psychovegetative, heutzutage ״somatoform“ genannte Symptome, die mit Überforderungen in der Familie um im Beruf Zusammenhängen.“ (ebd., S.117f.). Soziale Phobien hingegen charakterisieren sich durch die anhaltende und belastende Angst im Mittelpunkt zu Stehen in denen Betroffene die Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnten. Diese hängen oft mit mangelnden Fähigkeiten im Umgang mit Mitmenschen und mit persönlicher Selbstunsicherheit zusammen. Sozialphobiker vermeiden aus Angst einer Blamage Situationen, in denen sie ausgelacht, kritisiert oder abgelehnt werden könnten. Betroffene haben Angst vor anderen zu versagen, weil sie sich selbstüberaus kritisch betrachten. Sie fühlen sich geringwertig und fürchten den Forderungen der Gesellschaft nicht gewachsen zu sein. Es gibt keinen Wachstum und keine Entwicklung mehr im Leben des Betroffenen. Soziale Phobien beeinträchtigen stark das schulische Leben. Sie sind die dritthäufigste psychische Störung, jeder zehnte Bürger leidet im Laufe seines Lebens darunter, (ebd., s. 112ff.). Doch in wie weit wird das schulische Leben beeinträchtigt und welchen Stellenwert hat die Schule für Betroffene?

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Inwiefern hängen Versagensängste mit Schulabsentismus zusammen?
Untertitel
Schulabsentismus, Versagensangst
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V428510
ISBN (eBook)
9783668730120
ISBN (Buch)
9783668730137
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern, versagensängste, schulabsentismus, versagensangst
Arbeit zitieren
Gurbet Sevimli (Autor), 2018, Inwiefern hängen Versagensängste mit Schulabsentismus zusammen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428510

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Inwiefern hängen Versagensängste mit Schulabsentismus zusammen?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden