Positionspapier zum Thema Macht in pädagogischen Kontexten


Hausarbeit, 2016
13 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Auswertung der Literatur
2.1 Zusammenfassung des Artikels von Klaus Wolf
2.2 Zusammenfassung des Beitrags von Alfred Schäfer
2.3 Diskussionsteil

3.0 These

1.0 Einleitung

In der Pädagogik ist eine der prekärsten Fragen, die Frage nach der Machtausübung. Das Thema der Macht zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen aber auch jungen Erwachsenen. Die Bereiche, in denen im Kontext der Erziehung Macht eine Rolle spielt sind sehr vielseitig. So scheint sich Erziehung oftmals als ein Machtkampf zwischen Heranwachsenden und Erziehenden darzustellen. Hierbei kann es sich mal mehr um einen demokratischen Aushandlungsprozess und mal mehr um einen Kampf alleine um der Macht Willen handeln. Aber auch im professionellen Kontext der Sozialen Arbeit scheint die Frage nach Macht in der Kinder- und Jugendhilfe von großer Bedeutung. Dies zeigt sich z.B. in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aber auch in der Arbeit mit deren Eltern. Dies ist nicht nur der Fall wenn es z.B. um alltägliche Fragen nach der Erziehung des stationär untergebrachten Kindes geht, sondern auch bei der Frage nach einer Kindeswohlgefährdung und dessen Inobhutnahme. Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser tiefen Verstrickungen mit der Thematik der Macht scheint dieses Thema häufig gemieden zu werden. Da im Pädagogischen Kontext aber durchaus Machtverhältnisse zum Tragen kommen, scheint eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik essentiell für die pädagogische Arbeit.

In dieser Arbeit sollen zwei Texte bearbeitet werden, welche sich mit Macht im Kontext von Pädagogik auseinandersetzen. Der erste Text, ein Artikel aus einer Fachzeitschrift für Jugendhilfe, befasst sich mit der Legitimationsfrage für ein Machtdifferential innerhalb der Pädagogik. Der zweite Text befasst sich mit der Machtanalyse Michel Foucaults undüberträgt diese Überlegungen auf die Pädagogik. Zuerst sollen die beiden Texte dargestellt und deren Standpunkte dargelegt werden. Anschließend erfolgt eine Beurteilung der beiden dargestellten Sichtweisen und deren Bedeutung für die Pädagogik. Abschließend erfolgt eine persönliche Einschätzung im Bezug auf die Frage nach den Machtverhältnissen in der Pädagogik und deren Bedeutung für die Praxis. Hierbei wird unter anderem auf den Ansatz der Lebensweltorientierung verwiesen und dessen Anwendbarkeit auf die Klärung der Machtfrage in der Praxis der Pädagogik untersucht.

2.0 Auswertung der Literatur

2.1 Zusammenfassung des Artikels von Klaus Wolf

Bei dem ersten Text mit dem sich diese Arbeit befasst handelt es sich um einen Artikel aus der Fachzeitschrift "Evangelische Jugendhilfe 2000". Dieser Artikel behandelt die Thematik der Machtausübung und versucht eine Legitimation für die Machtanwendung im pädagogischen Kontext zu erarbeiten. Dazu betrachtet der Autor die verschiedenen grundsätzlichen Aspekte der Macht, der Machtbalance und der Machtquellen und analysiert diese auf der Grundlage einer Definition von Norbert Elias. Er beschreibt die verschiedenen Aspekte und die wechselseitigen Abhängigkeiten innerhalb von Machtverhältnissen in pädagogischen Kontexten. Anschließend begründet der Autor eine Legitimationsverpflichtung.

Zuerst betrachtet Klaus Wolf die Aspekte der Macht, der Machtausübung und der Machtbalance. Hierfür zitiert er Elias Definition von Macht: „Insofern als wir mehr von anderen abhängen als sie von uns, mehr auf andere angewiesen sind als sie auf uns, haben sie Machtüber uns, ob wir nun durch nackte Gewalt von ihnen abhängig geworden sind oder durch unsere Liebe oder durch unser Bedürfnis, geliebt zu werden, durch unser Bedürfnis nach Geld, Gesundung, Status, Karriere und Abwechslung" (Elias 1986: 97). Norbert Elias definiert an dieser Stelle nicht nur was seiner Ansicht nach ein Machtverhältnis darstellt, sondern verweist gleichzeitig auf die vielen verschiedenen Machtquellen. Eine Machtquelle ist demnach die Ursache für den Umstand, dass ein Individuum sich in einer Position befindet in der sein/ihr Handeln oder Unterlassen für andere Individuen von Belang ist. Gleichzeitig ist es allerdings selten der Fall, dass die unterlegene Partei nicht auch Zugriff auf eine Machtquelle hat. Wolf verweist beispielhaft auf die Machtverhältnisse in einem Gefängnis. Die Insassen hätten zwar nicht die gleiche Macht wie die Angestellten, dennoch seien die Angestellten in gewisser Weise auf die Mitarbeit der Insassen angewiesen oder profitieren zumindest von einer Mitarbeit der Insassen.

Um die Legitimation von Machtdifferentialen in der Pädagogik zu begründen, analysiert Wolf in seinem Artikel die Machtquellen in Erzieherischen Kontexten. Die Analyse bezieht sich auf den Rahmen der stationären Heimunterbringung. Im Rahmen dieser Analyse hebt der Autor unter anderem die Orientierungsmittel als eine Quelle des Machtdifferentials hervor. Demnach ist ein Teil des Machtgefälles in der Pädagogik dadurch gekennzeichnet, dass die Erziehenden ein Wissen besitzen, dass die Kinder und Jugendlichen nicht besitzen und von diesem profitieren, da es Ihnen hilft sich in der Welt besser zu orientieren, diese zu verstehen und sie vor potenziellen Gefahren schützt. Eine weitere Ursache für das Vorhandensein eines Machtdifferentials sei die körperliche Stärke. Hierbei stellt der Autor die These auf, dass es für Kinder unerlässlich sei, vor gewissen Gefahren unter Einsatz von körperlichem Zwang bewahrt zu werden. Ziel hierbei sei das Überleben des Kindes zu sichern und es einen Status erreichen zu lassen indem es nicht mehr auf körperlich ausgeübte Zwänge angewiesen ist, sondern sich selbst kontrollieren kann. Das Kind soll also lernen „auf sich selbst Zwang auszuüben“ (Wolf 2000: 5). Zu dem Konzept der körperlichen Machtausübung zählt Wolf nicht nur die Gewaltanwendung, sondern auch jegliche Arten physischen Zwangs wie zum Beispiel das Einsperren der Kinder oder Jugendlichen oder die Androhung des Selben. Allerdings sei diese Form Zwanges für die Entstehung eines moralischen Verständnisses, welches immerhin eines der primären Ziele der Pädagogik darstelle, nicht geeignet. Diese liege daran, dass eine Einübung von Moral unter Zwang nicht Verständnis, sondern Auflehnung in den Kindern und Jugendlichen erzeuge. Wolf schlussfolgert, dass eine Minimierung dieser Machtquelle essentiell sei, da die Jugendlichen sich später als Konsequenz nicht so sehr auf das Verständnis von Moral, sondern auf deren Umgehung unter Vermeidung von Strafen fokussieren würden. Des Weiteren ginge eine Verwendung der Machtquelle der körperlichen Überlegenheit auf Kosten anderer Machtquellen wie zum Beispiel die der Zuwendung bzw. des Zuwendungsentzuges. Wolf argumentiert also, dass ein Machtdifferential in pädagogischen Kontexten erforderlich ist, um Kinder und Jugendliche zu schützen und erziehen zu können. Grundlage dieses Machtdifferentials seien unter anderem körperliche Überlegenheit als auch Orientierungshilfen (Wissen). Eine Legitimation sei durch die Notwendigkeit allein aber noch nicht geleistet.

Seine Gedanken bezüglich einer Legitimierung beginnt Wolf mit der Andeutung, dass jegliche „pädagogische Intervention als vorenthaltenes Lebensglück„(Wolf 2000: 7) verstanden werden könne. Auf der Grundlage dieses Gedankens betont er, dass jegliche Intervention durch die Frage nach dem Nutzen für das Kind oder den Jugendlichen zu legitimieren sei. Dabei gelte nicht, was die PädagogInnen generell für wichtig erachten, sondern die persönlichen Probleme und Wünsche der AdressatInnen zu berücksichtigen. Kinder seien nicht alle mittels einer normativen „Schablone“ (ebd. 8) zu erziehen sondern unter Berücksichtigung ihrer Individualität. Eine Legitimation ließe sich deshalb auch nicht etwa durch den Erhalt von Strukturen oder Sicherheiten legitimieren, wobei diese für eine gelingende Erziehung unerlässlich seien und bei deren Nichterhaltung oftmals ein Überhang körperlicher Macht signifikant wird.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Wolf die Frage nach dem Vorhandensein eines Machtüberhangs zugunsten der Erziehenden nicht so sehr als legitimationsbedürftig ansieht wie die Frage danach aus welcher Quelle diese Macht bezogen und für welche Zwecke sie eingesetzt wird. “Weder in der Auswahl der Mittel, noch der der Ziele noch der der Art der Anwendung ist die Pädagogin also frei“ (ebd.: 9). (Vgl. ebd.: 197 ff)

2.2 Zusammenfassung des Beitrags von Alfred Schäfer

In diesem Beitrag von Alfred Schäfer aus einem Sammelbandüber die Anwendbarkeit Michel Foucaults Macht- und Wissensanalysen auf die Pädagogik, wird der Legitimationsdiskurs der Pädagogik analysiert. Eingangs skizziert der Autor einen gängigen Legitimationsansatz, der dem weiter oben beschriebenen sehrähnlich ist und verweist auf die Signifikanz der Tatsache, dass diese Legitimation zeitlich begrenzt ist. Es handele sich nicht etwa um einen anhaltenden Anspruch auf ein Machtdifferential zugunsten der Erziehenden, sondern der Machtüberhang begründe sich mit der Aussicht, sich selbst entbehrlich zu machen. Dies solle primär dadurch erreicht werden, dass eine Vermittlung von Wissen vom Erziehenden an den/die AdressatIn so lange stattfinde bis er/sie im Stande sei diesem Wissen eigenständig zu folgen.

Im zweiten Abschnitt dieses Beitrags fährt Schäfer fort, indem er das Paradoxon bearbeitet, dass eine Unterwerfung dem Wissen gegenüber notwendig sei, um die Freiheit zu erlangen souveräne Entscheidungen zu treffen. Dabei deutet er an, dass zwar einerseits der Verstand des Subjekts das Wissen anwenden und sich dadurch in einer Machtposition befinden kann, anderseits aber das Wissen als solches, Machtüber den Verstand habe, da es diesen erst begründe und somit Macht auf ihn ausübe. Diese Betrachtung wiederum würde bedeuten, dass das Subjekt nicht mehr souverän und eigenmächtig sein Wissen nutzen könne, sondern dass das Wissen selbst eine Macht auf das Subjekt ausübe, sozusagen das Subjekt von seinem Wissen bestimmt würde. Des Weiteren stellt Schäfer die Überlegung an, dass jeder Versuch die objektive Welt zu beschreiben und zu begreifen, einen Machtanspruch an das Objekt und eine Ungerechtigkeit die dem Objekt widerfahre darstelle. Dieser Umstand wiederum stelle eine weitere Verknüpfung von Wissen und Macht dar. Der Autor unterteilt also in zwei mögliche Betrachtungsebenen von Wissen: In der ersten Betrachtungsebene, die er zu wiederlegen sucht, ist das Wissen etwas, an dem sich das Individuum bedienen kann und mithilfe dessen es zum Subjekt, also zum frei verfügenden, mündigen Menschen wird. Die zweite Betrachtungsebene besagt, dass der Versuch die ontologische Welt zu begreifen immer darin ende, sie zu verkennen. Diese Verkennung geschehe letztlich auch bei dem Versuch mithilfe von moralischer Normativität einen Machtanspruch für die Pädagogik zu legitimieren. Wenn man diesem Gedanken folge, so würde sich zwangsläufig der Versuch aufdrängen diese Verkennungen aufzudecken, was wiederum zur inneren undäußeren Machtausübung führen würde und weitere Verkennungen nach sich ziehe.

Im dritten Abschnitt des Beitrags legt Schäfer die genealogische Betrachtungsweise Foucaults dar, die das Dilemma bearbeitet, dass jegliches Wissen subjektiv sei und keinen Rückschluss auf die reale Welt zulasse. Bei diesem Ansatz gehe es nicht darum einen tatsächlich objektiven Einblick zu erreichen, sondern die vermeintlich objektiven Annahmen zu untersuchen, deren geschichtliche Entstehung aufzudecken und deren Objektivitätsanspruch zu widerlegen. Schäfer nimmt unter anderem eine Unterscheidung vor zwischen einem repressiven Machtverständnis und einem Verständnis, das Macht als Produktiv beschreibt. Nach diesem Verständnis von Macht sei eine vorher festgelegte Struktur von Herrschern und Untergebenen nicht zielführend, sondern es verstehe Macht als einen anhaltenden Prozess indem Herrschaftsverhältnisse ständig neu ausgehandelt würden da diese nicht statisch seien.

Im vierten Abschnitt bezieht Schäfer seine Ausführungen nochmals gezielt auf die Pädagogik. Hier verweist er nochmals darauf, dass nach dem Verständnis von Macht als produktivem Prozess eine Machtausübung, welche auf die Zeit der Erziehung begrenzt ist, problematisch sei. Dies begründe sich in der Tatsache, dass sich die Idee einer freien Persönlichkeitsentwicklung unter einer repressiven Machteinwirkung als illusorisch herausstelle. Des Weiteren sei, wie bereits beschrieben, die Überlegung der zeitlichen Begrenzung deshalb problematisch, weil sie Impliziere, dass durch die Vermittlung von Wissen ein Subjekt entstehe, dass durch das vermittelte Wissen in die Position komme, sich selbst und seine Umwelt zu steuern. Diese Idee betrachtet also nicht den „Effekt der Macht des Wissen[s]“ (Schäfer 2004: 148), nachdem das Wissen selbst eine Macht auf das Individuum ausübt. Der Autor verweist außerdem darauf, dass die Begriffe „Persönlichkeit“, „pädagogische“ Handlungen sowie deren erhoffte „Wirkungen“ in den AdressatInnen, Konstrukte seien und deshalb zum Beispiel die Bewertungen der Wirkungen einer pädagogischen Handlung lediglich Konstruktionen seien. Die Pädagogik legitimiere also ihre Machtausübung mit der Aussicht auf einen Zustand des/der AdressatIn, nämlich der Status des eigenverantwortlichen Subjekts, und stütze sich dabei auf ein konstruiertes und empirisch widerlegtes Verständnis (vgl. Schäfer 2004: 159f). Schäfer führt diese Kritik weiter aus in dem er anprangert, dass kritische Paradigmen wie die Sozialisationstheorie und den symbolischen Interaktionismus von der Pädagogik zum größten Teil ignoriert worden seien.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Positionspapier zum Thema Macht in pädagogischen Kontexten
Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
1,4
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V428680
ISBN (eBook)
9783668730588
ISBN (Buch)
9783668730595
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Kritische Soziale Arbeit, Pädagogik, Macht, Michel Foucault, Machtanalyse
Arbeit zitieren
Manuel Stoewe (Autor), 2016, Positionspapier zum Thema Macht in pädagogischen Kontexten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428680

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Positionspapier zum Thema Macht in pädagogischen Kontexten


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden