Alternative Erfolgsmessung im Social Entrepreneurship

Stellt der Social Return on Investment eine angemessene Methode zur Messung des Social Impacts dar?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
27 Seiten, Note: 2,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionsansätze des Begriffs „Social Entrepreneurship“

3 Bedeutung und Definition des Begriffs „Social Impact“

4 Ansätze zur Wirkungsmessung im Social Entrepreneurship
4.1 Grundprinzipien der sozialen Wirkungsmessung
4.2 Theory of Change
4.3 Social Return on Investment (kurz: SROI)
4.3.1 Vorteile und Chancen des SROI
4.3.2 Grenzen und Schwächen des SROI

5 Ansprüche und Probleme der sozialen Wirkungsmessung in der Praxis

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Impact Value Chain entnommen aus (Repp, 2013, p. 24) (Quelle: Übersetzung aus dem Englischen durch den Autor Lars Repp (Ebrahim and Rangan, 2010; Repp, 2013; Europäische Kommission, 2015) )

Abbildung 2: Der 5-stufige SROI (Quelle: Eigene Darstellung von (Lehmann, no date, p. 4); abgerufen auf: www.bagw.de )

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Erich Kästner

Mohammad Yunus, der 2006 den Friedensnobelpreis für die Erfindung der Mikrokredite erhielt, ist einer der wichtigsten Vertreter im sozialen Unternehmertum. Dabei wird der Fokus nicht auf die Gewinnmaximierung gelegt, sondern auf das Lösen von sozialen sowie Umweltproblemen (Nicholls and Cho 2006; Yunus 2010). Seit Yunus Auszeichnung durch den Friedensnobelpreis gewann Social Entrepreneurship (kurz: SE) zunehmend an Bedeutung und versucht die Globalisierungsprobleme durch nachhaltige Geschäftsmodelle zu bewältigen und zu lösen.

Jüngste Ansichten über das Konzept definieren Sozialunternehmer als Füller von Lücken, welche die Regierung durch die Lösung sozialer Probleme hinterlassen hat. Andere Ansichten stellen jedoch dar, dass Social Entrepreneurs Lösungen für soziale Probleme bieten, indem sie innovative Markt- und soziale Instrumente nutzen (Ascigil 2012). Das Verfolgen von persönlichen Anliegen durch den Social Entrepreneur dient nicht der Erwirtschaftung von Gewinn. Social Entrepreneurs wollen einzig und allein durch ihren Einsatz eine Veränderung der Welt zum Positiven durch ihre Handlungen bewirken. Die Gewinnmaximierung, die beim Social Entrepreneurship ganz vernachlässigt wird, ist der entscheidende Unterschied zwischen dem Social Entrepreneurship und den kommerziellen Unternehmen. Sozialunternehmer verfolgen keine wirtschaftlichen Interessen, sondern kollektive Ziele, die für die Gemeinschaft, welche einem sozialen Problem ausgesetzt ist, eine Verbesserung ausmacht. Um eine erfolgreiche Zielerreichung verzeichnen zu können, ist es notwendig, dass die Gesellschaft die gleichen Interessen und Bemühungen wie der Social Entrepreneur als legitim erachtet (Hackenberg and Empter (Hrsg.) 2011: 13).

Jedoch ist die Wirkungsmessung – also die Messung des Social Impact – komplexer als bei kommerziellen Unternehmen, welche die Gewinnmaximierung in den Fokus stellen. Daraus ergibt sich die Forschungsfrage nach der alternativen Erfolgsmessung und der Messung des Social Impacts. Zwar sieht man als Social Entrepreneur vor Ort sehr wohl erfolgreiche Veränderungen nach Abschluss des Projekts, jedoch ist eine Wirkungsmessung eines jeden Projekts an jedem Ort, an dem die Sozialunternehmer tätig geworden sind, von Nöten, um die Aussagekraft auf die weltweite Wirkung auszuweiten.

Um auf die Forschungsfrage einzugehen, bedarf es zunächst der Definition des Wortgefüges „Social Entrepreneurship“ im Allgemeinen. Anschließend wird der Social Impact erläutert, um darauffolgend das so genannte Impact-Value-Chain-Modell zur Analyse der sozialen Wertschöpfung beschreiben zu können. Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit vier verschiedenen Ansätzen zur Messung des Social Impacts im Social Entrepreneurship. Die Ansprüche an die soziale Wirkungsmessung in der Praxis und das abschließende Fazit runden die Forschungsfrage ab.

2 Definitionsansätze des Begriffs „Social Entrepreneurship“

Zunächst werden Definitionsansätze zum Begriff Social Entrepreneurship (SE), welcher in dieser Arbeit synonym mit dem Begriff Sozialunternehmertum verwendet wird, aufgezeigt.

Aktuell kann noch keine allgemeingültige Definition des Begriffs Social Entrepreneurship vorgenommen werden, da in der Literatur eine Vielzahl von Konzepten zu finden sind (Nicholls and Cho 2006).

Um den Terminus des Social Entrepreneurship zu definieren, wird zunächst eine Abgrenzung zu kommerziellen Unternehmen vorgenommen, da das Erfassen des Unterschieds zwischen beiden Unternehmensformen für das Verständnis des Social Entrepreneurships entscheidend ist. Kommerzielle Unternehmen zeichnen sich durch ihre Risikobereitschaft, ihre Eigeninitiative und ihre Innovationsfähigkeit aus, die zur Identifizierung knapper Bedürfnisse beiträgt. All diese Attribute des freien Markts dienen zur Schaffung von Chancen für die Unternehmen selbst, um letzten Endes als Marktführer einen hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Die Existenz der Sozialunternehmen und die Entstehung sozialer Probleme ist auf das Marktversagen der kommerziellen Unternehmen zurückzuführen, da sich dadurch Chancen für Sozialunternehmen am Markt ergeben. Das Social Entrepreneurship versucht im Gegensatz dazu durch innovative Ideen unerfüllte Bedürfnisse und soziale Probleme der Gemeinschaft zu befriedigen und zu bewältigen. Der am häufigsten auftretende Mangel betrifft vor allem fehlende Ausbildungsmöglichkeiten und der damit verbundene fehlende Zugang zu Bildung und zu Gesundheitsdiensten im Allgemeinen (Ascigil 2012). Der Social Entrepreneur ergreift deshalb die Initiative, um meist in Zusammenarbeit mit der notleidenden Bevölkerung Lösungen zu entwickeln, die als Ersatz oder Ergänzung zu den öffentlichen Wohlfahrtssystemen fungieren sollen. Ein weiterer nennenswerter Unterschied beider Unternehmensformen sind die verschiedenen Ergebnisse, die beide Formen verfolgen. Die kommerziellen Unternehmen streben eine Gewinnmaximierung an, während das Social Entrepreneurship auf die Erzielung einer möglichst einflussreichen Wirkung – auch Social Impact genannt – aus ist (Hackenberg and Empter (Hrsg.) 2011: 11).

Im Wesentlichen meint das Konzept des SE anhand von innovativen Lösungen für durch den Social Entrepreneur identifizierte soziale und ökologische Probleme „aus der Mitte der Gesellschaft heraus mit unternehmerischer Kreativität und den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ‚sozialen Mehrwert’ zu schaffen“ (Martin and Osberg 2007; Hackenberg and Empter (Hrsg.) 2011: 11). Langfristig ist eine gesellschaftliche Strukturverbesserung wünschenswert. Beachtenswert ist der besondere Unterschied, dass die gesellschaftliche Nutzenmaximierung beim Sozialunternehmertum im Vordergrund steht und nicht, die bereits beschriebene Gewinnmaximierung, welche das Kennzeichen des klassischen Unternehmertums ist (Habisch, 2011, p. 50; Ashoka 2017b). Das Modell des Social Entrepreneurships wurde erstmals durch den Amerikaner Bill Drayton vertreten. Drayton gründete im Jahr 1981 Ashoka als Netzwerk für Sozialunternehmer und startete in Indien die Suche nach Social Entrepreneurs, um diese in ihrem Vorhaben zu begleiten und zu unterstützen (Ashoka 2017a). Mittlerweile sind bei Ashoka über 3.200 Ashoka Fellows, die auch als Sozialunternehmer bezeichnet werden können, in über 90 Ländern tätig, die sich aktiv daran beteiligen, unsere Gesellschaft durch die Identifizierung und Lösung sozialer und ökologischer Probleme zu verbessern. Die Vision von Ashoka Fellows ist es, „eine Gesellschaft, in der jeder Einzelne ermutigt und unterstützt wird zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beizutragen und positiven Wandel zu gestalten: Everyone is a Changemaker.“ (Ashoka 2017c). Die Finanzierung von Ashoka und auch anderen Sozialunternehmen erfolgt ausschließlich durch Privatspenden, sowie durch Partnerschaften mit Stiftungen und der Wirtschaft. Ziel ist es durch die Lösung eines sozialen und ökonomischen Problems ein Umfeld zu erschaffen, in welchem die Einbringung eines jeden Bürgers und die Entwicklung und Umsetzung von kreativen Ideen erwünscht ist, um eine gezielte Verbesserung der Lebensqualität für alle Menschen und die Gesellschaft zu erreichen (Bundeszentrale für politische Bildung 2009; Roder, Achleitner and Bassen 2011: 329).

3 Bedeutung und Definition des Begriffs „Social Impact“

Das Modell des Social Entrepreneurship gewinnt aufgrund des Sozialstaatwandels und des immer mehr zunehmenden Subsidiaritätsgedanken – d.h. die Übernahme der (staatlichen) Aufgaben, sofern es möglich ist, durch die kleineren, unteren Einheiten – an Bedeutung (Roder, Achleitner and Bassen 2011). Dies impliziert nicht nur mehr Eigenverantwortlichkeit durch die Gesellschaft, sondern auch das stetige Wachsen des Geschäftsmodells des Social Entrepreneurships. Ein jedes Geschäftsmodell ist mit der Messung des Erfolgs verbunden, wobei die Messung des SE-Erfolgs einige Schwierigkeiten mit sich bringt. Die Einkommensgenerierung hängt vom gesellschaftlichen Problem ab, welches die Social Entrepreneurs mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln lösen wollen, jedoch wird nicht bei jedem Vorhaben auch gleichzeitig Einkommen generiert (Roder, Achleitner and Bassen, 2011).

Erstrebenswert im Social Entrepreneurship ist deshalb die Erzielung eines möglichst großen Social Impacts durch die Lösung gesellschaftlicher und sozialer Probleme anhand des Impact Value Chain-Modells, welches zur Analyse der sozialen Wertschöpfungsentstehung beiträgt (Kurz and Kubek 2017).

Wirkung oder Impact beschreibt nach Hoelscher (2014) die Gesellschaftsveränderung, die durch die Arbeit der Social Entrepreneurs erreicht wird. Die Veränderungen für Zielgruppen beschreiben Kurz und Kubek (2017) als die Outcomes und werden, je nachdem welcher Lebensbereich der Zielgruppe verbessert wurde, in verschiedene Ebenen eingeteilt. Wirkungen werden als Resultat der Leistungserbringung durch das Social Entrepreneurship bezeichnet und werden als Outputs definiert. Der alleinige Bezug von Leistungen muss noch nicht zwingend Veränderungen bei den einzelnen Individuen der Zielgruppe hervorrufen. Die Outputs stellen jedoch die Voraussetzung für eine Impacterzielung dar, denn ohne irgendeinen Bezug von Leistungen können bei der Zielgruppe keine Veränderungen oder Verbesserungen eintreten (Hoelscher, 2014).

Zur Messung des Impacts wird der Fokus ausschließlich auf die im Vorfeld festgelegten zu erreichenden Ziele gelegt. Die Tätigkeiten der Social Entrepreneurs im jeweiligen Projekt orientieren sich während der Leistungserbringung stets an der Zielsetzung. Dabei ist es irrelevant, ob auch über das Vorhaben hinaus ein Impact in einem anderen Bereich durch die Leistungserbringung des Sozialunternehmens erzielt werden konnte. Für das Erreichen von Veränderungen ist eine Wirkungsorientierung am Zustand der Gesellschaft durch das Sozialunternehmen notwendig, um möglichst viele gesellschaftliche und soziale Probleme durch eine auf das Projekt abgestimmte und zielführende Lösung zu bewältigen (Kurz and Kubek 2017: 7). Essentiell für eine gute Orientierung der Wirkung ist die ständige Verbesserung der eigenen Arbeit. Denn „nur wer seine Arbeitsergebnisse, seine Stärken und Schwächen kennt, kann diese Erkenntnisse nutzen, um sich weiterzuentwickeln und seinen Zielen systematisch näherzukommen.“ (Rauscher, Schober and Millner 2012).

4 Ansätze zur Wirkungsmessung im Social Entrepreneurship

Unter Ansätzen zur Wirkungsmessung werden Konzepte verstanden, die es dem Social Entrepreneur ermöglichen, seinen erzielten Social Impact zu messen und darzustellen. Die Unterschiede der Ansichten im Hinblick auf die Operationalisierung und die Zielsetzung der verschiedenen Ansätze erklären die unterschiedlichen Arten von Ergebnissen. Dabei wird zwischen vier unterschiedlichen Ansatztypen unterschieden, die je nach Art und zu berücksichtigendem Umfang von Wirkungen gewählt werden.

(1) Der Bewertungstyp der ausschließlichen Kostenanalyse trifft keine Aussagen über die Wirkungsbreite. Die Wirkungsmessung ist mit diesem Typus auch nicht möglich, lediglich die Kosten einer Intervention können analysiert und verglichen werden, um die günstigste Variante auszuwählen.
(2) Die Kosten-Wirksamkeits-Analyse macht die Wirtschaftlichkeitsmessung eines Projekts möglich, jedoch ist ausschließlich die nichtmonetäre Nutzenmessung der vom Social Entrepreneur getätigten Interventionen realisierbar.
(3) Den dritten Ansatztypen zur Messung von Wirkung stellt die Kosten-Nutzwert-Analyse dar, welche die aufgewendeten Kosten dem daraus entstandenen Nutzen gegenüberstellt. Die Kosten-Nutzwert-Analyse wird hauptsächlich im Bereich der Medizin angewendet.
(4) Die Kosten-Nutzen-Analyse beinhaltet das Konzept des Social Return on Investment (kurz: SROI). Mit dieser Methode ist die Möglichkeit des Vergleichs der anfallenden Kosten mit dem tatsächlichen Nutzen einer Tätigkeit gegeben (Repp 2013; Europäische Kommission 2015).

Die Auswahl des Ansatzes erfolgt nach Nützlichkeit in Abstimmung auf das jeweilige Projekt. Das Kombinieren der Theory of Change (kurz: ToC) als prozessbezogene und wirkungsorientierte und des Social Return on Investment (kurz: SROI) als wirkungsorientierte und monetäre Methode ist sinnvoll zur Messung des Social Impacts und wird deshalb im Folgenden exemplarisch beschrieben (Repp 2013: 23; Europäische Kommission 2015)

Zur Erklärung der ausgewählten Ansätze werden zum besseren Verständnis zunächst im ersten Unterkapitel die Grundprinzipien der sozialen Wirkungsmessung definiert und erläutert. Aufgrund der Komplexität der Analysemethoden wird die Theory of Change als nichtmonetärer Ansatz im zweiten Unterkapitel beschrieben und der des SROI als monetäre Messmöglichkeit. Der SROI ist Schwerpunkt dieser Hausarbeit und wird im dritten Unterkapital ausführlich beleuchtet und erklärt. Die Vorteile und Chancen aber auch die Grenzen und Schwächen des SROI runden das Kapitel ab.

4.1 Grundprinzipien der sozialen Wirkungsmessung

Die Grundprinzipien der sozialen Wirkungsmessung sind für das erfolgreiche Messen des Social Impacts ausschlaggebend. Diese werden anhand des Impact Value Chain Modells erklärt.

Das vereinfachte Modell des Impact Value Chain wurde durch Clark, Rosenzweig, Long und Olsen entwickelt, um analysieren zu können, wie der Social Impact geschaffen wird.

Das Modell kann auch als wirkungsspezifische Wertschöpfungskette verstanden werden, in der die Impacts das Resultat sind und somit den letzten Schritt in der Kette darstellen. Ein weiterer Name für die Wirkungskette ist auch „Logic Model“ - zu Deutsch logisches Modell. Repp beschreibt die Wirkungskette auch als „Modell zur Analyse der Entstehung sozialer Wertschöpfung entlang einer logischen Wirkungsfolge.“ (Ebrahim and Rangan 2010: 49). Aufgrund der Gleichheit der Modelle, die sich lediglich im Namen unterscheiden, ist das Impact Value Chain nachfolgend grafisch dargestellt und wird im Anschluss erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Impact Value Chain entnommen aus (Repp 2013: 24)
(Quelle : Übersetzung aus dem Englischen durch den Autor Lars Repp (Ebrahim and Rangan 2010; Repp 2013; Europäische Kommission 2015) )

Der ersten Schritt der Wirkungskette sind die Inputs, welche die Ressourcen der Social Entrepreneurs sowohl personell, finanziell und materiell sind, die für das Projekt benötigt und eingebracht werden und führen zu den Activities bzw. Aktivitäten. Die Activities beschreiben die Entwicklung und Umsetzung von Projektplänen und Vorhaben. Die Differenzierung zwischen Outputs und Outcomes zu verstehen, ist am Impact Value Chain besonders wichtig. Outputs sind das Mittel zur Erreichung eines Ergebnisses und einer bestimmten Wirkung und beschreiben nicht das Ergebnis selbst. Aus den Outputs resultieren die Outcomes. Diese beschreiben den Unterschied zwischen der Situation, die ohne das Produkt oder die Dienstleistung eingetreten wäre, und dem tatsächlich erreichten Zustand. Je nach den zu erfüllenden Bedürfnissen können die Ergebnisse kurz- oder langfristig sein (Repp 2013: 23). Der letzte Schritt in der Wirkungskette ist der des Impacts, welcher den Wert beschreibt, der ausschließlich durch die bereitgestellten Dienstleistungen und Produkte durch den Social Entrepreneur entsteht. Lars Repp (2013) beschreibt Impacts als „[...]die entstehenden Outcomes abzüglich der auch ohne die Social Entrepreneurial Organisation entstehenden Entwicklungen.“ (Ebrahim and Rangan 2010; Europäische Kommission 2015). Diese abzuziehenden Entwicklungen, welche auch ohne die Tätigkeiten eines Sozialunternehmers entstehen, werden auch als Deadweight bezeichnet. Durch das Abziehen der Entwicklungen von Dritten können die für das Ergebnis verantwortlichen Interventionen des betreffenden Social Entrepreneurs festgestellt werden (Repp 2013; van Es, Guijt and Vogel 2015).

4.2 Theory of Change

Ein weiterer prozessbezogener und wirkungsorientierter Denk- und Handlungsansatz ist die Theory of Change (kurz ToC), die in dem folgenden Unterkapitel beschrieben wird. Die ToC – im deutschen bekannt als Theorie der Veränderung – ist eine fortlaufende Methode zur Darstellung einer Komplexität des sozialen Wandels durch eine soziale Organisation im Ganzen. Abgebildet werden bei dieser Methode alle kausalen Abläufe, welche für die Erreichung der gesetzten Ziele notwendig sind. Somit sind alle Arten von Interventionen beschrieben und sichtbar, die zu den gewünschten Ergebnissen führen. Die logische Verknüpfung eines gesellschaftlichen oder sozialen Problems mit den Tätigkeiten der Social Entrepreneurs und den daraus resultierenden Outcomes werden durch die Erstellung einer ToC entsprechend sichtbar. Durch die Theorie der Veränderung wird der Zielerreichungsweg als Prozess ausgehend von den Inputs und den Aktivitäten der Social Entrepreneurs über die daraus resultierenden kurzfristigen Outputs bis hin zu den langfristigen Outcomes und den hiermit geschaffenen gesellschaftlichen Impacts dargestellt. Allgemein gesagt, werden alle Schritte der im vorherigen Kapitel beschriebenen Impact Value Chain Wirkungskette als ein Prozess gesehen und abgebildet (Repp 2013; van Es, Guijt and Vogel 2015; ET Jackson and Associates 2016).

Die Gründer eines Social Entrepreneurships können anhand der Darstellung ihrer Tätigkeiten in einem Zyklus wie der ToC ihre Denkansätze und Annahmen zu dem sozialen und gesellschaftlichen gegebenenfalls sogar internationalen Problem explizit benennen und erforschen. Diese Untersuchung hilft vor allem zur Klärung der Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen den Handlungen der Sozialunternehmer und den beabsichtigen Veränderungen. Dies ist vor allem in einem Social Entrepreneurship mit vielen verschiedenen Stakeholdern – also alle intern und extern betroffenen Anspruchsgruppen – sinnvoll, da alle beteiligten Personen möglicherweise unterschiedliche Ansichten über gewünschte Veränderungen und den Weg zur Zielerreichung vertreten. Das Identifizieren unterschiedlicher Meinungen zwischen den Interessenvertretern trägt zum Aufdecken von möglichen Missverständnissen und zur sofortigen Klärung von Uneinigkeiten bei. Das gemeinsame Aufstellen einer ToC trägt dazu bei, den Antrieb und das Verständnis eines jeden Stakeholders und die damit verbundenen Chancen und Hindernisse aufzudecken und zu verstehen. Die Theorie der Veränderung schafft durch das Erforschen des gemeinsamen Verständnisses zu einem Vorhaben eine Grundlage für eine erfolgreiche Durchführung des Projekts mit klarer Rollen- und Verantwortungsverteilung. (Emerson, Wachowicz and Chun 2000; Gair 2002; Nicholls et al. 2012). Problem ist die fehlende Vergleichbarkeit auf Grund der nicht-monetären Bewertung. Zielführender kann die Erfolgsmessungsmethode des Social Return on Investments (kurz: SROI) sein, die im nächsten Kapitel ausführlich beleuchtet wird.

4.3 Social Return on Investment (kurz: SROI)

Der Social Return on Investment (kurz: SROI) als wirkungsorientierter und monetärer Ansatz macht durch das Einbeziehen betriebswirtschaftlicher Aspekte die Berechnung einer Kennzahl, welche die Bewertung des durch den Social Entrepreneur geschaffenen gesellschaftlichen Mehrwerts ausdrückt, möglich. Das „S“ steht für eine soziale Tätigkeit und der „ROI“ bezeichnet den Einsatz einer Investitionsanalyse im betriebswirtschaftlichen Sinn (Gair 2002). Durch die Entwicklung des SROI ist es praktikabel eine Kennzahl beziehungsweise eine monetäre Größe zur Gegenüberstellung – vom investierten Kapital in das Sozialunternehmen und die daraus generierten Rückflüsse – zu berechnen. Das Konzept des SROI soll die Transparenz sowohl intern als auch extern gegenüber Geldgebern, Kooperationsorganisationen und allen übrigen Stakeholdern gewährleisten und Auskunft über das durchgeführte Projekt hinsichtlich der Effizienz und Effektivität des gesellschaftlich geschaffenen Nutzens geben (Schellberg 2010). Das Ziel des SROI ist die Messung des Social Impacts von einer vom Social Entrepreneur verrichteten Tätigkeit in Geldeinheiten, um Aussage über die Reichweite der Wirkung eines Projekts treffen zu können. Die aus einem Projekt entstandenen Leistungen, welche durch ein Sozialunternehmen erbracht werden, erreichen mehr als nur Entgelte. Sie stiften einen zusätzlichen gesellschaftlichen und sozialen Nutzen, welcher aufgrund der Komplexität und der zielgruppenorientierten Beweggründe der Social Entrepreneurs politisch und gesellschaftlich nicht sichtbar ist. Durch fehlende Transparenz der Tätigkeiten von Social Entrepreneurs würde die Existenz des Social Entrepreneurship gefährdet werden. Aufgrund dieser Tatsache wird die Notwendigkeit eines Instruments zur Berechnung des sozialen und gesellschaftlichen Mehrwerts deutlich (Schellberg 2010).

Um den Mehrwert durch das Sozialunternehmertum zu berechnen, wird zunächst das Verständnis der Wertschöpfung im ökonomischen Sinne definiert und anschließend auf das Social Entrepreneurship übertragen. Die ökonomische Wertschöpfung beschreibt die Transformation und Verarbeitung von Ressourcen und Gütern aus vorgelagerten Systemen in die Systeme der Abnehmer, das heißt Wertschöpfung kann als das Subtrahieren der Kosten eingesetzter Ressourcen vom tatsächlichen Verkaufspreis eines Guts beschrieben werden. Der tatsächliche Wert des Guts für jeden einzelnen Konsumenten ist aufgrund der subjektiven Bewertung des Wertezuwachses durch den Käufer nicht beurteilbar (Schellberg 2010).

So lässt sich die Intervention des Social Entrepreneurs, welche sich auf eine bestimmte Zielgruppe richtet, nicht als Geldbetrag ermitteln, da aufgrund der Bewältigung von sozialen und gesellschaftlichen Missständen keine Leistungsentgelte im engeren Sinne durch die Leistungsempfänger entrichtet werden. Der gesellschaftliche und soziale Nutzen, der beim Bezug von Leistungen durch ein Sozialunternehmen entsteht, kann demnach statistisch nicht ausgewiesen werden. Das Verständnis des Social Entrepreneurships geht jedoch davon aus, dass die durch Social Entrepreneure erbrachten Leistungen weitaus mehr Nutzen stiften, als Leistungsentgelte. Zur Messung dieses gesellschaftlichen und sozialen Nutzens wurden Konzepte des SROI entwickelt (Gair 2002).

Die Konzeption des SROI fand in unterschiedlich großen Organisationen bereits Anwendung. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Unternehmen gemeinnützig, öffentlich oder privat tätig sind. Non-Profit-Organisationen und Sozialunternehmen nutzen den SROI, um ihre Leistungen zu verbessern und ihre Ausgaben zu analysieren, aber vor allem um den geschaffenen gesellschaftlichen und sozialen Mehrwert hervorzuheben (Nicholls et al. 2012).

Der jüngste Ansatz des SROI, welcher auf einem doppelten Wertansatz basiert, wurde vom Roberts Enterprise Development Fund (REDF) Ende der 1990er Jahre in San Francisco verfolgt, mit dem ausdrücklichen Wunsch zur Weiterentwicklung und vor allem zum weiteren Ausbau des Konzepts (Reichelt 2009). Die REDF-Organisation hat das Hauptziel durch finanzielle Beihilfe die Armut zu reduzieren und mit den Betroffenen einen Weg aus den prekären Lebenslagen zu finden. Den Ansatz des SROI entwickelte die REDF zur Bewertung der Auswirkungen der sozialen Unternehmen im Hinblick auf die Kosten. Anders gesagt vergleicht der SROI die Ressourcen, die in eine Aktivität investiert werden, um einen bestimmten Nutzen daraus zu erlangen. Quantifiziert werden soll nicht der Nutzen für ein Individuum, sondern jener, welcher für eine ganze Gemeinschaft entsteht. Dabei wird nicht nur auf nicht-monetäre Größen zurückgegriffen, sondern auch auf die finanziellen Ersparnisse wie Steuerersparnisse, verminderte Sozialleistungskosten und auf die höheren individuellen Einkommen. Auswirkungen auf Individuen wie zunehmende Wohnstabilität und ein höheres Selbstwertgefühl versucht die REDF in ihrem SROI-Ansatz monetär auszudrücken und dementsprechend zu bewerten, um einen zahlenmäßigen SROI-Wert zu erzielen. Die Messung der Wertschöpfung des Social Entrepreneurships erfolgt simultan auf ökonomische, sozioökonomische und soziale Weise. Ein ökonomischer Wert einer Investition entsteht bei Erzielung einer finanziellen Rendite nach gewinnorientiertem Ansatz. Der soziale Wert, welcher nicht messbar, aber wertvoll ist, bedeutet die Kombination von Prozessen, Inputs und Ressourcen zur Erzielung einer Lebensverbesserung für Individuen und für die Gesellschaft. Beim sozioökonomischen Wert werden Messungsmethoden des ökonomischen Werts zur Monetarisierung der Elemente des sozialen Werts einer Tätigkeit definiert. Der Ansatz des REDF fokussiert sich auf die Messung des ökonomischen und sozioökonomischen Werts, welcher sich über den Wert des Sozialzwecks in Zahlen darstellen lässt (Gair 2002). Die anschließende Verknüpfung nach der Bewertung beider Werte des ökonomischen Werts mit dem des sozialen – auch genannt „Blended Value“ – ermöglicht als Endresultat einen sozioökonomischen Wert zur Beurteilung der Wertschöpfung (Yunus 2010).

Seit dem Jahr 2001 arbeitet die New Economics Foundation (NEF) mit dem SROI und suchte ab dem Jahr 2003 nach Möglichkeiten, wie der SROI zunächst im Vereinigten Königreich getestet und entwickelt werden kann. Ziel der NEF war es, ein möglichst praktisches, aber einfaches Konzept auszuarbeiten und in die soziale Rechnungslegung zu integrieren. Das Konzept des vierstufigen SROI der NEF breitete sich immer weiter aus, mit dem Ergebnis eines Nutzungsrahmens im Jahr 2005, der durch das Internationale SROI-Netzwerk vereinbart wurde und auf dem Standard des REDF basiert. Außerdem veröffentlichte die NEF 2008 ihre Ergebnisse der Untersuchung zur verbesserten Bereitstellung von Diensten und Rechenschaftspflicht gegenüber Nutzern und die Auswirkungen auf die Nutzung vom SROI zur Messung und Verbesserung der Politik (Lawlor, Neitzert and Nicholls 2008; Nicholls et al. 2012).

Die Einführung des in Deutschland entwickelten xit-SROI erfolgte aufgrund der fehlenden Betrachtung aller unterschiedlichen Stakeholdergruppen in den Konzepten der REDF und NEF. Die SROI-Ansätze beider Einrichtungen haben einzig und allein eine Kennzahl für alle Anspruchsgruppen als Ergebnis. Das in Nürnberg ansässige Unternehmen schaffte deshalb ein Konzept, welches den SROI in fünf Dimensionen gliedert. Die xit GmbH begründet die fünf Dimensionen aufgrund der Tatsache, dass je nach Stakeholder ein anderer Nutzen entsteht. Die unterschiedlichen Nutzen können nicht in nur einer Kennzahl dargestellt werden. Jede der fünf Stufen beschreibt demnach den Nutzen und die verschiedenen Perspektiven einer anderen Anspruchsgruppe. Die Ergebnisse des Social Returns in den SROI-Stufen 1 bis 4 werden in monetären und die der 5. SROI-Stufe in nicht-monetären Größen dargestellt (Schellberg 2010). Das Prinzip des fünfstufigen SROI wird in untenstehender Grafik visuell dargestellt und anschließend wird jede der Ebenen ausführlich erklärt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Der 5-stufige SROI
(Quelle : Eigene Darstellung von
(Lehmann no date: 4); abgerufen auf: www.bagw.de )

Die jeweiligen Stufen umfassen folgende Analyseebenen:

(1) SROI 1: Betrachtung der Institutionen

Der SROI 1 zeigt den institutionellen Standpunkt auf und stellt somit die gesellschaftliche Wirkung anhand von Zahlungseingängen und –ausgängen, die das Social Entrepreneurship an die Staatskasse und an die Sozialversicherungsträger leistet, dar. Die Ermittlung erfolgt gemäß dem Denkmuster „Was erhält die Gesellschaft für jeden investierten Euro zurück?“ (Wagner, Halfar and xit GmbH 2011: 3). Berechnet wird der SROI 1 anhand folgender Formel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zuschüsse des Fiskus an das Sozialunternehmen wie Entgelte oder Subventionen werden analysiert und mit den Rückflüssen aus dem Sozialunternehmen ins Verhältnis gesetzt. Der Rückflussanteil wird in Prozent der Zuflüsse dargestellt. Die Aufschlüsselung der Einzahlungen nach Institutionen trägt dazu bei, dass die Zuflüsse der öffentlichen finanziellen Mittel zwischen Sozialversicherungsträgern und Gebietskörperschaften transparent dargestellt werden können. Daraus lässt sich eine Aussage darüber treffen, ob das Sozialunternehmen als Nettoempfänger oder Nettozahler von Leistungen fungiert. Das Social Entrepreneurship verursacht nicht nur Kosten. Die Sozialunternehmen sind auch als unabhängige Wirtschaftsbetriebe tätig und entrichten Zahlungen an den Fiskus. Eine hohe Rückflussquote der Subventionen ist im Social Entrepreneurship nicht selten (Schellberg 2010; Wagner, Halfar and xit GmbH 2011).

(2) SROI 2: Individuelle Perspektive

Analog zum SROI 1, bei dem es um die Organisation geht, werden im SROI 2 die finanziellen Wirkungen, die das Sozialunternehmen beim Leistungsempfänger erreicht, nach folgender Formel erfasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Wirkung des Social Entrepreneurships beim Individuum wird im SROI 2 ebenfalls wie im SROI 1 anhand von Zahlungsströmen gemessen. Analysiert werden alle individuellen direkten oder indirekten Zahlungen des Fiskus an Klienten und der Rückfluss von Zahlungen durch die Individuen in Form von Steuern oder Sozialversicherungsbeiträgen. Das Ausmaß, in welchem die Zielgruppe zu Nettoempfängern von Leistungen wird oder der Umfang der Rückflussentstehung werden im zweiten SROI ebenfalls festgestellt. Zu beachten ist außerdem, dass nur die Geldströme einbezogen werden, die aufgrund der Teilnahme des Leistungsempfängers an den Angeboten des zu analysierenden Social Entrepreneurships zustande gekommen sind. Der SROI 2 ist meist negativ, da Geld- oder Sachleistungen die Sozialleistung des sozialen Unternehmens darstellen. Deutlich wird der Grad der Zahlungsströme an die Leistungsempfänger und die damit verbundene entgegenstehende Rückzahlung an den Fiskus (Schellberg 2010; Wagner, Halfar and xit GmbH 2011).

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Alternative Erfolgsmessung im Social Entrepreneurship
Untertitel
Stellt der Social Return on Investment eine angemessene Methode zur Messung des Social Impacts dar?
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,1
Autor
Jahr
2018
Seiten
27
Katalognummer
V428541
ISBN (eBook)
9783668722613
ISBN (Buch)
9783668722620
Dateigröße
828 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alternative, erfolgsmessung, social, entrepreneurship, stellt, return, investment, methode, messung, impacts
Arbeit zitieren
Natalie Martini (Autor), 2018, Alternative Erfolgsmessung im Social Entrepreneurship, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428541

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